Humor "Für eine Pointe mach ich alles"
Larry Charles ist der Meister der amerikanischen Comedy. Aber wer ist dieser Mann eigentlich? Eine Begegnung mit dem "Seinfeld"-Erfinder
Von Christian Kämmerling
ZEITmagazin: Mr. Charles, stimmt es, dass Sie als Autor für Pornomagazine anfingen?
Larry Charles: Ja, ich war Teenager, und in meiner WG in Brooklyn wohnte ein Pornofan, die Hefte stapelten sich in seinem Zimmer bis zur Decke. Ich warf ab und zu einen Blick rein und stellte fest: Die Geschichten waren verdammt schlecht geschrieben. Ich dachte: Das kannst du besser. Und tatsächlich, bald rissen mir die Verlage das Zeug aus der Hand. Ich musste meine Fantasie bemühen, denn viele eigene Erfahrungen hatte ich auf dem Gebiet noch nicht. Deshalb waren es verrückte, satirische Geschichten.
ZEITmagazin: Zum Beispiel?
Charles: Meine beste Geschichte handelt von einem Vietnam-Veteranen, der seine Frau in Amerika verlässt und nach Vietnam zurückkehrt. Dort lernt er eine sexy Vietnamesin kennen, verliebt sich in sie, entführt sie nach Amerika, bringt sie zu seiner Frau, und alle zusammen haben einen flotten Dreier.
ZEITmagazin: Mit diesem Start haben wir hoffentlich auch diejenigen ins Interview reingelockt, die Sie nicht kennen. Jetzt schnappen wir uns noch die Intellektuellen. Sie erwähnen oft Brecht, wenn Sie von Ihrer Arbeit sprechen.
Charles: Richtig, aber wir müssen zuerst Godard nennen. Ich bin in den siebziger Jahren aufgewachsen, das war die goldene Zeit des Autorenfilms. Ich sah alle Filme von Altman und von Cassavetes, aber vor allem begeisterten mich die europäischen Filmemacher. Als ich Godard entdeckte, war das für mich eine Sensation. Er brach alle Gesetze, die bis dahin im Kino gegolten hatten. Die Beschäftigung mit Godard führte mich zu Brecht. Das Revolutionäre an Brecht war ja: Er zerstörte die Illusion, dass das Geschehen auf der Bühne Realität ist. Er ließ den Prozess der künstlichen Manipulation in die Inszenierung einfließen. Durch diesen "Verfremdungseffekt" bekam der Zuschauer eine kritische Distanz zum Stück. Nichts anderes hat Godard gemacht. Plötzlich schaut ein Schauspieler in die Kamera und spricht zu uns. Und uns wird wieder bewusst: Hey, das ist ein Film! Mich hat diese Vermischung der Ebenen, Realität und Fiktion, immer fasziniert. Ich spiele ständig mit diesem Effekt.
ZEITmagazin: Okay, Bahn frei fürs Thema Sitcom. Seinfeld wird immer wieder die beste Sitcom aller Zeiten genannt, gefolgt von Curb Your Enthusiasm. Beide haben Sie mit aus der Taufe gehoben und geprägt. Meilensteine der Komik. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich Sie dafür bewundere.
Charles: Oh, danke. Eigentlich waren wir blutige Anfänger. Keiner von uns hatte je eine Sitcom gedreht. Anfang der achtziger Jahre war ich Autor einer Sketch-Show, die hieß Fridays. Sie hielt sich nur zwei Jahre. Larry David schrieb ebenfalls Gags für die Show. Wir waren beide nach Fridays arbeitslos und hingen miteinander rum. Eines Tages sagte Larry David zu mir: Ich habe da ein Projekt, eine Fernsehshow mit Jerry Seinfeld, willst du mitmachen?
ZEITmagazin: In einer Folge der Show fällt später der berühmte Satz: "Alle machen Shows, die von irgendwas handeln. Unsere Show ist eine Show über – nichts." Was genau ist nichts?
Charles: Nichts ist alles. Seinfeld dreht sich um das alltägliche Leben, um Nebensächliches, um Nichtigkeiten – aber diese Kleinigkeiten sind sozusagen Portale zu den größeren Themen. Dieser Zugang eröffnete uns die Möglichkeit, auf amüsante Art tiefer gehende Fragen aufzuwerfen. Die Frage, wie Menschen miteinander umgehen. Die Frage nach der menschlichen Natur, letztendlich. Vielleicht wäre präziser gewesen: eine Show über das Nichts.
