Britische Immobilien Zurück auf Los
Ein englisches Dorf hat Monopoly gespielt: Familien spekulierten mit Häusern und Hypotheken – auch die Familie Quirk. Jetzt, in der Krise, explodieren ihre Schulden. Aber sie hoffen schon wieder auf einen Boom
Wenn der Straßenverkehr nicht wäre, man könnte sich in dem Örtchen Blagdon in einen Roman von Jane Austen versetzt fühlen. Malerische Cottages, Schankhäuser und eine mittelalterliche Kirche, deren Turm den Friedhof überragt. Im Tal ein See, dahinter die baumbestandenen Weiden der südenglischen Grafschaft Somerset, imposante Parks und Landhäuser. Die weit verzweigte Familie des Lord Wills, eine am Tabakhandel reich gewordene Dynastie, deren Vorfahren die meisten der Anwesen schufen, gibt im Dorf noch immer den Ton an. Und sie finanziert den Village Club, den Mittelpunkt des Lebens.
Hier lehnen sich abends die Männer der Gemeinde an den hölzernen Tresen und erörtern den Gang der Welt, samstags kommt die ganze Familie mit. Bisweilen zeigt sich auch Lord Wills, ein notorischer Trinker, der nach ein paar Gläsern Bier anfängt, seine Frau zu beschimpfen. Die Gespräche im Club drehen sich zwar kaum mehr um Rindermärkte und Heuernten, aber das Bier kostet immer noch nur halb so viel wie im Pub. In Blagdon wohnen schon lange keine Landarbeiter mehr, sondern Universitätsangestellte, Medienleute und Ingenieure, die zur Arbeit in die 400.000-Einwohner-Stadt Bristol pendeln, eine halbe Autostunde entfernt. Die Gäste im Village Club reden jetzt von fremdartig klingenden Sachen wie »an den Diskontsatz gebundenen Hypotheken« und »eingeschlossenem Kapital«. Oder sie schwatzen im Jargon der Grundstücksmakler vom »Anbaupotenzial« und vom »doppelperspektivischen Design« eines Hauses.
Insofern hat sich seit Jane Austens Zeit dann doch nicht viel geändert: Napoleon Bonaparte nannte die Engländer einmal eine Nation von Krämern. Die modernen Briten sind eine Nation von Immobilienhändlern. In Blagdon mit seinen 1200 Einwohnern kann man diesen Hang zu Handel und Spekulation wie unter einem Schauglas beobachten. An der Bar des Village Club treffen sich Leute wie das Kreditkartengenie Piers Wroath, das junge Ehepaar Vicky und Benn Quirk sowie Debbie und Richard, gute Freunde von Vicky und Benn, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung sehen möchten. Sie alle helfen sich immer, wenn einer von ihnen in der Klemme sitzt. Und sie feuerten sich an und machten nach, was den anderen zu einem gewissen Wohlstand verholfen hat. In den vergangenen Jahren ging es dabei nur noch um Immobilien und Hypotheken. Der Village Club ist so etwas wie eine dörfliche Börse geworden, an der sie sich mit immer tolleren Geschichten hochschaukelten – eine kleine Wall Street auf dem Lande.
Richard, ein promovierter Meeresbiologe, ist ein gutes Beispiel für diesen englischen Krämertypus: Als Zehnjähriger züchtete er Ratten und verkaufte sie an Tierhandlungen. Als 17-Jähriger handelte er mit Gebrauchtwagen und trug ständig ein Bündel Geldscheine in der Tasche. Nach einem längeren Aufenthalt als Dozent in Südafrika stürzte er sich in den englischen Immobilienboom. Richard und seine Freundin Debbie haben mittlerweile drei kleine Kinder, geheiratet haben sie nie. Ihre Hypotheken sind strikt getrennt. Das sei eigentlich illegal, räumt Debbie ein, streng genommen müssten sie die Banken von ihrer gemeinsamen Lebensführung informieren. Aber so konnten sie mehr Geld bei den Banken beschaffen – und sieben Häuser kaufen. Vier davon haben sie wieder verkauft, jetzt besitzen sie noch eines in Blagdon, ein Ferienhaus in Cornwall und eine Villa in Neuseeland.
