Milchindustrie Natur aus der FabrikSeite 4/4

Die »Längerfrische«

 In den Molkereien herrscht spätestens seit den dreißiger Jahren Pasteurisierungszwang, ursprünglich eingeführt, um die Infektion mit Tuberkulose zu verhindern. Nahezu alle Keime werden dabei abgetötet, Krankheitserreger ebenso wie nützliche Milchsäurebakterien. Klassische Frischmilch wird für maximal 30 Sekunden auf 72 bis 74 Grad erhitzt, die H-Milch für ein bis zwei Sekunden auf mehr als 140 Grad. Die mit dem irritierenden Kunstwort »längerfrisch« bezeichnete ESL-Milch liegt dazwischen: Sie wird höher erhitzt als die Frischmilch, aber weniger heiß als die H-Milch. Beim Erhitzen denaturieren die Eiweiße in der Milch, daher schmeckt sie ein wenig anders als frische.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium berät zurzeit mit dem Lebensmittelhandel und den Molkereien über eine klare Kennzeichnung. Gesundheitlich bedenklich ist die ESL-Milch nicht. Doch wenn man ihre lange Haltbarkeitszeit ausnutzt, enthält sie nur noch sehr wenige Vitamine.

Es gibt aber auch mechanische Verfahren, um Milch länger haltbar zu machen. Die Upländer Bauernmolkerei setzt auf Tiefenfiltration: Sie lässt ihre Milch bei 55 Grad über einen Filter laufen, der wie eine Rolle Küchenpapier aufgebaut ist. Die Keime bleiben an den synthetischen Stoffen hängen, während die Milch hindurchfließt. »So konnten wir ein bis zwei Tage Haltbarkeit gewinnen, ohne die Milch einer höheren Temperatur auszusetzen.«

Zurück zur Natur

Was heißt das nun für die Konsumenten? Zunächst einmal: Rückstände wie Antibiotika oder Umweltgifte wie Dioxin werden viel weniger gefunden als noch vor zehn Jahren, sagt Hans Tober vom Laborzentrum MUVA Kempten. Auf die Frage, welche Milch die gesündeste ist, gibt es keine einfache Antwort: Klar ist, je länger die Milch transportiert und gekühlt wird und je höher sie erhitzt wird, desto mehr verliert sie an Vitaminen. Forscher halten diese Verluste nicht für bedenklich. Milchtrinker und -verarbeiter sind hingegen in zwei Lager gespalten: in Rohmilchfans und Technologen wie den Geschäftsführer des Milchindustrieverbands MIV, Eberhard Hetzner. Der sagt: »Das Schöne an der Milch ist, man kann sie problemlos zerlegen und wieder zusammensetzen.« Biobauern und Naturkostfans sind solche Sätze ein Graus. Für sie ist Rohmilch lebendig, H-Milch tot.

Erika von Mutius, Professorin an der Münchner Uniklinik, fand heraus, dass Landkinder, die Rohmilch trinken, weniger an Asthma und Allergien leiden als Stadtkinder, die das nicht tun. Dennoch rät sie davon ab, rohe Milch zu trinken, weil sie die gefährlichen Ehec-Bakterien enthalten kann – wie rohes Fleisch oder nicht durchgebratene Hamburger. Gehandelt werden darf Rohmilch nur als Vorzugsmilch, von besonders streng auf Hygiene kontrollierten Betrieben. Viele Bauern trinken die Milch ihrer eigenen Kühe dennoch roh. Sie ist die gesündeste – und gleichzeitig die gefährlichste.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Seitan
    • 02.02.2009 um 11:10 Uhr

    Die Frage, welche Milch am gesündesten ist, lässt sich ziemlich einfach beantworten: Muttermilch. Natürlich nur innerhalb der eigenen Spezies und auch nur in der ersten Lebensphase.
    Warum die Muttermilch einer anderen Spezies, noch dazu im Erwachsenenalter, hingegen gesund sein soll, will mir irgendwie nicht einleuchten. Also ich hab abgestillt, aber der Großteil der Bevölkerung hängt leider heute noch am Euter...

