Bahnprivatisierung Im Zug der Zeit
Bald ist das Monopol des Staatsbetriebes ÖBB im Personenverkehr gebrochen. Dann fährt die erste private Luxusbahn
Die Österreicher haben sich an gewisse Standards gewöhnt. Verspätete Züge, die gelegentlich wegen Altersschwäche in einer unwirtlichen Region stecken bleiben, Abteile, deren Heizungen ausfallen oder zu heiß laufen, und zahlreiche Zwischenstopps, die das Reisen in eine quälend langsame Bummelei verwandeln.
Indes bereitet sich ohne großes Aufsehen eine kleine Revolution vor. Bald soll auch auf Österreichs Bahnhöfen Schweizer Pünktlichkeit Einzug halten. Fahrpläne sind dann passé, der moderne Passagier braucht nur zu jeder vollen Stunde auf dem Bahnsteig in Wien aufzutauchen und einzusteigen. Ihn erwartet viel Komfort zu niedrigen Preisen. Sein Ticket kauft er online oder direkt im Zug, wo bereits in jedem Waggon ein persönlicher Betreuer auf ihn wartet und sich um sein Wohlergehen kümmert.
Was noch ein wenig nach Utopie im grauen Bahnalltag klingt, soll im Dezember 2011 Realität werden. Dann verkehrt mit WESTbahn der erste private Personenexpress in Österreich. Mit 200 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit wird der blitzblaue Doppelstockzug mit den dynamischen gelben Streifen von Wien nach Salzburg rauschen – mit nur fünf Zwischenstopps. Die Betreiber versprechen den Komfort der ersten Klasse zu Preisen, welche die Staatsbahn für ihre zweite Klasse verlangt. Auch ÖBB-Vorteilskarten werden bei WESTbahn akzeptiert.
In ganz Europa erobern private Unternehmen die Schienennetze, die sich bisher fest in Hand der Staatsbetriebe befanden. Eine Entwicklung, für die von der EU-Kommission fast zwei Jahrzehnte lang gekämpft wurde und die nun auch vor Österreich nicht Halt macht. Bisher hatte die ÖBB ausschließlich mit Konkurrenz im Güterverkehr zu kämpfen, nun zum ersten Mal auch im Personenverkehr.
»Wir sind einfach attraktiver als die ÖBB«, sagt Stefan Wehinger selbstsicher. Der 43-jährige Vorarlberger ist Vorstandschef der Rail Holding AG, jenes Konsortiums, das in zwei Jahren den Luxuszug für jedermann auf die Schiene bringen will. Mit Jahresbeginn nahm die Gesellschaft ihre Geschäftstätigkeit auf. Rund 120 Millionen Euro wird das WESTbahn-Konzept kosten, an dem Wehinger und der Baulöwe Hans-Peter Haselsteiner, Chef des Strabag-Konzerns, zu jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Derzeit wird mit dem Schweizer Rollmaterialhersteller Stadler Rail über Lieferung und Wartung von vorläufig sieben Doppelstockzügen verhandelt. Leistungen im Wert von gut 100 Millionen Euro sollen die Eidgenossen beisteuern.
Ein Coach aus dem Musterland soll hohen Standard garantieren
WESTbahn ist Wehingers späte Rache an der ÖBB, auch wenn er das so nie sagen würde. Der ehemalige Verkehrsminister Hubert Gorbach holte den damaligen Vorstandsdirektor der Montafonerbahn als Personenverkehrschef 2004 zu dem schwerfälligen Staatsbetrieb, vier Jahre später musste Wehinger wieder gehen. »Nicht freiwillig«, wie er betont. Doch mit seinem Mentor Gorbach waren auch die Tage des umtriebigen Bahnmanagers gezählt.
- Datum 05.02.2009 - 13:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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So sehr ich Schweizer (besonders Stadler) Material im Nahverkehr schätze, so wenig kann ich ihm auf Langstreckenfahrten abgewinnen.
diese Doppelstocksardienenbüchsen, wie ich sie zwischen Luzern und Zürich erlebt habe (Fahrzeit etwa 1h) auf der Westbahn von Wien nach Salzburg?? Da ziehe ich den ÖBB-Railjet auf alle Fälle vor. Der ist nämlich wirklich Luxus im Vergleich.
Ob ich auf halber Strecke zb. Salzburg - Linz mit ÖBB oder dem Haselsteiner seiner >Luxuslinie< fahren werde, hängt NUR vom Fahrpreis ab. Da wird sich der Haselsteiner gegen die Halbpreis-Vorteilscard der ÖBB aber auch mehr als schwer tun. Und nachdem ich ja nicht nur auf der Westbahn fahre, brauch' ich meine Vorteilscard sowieso. Ich bleibe also skeptisch, dass das ein G‘schäft wird.
Im Übrigen ist das Wagenmaterial der ÖBB im Durchschnitt eines der modernsten Europas, zb. solche Kraxen aus den 60ern und 70ern, wie sie die DB nach wie vor im Nahverkehr im Umlauf hat, gibt es bei den ÖBB nicht. Auch in Sachen Pünktlichkeit ist Deutschland dem Balkan um einiges näher als Österreich.
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