Beim Häuserkauf ging es Richard und Debbie allein um die »Kapitalakkumulation«, erzählen sie. Denn das Herz, so lautet Richards Motto, dürfe nie die Oberhand über den Kopf gewinnen. Eine Lebensweisheit, die Debbie schon von ihrem Vater kannte. Der trichterte ihr ein, sich nie in ein Haus zu verlieben. Sonst lasse man sich verführen, zu viel Geld dafür auszugeben. Oder es nicht rechtzeitig zu verkaufen, obwohl sich ein guter Preis dafür erzielen lasse.
Die 41 Jahre alte Debbie arbeitet als freie Fernsehregisseurin und Produzentin, im Augenblick für die Reality-TV-Serie Wife Swap des staatlichen Senders Channel 4, in der Mütter aus gegensätzlichen Milieus ihre Rollen tauschen. Die Vorstellung, ein Haus zu besitzen, erschien ihr lange als Albtraum. Sie hatte erlebt, wie ihre ältere Schwester finanziell in die Bredouille geriet, als 1989 der Immobilienboom der Thatcher-Jahre endete. Aber Debbie erlebte danach auch, wie ihre Kollegen plötzlich wieder mit Immobilien spekulierten, die nach wenigen Jahren über eine halbe Million Pfund mehr wert waren. Debbie ließ sich mitreißen und kaufte selbst ein Haus. Bis zum Crash hatten sie und Richard ein Immobilienvermögen von fast einer halben Million Pfund angehäuft. Debbie bekam einen Schreck, als die Immobilienflaute mit einem Mal einsetzte und der Wert ihrer Häuser zu schwinden begann. In dieser Zeit war sie schwanger und konnte nichts verdienen. Richard arbeitet im Moment auch nicht, die Auftragslage für Naturfilmer wie ihn ist schlecht. Am liebsten würden sie das Vermögen jetzt »konsolidieren«, nur noch ein Gebäude unterhalten, ein echtes Zuhause für die Kinder. Ihre mütterlichen Instinkte kämen auf einmal durch, sagt Debbie, aber Richard spielt nicht mit. Der Markt auch nicht. Ohne riesige Verluste kann man kein Haus verkaufen. Also durchhalten. Und dann? Beginnt dann nicht alles wieder von vorne?
Mitgerissen in diesen Strudel haben Debbie und Richard auch Vicky und Benn. Ohne Debbies damals gut gemeinten todsicheren Tipp hätten ihre beiden Freunde heute vielleicht noch ein sorgenfreies Leben.
»Wir verschlossen alle die Augen vor der Wirklichkeit«, sagt Vicky heute
Die Verwicklung fing an, als sich Vicky vor drei Jahren in ein Cottage unterhalb des Village Club verguckte. Es erschien ihr wie ein Hafen, in dem ihr Leben Sicherheit finden würde. Sie sah einen Ort, an den sie ihren Mann, der von einem Hilfsarbeiterjob in den nächsten flüchtete, binden konnte. Vicky arbeitete an der Universität Bristol in einem von der Regierung initiierten Projekt zur erzieherischen Förderung von Kindern aus benachteiligten Schichten. Ein schlecht bezahlter Job. Ihr Mann Benn verdiente noch weniger. Zusammen kamen sie auf 16.000 Pfund netto, damals umgerechnet 24.000 Euro, im Jahr. Das Cottage sollte 195.000 kosten. Wenn sie das Haus wirklich wollten, brauchten sie einen Kredit.
