Afrika Im blauen Licht der ZukunftSeite 3/3
Ein neues Gebäude, sieben Stockwerke hoch, ist vor zwei Jahren fertig geworden. Davor fand der Unterricht wegen Raummangel nur im Schichtwechsel statt, vormittags kam die eine Hälfte der Schüler, am Nachmittag die andere. Inzwischen gibt es ein Ganztagesprogramm für alle. Und jetzt sind auch noch die neuen Computer da! »Geben wir den Kindern Zugang zu dieser Welt«, ruft Solomon, »lassen wir sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln!« Der Direktor hat Umweltprojekte vor Augen, in denen die Schüler losziehen und mit ihren Webcams die Natur selbst erforschen sollen. Er will eigenständiges Lernen fördern, Referate halten lassen, Gruppenarbeit organisieren. Was an äthiopischen Schulen ungefähr so selbstverständlich ist wie fließendes Wasser in jeder Wellblechhütte.
Tradition hat hier der Frontalunterricht. Aus den Klassenzimmern kann man hören, wie der Lehrer einen Satz auf Englisch vorspricht und 80 Kinderstimmen ihm im Chor nachsprechen. Auf dem Schulhof führt der Hausmeister vor, was außerdem zum Stil der alten Disziplinschule gehört: Mit einem grünen Elektrokabel schlägt er den Jungs auf die Finger, die vorwitzig an den Fenstern herumturnen.
Die Lehrer tun sich schwer beim Teacher-Training. Die meisten von ihnen haben zuvor noch nie einen Computer gesehen, geschweige denn bedient. Suchend kreisen die Zeigefinger über der Tastatur, als müssten sie Staubpartikel aus einer Schale mit Hirsekörnern picken. Lehrer werden in Äthiopien nicht gut bezahlt, und der Unterricht ist anstrengend in Klassen mit teilweise über 100 Schülern. Im pädagogischen Konservatismus fest verankert, balancieren sie auf dem Weg in die Klassenzimmer die Pappschachteln mit Schulkreide auf ihren Büchern.
Dabei können die Lehrer viel dazu beitragen, dass das Laptop-Projekt sich nicht in eine ähnliche Richtung entwickelt wie die Sache mit dem Plasma-TV. Vor ein paar Jahren nämlich hat die äthiopische Regierung im ganzen Land Fernsehgeräte für die oberen Schulklassen anschaffen lassen. Auf die teuren Plasmabildschirme wurde von zentraler Stelle aus eine Art Schulfernsehen in Fächern wie Mathematik und Fremdsprachen gesendet. Aber viele Kinder verstanden das Englisch der Fernsehlehrer kaum, die Unterrichtseinheiten rauschten zu schnell an ihnen vorbei, die pädagogische Kommunikation war zu einseitig. Die ersten Geräte gingen kaputt. Viele, so heißt es, stehen inzwischen unrepariert herum. Eine Erfolgsgeschichte klingt anders.
Werden sich all die Verheißungen und Erwartungen erfüllen, die an das blaue Monitorlicht geknüpft sind, das die kleine Almas in ihrer Lehmhütte in Mullosayyoo angeknipst hat? Die des Vaters, des Staates, der Entwicklungshelfer und der amerikanischen Technikgläubigen? Auf die Frage, was sie denn am liebsten spiele, klappt Almas ihren neuen Computer erst einmal zu und führt den Besuch zu einem winzigen Verschlag in der Nachbarshütte. Dort spielt sie mit winzigen Holzschälchen, zerbeulten Niveadosen und Stöckchen die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie nach. Kichernd sitzen ihre Freundinnen bereits um eine alte Holzkiste, rösten Fantasiebohnen über einer ausgedachten Feuerstelle und wedeln dem Gast mit Blättern den frischen Kaffeeduft unter die Nase. Der riecht sehr verlockend.
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- Datum 04.09.2009 - 16:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.01.2009 Nr. 06
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dass fuer aethiopische Kinder getan werden kann. Wenn ich dann noch lese dass ein Lehrer dort oft 100 Kinder in nur einer Klasse hat dann denke ich vielleicht waere es besser mehr Lehrer auszubilden,Schulen fuer die Kinder zu bauen und moeglicher Weise die Gehaelter fuer Lehrer zu subventinonieren. Dazu kommt noch dass in afrikanischen Laendern Elektrizitaet nicht wie in D aus der Wand kommt sondern eher nur durch Aggegrate die teuren Diesel brauchen dann weiss ich nicht ob es eine gute Entscheidung war diese Rechner zu verteilen.Man kann nur hoffen dass die nicht irgendwann die die grossen,teuren Fernseher irgendwo in der Ecke verstauben.
Eine gute Freundin hat ihre Mutter in Sri Lanka besucht und erzählte mir davon, wie es ihre Mutter kaum möglich ist, in diesem Klima dort ihre Bücher in einem lesbaren Zustand zu halten. So gut wie jedes Buch ist aufgequollen, täglich muss das Bücherregal belüftet werden, notfalls mit einem (elektr.) Ventilator. Wie meine Freundin bemerkte, verbietet es sich von selbst, in diesem Klima Dinge zu horten.
