Holocaust-Debatte Der fehlbare Papst
Entsetzen in der katholischen Kirche: Es gibt nur einen Weg, das Debakel von Benedikt XVI. noch abzumildern
Das Einzige, was sich für den Papst mildernd anführen lässt, jedenfalls bis zum Beweis des Gegenteils, ist, dass er ahnungslos war. Er scheint wirklich nichts gewusst zu haben von den menschenverachtenden Äußerungen des Holocaust-Leugners Richard Williamson, den Benedikt XVI. zusammen mit drei anderen Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. so gerne wieder in die katholische Kirche aufnehmen wollte.
Man ist versucht zu sagen: Das wäre ja noch schöner, wenn er seinen Beschluss in Kenntnis der Tiraden jenes furchtbaren Bischofs gefasst hätte (eine ganz andere Frage ist, ob es sich nicht leicht hätte herausfinden lassen, wes Geistes Kind dieser Williamson und andere Vertreter der Lefebvre-Anhänger in Wahrheit sind). Ansonsten aber gilt das Wort von Pater Eberhard von Gemmingen, dem Leiter des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan. In einem Kommentar sprach er von einem "Debakel" und empfahl seinen Zuhörern allen Ernstes das Beten für den Papst und dessen Stab.
Tatsächlich ist Williamson der schlimmste Sündenfall der katholischen Kirche seit Jahrzehnten. Vergebung kann es nur geben, wenn der Papst seine unselige Entscheidung zurücknimmt.
Das offen zu fordern, trauen sich die katholischen Würdenträger noch nicht, obwohl sie sich in beispielloser Klarheit gegen die einsame Entscheidung des Vatikans auflehnen. Sie müssen es aber. Vielleicht denkt der eine oder andere, dass der Skandal allein die Verhöhnung und Beleidigung der Juden umfasse; dass es folgerichtig mit einer Entschuldigung an die Juden getan sei, so wie sie zum Beispiel vom gewiss gutmeinenden Mainzer Bischof Karl Lehmann gefordert wird: Die Rehabilitierung der Bischöfe sei eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocaust.
Es wird aber Zeit, dass Skandale nicht erst dann als Skandale erkannt und verurteilt werden, wenn die direkt Betroffenen sich beschweren, und ganz besonders, wenn es Juden tun.
Benedikts Entscheidung ist in erster Linie eine Katastrophe für die katholische Kirche, sie entzweit die Katholiken mehr, als es die Abspaltung der Lefebvre-Jünger je vermocht hat.
Die Kirche kann sich diesmal auch nicht damit rausreden, die üblichen Gegner der Katholiken wollten eine dankbare Vorlage zur Kritik verwandeln. Wer im Vatikan daran glaubt, der sollte vielleicht der Ratlosigkeit, ja Verzweiflung der Pfarrer in deutschen Gemeinden ansichtig werden. Der Berliner Tagesspiegel hat gerade Auszüge einer eindrucksvollen Predigt vom vergangenen Sonntag abgedruckt. Der Jesuitenpater Klaus Mertes bekennt darin, dass er die Entscheidung des Papstes nicht nachvollziehen könne: "Alle Versuche, sie mir selbst verständlich zu machen, scheitern oder führen mich vor Abgründe."
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
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- Serie opi
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
- Kommentare 135
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der Papst hat seinen Geburtstag im Weißen Haus mit Georg W. Bush gefeiert. Ich meine ich könnte mich auch noch an mindestens eine Privat-Audienz vom Papst mit Bush erinnern.
Kein Aufschrei!
Es ist offensichtlich kein Problem jemand zum empfangen, der für tausende von Menschenleben und Folter verantwortlich ist. Aber es ist das absolut Schlimmste, wenn der Papst (wissend oder unwissend) jemand die Gnade gewährt wieder beichten zu dürfen, obwohl er indiskutabele Meinungen äußert.
Ich habe mit beiden Vorkommnissen meine Probleme. Aber die unterschiedliche Gewichtung erschließt sich mir nicht.
is doch klar, George Bush ist ein alter Hut. Damit gewinnt man kaum Leser. Abgenutztes Thema.
Das mit dem Antisemitismus ist aber in letzter Zeit nicht so stark in den Medien gewesen. Einfach öfter mal eine neue Sau durch's Dorf treiben, dann klappt's auch mit den Leser;)
Ist doch immer das selbe Lied.