Der Makler suchte bei Northern Rock um eine Hypothek nach – jener englischen Bank, die wenig später als erstes Geldinstitut durch Verstaatlichung vor der Pleite gerettet wurde. Northern Rock empfahl ein nur auf Zinszahlungen basierendes Darlehen, zwei Jahre festverzinslich zu 434 Pfund im Monat, danach 276 frei verzinsliche Raten, zum damaligen Stand 914 Pfund pro Monat. Das alles hätte ihr gesamtes Einkommen aufgefressen. »Nach Auslaufen der Hypothek«, stand in dem Angebot, »schulden Sie uns noch 166.445 Pfund. Für die Begleichung dieser Summe müssen Sie separate Vorkehrungen treffen.«
Vicky ließ sich durch die Bedingungen nicht abschrecken. Es ist wohl so: Während der Deutsche ein halbes Jahr lang nicht schlafen kann, bevor er einen Kreditvertrag unterschreibt, kann der Brite nicht schlafen, solange er keinen Kreditvertrag unterschrieben hat. Vicky war überzeugt, sie würden bald genug verdienen, um die Raten bezahlen zu können. War es nicht so lange schon aufwärts gegangen in Großbritannien? Und erwarben nicht alle jungen Familien in ihrem Bekanntenkreis ein eigenes Heim? James und Siân hatten ohne einen Penny Eigenkapital einen kleinen Bauernhof in Schottland gekauft. Tim und Becks wohnten in einem Cottage mit Holzböden und Rosengarten, wie in einem dieser Traumhäuser aus dem Lifestyle-Magazin
Country Living.
Debbie und Richard blieben nicht die einzigen Freunde, die im Dorf Monopoly spielten und sich vorgaukelten, sie hätten durch geschicktes Kaufen und Verkaufen einen tatsächlichen Aufstieg geschafft. Wroath zum Beispiel, das Kreditkartengenie, hatte damals einen Riecher für clevere Geschäfte. Er hatte im Dezember 1997 ein heruntergekommenes Gebäude gekauft und sofort in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Die Reparaturen finanzierte er per Kredit. Dann verkaufte er das Haus mit enormem Gewinn. Wroath hatte das Kreditkartensystem zur Kunstform perfektioniert: Durch ständiges Umschulden von einer Karte auf eine andere konnte er damals Zehntausende Pfund ohne Zinsen vor sich herschieben. Die Grunderwerbskredite besorgte er sich bei allen möglichen Anbietern, von der zu General Motors gehörigen GMAC-Bank bis zur Deutschen Bank, die besonders aggressiv in den britischen Immobilienmarkt einstieg. Bei seinem besten Geschäft verdiente Wroath in drei Wochen 26.000 Pfund.
Warum sollten Vicky und Benn das nicht auch hinkriegen?
Aber ihr Hypothekenantrag bei Northern Rock scheiterte. Die Bank hatte Nachforschungen über ihr Einkommen angestellt und hielt es nicht für ausreichend. Dennoch gab Vicky nicht auf, sie wollte unbedingt dieses romantische Cottage. So fragte sie ihre Freundin Debbie nach der Telefonnummer eines Maklers, der dafür bekannt war, keine unangenehmen Fragen zu stellen. Dieser Mann, so hieß es, wusste genau, wie man die Banken überzeugen konnte. Auf dem Antragsformular, das er Vicky faxte, gab sie als Jahresverdienst für sich und Benn 61.000 Pfund an. »Völlig abwegig«, gesteht sie heute.