Uns erscheint es als offensichtlicher Widerspruch, in technisch nicht entwickelten Ländern in den Schulen Laptops zu verwenden.
Offensichtlich werden wir das Opfer unserer eigenen Sichweise, die wir gerne mit dieser Technik verbinden (Zitat: "Der Reporter möchte dem Mädchen gleich raten, nicht zu viel Pac-Man zu spielen")
Wesentlich ist der Aspekt, der oft in den Berichterstattungen über das OLPC "vergessen wird", das auf diesem Gerät alle Schulbücher verfügbar gemacht werden, was der Autor Hr. Spahn dankenswerterweise ausführlich erwähnt.
Insbesondere das Fehlen von Büchern, Papier und Stiften ist mit ein Grund für den im Artikel erwähnten "Frontalunterricht", den ich gerne als "memorisierenden Frontalunterricht" konkretisieren möchte. Vergessen wir nicht, das auch wir in Deutschland nach wie vor den "tradierten Frontalunterricht" bevorzugen (Tradition?).
Uns erscheint ein elektrisches Gerät in einem Land als anachronsitisch, in dem der Strom nicht aus der Wand kommt - und wie der Autor in seinem Artikel sehr schön die Dunkelheit der Hütte beschreibt, es gibt so gut wie kein Licht (v.wg. ein Buch lesen...). Und wir übersehen, das was für uns als "luxuriöser" Hi-Tech gilt, wie z. Bspl. das Mobiltelefon erst diesen Ländern eine Telefon Kommunikation ermöglicht hat, komplett die Ära der verkabelten Telefonkommunikation übersrpungen wurde.
Das der Umgang mit Strom dort ein anderer ist und sich schwieriger gestaltet als bei uns, mag uns erscheinen, als würde ein Pferd von hinten aufgezäumt. Dieser Umstand wurde versucht im OLPC Konzept zu berücksichtigen, leider ist aus dem oft belächelten Kurbelgenerator nichts geworden, Konsequenz ist, das die Kinder meist nur in der Schule das Akku laden können - doch welches Kind soll länger als 3 Stunden Hausaufgaben am Computer machen?
Ein weiteres "Bildungsvoruteil" dem wir zum Opfer fallen, ist die Aussage, es ginge darum "den Umgang mit dem Computer zu lernen", es ist lediglich, um nicht zu sagen, banale Vorraussetzung, um auf Informationen (Schulbücher) zugreifen zu können, und schlußendlich geht es darum, diese zu bearbeiten und auszutauschen. (da kann ich Herrn Negroponte nur zu gut verstehen!)
Austauschen - der an sich schöne Artikel von Herr Spahn unterschlägt das bemerkenswerte (technische) Detail, das die OLPC Laptops sich über ein eingebautes Mesh Netzwerk selbstständig verbinden und strenggenommen nur eine "Telefondose" genügt, um ggf. allen Laptops einen Zugang zum WWW zu ermöglichen.
Ich befürchte, eine Möglichkeit, bei dem hiesigen Lehrern ähnlich schwindelig wird, wie den Äthiopischen Lehrkräften beim Anblick einer Tastatur.
Natürlich kann auch dieses OLPC eine Technikruine werden, wie die angesprochenen Plasmafernseher (auch ich war in den 80'er Jahren Opfer von deut. Fernsehunterricht) doch das OLPC kann aus anderen Gründen eine 'Technikruine' werden, wenn nicht verstanden wird, es aktiv als Werkzeug einzusetzen - und dieses Problem im Umgang mit Computern kennen wir hier auch, wenn gleich es für uns nicht diesen existentiellen Charakter hat,bei uns vergammeln Bücher nicht so leicht und einen Kugelschreiber bekommen wir notfalls als Werbegeschenk - da bleibt tatsächlich oft nur das reduzierte Bildungziel übrig "den Umgang mit dem Computer zu lernen".
Für diejenigen, die daran glauben: Nur Bildung führt weg vom Reisfeld. (siehe Das vietnamesische Wunder )
hat der Einsatz nur wenig mit dem Verlust kultureller Identität zu tun (was wir gerne mit digitaler Technik implizieren), für diese Regionen kann es zu einem Werkzeug werden, ähnlich wie die Mobiltelefonie, das - so obskur es in unseren Ohren klingen mag - adhoc nicht vorhandene Bibliothek, Schreibblock und Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung stellt. Und letztlich fordern wir im Westen von diesen Regionen, trotz aller "kultur-Romantik" Bedenkenträgerei, ihrer Bevölkerung Schulbildung zu ermöglichen (was ja nun auch eine emanzipatorische Komponente beinhaltet, ein kulturelles Selbstbewusstsein bzgl. eigener kulturellen Werte im Kontext anderer Kulturen).
Wie heisst es so schön "Es kommt darauf an, was man daraus macht" - ich freue mich für die Kinder in Äthopien und drücke ihnen und ihren Lehrern die Daumen!
brody
dass Indien einem PC bauen will oder schon tut der nur 40 Dollar kosten soll. Wenn das klappt das waere gut und wenn die Leute dann noch solarpower benutzen koennen macht das viel sinn.
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