Beruf der Woche Spielzeugtester
Auf den freundlichen Teddy wartet ein besonderer Sehtest: Rolf Ohlsen klemmt ihn in einen Schraubstock, mit einer Zange fixiert er eines seiner schwarzen Glasaugen. Dann drückt er einen Knopf, und eine Maschine zerrt mit 90 Newton am Auge des Bären. Der lächelt noch immer, wenn auch mit zerknautschter Miene, als würde ihm das Ganze nichts ausmachen. Die Maschine lässt nach. Das Bärenauge ist noch dran. Test bestanden.
Rolf Ohlsen ist kein Spielzeugsadist. Auch wenn er jährlich mehrere Tausend Babypuppen, Bären und Beißringe verätzt, verbrennt und zerstückelt. Seit 16 Jahren arbeitet der 46-Jährige als Prüfer des TÜV Rheinland und untersucht für Unternehmen, wie kindersicher ihre Spielzeuge sind. Zur Nürnberger Spielwarenmesse ist das GS-Siegel des TÜV heiß begehrt. Seit dem Rückruf von giftigem Spielzeug aus China schauen Eltern genau hin, was sie ihren Kindern schenken. Bevor die Spielwaren das Siegel bekommen, müssen sie erst alle chemischen und mechanischen Untersuchungen der Experten bestehen. "Wenn wir fertig sind, sehen die Spielzeuge übel zugerichtet aus", sagt Ohlsen und amputiert dem Teddy mit der Schere einen Arm. Der darf beim "Speicheltest" in einer wässrigen Lösung und beim »Magenbad« in verdünnter Salzsäure keine krebserregenden Stoffe absondern. Dann macht Rolf Ohlsen dem Bären auch noch Feuer unter dem Plüschpo. Lächelnd erträgt der auch diese Prüfung. "Jedes Spielzeug stellt andere Anforderungen an mich", sagt Ohlsen. Mal verursacht er einen Kurzschluss im Sprachmodul eines singenden Weihnachtsmannes, dann misst er die Geschwindigkeit von Geschossen aus Plastikpistolen. Oder er und seine Kollegen untersuchen die Verdauung von Babypuppen. "Erwachsene Männer in Laborkitteln, die Puppen füttern: Das bringt mich immer noch zum Lachen."
Ausbildung: Häufig ein Physik- oder Chemiestudium
Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
Jahresverdienst: Ab 30.000 Euro
- Datum 16.11.2009 - 12:28 Uhr
- Serie Beruf der Woche
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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