ZEITmagazin: Wie kreiert man "das Nichts"?
Charles: Ursprünglich – also in der allerersten Phase der Entwicklung von Seinfeld – wollten wir radikal auf jede Form von Story verzichten. Wir hatten vier Figuren, Jerry, George, Elaine und Kramer. Die Show sollte einfach ihren Alltag abbilden. Ihr Leben. Das war dem Sender zu unstrukturiert. "Wo ist die Handlung?", hieß es immer wieder. Also dachten wir uns für die Folgen jeweils kleine Geschichten aus, die saukomisch waren, die sich aber irgendwie auch in Luft auflösten. Im Prinzip treffen sich die vier einfach in Jerrys Wohnung oder im Coffeeshop und unterhalten sich miteinander. Über alles und nichts.
ZEITmagazin: Ihr Alter Ego in Seinfeld ist Kramer. Wie kam es dazu?
Charles: Jeder von uns hat sich in einer Figur gespiegelt. Jerry Seinfeld natürlich in Jerry. Larry David in George. Und dann war da die Figur Cosmo Kramer, der Nachbar von Jerry und George. Die Figur war dem tatsächlichen Nachbarn von Larry David nachempfunden, der auch wirklich so hieß: Kramer. Michael Richards, ein Freund von uns, spielte die Rolle. Er ist ein hinreißender Komödiant, und so wie er loslegte, wurde Kramer ein immer ausgeflippterer Typ. Er ähnelte immer weniger dem realen Nachbarn. Stattdessen ähnelte er immer mehr mir.
ZEITmagazin: Zwei Larrys auf dem Set. Zwei Köpfe, die sich umdrehen, wenn einer "Larry?" ruft. Wie hat das funktioniert?
Charles: Der eine ist LD, der andere ist LC.
ZEITmagazin: Man kann sagen, was Sie vorhin über Godard gesagt haben: Sie brachen alle Gesetze, die bis dahin für Sitcoms gegolten hatten.
Charles: Uns allen hing die traditionelle Form der Sitcom zum Hals raus. Wir hatten Lust, mit neuen Formen zu experimentieren. Vier Erzählstränge, die miteinander verflochten werden, zum Beispiel. Oder die untypischen Figuren. Das alles gab es vorher nicht.
ZEITmagazin: Sie tauchen hier und da, so Hitchcock-mäßig, als Statist auf. In der Folge "The Airport" muss Elaine im Flugzeug aufs Klo, und dort riecht es offenbar unschön, was dem bärtigen Mann zu verdanken ist, der zuvor drin war – Sie!
Charles: Für eine Pointe mach ich alles. Man muss sein Ego hintanstellen. Der Typ, der aus dem Klo kam – dafür war ich lange berühmt. Ich hänge auch am Kreuz in Borat. Ich mache jeden Blödsinn mit.
ZEITmagazin: 1998, nach neun Jahren, war Schluss mit Seinfeld. Das Magazin "Time" trauerte auf der Titelseite – und Millionen Zuschauer mit ihm.
Charles: Die Show war ein phänomenaler Erfolg, weltweit. Am Anfang mussten sich die Zuschauer an die frische Form gewöhnen, aber rückblickend kamen ihnen die alten Sitcoms so verstaubt wie Stummfilme vor.
ZEITmagazin: Die beiden Larrys machten gleich weiter. Curb Your Enthusiasm ist eine noch radikalere Dekonstruktion der Sitcom. Wie kam das?
Charles: Wir hatten mit Seinfeld die Sitcom regelrecht gekillt. Deshalb wussten wir erst gar nicht recht, was man jetzt noch machen könnte. Larry – also LD – wollte wieder als Komiker arbeiten. Plötzlich kam die Idee auf, eine TV-Show zu machen, die Larry dabei filmt, wie er sich darauf vorbereitet, wieder Stand-up-Comedy zu machen. Ein Film, der so tut, als sei er ein Dokumentarfilm, gleichzeitig ist es eine Show.
ZEITmagazin: Brecht!
