Papst-Debatte "Ich glaube, der Papst weiß, was er tut"
Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg über sein Verhältnis zum Vatikan, sein Treffen mit Benedikt XVI. und den Rat, den ihm sein Vater gab
DIE ZEIT: Herr Oberrabbiner, Papst Benedikt XVI. hat vier Bischöfe der traditionalistischen Lefebvre-Bewegung, darunter den notorischen Holocaust-Leugner Richard Williamson, von der Exkommunikation befreit. Wie beschreiben sie nun das Verhältnis des Judentums zum Vatikan?
Paul Chaim Eisenberg: Ich will den Papst sicherlich nicht verteidigen. Er wollte aber bestimmt kein antisemitisches Zeichen setzen, sondern er wollte die katholischen Fundis wieder zurück in seine Kirche holen. Trotzdem hätte er wissen müssen, und er hat es wahrscheinlich auch gewusst, dass er dadurch gegenüber den Juden und auch gegenüber der Welt einen Affront begeht.
ZEIT: Sie meinen, es sei dem Papst wichtiger gewesen, einen fundamentalistischen Revisionisten wieder im Schoß der Kirche zu wissen?
Eisenberg: Er glaubt, mit seiner strikten Glaubenshaltung die Kirche zu festigen. Die Kollateralschäden sind ihm dabei weniger wichtig.
ZEIT: Kann man behaupten, es sei objektiv betrachtet ein antisemitischer Akt gewesen?
Eisenberg: Das war wahrscheinlich nicht seine Absicht, er hat ihn aber auch nicht vermieden.
ZEIT: Was erzählt Ihnen das über das Verhältnis von Juden und der katholischen Kirche?
Eisenberg: Das erzählt mir, dass mein seliger Vater, der auch Oberrabbiner von Wien war, wahrscheinlich recht gehabt hat, wenn er sagte, dass während der Schoah die Bischöfe zwar nicht die Nazitäter waren, aber es doch solche gab, die meinten, den Juden geschehe recht, denn schließlich habe Jesus gesagt: »Mein Blut komme über euch.« Und mein Vater hat mich gewarnt: Bei allen guten Absichten sollte ich sehr vorsichtig sein, denn was die Katholiken tatsächlich im Schilde führen, könne man nicht wissen.
ZEIT: Daran haben Sie sich gehalten?
Eisenberg: Ich hoffe, dass er doch nicht recht hatte. Obwohl der Papst für die gesamte Kirche steht, gibt es Gott sei Dank auch auf katholischer Seite Unzufriedenheit bei solchen Ereignissen. Das ist die positive Seite. Aber die wirkliche Macht liegt beim Papst, und was er entscheidet, gilt.
- Datum 13.05.2009 - 13:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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Ich habe das Interview mit dem Wiener Oberrabbiner mit großem Interesse gelesen. Dabei möchte ich eines noch einmal erwähnen. Meines Wissens gibt es zwar das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, dies bezieht sich aber nur auf das Amt, nicht auf den Menschen, der dieses Amt ausführt!
Wie viele Eltern treffen täglich Entscheidungen für und über ihre Kinder im besten Glauben, für sie das Richtige zu tun! Manchmal stellt sich im Nachhinein heraus, dass es vielleicht doch besser anders gewesen wäre. Aber für den Moment steht die Entscheidung! Punkt!
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen! Hier noch viel mehr hineinzuinterpretieren halte ich für überzogen.
Gefährlich an dieser Debatte finde ich nicht die unglückliche Vorgehensweise des Vatikans sondern vielmehr das Aufbauschen dieser Angelegenheit. Erst dieses Aufbauschen zeigt, dass von allen Menschen eine gewisse Haltung erwartet WIRD! Diese Erwartungshaltung und der permanent mahnende Zeigefinger über 60 Jahre nach Kriegsende verärgert immer mehr Menschen und ist gerade deshalb die größere Gefahr, gerade damit dem Antisemitismus Nahrung zu geben!
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Mit der Rücknahme der Exkommunizierung hat Papst Benedikt einen Weg der Vergebung eingeschlagen!
