Der Vatikan-Affront Wenn in wenigen Monaten die Verfilmung des Vatikan-Thriller >lluminat von Dan Brown in die Kinos kommen wird, dann werden sich viele Besucher in einem Vorurteil bestätigt fühlen: Hinter der Leoninischen Mauer würden finstere Verschwörer ihr Unwesen treiben und bskure Fundamentalistensekte keine Schandtat scheuen, um die Macht in der Sancta Ecclesia Catholica et Apostolica an sich zu reißen. Ein ähnliches Drehbuch schien die Richtung vorzugeben, als das Pontifikat des deutschen Papstes Benedikt XVI. in den vergangenen Wochen in seine >islang schwerste Kris schlitterte. In einer einsamen Entscheidung hatte der »Pontifex der Pannen« Spiegel am 25. Jänner die Exkommunikation, die über vier Bischöfe der fundamentalistischen Lefebvre-Bewegung verhängt worden war, aufgehoben. Dadurch wurde auch der Brite Richard Williamson, ein Konvertit, wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen, ein Mann, der die rotokolle der Weisen von Zio für ein historisches Dokument hält und freimütig den nationalsozialistischen Massenmord am europäischen Judentum in Abrede stellt. Vor wenigen Wochen behauptete der Revisionist in einem Interview mit dem schwedischen TV: »Ich bin überzeugt davon, dass es eine Gaskammern gegeben hat. Hohe jüdische Vertreter brachen den Dialog mit dem Vatikan ab, Katholiken in aller Welt reagierten entsetzt, besonders in Deutschland war das Kirchenvolk empört. Sogar Bischöfe kritisierten ihr Oberhaupt. Der Affront war jedoch nur der jüngste einer ganzen Serie von Irritationen die der Papst aus Bayern ausgelöst hatte. Muslime protestierten weltweit nach der berüchtigten Regensburger Rede und der demonstrativen Taufe eines Konvertiten aus dem Islam während der Osternachtfeier im Petersdom. Wenig Verständnis zeigten Juden für die verstärkten Bemühungen zur Seligsprechung des umstrittenen Pius XII., der hartnäckig ur Schoah geschwiegen hatte, oder für die Wiederaufnahme einer Fürbitte zur Judenmission in die Karfreitagsliturgie. Jetzt fordern die Oberrabbiner in Israel von dem Herrn auf dem Stuhle Petri eine offizielle Entschuldigung und einen Widerruf. Doch Benedikt schweigt. JR Siehe auch Seite 3
- Datum 05.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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