»61.000 Pfund?«, wundert sich Benn jetzt, als höre er diese Zahl zum ersten Mal. »Das ist fantastisch.«
Auf dem Formular steht: »Die Abgabe falscher, irreführender oder ungenauer Angaben stellt einen Straftatbestand dar, der Geld- und/oder Gefängnisstrafen des Antragstellers und seines Maklers nach sich ziehen kann.«
Wie konnten sie das unterschreiben? Vicky sagt: »Debbie versicherte mir, das würde nie nachgeprüft. Es gab da so etwas wie ein unausgesprochenes Einverständnis. Ich habe die Augen zugekniffen und meinen Namen daruntergesetzt. Wir verschlossen alle die Augen vor der Wirklichkeit. Ich hätte alles getan, um mein Haus zu bekommen.«
Mit 32 Jahren hat Benn sich zum dritten Mal als Student eingeschrieben
Vicky ist mittlerweile im sechsten Monat schwanger, sie erwartet ihr zweites Baby. Luka, das erste Kind, ein Mädchen, ist noch keine zwei Jahre alt. Benn, er ist mit 32 ein Jahr jünger als seine Frau, hat sich zum dritten Mal in seinem Leben als Student eingeschrieben, dieses Mal als staatlich unterstützter Spätstudierender. Er lässt sich in einem vom Nationalen Gesundheitsdienst finanzierten Kurs an der Universität Bristol zum Kinderpfleger ausbilden. Sie sind eine ganz normale englische Familie, die in den Boomjahren Großbritanniens groß geworden ist und glaubte, Wohlstand bestehe aus unbeglichenen Rechnungen.
Vicky stammt aus bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen. Sie kam im südafrikanischen Lesotho zur Welt, wo ihre Eltern in Entwicklungshilfeprojekten arbeiteten. Sie erinnert sich wehmütig an das freie Leben in ihrer Kindheit, in der ihr materielle Dinge nichts bedeuteten. Ihre Eltern sind bis heute so geblieben: Zu Weihnachten schenkten sie Luka ein Buch. Von Benns wohlhabendem Vater bekam das Mädchen zwölf große Pakete.
Auf Partys rechneten sie sich den Wert ihrer Häuser schön
Vicky war zehn Jahre alt, als die Eltern auf die Isle of Man zogen, eine zwischen England und Irland gelegene Insel, die sich als internationales Finanzzentrum einen Namen machte. Sie ging gemeinsam mit Benn zur Schule, danach verloren sie sich aus den Augen. Vicky holte ihr Abitur auf einer Fachoberschule nach, studierte Entwicklungspolitik und Internationale Beziehungen und machte eine Steuerberaterlehre in einer Dependance des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG. Mit 22 Jahren kaufte sie ihre erste Wohnung. »So werden wir erzogen«, sagt sie. »Jeder hält uns dazu an, so früh wie möglich die erste Sprosse der Wohneigentumsleiter zu erklimmen. Wir wachsen mit der Vorstellung auf, Wohneigentum sei gleichbedeutend mit Sicherheit im Alter.«
70 Prozent der Briten leben in einer eigenen Immobilie, in Deutschland sind es 40 Prozent der Bevölkerung. In England sind Hauseigentümer im Vorteil, weil die Mieten extrem hoch sind und die Mieter so gut wie keine Rechte gegenüber den Besitzern haben.
Vickys Zweizimmerapartment kostete damals 50.000 Pfund. Sie verdiente 12.500 Pfund im Jahr. Ihre Eltern liehen ihr 3000 Pfund für die Anzahlung. Sie wurde vom Filialleiter ihrer Bank befragt, legte ihm all ihre Ausgaben und Einnahmen offen, und er räumte ihr einen Kredit über den vollen Kaufpreis ein. In Deutschland wäre das unvorstellbar, in England war es nicht ungewöhnlich. Vicky gab die 3000 Pfund ihrer Eltern für Rechtsanwaltskosten und Möbel aus. Dann nahm sie eine zweite Hypothek über 8000 Pfund für eine neue Kücheneinrichtung auf. Ihre Schulden stiegen dadurch auf 58.000 Pfund. Trotzdem machte sie einen Gewinn von 31.000 Pfund, als sie die Wohnung 18 Monate später verkaufte: Der neue Besitzer zahlte ihr 89.000 Pfund.
