Philip Roth Die Zeit der neuen ErnsthaftigkeitSeite 4/4

ZEIT: Bedauern Sie das?

Roth: Interessante Frage. Na klar, ich wäre froh, wenn diese Leute vor Gericht gestellt würden. Aber ich fürchte auch, dass das ganze Land dann von Prozessen und Parteiengezänk über die Maßen fasziniert wäre, das wäre nicht gut. Aber vielleicht überrascht uns Obama.

ZEIT: Eine besondere Form von Antiamerikanismus scheint die schwedische Jury befallen zu haben, die über den Literaturnobelpreis entscheidet. Jedenfalls hat der mächtige Sekretär des Nobelkomitees in Stockholm, Horace Engdahl, im vorigen Oktober erklärt, Amerikas Autoren seien zu empfänglich für die Trends ihrer eigenen Massenkultur. Das ziehe die Qualität ihrer Arbeit nach unten. Europa sei das Zentrum der literarischen Welt. Damit scheint Ihre Chance – oder die von Pynchon, Updike oder deLillo, von Auster oder Ford – auf den Nobelpreis auf null gesunken zu sein.

Roth: Also, das hat er nicht gesagt.

ZEIT: Doch, doch.

Roth: Aber warum?

ZEIT: Vielleicht hat er einen antiamerikanischen Vogel?

Roth: Jeder, der irgendetwas von Literatur versteht, weiß, dass die amerikanische Literatur seit 1945 von dauerhafter, ja größter Stärke ist. Ich könnte mindestens 12, nein, 15 amerikanische Autoren nennen… Also, nein, das kann er nicht gesagt haben.

ZEIT: Hat er. Aber was weiß er? Eine letzte Frage – ich glaube schon, dass Sie einen Spiegel Ihrer eigenen Person, oder soll ich sagen Ihrer verschiedenen Personen, in Ihren Romanen geschaffen haben. Richtig glücklich war keine. Sind Sie glücklich, Mr. Roth?

Roth: Ich frage mich nicht, wer oder was ich bin. Ich bin derjenige, der an diesen und mit diesen Büchern arbeitet. Schreiben ist nicht identisch mit Selbstfindung. Es gleicht mehr der Arbeit an einem Objekt, das aus Charakteren, Handlungen und Wörtern gemacht ist. Ich arbeite die ganze Zeit.

ZEIT: Aber sind Sie glücklich?

Roth: Das frage ich mich niemals.

ZEIT: Warum nicht?

Roth: Weil es mich nicht interessiert. Ich frage mich nur: Geht es voran mit der Arbeit? Und wenn ich an einem Buch sitze, bin ich lebendig. Ich wache morgens auf und will sofort an die Arbeit. Die schlimmste Zeit ist diejenige zwischen zwei Büchern. Dann weiß ich nicht, was ich mit mir anfangen soll. Ich gehe in drei Museen, und dann ist das erledigt. Aber was soll ich mit meiner Zeit anfangen? Ich bin einfach zum Schreiben da, und wenn ich nicht schreibe, komme ich mir vor wie ein Wagen, dessen Räder im Schnee durchdrehen.

Das Gespräch führte Michael Naumann

 
Leser-Kommentare
    • iDog
    • 02.02.2009 um 22:33 Uhr
    1. schade

    ein so guter autor und so schlechte fragen.

  1. Wie kommt der Fragesteller auf die Idee, dass der Irakkrieg aus dem Rahmen falle, indem er unterstelle, dass dies der einzige Krieg sei, in dem Kriegsverbrechen vorkamen?

    • lpzig
    • 03.02.2009 um 14:17 Uhr
    3. Zwei

    eingebildete Maerchen Erzaehler.

    [Anm.: Wir bitten Sie und alle übrigen User, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren und so zu einer fruchtbaren Debatte beizutragen. Danke. /Die Redaktion pt.]

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    • Anonym
    • 03.02.2009 um 16:58 Uhr

    Wieso soll man sachlich und konstruktiv debattieren, wenn der Autor des Artikels seinen Artikel auch nicht sachlich und konstruktiv (nämlich gar nicht) debattiert.

    • Anonym
    • 03.02.2009 um 16:58 Uhr

    Wieso soll man sachlich und konstruktiv debattieren, wenn der Autor des Artikels seinen Artikel auch nicht sachlich und konstruktiv (nämlich gar nicht) debattiert.

    • Anonym
    • 03.02.2009 um 16:58 Uhr

    Wieso soll man sachlich und konstruktiv debattieren, wenn der Autor des Artikels seinen Artikel auch nicht sachlich und konstruktiv (nämlich gar nicht) debattiert.

    Antwort auf "Zwei"
  2. 5. Warum

    .. ist hier immer gleich so viel Polemik, Zynismus und anderes "am Start". Finde das sehr schade sowie der Qualität dieses online-Portals nicht gerecht werdend. Die ewigen Stänkerer sollen ihrer Manie/Passion (?) doch woanders nachgehen..

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    • Anonym
    • 06.02.2009 um 10:19 Uhr

    Wie unsere kulturelle Vergangenheit zeigt, ist Polemik, Zynismus und anderes durchaus ein probates Mittel Dinge zu verändern, und zwar hier.

    • Anonym
    • 06.02.2009 um 10:19 Uhr

    Wie unsere kulturelle Vergangenheit zeigt, ist Polemik, Zynismus und anderes durchaus ein probates Mittel Dinge zu verändern, und zwar hier.

    • Anonym
    • 06.02.2009 um 10:19 Uhr

    Wie unsere kulturelle Vergangenheit zeigt, ist Polemik, Zynismus und anderes durchaus ein probates Mittel Dinge zu verändern, und zwar hier.

    Antwort auf "Warum"

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