Oder vielleicht will die Herren naeher bei sich haben um sie besser kontrollieren zu koennen?
Nach dem Motto habe deine Freunde nah, deine Feinde noch naeher !
Warum wird der interkonfessionelle Dialog in Frage gestellt? Die historische Tatsache, dass Mitmenschen jüdischen Glaubens ermordet wurden, dass dies auch im Wissen der katholischen Kirche geschah und diese damit Schuld trägt, wird von keinem katholischen Würdenträger in Frage gestellt. Warum wird (auch von Frau Knobloch in einem Tagesthemen-Interview) das Wort "Bischof" in diesem Zusammenhang nicht differenzierter verwendet, um darauf hinzuweisen, dass die Pius-Bruderschaft keine römisch katholische Institution ist? Warum begrüßt der Zentralrat der Juden die Unterstützung einer Bundeskanzlerin, wenn er doch genau weiß, dass christliche Gläubige um ihres Glaubens willen die Verpflichtung haben, sich gegen die Verletzung von Menschenrechten zu stellen (Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott - Edith Stein). Warum denkt ein Oberrabbiner, dass das katholische Kirchenvolk nicht genügend Macht oder Bewußtsein hat, die verqueren Ansichten von im wörtlichen Sinn Ultraorthodoxen (in diesem Fall Christen) als dermaßen unqualifiziert einzustufen, dass sich eine Würdigung nicht lohnt? Bilder, die Geistliche mit Hitlergruß zeigen, sind mittlerweile ungefähr sechzig Jahre alt. Ich bin katholisch und habe die KZ-Gedenkstätte Dachau gesehen. Meine Erfahrung ist, dass die Einstufung als Nazi erfolgt, wenn man andere auf ein Rauchverbot aufmerksam macht (die zweifelhafte Krönung war ein Davidstern aus Zigaretten, der die angebliche Verfolgung von Rauchern symbolisieren sollte) und dass ungeachtet der Bemühungen um Dialog und kritische Auseinandersetzung in den Kirchengemeinden auch von deutschen Politikern der politische (Neo-)Nationalsozialismus und christlicher Glauben nicht scharf getrennt werden. Die Definition von Nationalsozialismus (dtv-Lexikon) und nebenbei auch die Realität beweisen, dass es keine inhärente gemeinsame Basis gibt. Es sei denn, sie wird künstlich aufgebaut. Bemerkung zum Schluss: Die Kirchenaustritte haben zugenommen, die Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund auch.
Werter Herr Marzini,
an Ihrer Redlichkeit, habe ich keinen Zweifel, Ihre religiöse Formel: Wer Wahrheit sucht, sucht Gott steht jedoch auf dem Kopf, denn sie behauptet die Anwort wäre schon bekannt. Wer sagt: "Gott ist die Wahrheit" (die es ja erst zu finden gilt), sagt: Ich habe die Wahrheit gefunden. Dies gilt in allen und für alle Religionen, im Besonderen jedoch für die Abramistischen (wer Gott, welcher Religion auch immer, noch nicht gefunden, gibt nur Hörensagen wieder). Er schließt durch diese Aussage jedoch die Anderen letztlich von der Erkenntnis der Wahrheit aus. (Die Nichtglaubenden die bescheiden zu erforschen suchen, was - durch Menschen - über das Universum und seinen Regeln an Erkennissen gewonnen werden kann, glauben nicht, dass "Wahrheit" als solche Menschen zugänglich ist.)
Wahr-HEIT, speziell für Ein-Gott-Glaubensgemeinschaften, ist unteilbar und einzig und allein, wie Gott, mit dem sie diese Atribute teilt, von dessen angenommender Existen sie sie ableitet. Sie unterstellen, Wahrheit, was immer dies für den Einzelnen auch sein mag, sei - letzlich - nur dem Gläubigen zugänglich. Dieses Statement spricht Anders- und Nichtgläubigen einen genuiden Zugang zur Wahrheit ab.