Ja, dem kann ich nur beipflichten. Ich frage mich oft, warum Worte soviel mehr Empörung auslösen als Taten. Die seltsamen Ansichten einer skurillen Bruderschaft nehmen viel mehr Raum in der öffentlichen Diskussion ein als die tatsächliche Tötung und Verstümmelung von Menschen, etwa im Irak oder in Palästina. Liegt das vielleicht daran, dass Araber in der Wahrnehmung der westlichen Medien, inklusive der Zeit, eben doch nur Menschen zweiter oder dritter Klasse sind?
is doch klar, George Bush ist ein alter Hut. Damit gewinnt man kaum Leser. Abgenutztes Thema.
Das mit dem Antisemitismus ist aber in letzter Zeit nicht so stark in den Medien gewesen. Einfach öfter mal eine neue Sau durch's Dorf treiben, dann klappt's auch mit den Leser;)
Ist doch immer das selbe Lied.
Ja, dem kann ich nur beipflichten. Ich frage mich oft, warum Worte soviel mehr Empörung auslösen als Taten. Die seltsamen Ansichten einer skurillen Bruderschaft nehmen viel mehr Raum in der öffentlichen Diskussion ein als die tatsächliche Tötung und Verstümmelung von Menschen, etwa im Irak oder in Palästina. Liegt das vielleicht daran, dass Araber in der Wahrnehmung der westlichen Medien, inklusive der Zeit, eben doch nur Menschen zweiter oder dritter Klasse sind?
Um jeden Preis!
"Er scheint wirklich nichts gewusst zu haben von den menschenverachtenden Äußerungen des Holocaust-Leugners Richard Williamson, ..."
Herr di Lorenzo, aber die Richtung war klar, auch für den ehemaligen Kardinal Ratzinger. Seit Jahren lese ich immer wieder Zeitschriften und sonst irgendwelche 'Blättchen', die von der Priesterbruderschaft St. Pius herausgegeben werden und öffentlich ausliegen.
Immer wieder wurde ich mit ganz klaren Botschaften an die Gläubigen konfrontiert, die z.B. auch von der NPD hätten stammen können. Zum Kotzen!
Schlimm ist in diesen PR-Veröffentlichungen der Priesterbruderschaft St. Pius aber auch die üble Hetze gegen die Kath. Kirche selbst und gegen Personen in dieser Kirche. Schon aus diesem wichtigen Grunde hätte der Papst auf eine große Distanz Wert legen müssen. Aus Fürsorge!
Diese PR-Infos sind auch von der Kath. Kirche gesammelt und ausgewertet worden. Sehr präzise!
Wenn der Papst nicht gewußt haben sollte, was ich nicht glaube, mit wem er es bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu tun hat, dann mangelt es ihm an der erforderlichen Sorgfaltspflicht und er ist schon aus diesem Grunde nicht geeignet, das Amt des Papstes auszuüben! Zumal er ja auch Regierungschef des Vatikanstaates ist.
Und: Milde hat der ehemalige Kardinal Ratzinger nicht verdient. Nie hat er sie gegen Glaubensbrüder walten lassen, die von ihm aus dem Amt 'gejagt' wurden. In diesem Zusammenhang erinnere ich an dieser Stelle erneut an den besonders erbärmlichen Fall des Mönchs und Zen-Meister Willigis Jäger! Dessen kirchliche Existenz der amtierende Papst auf dem Gewissen hat. Schon dieser eine Fall würde reichen, ihn auf ewig in die Hölle - von der ich glaube, daß es sie nicht gibt, aber an deren Existenz Benedict glaubt - zu verdammen.
Milde kann in einem solchen Fall von ungenügender Amtsführung, in unserer demokratischen Gesellschaft, eigentlich auch dem Papst nicht gewährt werden. Auch er hat sich zu verantworten. In jedem Fall hier auf Erden. Wo denn sonst?
Das Ziel von Benedict ist klar. Er will die Erzkonservativen in der kath. Kirche stärken. Alle anderen Gruppen sind ihm tiefst zuwider.
Auch ist es wohl so, daß unter den Audienzbesuchern Nazis, seine i.d.R. sehr konservativen Verbindungsbrüder aus allen Lagern und erzkonservative Christen sehr stark vertreten sind. Besonders unter den deutschen Besuchern.
Der Papst hat nichts gewusst, Mehdorn hat nichts gewusst. Beide sind "Chef" ihrer "Firma". Es kann doch nicht sein, dass so etwas als Argument ausreicht.
Und bevor mich wieder jemand "anbrüllt", das ginge nur Katholiken etwas an .... Ich bin Christ, war Mitglied der Kirche und bin ausgetreten weil ich die Institution Kirche/Vatikan nicht akzeptieren kann.