Tony Blair war 1997 in England an die Macht gekommen, die Zeit des Optimismus begann. Für Vickys Generation wurde zum ersten Mal ein Traum wahr, der sonst den Reichen vorbehalten war: Geld verdienen, ohne einen Finger zu rühren. Keine Party fand mehr statt, auf der sich die Gespräche nicht um Hauspreise drehten. In begehrten Wohngegenden gab es bald mehr Immobilienläden als Lebensmittelgeschäfte. Die Zeitungen machten ihre Titelseiten mindestens einmal in der Woche – und manchmal täglich – mit Berichten über Preisanstiege auf dem Immobilienmarkt auf. In den besten Zeiten wuchs der Wert der Immobilien um 20 Prozent im Jahr.
Wer nicht mitmachte, verpasste eine fabelhafte Gelegenheit zum Geldverdienen. Vicky wagte den nächsten Schritt. Sie nahm ein neues Darlehen über 100.000 Pfund auf und investierte 25.000 Pfund ihres Gewinnes aus dem Verkauf ihrer Wohnung in ein 125.000 Pfund teures Reihenhaus. »Ich weiß nicht, was in mich gefahren war«, sagt sie heute. Aber sie machte nur, was alle taten. Vicky kaufte ein unverschämt teures Designersofa und einen knallgelben Fiat. Sie machte Urlaub in Griechenland. In einem, wie sie es heute sieht, »weiteren Anfall von Wahnsinn« nahm sie ein zusätzliches Darlehen über 10.000 Pfund auf, kündigte ihren sicheren und mittlerweile gut bezahlten Job bei der Firma für Wirtschaftsberatung, vermietete ihr Haus, flog nach Kenia und gönnte sich dort ein Jahr Auszeit. Tage am Strand und in Cafés, alles bezahlt mit ihren Mieteinnahmen. In Afrika lief ihr Benn über den Weg. 2005 zog sie zu ihm nach Blagdon, im Februar 2006 heirateten die beiden. Nach der Rückkehr aus Kenia hatte Vicky ihr Reihenhaus für 170.000 Pfund verkauft, wieder mit Gewinn. Nachdem sie alle Schulden beglichen hatte, waren ihr 37.000 Pfund geblieben.
Vicky hat sich inzwischen einmal hingesetzt und auszurechnen versucht, wie viel Geld sie jetzt hätte, »wenn ich damals vernünftig gewesen wäre«. Vom Ergebnis ist sie schockiert. Sie zahlte 15 Prozent des Kaufpreises für das Cottage an. Nachdem sie alle Nebenkosten beglichen hatten, waren ihr und Benns Bankkonto um genau 2243,19 Pfund überzogen. Benns Vater sprang ein, er schenkte ihnen 20.000 Pfund. Damit renovierten sie ihr heruntergekommenes Heim. Was übrig blieb, »fiel in irgendein Schwarzes Loch«. Das Haus ihrer Träume sieht ziemlich gewöhnlich aus, wenn Vicky es heute mustert, so als sei es über Nacht entzaubert worden. Was ist in dieses Land gefahren, dass Menschen wie Vicky und Benn zu Spekulanten werden konnten?
Der Wert des winzigen Häuschens schoss in der Immobilien-Inflation in fantastische Höhen. Benn hatte damals gerade einen seiner Hilfsarbeiterjobs aufgegeben und war Student geworden. Nach all den Jahren des Herumirrens, sagt Vicky, blühte er mit einem Mal auf.