Dies zum Glauben und den Möglichkeiten und Grenzen jedes möglichen interkonfessionellen Dialogs. Es glauben ja alle Abramisten an einen Gott, der es nicht fertig gebracht, sich den Menschen so zu offenbaren, dass die Schismen und rivalisierenden Vertretungsansprüche mit den daraus folgenden Kriegen und Morden vermieden werden konnten - keine dolle Leistung (gemessen an dem IHM zugeschriebenen Akt, das Universum erschaffen zu haben). Davon dass ER, im Laufe der von den Theologen verbreiteten Geschichte, mehrmals seine Meinung gewechselt hat, hier ganz zu schweigen. Wer glaubt, hält das aus, es macht ja gerade seinen Glauben und seine Wahrheit aus. Dies trifft auf Sie ebenso zu wie auf den Oberrabiner und - möglicherweise - auf den Pabst.
Doch nun zur Shoah. Eins kann historisch nicht bestritten werden, der Gott an den Katholiken und der an den Juden glauben, hat durch seine Nichteinmischung in die Inquisition der Shoah in so weit den Weg geebnet, als dass die Nationalsozialisten, wie sich selber nannten, sich sicher sein konnten, dass Gott sich in die Tötung nicht einmischen würde. Diese Nichteinmischung ist ein unbestreitbar, die Inquisition wie die Shoah haben stattgefunden.
Dies soll Ihnen - sollten Sie bis hierher gelesen haben - in keinster Weise unterstellen, dass Sie irgendeiner dieser Tötungen in irgendeiner Weise rechtfertigen oder auch nur tolerieren würden. Aber solange die katholische Kirche sich nicht eindeutig, ein für alle mal (so dies denn möglich ist) und ohne jede Einschränkung von diesen Akten der "Unmenschlichkeit" losgesagt hat - ihren eigenen Taten, als auch von ihrer Mitwisserschaft und Duldung der Shoah - solange die katholische Kirche Mitläufern und Tätern Vergebung zu teil werden läßt, ohne von diesen eine eindeutige Distanzierung zu fordern, ist die Wiedererrichtung von Scheiterhaufen nicht auszuschließen. Dies weiß auch der Oberrabbiner. Die Frage bleibt, wie weit kann Toleranz innerhalb, zwischen den Glaubensgemeinschaften und den Gläubigen (den selbst ernannten Wahrheitshaltern) gegenüber gehen? Das heutige Recht auf eine eigene Sichtweise, insbesondere eine gottlose, ist gegen den teils mörderischen Widerstand ihrer Kirche erstritten worden.
Kann mensch Christ und Holocaust-Leugner sein? Ganz platt: Was sagt - Ihrer Meinung nach - DER dazu, den Sie als Ausgangspunkt Ihres Glaubens ansehen?
mit freundlichen Grüßen max meer
ps. kennen Sie die "Kriminalgeschichte des Christentums"?
Sehr geehrter Herr Meer,
ich habe mich in den letzten Jahren nur am Rande mit der Inquisition beschäftigt, aber ausgiebig mit dem Thema Galilei und den Folgen für die Kirche. Ich bin Naturwissenschaftler (kein Kreationist) und denke, dass zur Suche nach Wahrheit auch das Prüfen und Abklopfen gehört. In der Wissenschaft hat sich diese Methode gegen die Peripatetiker durchgesetzt. Eine Frage, an was ich glaube, ist schwerer zu beantworten als die Frage, wie ich glaube. Und jetzt kommt mein Verständnis von Edith Steins Zitat: wer an der Wahrheit vorbei glaubt, sucht Gott nicht. Galilei hat darauf verwiesen, das sich zwei von Gott offenbarte Wahrheiten (die reale Welt und die Bibel) nicht gegenseitig ausschließen können. Damit halte ich mich nicht für einen schlechten Christen, wenn ich nicht an eine Erschaffung der Welt in sieben Tagen glaube. Um es aus der allgemein religiösen Debatte herauszunehmen und weil ich eben katholisch bin, reduziere ich meine Antwort auf meinen Glauben: Ein Christ kann kein Holocaust-Leugner sein. Im Neuen Testament stehen ein paar echte Herausforderungen für Christen. Darunter auch die: wie ich von anderen behandelt werden möchte, so soll ich andere behandeln. Im Volksmund wird das in der negativierten Form überliefert: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Beides mündet in denselben Auftrag. Also keine Fremdenfeindlichkeit, kein Antisemitismus, keine Verfolgung, keine Ausbeutung (und auch nicht stellvertretend in anderen Ländern). Wenn die Wahrheit darin besteht, dass Verbrechen stattfinden, kann ich zwar ohnmächtig sein, aber ich darf nicht so tun, wie wenn es sie nicht geben würde. Das ist das, was Glauben auch aushalten können muss - Ohnmacht. Neben Edith Stein ist D. Bonhoeffer ein gutes Beispiel für Christen, die nicht nur die Wahrheit gesehen, sondern auch versucht haben, ihrem Glauben entsprechend damit umzugehen - Christsein als Auftrag.