Und jetzt habe ich einen weiteren Grund dafür geliefert bekommen.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Die Wahrheitsfrage eines als Dogma vertretenen Lehrsatzes ist zu trennen von dem strafbewehrten Anspruch, dass jeder Erdenbürger einen solchen dogmatischen Lehrsatz anerkennt.
Die Frage von wahr und falsch kann auch nur dann beantwortet werden, wenn der Gedanke oder gar die Position zulässig ist, dass ein dogmatisch vertretener Lehrsatz falsch sein könne.
Die weltweite Erzwingung eines dogmatisch vertretenen Lehrsatzes stellt auch eine Menschenrechtsproblematik dar.
Wenn also ein Katholik das Dogma einer anderen Religionsgemeinschaft nicht anerkennt, welches ohne Diskussion - die ja auch eine Gegenmeinung benötigen würde - als wahr gelten soll, dann soll er exkommuniziert werden? Irgendwo passt dies nicht zusammen, d.h. den Machtverhältnissen geschuldet, wäre eventuell eine temporäre Einschränkung der bischöflichen Befugnisse noch einsehbar, aber keinesfalls die Exkommunikation. Insofern war die Rehabilitation der Pius Bruderschaft und des Bischofs Richard Williamson zweifellos eine sehr weise Entscheidung des Papstes.
Von welchen "Dogma" einer anderen Religionsgemeinschaft sprechen Sie denn?
Lassen Sie uns doch noch so jeden "realitätsfernen Inhalt" "unter dem Schutz eines Dogmas" stellen und wir sind alle fein raus, egal was das Dogma zum Inhalt hat.
Darf ich fragen, nach welchen Kriterien Sie die Wertigkeit und Qualtät eines Dogma beurteilen?
Selten so ein gekrampften blödsinn gelesen.
Von welchen "Dogma" einer anderen Religionsgemeinschaft sprechen Sie denn?
Lassen Sie uns doch noch so jeden "realitätsfernen Inhalt" "unter dem Schutz eines Dogmas" stellen und wir sind alle fein raus, egal was das Dogma zum Inhalt hat.
Darf ich fragen, nach welchen Kriterien Sie die Wertigkeit und Qualtät eines Dogma beurteilen?
Selten so ein gekrampften blödsinn gelesen.
Ratzinger will also nichts gewusst haben? Ratzinger hat sich bereits seit den1980er Jahren mit Lefebvre und den Piusbrüdern beschäftigt und versucht diese mit dem Vatikan auszusöhnen. Aber in über 20 Jahren will Ratzinger und andere noch nie was von Williamson und seinen eindeutigen immer wieder antisemitischen Äußerungen gehört haben? Sehr glaubwürdig!!! Seltsamerweise reichen gerade mal 5 Minuten im Internet um so etwas zu recherchieren. Ratzinger, der jahrelang als Professor wissenschaftlich gearbeitet hat, als „intelligent“ galt, hat sicher noch nie etwas von Internet und eigener Recherche gehört, oder!?
Bei der ungeheuren Anzahl von gleich 4 Bischöfen auf einmal kann man aber auch schnell die Übersicht verlieren. Wer so etwas glaubwürdig findet, der glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann und Osterhasen - und...- hoppla, genau das gehört ja zu dieser Religion, dass man nur dann ein guter Christ ist, wenn man bereit ist das absolut Unlogische, Unwirkliche und Unwahrscheinliche zu glauben (Jungfrauenempfängnis, Unsterblichkeit, übers Wasser laufen, Meerteilung etc.). In Südamerika verzichtete der Papst vor Indios geflissentlich die entsetzlichen Massaker zu nennen, die im Namen Jesu und der katholischen Kirche vor 500 Jahren an ihren Vorfahren begangen wurden, um sie zu "bekehren". Das sorgte für viel Aufruhr unter den Indios. Aber Ratzinger setzte noch einen oben drauf: Die Indios hätten die Christianisierung damals innerlich herbeigesehnt. Jetzt empfängt er alte berüchtigte Bekannte mit offenen Armen, die sich noch nicht mal zu Religionsfreiheit und freiem Willen bekennen, misogyn und bekanntermaßen Antisemiten sind und einer davon nicht erst zum ersten Mal den Holocaust leugnet - das ist alles andere als ein bloßer Zufall. Tage- und wochenlang versteht es Ratzinger nicht adäquat zu reagieren und da gibt es nur eine Lösung: Die Ex-Kommunizierung dieses üblen Vereins schleunigst zu erneuern. Sollte er das nicht tun, macht er sich gemein mit ihnen. Da helfen dann auch alle frommen Sprüche und vermeintliche Erklärungen nichts mehr. Wenn Ratzinger die Piusbrüder nicht schnellstens ausgrenzt, dann hoffe ich, dass nicht nur alle deutschen Katholiken geschlossen aus der Kirche austreten.