Sein Einkommen setzte sich nun aus einem Zuschuss für Spätstudierende, aus staatlicher Beihilfe für Väter ohne Einkommen und aus 3500 Pfund im Jahr als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr zusammen. Dann kam der Crash. Jeden Tag verschob sich das Verhältnis von Schulden und Besitz zuungunsten des Eigentums. »Wir hatten uns nie klargemacht«, räumt Vicky heute ein, »dass die steigenden Preise nur einen fiktiven Reichtum bedeuteten. Wir taten so, als sei es Geld auf der Bank. Das war es aber nie.«
Dann überstürzten sich die Ereignisse. Im Herbst vergangenen Jahres wurde Vicky schwanger, nicht ungewollt, aber früher als geplant. In der ersten Oktoberwoche brachen die Aktienmärkte zusammen. Die Medien kündigten erstmals eine neue Weltwirtschaftskrise an. Aber Vicky hatte in ihrem Leben gelernt, dass Risiko sich auszahlt. Und so zögerte sie nicht, in einer Situation, in der die Schulden drückten, ein Café zu übernehmen. Ganz spontan, ohne Geschäftsplan und ohne das Vorhaben durchzurechnen. Sie wollte der öden Arbeit im Büro entkommen, schon immer. In der Uni würde sie nie viel mehr verdienen als jetzt. Sie würde wohl ihr Leben lang unfähig sein, die Grundschuld auf ihr Haus zurückzuzahlen, selbst wenn Benn vom Gesundheitsdienst irgendwann als Kinderpfleger übernommen werden sollte. Ihr Haus würde immer nur scheinbar ihr und Benn gehören, in Wahrheit aber der Bank. In der Selbstständigkeit, hoffte sie, sollte es möglich sein, der Hypothekenfalle zu entkommen und das Haus bald wirklich zu besitzen.
Vicky will erneut umziehen, diesmal in »ein stinknormales Reihenhaus«
Benns Vater half erneut aus, diesmal mit 10.000 Pfund. Vickys Familie reiste von der Isle of Man nach Blagdon und half beim Ausbau des Cafés. Nach zwei Wochen fand die Eröffnung statt. Jetzt kocht Vicky Wirsingsuppe und Lasagne, schrubbt Tische und Stühle, kocht Kaffee, plaudert mit Gästen, kassiert, beschäftigt Aushilfskräfte, sitzt über Büchern und Rechnungen. Noch immer hat sie mit dem Café nichts verdient. Ihre Konten sind überzogen. »Unsere Finanzen«, sagt sie, »sind ein Desaster.«
Ihr Cottage, an das sie nach der Hochzeit ihr Herz hängte, ist für zwei Kinder viel zu klein. Sie hat den Traum vom hübschen alten Häuschen aufgegeben. »Ich möchte krisensicher wohnen«, sagt sie, »ich möchte meine Kinder in einem stinknormalen Reihenhaus aufziehen.«
Am anderen Ende des Dorfes hat Vicky sich ein Haus ausgesucht, es steht zum Verkauf. Es liegt in einem einförmigen, in der Nachkriegszeit gebauten Viertel mit Sozialwohnungen, in dem Abwässer durch graue Außenrohre gluckern. Wenn jemand die Toilettenspülung betätigt, hört man das Rauschen schon vor der Haustür. Unter Regierungschefin Thatcher erhielten Sozialmieter das Recht zum billigen Erwerb ihrer Häuser, die meisten sind heute privatisiert. Die Grünfläche im Zentrum des Häuserkarrees ist von Autos durchpflügt worden. Im Vorgarten des Wunschhauses, das Vicky sich ausgesucht hat, steht ein Biertisch, im Hintergarten eine Hollywoodschaukel. Es gibt drei Schlafzimmer, zwei Fernsehantennen und eine Satellitenschüssel.
Ist das nicht eine etwas deprimierende Wohngegend?
»Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich hier natürlich nicht leben wollen«, antwortet Vicky, und zum ersten Mal klingt ihre Stimme ein bisschen niedergeschlagen. »Aber hier gibt es auch nette Leute«, sagt sie. »Ich möchte vor allem unsere Hypothek abtragen. In zehn Jahren können wir dann vielleicht wieder in ein Traumhaus ziehen.«
Vorher muss sie ihr Cottage verkaufen. Das wird sie – trotz der Bemühungen der Regierung um eine Stabilisierung des Marktes – nicht einmal zu einem Spottpreis los.