Ich verstehe also das Zitat von Edith Stein (korrekt geschrieben: Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott.) nicht als Ausschluss (im Sinne von nur die, die Gott gefunden haben, suchen die Wahrheit) sondern genau andersrum: jede/r auf der ehrlichen Suche nach Wahrheit sucht das, was hinter allem steht und aus dem die Wahrheit entspringt. Damit sind Agnostiker und Atheisten eben nicht von der Wahrheitssuche (auch wenn ihnen Gott dabei völlig worscht ist) ausgeschlossen, und Christen haben den Auftrag, die Wahrheit zu suchen, bevor sie denken, sie hätten Gott gefunden (es gibt im NT eine Stelle, in der es heißt: Was sagt ihr "Herr" zu mir und tut nicht was ich sage?). Dass es sich um ein Wesen im Sinne einer Persönlichkeit handelt (also einem "Du"), hat auch Martin Buber für mein Empfinden sehr schön erläutert.
Der Widerspruch (keine Schizophrenie, sondern wirklicher Widerspruch) stellt sich in folgender Frage dar: Wieso wird Gott (nach meinem Glauben) als machtloses Kind geboren und warum wird später versucht, christliche Einheit mit Gewalt (in welcher Form auch immer), mit Macht herzustellen bzw. darüber hinaus zu verbreiten? Das wurde durch die Aufklärung (korrekt, auch gegen die Macht der Kirche) geändert und unterscheidet (zumindest derzeit noch) meiner Meinung nach beispielsweise "das" Christentum von "dem" Islam, wie er in manchen Regionen praktiziert und von MuslimInnen kritisiert wird (dazu kam in swr2 ein Beitrag). Es unterscheidet aber die Kirche (als Institution) auch von Staatsformen, in denen die Aufklärung aktiv behindert wird.
Ich möchte es auf einen Punkt bringen, zu dem mir die Quellenangabe fehlt: Es gibt einen Bericht von einer Hinrichtung in einem KZ, zu der alle Häftlinge antreten mussten. Dabei wurde ein Minderjähriger ebenfalls erhängt, der wegen seines geringen Gewichts einen sehr langen Todeskampf hatte. Auf die Frage eines Häftlings, wo Gott sei, antwortet sein Mithäftling: da hängt er. Das ist für mich der Maßstab, und das meine ich ernst.
Herzliche Grüße!