  1. Ich hab schon länger keinen Artikel mehr über die Lebensmittelindustrie gelesen. Aber, jedesmal nachdem ich das gemacht habe ist mir gründlich der Appetit vergangen... So auch hier.

    Ich kann mich gut erinnern wie das war als ich meine Milch noch direkt frisch gemolken bei der Milchsammelstelle im Dorf abholen konnte. 1-2 x die Woche.... Bei jedem Bauern schmeckte Sie anders und man schmeckte und roch in der Milch was die Kühe gegessen hatten... frisches Gras etwa. Wie im Artikel erwähnt trennt sich der Rahm und wenn man die Milch stehen lässt wird diese nicht ungeniessbar sondern man kann diese Weiterverwenden... je nachdem.

    Eines Tages kam es so wie es kommen musste. Der Grossverarbeiter übernahm die Kontrolle der Milch, den Bauern ist es Teilweise sogar untersagt Milch direkt zu verkaufen. Der Hygiene wegen ist immer ein gutes, aber leider oft an den Haaren herbeigezogenes Argument, mit dem sich viele Zufrieden geben ohne nachher zu merken was eigentlich als Ersatz auf den Teller kommt.

    Zum guten Glück gibt es immer noch Möglichkeiten an frische Milch direkt vom Bauern zu kommen. Nur die vielen kleinen Bauern gibt es immer weniger...

    Generell empfinde ich es als eine Zumutung was uns die Lebensmittel (darf man das überhaupt noch so bezeichnen?) Industrie andreht und das leider auch noch völlig legal... Die endlosen Regeln was Hygiene und Reinheit und Naturnähe und Naturrein etc. anbelangt sind reines Industriefreundliches Blendwerk. Die meisten von uns haben sich schon so an die Industrielle Verabeitung von dem was wir essen gewöhnt das der wahre Wert für die Qualität, die Aromen und Geschmack verloren gegangen ist...

    Das alles hat noch nicht mal irgendetwas mit BIO zu tun... und selbst da ist die Industrie bereits fleissig mit dabei.

    Die Milch ist nur eines von zig 1000' Lebensmitteln die durch industrielle Vorgänge bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde.

    Ich wünsche mir gerne mehr solche Artikel... obwohl, die ZEIT ist ja eigentlich nicht die traditionelle Zeitschrift dafür.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    da Milch mein 'Leibgetränk' ist, unda seit meiner Kineheit.
    Allerdings habe ich nun ein paar 'handfeste' Argumente gesammelt,
    warum doch möglichst keine H-Milch oder auch Längerfrische Frischmilch kaufen.

    Wo bekomme ich jetzt aber mit 100%-iger Sicherheit als Stadtmensch
    frische Bio- und das auch noch Alpen-Milch :-)

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

    da Milch mein 'Leibgetränk' ist, unda seit meiner Kineheit.
    Allerdings habe ich nun ein paar 'handfeste' Argumente gesammelt,
    warum doch möglichst keine H-Milch oder auch Längerfrische Frischmilch kaufen.

    Wo bekomme ich jetzt aber mit 100%-iger Sicherheit als Stadtmensch
    frische Bio- und das auch noch Alpen-Milch :-)

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

  2. da Milch mein 'Leibgetränk' ist, unda seit meiner Kineheit.
    Allerdings habe ich nun ein paar 'handfeste' Argumente gesammelt,
    warum doch möglichst keine H-Milch oder auch Längerfrische Frischmilch kaufen.

    Wo bekomme ich jetzt aber mit 100%-iger Sicherheit als Stadtmensch
    frische Bio- und das auch noch Alpen-Milch :-)

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

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    Ein kleiner Trost... von mir als Landbewohner. Auch hier ist das schwer sofern man nicht mit dem Auto einige Kilometer fährt um 1-2 Liter Milch zu holen... vor ein paar Jahren ging das noch zu Fuss weil mitten im Dorf die Milchsammelstelle war und die Bauern hat man bei der Gelegenheit auch noch kennengelernt.

    Aber Bio und Alpen.... uiii das wird schwer.

    :-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    FRISCHE Alpenmilch gibt es nur in den Alpen. Klingt banal, ist es auch und wahr obendrein.