Charles: Ja, wieder die Vermischung der beiden Ebenen, Realität und Fiktion. Im Zentrum stehen reale Menschen. Wir verfolgen sie in realen Situationen. Aber es gibt eben auch die fiktionale Ebene. Einen Plot, ein Set, Schauspieler. Ein merkwürdiger Mix. Inzwischen hat das, was wir da erfunden haben, einen Namen: mockumentary.
ZEITmagazin: Wie muss man sich die Produktion einer Folge genau vorstellen?
Charles: Es beginnt mit Larrys Notizbuch. Larry schaut mit wachem Blick auf seine Mitmenschen, und wann immer ihn etwas irritiert, schreibt er es auf. Danach sitzen wir zusammen, ventilieren die Ideen, spinnen sie weiter – was wäre, wenn dieses oder jenes passieren würde? Ist das zu verrückt? Ist das komisch? So entsteht eine Art Outline für die Folge.
ZEITmagazin: Nur eine Outline, kein Drehbuch?
Charles: Larry hat keine Lust, ein Drehbuch auswendig zu lernen, deshalb gibt es kein Drehbuch. Wir besprechen eine Szene, und dann geht’s los. Mal sehen, was passiert. Das hat etwas sehr Befreiendes.
ZEITmagazin: Worin besteht Ihre Rolle?
Charles: Ich führe Regie. Das war so wie Blitze mit einer Flasche einfangen. Wahnsinn!
ZEITmagazin: Ich schaue mir einzelne Folgen von Seinfeld oder Curb immer wieder an, manche zum 20. Mal. Und immer wieder amüsiere ich mich köstlich. Wie ist das möglich?
Charles: Sie hören auch einen Song nicht nur einmal. Gute Musik – zum Beispiel von Bob Dylan – zeichnet sich dadurch aus, dass Sie immer wieder darauf zurückkommen. Sie hören sie heute, morgen, übermorgen. Und je nachdem, wo Sie im Leben stehen, hören Sie sie plötzlich anders. Das wollte ich mit Seinfeld und Curb erreichen: Man soll sich die Folgen öfter als einmal anschauen können, und jedes Mal sieht man sie mit neuen Augen. Warum? Weil sie so dicht und vielschichtig sind. Das gab es bis dahin nicht: eine Sitcom, die philosophischen Tiefgang hat.
ZEITmagazin: Wo Sie gerade Bob Dylan erwähnen: Sie sind befreundet, und ich bin neugierig auf Bob-Dylan-Anekdoten. Sparen wir uns das für den Schluss auf, okay?
Charles: Okay.
ZEITmagazin: Noch eine letzte Frage zu Seinfeld und Curb: Interessanterweise kann man sie auch wunderbar auf dem iPhone anschauen. Das kleine Bild macht sie fast noch intensiver. Wie Hörspiele.
Charles: Mir kommt da Marshall McLuhan in den Sinn, der schon übers Fernsehen gesagt hat, es sei in erster Linie ein Audio-Medium. Ich glaube, er hat recht. Um so mehr trifft das natürlich auf die miniaturisierten Bildschirme zu: Das visuelle Erlebnis tritt zurück, im Vordergrund steht das gesprochene Wort.
ZEITmagazin: Wie wird sich der Film dadurch verändern?
Charles: Neue Technologien haben immer Einfluss auf die Kunst. Es gab nur realistische Malerei, bis die Fotografie kam. Plötzlich gab es die Kamera, und sie hielt die Realität besser fest als die Malerei. Das hat die Malerei befreit, sie konnte abstrakt werden. Und so werden auch der Computer und das Handy den Film massiv beeinflussen. Es ist ein Unterschied, ob ich in einem dunklen Kino auf die Leinwand starre oder ob ich den Film im Bus auf dem Handy anschaue.
ZEITmagazin: So, jetzt kommt die härteste Frage des ganzen Interviews: Wird es eine 7. Staffel von Curb geben? Es hieß im letzten Jahr immer: nein.
Charles: Larry…wie soll ich das sagen…Larry spielt mit Ideen rum.
ZEITmagazin: Aha! Gute Nachricht. Es wird natürlich nicht leicht nach dem fulminanten Ende der 6. Staffel. Larry wird – wie im wahren Leben – von seiner politisch korrekten Ehefrau verlassen, nachdem diese eine schwarze obdachlose Familie aufgenommen hat, und er lebt nun allein unter einem Dach mit dieser Familie Black – und verliebt sich in die Tochter.