Michael Marzini
Sehr geehrter Herr Meer,
ich habe mich in den letzten Jahren nur am Rande mit der Inquisition beschäftigt, aber ausgiebig mit dem Thema Galilei und den Folgen für die Kirche. Ich bin Naturwissenschaftler (kein Kreationist) und denke, dass zur Suche nach Wahrheit auch das Prüfen und Abklopfen gehört. In der Wissenschaft hat sich diese Methode gegen die Peripatetiker durchgesetzt. Eine Frage, an was ich glaube, ist schwerer zu beantworten als die Frage, wie ich glaube. Und jetzt kommt mein Verständnis von Edith Steins Zitat: wer an der Wahrheit vorbei glaubt, sucht Gott nicht. Galilei hat darauf verwiesen, das sich zwei von Gott offenbarte Wahrheiten (die reale Welt und die Bibel) nicht gegenseitig ausschließen können. Damit halte ich mich nicht für einen schlechten Christen, wenn ich nicht an eine Erschaffung der Welt in sieben Tagen glaube. Um es aus der allgemein religiösen Debatte herauszunehmen und weil ich eben katholisch bin, reduziere ich meine Antwort auf meinen Glauben: Ein Christ kann kein Holocaust-Leugner sein. Im Neuen Testament stehen ein paar echte Herausforderungen für Christen. Darunter auch die: wie ich von anderen behandelt werden möchte, so soll ich andere behandeln. Im Volksmund wird das in der negativierten Form überliefert: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Beides mündet in denselben Auftrag. Also keine Fremdenfeindlichkeit, kein Antisemitismus, keine Verfolgung, keine Ausbeutung (und auch nicht stellvertretend in anderen Ländern). Wenn die Wahrheit darin besteht, dass Verbrechen stattfinden, kann ich zwar ohnmächtig sein, aber ich darf nicht so tun, wie wenn es sie nicht geben würde. Das ist das, was Glauben auch aushalten können muss - Ohnmacht. Neben Edith Stein ist D. Bonhoeffer ein gutes Beispiel für Christen, die nicht nur die Wahrheit gesehen, sondern auch versucht haben, ihrem Glauben entsprechend damit umzugehen - Christsein als Auftrag.
Ich verstehe also das Zitat von Edith Stein (korrekt geschrieben: Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott.) nicht als Ausschluss (im Sinne von nur die, die Gott gefunden haben, suchen die Wahrheit) sondern genau andersrum: jede/r auf der ehrlichen Suche nach Wahrheit sucht das, was hinter allem steht und aus dem die Wahrheit entspringt. Damit sind Agnostiker und Atheisten eben nicht von der Wahrheitssuche (auch wenn ihnen Gott dabei völlig worscht ist) ausgeschlossen, und Christen haben den Auftrag, die Wahrheit zu suchen, bevor sie denken, sie hätten Gott gefunden (es gibt im NT eine Stelle, in der es heißt: Was sagt ihr "Herr" zu mir und tut nicht was ich sage?). Dass es sich um ein Wesen im Sinne einer Persönlichkeit handelt (also einem "Du"), hat auch Martin Buber für mein Empfinden sehr schön erläutert.
Der Widerspruch (keine Schizophrenie, sondern wirklicher Widerspruch) stellt sich in folgender Frage dar: Wieso wird Gott (nach meinem Glauben) als machtloses Kind geboren und warum wird später versucht, christliche Einheit mit Gewalt (in welcher Form auch immer), mit Macht herzustellen bzw. darüber hinaus zu verbreiten? Das wurde durch die Aufklärung (korrekt, auch gegen die Macht der Kirche) geändert und unterscheidet (zumindest derzeit noch) meiner Meinung nach beispielsweise "das" Christentum von "dem" Islam, wie er in manchen Regionen praktiziert und von MuslimInnen kritisiert wird (dazu kam in swr2 ein Beitrag). Es unterscheidet aber die Kirche (als Institution) auch von Staatsformen, in denen die Aufklärung aktiv behindert wird.
Ich möchte es auf einen Punkt bringen, zu dem mir die Quellenangabe fehlt: Es gibt einen Bericht von einer Hinrichtung in einem KZ, zu der alle Häftlinge antreten mussten. Dabei wurde ein Minderjähriger ebenfalls erhängt, der wegen seines geringen Gewichts einen sehr langen Todeskampf hatte. Auf die Frage eines Häftlings, wo Gott sei, antwortet sein Mithäftling: da hängt er. Das ist für mich der Maßstab, und das meine ich ernst.
Herzliche Grüße!