PS: Aufschlussreich - hier ein weiteres Beispiel dafür, was Ratzinger für fragwürdige Vereine unterstützt:
http://www.wdr.de/tv/moni...
besonders ab min 9:50
Da der Papst selbstverständlich über die Pius-Brüder Bescheid weis, drängt sich ein Verdacht auf:
Könnte es sein, daß die Zielrichtung des Vorstoßes garnicht so sehr die
'Bischöfe' waren, sondern vielmehr ihre zahlungskräftige und spendenfreudige Anhänger sind und die Kurie sich diese Pfründe sichern will ?
Hallo Jason,
Deinen Kommentar habe ich sehr Aufmerksam gelesen. Ich kommen bei bei allen
Kommentaren meine Ansicht bestätigt, dass Kirchen nur zum Machterhalt bestrebt
sind. Ich halte es mit Otto von Corvin der schon 1848 in seinem Pfaffenspiegel folgenden
Spruch aus dem Mittelalter zitiert "
Hüte Dich vor dem Hinterteil des Maultiers,
vor dem Vorderteil des Weibes,
vor den Seiten eines Wagens
und vor allen Seiten eines Pfaffen"
In diesem Sinne,
Schlomo
Habe den Mut und benutze den eigenen Verstand.
Immanuel Kant
Da der Papst selbstverständlich über die Pius-Brüder Bescheid weis, drängt sich ein Verdacht auf:
Könnte es sein, daß die Zielrichtung des Vorstoßes garnicht so sehr die
'Bischöfe' waren, sondern vielmehr ihre zahlungskräftige und spendenfreudige Anhänger sind und die Kurie sich diese Pfründe sichern will ?
Hallo Jason,
Deinen Kommentar habe ich sehr Aufmerksam gelesen. Ich kommen bei bei allen
Kommentaren meine Ansicht bestätigt, dass Kirchen nur zum Machterhalt bestrebt
sind. Ich halte es mit Otto von Corvin der schon 1848 in seinem Pfaffenspiegel folgenden
Spruch aus dem Mittelalter zitiert "
Hüte Dich vor dem Hinterteil des Maultiers,
vor dem Vorderteil des Weibes,
vor den Seiten eines Wagens
und vor allen Seiten eines Pfaffen"
In diesem Sinne,
Schlomo
Habe den Mut und benutze den eigenen Verstand.
Immanuel Kant
Leider ist der Papst nicht fehlbar! Sorry! Die Zeit wird von Journalisten verfasst, die ihr Studium so eben geschafft haben!
Ich bin leider Gottes nicht mehr 27 und ich muss mich nicht mehr beweisen, wie manche Zeit-Journalisten.. Aber ich war zu jener Zeit zufällig in Rom, als
der Papst in Rom gewählt wurde. Ich sprach mit Römerinnen. Sie mochten den Papst nicht, was wahrscheinlich am Aussehen lag. Trotzdem sollte man einen Menschen nicht am Aussehen verurteilen!
Hervorragender Kommentar Ihrer Zeitung, besser hätte man in der Kürze das ganze Thema nicht präziser auf den Punkt bringen können. „Vater, vergib ihnen ihre Schuld, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lukas 23, 33-49
"Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Matthäus 26, 34. Petrus, der Fischer, war eben auch fehlbar, wie jeder.
Derjenige, der nun Petrus Ring trägt, sollte mal darüber nachdenken. Fehlbarkeit steht ja keinem Verhältnis zu der Ignoranz mit der das grösste Verbrechen der Menschheit, die Vergasung der Juden geleugnet wird.
"Ihnen sollst du die Augen öffnen, damit sie sich von der Finsternis dem Licht zuwenden ...." (Apg 26,18)
Das hat der "Monaco Franze" alias Helmut Fischer in der unvergesslichen Münchner Serie "Monaco Franze "zitiert. Und genau dieser Satz ist mir hier subito presto eingefallen. Mein Gott (im wahrsten Sinne des Wortes) wo samma denn?
Jetzt hamma endlich den Obama, der sich durch den Filz kämpft und jetzt kommt ein altersdebiler Pabst als "Leckerli", der wieder mal alles versaut und zwar demonstrativ auf höchster Ebene. Pfui TEUFEL!
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