    Milchprodukte der Molkerei "Berchtesgadener Land" sind zB zu empfehlen (http://www.molkerei-bgl.de/), man kann aber in vielen (nicht-Discounter)-Bioläden auch Vorzugsmilch bestellen, dann in etwas größeren Einheiten (zB 6x 1 Liter).

    bekommt man wenn überhaupt nur im Naturkosthandel... Supermärkte und Discounter führen nach meiner Erfahrung nur H- und ESL Milch (auch wenn da nopch frischmilch draufstehen darf!!!)

    zaubi4u

    Ein kleiner Trost... von mir als Landbewohner. Auch hier ist das schwer sofern man nicht mit dem Auto einige Kilometer fährt um 1-2 Liter Milch zu holen... vor ein paar Jahren ging das noch zu Fuss weil mitten im Dorf die Milchsammelstelle war und die Bauern hat man bei der Gelegenheit auch noch kennengelernt.

    Aber Bio und Alpen.... uiii das wird schwer.

    :-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    FRISCHE Alpenmilch gibt es nur in den Alpen. Klingt banal, ist es auch und wahr obendrein.

    Milchprodukte der Molkerei "Berchtesgadener Land" sind zB zu empfehlen (http://www.molkerei-bgl.de/), man kann aber in vielen (nicht-Discounter)-Bioläden auch Vorzugsmilch bestellen, dann in etwas größeren Einheiten (zB 6x 1 Liter).

    bekommt man wenn überhaupt nur im Naturkosthandel... Supermärkte und Discounter führen nach meiner Erfahrung nur H- und ESL Milch (auch wenn da nopch frischmilch draufstehen darf!!!)

    zaubi4u

  3. Ein kleiner Trost... von mir als Landbewohner. Auch hier ist das schwer sofern man nicht mit dem Auto einige Kilometer fährt um 1-2 Liter Milch zu holen... vor ein paar Jahren ging das noch zu Fuss weil mitten im Dorf die Milchsammelstelle war und die Bauern hat man bei der Gelegenheit auch noch kennengelernt.

    Aber Bio und Alpen.... uiii das wird schwer.

    :-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  4. FRISCHE Alpenmilch gibt es nur in den Alpen. Klingt banal, ist es auch und wahr obendrein.

  5. Da wartet dieser Artikel ja gleich mit einer Reihe "brandneuer" Erkenntnisse auf, z.B:

    -Milch und Käse von Almkühen schmeckt besser als die von Viechern die mit Kraftfutter gemästet werden.

    -Milch wird vor dem Abfüllen homogenisiert und pasteurisiert.

    -Milch wird nicht mehr wie in der "gutenaltenZEIT" per Hand gemolken, wie in der Werbung in blank polierte Milchkannen gegossen und von rosawangigen Mägden auf die Milchbank gestellt und von strahlenden Naturburschen auf das Pferdegespann geladen.

    So könnte ich jetzt noch ein bisschen weiter drüber herziehen oder es kurz machen und feststellen. der Autor ist dem Milchäquivalent des Schlachthausparadox aufgesessen. (was ja gelegentlich passieren kann)

    Was mich wundert:
    Warum wird so ein nichtssagender und mit keinerlei konstruktiven Vorschlägen aufwartender Artikel zum Titelthema??

    Und nur um es klarzustellen: in der Agrarindustrie ist vieles in einem bemängelnswertem Zustand, aber DIESER Artikel schafft es in völliger Belanglosigkeit dahinzudümpeln. Schade.

  6. Milchprodukte der Molkerei "Berchtesgadener Land" sind zB zu empfehlen (http://www.molkerei-bgl.de/), man kann aber in vielen (nicht-Discounter)-Bioläden auch Vorzugsmilch bestellen, dann in etwas größeren Einheiten (zB 6x 1 Liter).

  7. 8. Pff...

    Kann mich Kommentar Nr 1 nur anschließen.
    Wer trinkt schon Milch?
    Absurder Gedanke, ein Drüsensekret einer anderen Spezies zu saufen. Es leckt schließlich auch keiner Schweiß oder Analsekrete von Rindern. Obwohl, bestimmt sehr mineralhaltig...
    Na, dafür wird auch noch ein Markt geschaffen...

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