Michael Marzini
Sehr geehrter Herr Meer,
ich habe mich in den letzten Jahren nur am Rande mit der Inquisition beschäftigt, aber ausgiebig mit dem Thema Galilei und den Folgen für die Kirche. Ich bin Naturwissenschaftler (kein Kreationist) und denke, dass zur Suche nach Wahrheit auch das Prüfen und Abklopfen gehört. In der Wissenschaft hat sich diese Methode gegen die Peripatetiker durchgesetzt. Eine Frage, an was ich glaube, ist schwerer zu beantworten als die Frage, wie ich glaube. Und jetzt kommt mein Verständnis von Edith Steins Zitat: wer an der Wahrheit vorbei glaubt, sucht Gott nicht. Galilei hat darauf verwiesen, das sich zwei von Gott offenbarte Wahrheiten (die reale Welt und die Bibel) nicht gegenseitig ausschließen können. Damit halte ich mich nicht für einen schlechten Christen, wenn ich nicht an eine Erschaffung der Welt in sieben Tagen glaube. Um es aus der allgemein religiösen Debatte herauszunehmen und weil ich eben katholisch bin, reduziere ich meine Antwort auf meinen Glauben: Ein Christ kann kein Holocaust-Leugner sein. Im Neuen Testament stehen ein paar echte Herausforderungen für Christen. Darunter auch die: wie ich von anderen behandelt werden möchte, so soll ich andere behandeln. Im Volksmund wird das in der negativierten Form überliefert: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Beides mündet in denselben Auftrag. Also keine Fremdenfeindlichkeit, kein Antisemitismus, keine Verfolgung, keine Ausbeutung (und auch nicht stellvertretend in anderen Ländern). Wenn die Wahrheit darin besteht, dass Verbrechen stattfinden, kann ich zwar ohnmächtig sein, aber ich darf nicht so tun, wie wenn es sie nicht geben würde. Das ist das, was Glauben auch aushalten können muss - Ohnmacht. Neben Edith Stein ist D. Bonhoeffer ein gutes Beispiel für Christen, die nicht nur die Wahrheit gesehen, sondern auch versucht haben, ihrem Glauben entsprechend damit umzugehen - Christsein als Auftrag.
Ich verstehe also das Zitat von Edith Stein (korrekt geschrieben: Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott.) nicht als Ausschluss (im Sinne von nur die, die Gott gefunden haben, suchen die Wahrheit) sondern genau andersrum: jede/r auf der ehrlichen Suche nach Wahrheit sucht das, was hinter allem steht und aus dem die Wahrheit entspringt. Damit sind Agnostiker und Atheisten eben nicht von der Wahrheitssuche (auch wenn ihnen Gott dabei völlig worscht ist) ausgeschlossen, und Christen haben den Auftrag, die Wahrheit zu suchen, bevor sie denken, sie hätten Gott gefunden (es gibt im NT eine Stelle, in der es heißt: Was sagt ihr "Herr" zu mir und tut nicht was ich sage?). Dass es sich um ein Wesen im Sinne einer Persönlichkeit handelt (also einem "Du"), hat auch Martin Buber für mein Empfinden sehr schön erläutert.
Der Widerspruch (keine Schizophrenie, sondern wirklicher Widerspruch) stellt sich in folgender Frage dar: Wieso wird Gott (nach meinem Glauben) als machtloses Kind geboren und warum wird später versucht, christliche Einheit mit Gewalt (in welcher Form auch immer), mit Macht herzustellen bzw. darüber hinaus zu verbreiten? Das wurde durch die Aufklärung (korrekt, auch gegen die Macht der Kirche) geändert und unterscheidet (zumindest derzeit noch) meiner Meinung nach beispielsweise "das" Christentum von "dem" Islam, wie er in manchen Regionen praktiziert und von MuslimInnen kritisiert wird (dazu kam in swr2 ein Beitrag). Es unterscheidet aber die Kirche (als Institution) auch von Staatsformen, in denen die Aufklärung aktiv behindert wird.
Ich möchte es auf einen Punkt bringen, zu dem mir die Quellenangabe fehlt: Es gibt einen Bericht von einer Hinrichtung in einem KZ, zu der alle Häftlinge antreten mussten. Dabei wurde ein Minderjähriger ebenfalls erhängt, der wegen seines geringen Gewichts einen sehr langen Todeskampf hatte. Auf die Frage eines Häftlings, wo Gott sei, antwortet sein Mithäftling: da hängt er. Das ist für mich der Maßstab, und das meine ich ernst.
Herzliche Grüße!
Michael Marzini
"Ich glaube, der Papst weiß, was er tut." Das ist die eigentliche Tragödie.
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