Charles: Es wird nicht einfach, das zu übertreffen. Aber Larry glaubt, etwas gefunden zu haben, das die Show noch mal anheben könnte. Ich hoffe, wir können uns bald an die Arbeit machen.
ZEITmagazin: Eine Ihrer düstersten Folgen von Curb ist "The Survivor". Da trifft ein Überlebender des Holocaust auf einen Teilnehmer der TV-Show Survivor. Beide streiten darüber, was härter war. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren jüdischen Wurzeln?
Charles: Ich bin im jüdischen Ghetto in Brooklyn aufgewachsen. Brooklyn ist ein Dorf mit vier Millionen Einwohnern. Die Welt da draußen war mir fremd. Vielleicht hat mich das auch für das Thema Verfremdung sensibel gemacht. Die jüdische Tradition war immer ein Fundament des amerikanischen Humors, denken Sie an Isaac Bashevis Singer oder Philip Roth. Und Brooklyn ganz besonders: Mel Brooks kommt aus Brooklyn, Woody Allen, Larry David.
ZEITmagazin: Keinem Menschen war Amerika je so fremd wie Borat Sagdiyev aus Kasachstan. Da haben Sie den perfekten Fremdenführer gefunden. Ihr erster Kinohit.
Charles: Das war das Wunderbare an der Figur, die Sacha Baron Cohen geschaffen hat. Dazu noch spielt Sacha diesen Borat gnadenlos gut! Er hat einen völlig neuen Schauspielstil erfunden – wie Marlon Brando.
ZEITmagazin: Borat, der Brando unserer Zeit. Hätten Sie gedacht, dass der Film ein Welterfolg wird?
Charles: Filme, so wie ich sie mache, sind Experimente. Ich erinnere mich an die erste Vorführung – das Publikum brüllte vor Lachen, schon bei den ersten Szenen. Sacha und ich schauten uns an: Es funktioniert! Wie zwei Forscher, die ihr Experiment im Labor ausprobieren: Wird der mockumentary-style im Kino funktionieren? Offensichtlich hat es geklappt. Der Film hat 18 Millionen Dollar gekostet und 250 Millionen eingespielt. Ich fühle mich inzwischen wie ein Komödien-Wissenschaftler, immer auf der Suche nach der richtigen Formel. Jede Komödie hat einen Code, den man knacken muss, damit sie funktioniert.
ZEITmagazin: Was war der Code von Religulous, Ihrem neuesten Film?
Charles: Wir wollten eine Komödie machen, die metaphysische Fragen aufwirft. Im Zentrum steht der Komiker Bill Maher, der in Amerika bekannt ist für seine unverfrorene Art. Wir begleiten ihn auf seiner Reise um die Welt, bei der er Gläubige mit seiner skeptischen Haltung konfrontiert. Er ist ein Zweifler, wie ich.
ZEITmagazin: Der Titel Religulous ist ein Wortspiel zwischen "religious" und "ridiculous", also zwischen gläubig und lächerlich.
Charles: Wir versuchen, mit diesem Film die Fragwürdigkeit des Glaubens zu entlarven. Der Gläubige ist ein merkwürdiges Wesen. Einerseits ist er durchaus seriös, er geht seinem Beruf nach, er führt ein vernünftiges Leben, und abends kommt er heim zu seiner Familie. Andererseits stellt er sein Leben, seine Ethik und seine Werte auf ein unseriöses, irrationales Fundament.
ZEITmagazin: "Religion ist nichts anderes als eine neurologische Störung", heißt es in einer Szene. Sind der Papst und der Dalai Lama Verrückte?
Charles: Natürlich nicht. Es gibt viele Menschen, die ich für ihre spirituellen Qualitäten bewundere, für ihre Mitmenschlichkeit. Aber Religiosität hat auch eine aggressive Seite: Wir sind besser als ihr, mein Glaube ist besser als deiner. Da wird Religion plötzlich zu einer Waffe. Sie hat viel Gewalt in die Welt gebracht. Ich verurteile nicht die Suche nach Gott, sie liegt in der menschlichen Natur. Meine Eltern waren orthodoxe Juden. Als Kind bin ich in die Synagoge gegangen, ich debattierte stundenlang mit dem Rabbi und wollte allen Ernstes selber Rabbi werden!
