DIE ZEIT: In Bremen haben SPD, CDU, Grüne und FDP einen sogenannten Schulfrieden geschlossen. Herrschte vorher Krieg?

Renate Jürgens-Pieper: Es gab, wie in den anderen westlichen Bundesländern, jahrzehntelang Grabenkämpfe der Parteien in der Bildungspolitik. Die einen schworen auf das dreigliedrige Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium, die anderen auf das gemeinsame Lernen der Kinder etwa in einer Gesamtschule. Das hat die Bildungspolitik gelähmt.

ZEIT: Inwiefern?

Jürgens-Pieper: Zum einen wurde zugunsten der Strukturdebatte die innere Entwicklung der einzelnen Schulen, das Ringen um Qualität, vernachlässigt. Zum anderen hat jeder Regierungswechsel Unruhe in die Schulen getragen, weil sie sich auf strukturelle Änderungen einstellen mussten. Die Quittung haben wir mit der Pisa-Studie bekommen.

ZEIT: Bremens Schüler schneiden im bundesweiten Vergleich am schlechtesten ab.

Jürgens-Pieper: Das stimmt leider, auch wenn wir seit der ersten Pisa-Studie beachtlich zulegen konnten.

ZEIT: Worin besteht der Bremer Schulfrieden?