Heute: 31.1.2009 Fingerzeige

Den vorgestreckten Zeigefinger als symbolische Geste gibt es schon ewig. Bei den Assyrern und Babyloniern kommt er einer Huldigung gleich, auch bei den alten Griechen gehört er zu den Adorationsriten – wohingegen ein vorgestreckter Mittelfinger bereits in der Antike als Beschimpfung gemeint war. Manche Symbole ändern sich über Jahrtausende nicht, doch gelegentlich kommt eine neue Bedeutung hinzu: So hat das V-förmige Siegeszeichen seit Josef Ackermann einen unabweisbar zynischen Nebensinn. Mit den friedlichen Regionalwahlen im Irak ist der devot wirkende Zeigefinger aus Schulzeiten wiederum zur Triumphgeste avanciert. Die geschwärzten Fingerkuppen der beiden irakischen Frauen bezeugen nicht nur ein demokratisches Wahlrecht, sondern auch dessen Gebrauch. Trotzdem haben wir nicht vergessen, dass diese Demokratie brutal erzwungen wurde und dass Diktaturen wählbar sind. EF

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Autoren abonnieren RSS-Feed
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Josef Ackermann | Antike | Wahlrecht | Irak | Diktatur
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service