ZEITmagazin: Was kam dazwischen?
Charles: Meine Eltern sagten: Quatsch, mach die Bar-Mizwa, nimm die Geschenke, und mach dich aus dem Staub! Genauso hab ich es gemacht. Der jüdische Glaube hat seither keinen so intensiven Einfluss mehr auf mich, aber die metaphysischen Fragen bleiben.
ZEITmagazin: Das Irritierende an Religulous ist ja – einmal mehr – die Frage: Welche Szenen sind real, welche Szenen sind Fiktion? Manche Leute, die da vorkommen, hatten vermutlich keine Ahnung, dass sie durch den Kakao gezogen werden.
Charles: Das stimmt. Ich kann nichts dafür, dass Leute vor der Kamera Ansichten äußern, die das Publikum später komisch findet. Ich verstehe auch den Vorwurf der Manipulation nicht, der in diesem Zusammenhang manchmal kommt. Manipulation? Jeder Film manipuliert die Wirklichkeit. Allein schon die Betrachtung verändert den Gegenstand, wenn ich Heisenbergs Unschärferelation richtig verstehe.
ZEITmagazin: Es gäbe noch so viel zu zu fragen, zum Beispiel zu der Sitcom Entourage, aber dazu fehlt hier leider der Platz. Deshalb rasch zu Bob Dylan. Wie haben Sie ihn kennengelernt?
Charles: Er wollte vor ein paar Jahren eine TV-Show machen und rief mich an, ob wir uns nicht mal treffen könnten. Ich ging zu ihm ins Büro. Auf dem Tisch stand eine riesige Kiste. Er öffnete die Kiste und sagte: "Keine Ahnung, was ich damit machen soll." In der Kiste waren Hunderte von Zetteln, auf manchen stand nur eine Zeile, auf anderen ein Name, irgendein Geistesblitz. Ich wühlte in der Kiste und sagte: "Diese Sätze könnten ein Dialog sein, und die Person da könnte die Sätze sagen." Er war total erstaunt: "Echt? Das kann man machen?" Ich sagte: "Klar, kein Problem." Wir machten uns sofort an die Arbeit.
ZEITmagazin: Ist Bob Dylan lustig?
Charles: Er hat einen trockenen, düsteren Humor. Ein großartiger Kumpel zum Rumhängen.
ZEITmagazin: Wie ging’s weiter?
Charles: Wir arbeiteten ein Jahr zusammen. Jeden Tag. Kiste aufmachen, Zettel sichten, Drehbuch schreiben. Er rauchte dabei Kette. Als die TV-Show fertig geschrieben war, gingen wir zum Sender HBO. Der Präsident von HBO empfing uns, das ganze Topmanagement, alle wollten mal Bob Dylan kennenlernen. Wir kamen zur Tür rein, Bob mit seinem Cowboyhut, ich in Pyjamas, ich trug jahrelang nur Pyjamas. Bob ist sehr schüchtern. Er begrüßte niemanden, stand nur am Fenster und schaute auf die Straße raus. Ich erklärte das Projekt – und HBO gab sofort grünes Licht. Wir verließen das Meeting, gingen zum Lift, da sagte Bob: "Ich hab keine Lust mehr. Vergessen wir die Show."
ZEITmagazin: Unglaublich.
Charles: Ja. Plötzlich war ihm die Lust auf eine TV-Show vergangen. Wir hatten aber so viel Spaß miteinander, dass wir einfach weitermachten. Nach einer Weile hatten wir das Drehbuch für einen Spielfilm fertig. Masked & Anonymous. Eine schwarze Komödie.
ZEITmagazin: Und?
Charles: Ich drehte den Film, er kam auch ins Kino, war aber ein totaler Flop. Bob tröstete mich: "Mach dir nichts draus. Es gibt keinen Erfolg ohne Misserfolg. Und Erfolg ist der größte Misserfolg."
Larry Charles ist TV-Autor, Regisseur und Filmproduzent. Er wurde 1956 in Brooklyn in New York geboren. Zusammen mit Larry David erfand er "Seinfeld", die erfolgreichste Sitcom aller Zeiten, sowie die Serien "Entourage" und "Curb Your Enthusiasm". Charles führte Regie zu der Satire "Borat". Im April startet sein Film "Religulous" in Deutschland, eine Satire auf religiösen Fanatismus.
- Datum 30.01.2009 - 11:53 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.01.2009 Nr. 06
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...wenn ich etwas über "Seinfeld", als die lustigste Comedyserie aller Zeiten lese.
Denn ich finde "Seinfeld" eigentlich nie wirklich lustig. Ich habe bisher vielleicht 30 Folgen gesehen, und es entlockt mir ab und zu mal ein Schmunzeln....mehr aber auch nicht.
Jetzt kann man mir natürlich vorhalten, ich hätte keinen Humor. Oder vielleicht den "falschen Humor", wenn es sowas überhaupt gibt.
Andererseits finde ich die Marx-Brothers und besonders Monty Python unsterblich gut und liebe geistreich komisches Kabarett wie z.B. von Urban Priol und Volker Pispers.
Aber "Seinfeld"? Kann mir jemand hier helfen? Ich lese immer wieder in den Feuilletons von angesehenen Zeitungen wie "Zeit", "SZ", "FAZ" etc wie unglaublich lustig doch "Seinfeld" sei. Und es muß ja eine Menge Leute geben, die das auch so sehen, denn die Serie war ja wahnsinnig erfolgreich.
Also, wer findet hier bei den "Zeit"-Lesern "Seinfeld" lustig?
Eine Anmerkung hätte ich noch: Dass Larry Charles die "Mockumentary" erfunden hätte, wie er selbst glaubt, ist wohl leicht daneben. Es gab schon in den 70ern z.B. "Die Rutles" - eine Mockumentary über eine Art fiktive Beatles. Aber wenn ein Journalist sich beim Interview als größter Fan outet, braucht man mit kritischem Hinterfragen wohl nicht mehr zu rechnen.
Auch wenn ich wahrscheinlich über zwei Jahre zu spät auf Ihre Frage antworte. Seinfeld auf Deutsch ist so ziemlich das Langweiligste, was es gibt. Seinfeld im Original ist so ziemlich das Unterhaltsamste, was ich je gesehen habe. Sie vergleichen übrigens Äpfel mit Birnen. Monty Python ist genial, aber eben etwas völlig anderes als Seinfeld oder Curb your enthusiasm. Überhaupt gilt für so ziemlich alle amerikanischen Sitcoms. Auf Deutsch meist ein Schatten des amerikanischen Originals (gilt auch für Two and a half men). Ach ja, ich bin ZEIT-Abonent, um auch diese Ihrer Fragen zu beantworten.
Auch wenn ich wahrscheinlich über zwei Jahre zu spät auf Ihre Frage antworte. Seinfeld auf Deutsch ist so ziemlich das Langweiligste, was es gibt. Seinfeld im Original ist so ziemlich das Unterhaltsamste, was ich je gesehen habe. Sie vergleichen übrigens Äpfel mit Birnen. Monty Python ist genial, aber eben etwas völlig anderes als Seinfeld oder Curb your enthusiasm. Überhaupt gilt für so ziemlich alle amerikanischen Sitcoms. Auf Deutsch meist ein Schatten des amerikanischen Originals (gilt auch für Two and a half men). Ach ja, ich bin ZEIT-Abonent, um auch diese Ihrer Fragen zu beantworten.
Sie müssen sich Seinfeld auf amerikanisch angucken. Die Serie ist richtig schlecht synchronisiert. Dazu kommt, dass die Gags vom New Yorker Lokalkolorit leben, wer sich da nicht auskennt, findet das auch nicht komisch.
Auch wenn ich wahrscheinlich über zwei Jahre zu spät auf Ihre Frage antworte. Seinfeld auf Deutsch ist so ziemlich das Langweiligste, was es gibt. Seinfeld im Original ist so ziemlich das Unterhaltsamste, was ich je gesehen habe. Sie vergleichen übrigens Äpfel mit Birnen. Monty Python ist genial, aber eben etwas völlig anderes als Seinfeld oder Curb your enthusiasm. Überhaupt gilt für so ziemlich alle amerikanischen Sitcoms. Auf Deutsch meist ein Schatten des amerikanischen Originals (gilt auch für Two and a half men). Ach ja, ich bin ZEIT-Abonent, um auch diese Ihrer Fragen zu beantworten.
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