»Ich würde alles wieder so machen. Ist das nicht schockierend?«
Vor ihrem kleinen Cottage an der Gasse, die vom Village Club ins Tal führt, steht seit Monaten ein dunkelblaues Schild. »ZU VERKAUFEN«. Darunter der Name und die Telefonnummer einer Maklerfirma in einer nahen Kleinstadt. Die gehört einer Frau namens Samantha Newport.
Im vergangenen Sommer hatte Frau Newport noch eine ernsthafte Interessentin für das Cottage an der Hand, die willens war, den gewünschten Preis von 250.000 Pfund zu zahlen. Sie hatte genug Bargeld für die Anzahlung und ein ausreichendes Einkommen, um eine Hypothek zu bedienen. Aber die Interessentin fand niemanden mehr, der ihr eine Hypothek geben wollte. Die Banken hatten den Geldhahn zugedreht. Jetzt ist das Cottage für 225.000 Pfund zu haben. Realistisch betrachtet, werden Vicky und Benn sich wohl mit 180.000 Pfund abfinden müssen, glaubt die Maklerin – ein Verlust von fast 30 Prozent, seit der Immobilienmarkt im November 2007 kippte.
Die Maklerin findet den Preissturz gar nicht schlecht. Man müsse eben wieder zu alten Werten zurückfinden, sagt sie, sich bescheiden. »Wir haben den Schock verdient. Vorher, das war der helle Wahnsinn. Ich bin so schuldig wie alle anderen.« Sie erinnert sich an Häuser, die ihr Bruder, der auch ihr Geschäftspartner ist, gegen besseres Wissen und Gewissen um 20 Prozent überbewertete – und die Käufer standen Schlange. Sie erinnert sich an Hypotheken über eine halbe Million Pfund, die sie vermittelte, ohne sich um die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden zu kümmern. Die Kreditinstitute stellten ja auch keine Fragen. Es sei wie eine Verschwörung gewesen, sagt die Maklerin, jeder habe mitgemacht. Mitzumachen bedeutete, schuldig zu werden. Nicht mitzumachen war nicht möglich, sonst verlor man sein Geschäft. Game over. Frau Newport klingt fast erleichtert, dass es jetzt vorbei ist.
Vicky liest keine Zeitungen, sieht nicht fern und hört kaum Radio. Was in London geschieht, bekommt sie nur am Rande mit. »Vielleicht bin ich zu lethargisch«, sagt sie, »vielleicht sollte ich mir Zeit dafür nehmen.«
Dass ihre Hypothekenzahlungen für das alte Cottage nach den jüngsten Zinssenkungen der Bank of England drastisch gefallen sind, weiß sie natürlich. Aber sie weiß auch, dass die Hypothek im März ausläuft. Dann muss sie umschulden, und die monatlichen Raten werden wahrscheinlich dreimal so hoch sein wie heute. Keine Bank vergibt mehr Billigkredite an wackelige Kunden.
In Vickys Café bullert ein Holzfeuer. Eine polnische Angestellte backt Dampfpudding und Apfelkuchen. Vicky hat gerade zwei Fahrradfahrern ein Scone mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream serviert, typisch britisches Gebäck. Das wollen sich die beiden teilen. Zwei in blumige Kleider gewandete Damen setzen sich in die Kaminecke und bestellen zusammen eine Portion Tee. Jede Rechnung, die Vicky schreibt, kommt auf höchstens vier Pfund.
Die Radfahrer sehen nicht so aus, als ob sie sich um ihre schlanke Linie sorgen müssten. Die Damen in ihren blumigen Gewändern machen keinen minderbemittelten Eindruck. Aber die Leute hier haben plötzlich etwas gegen das Geldausgeben. Der Homo oeconomicus weigert sich, der Aufforderung der Regierung zum Konsum nachzukommen, trotz einer im Herbst verabschiedeten Mehrwertsteuersenkung. Der geschäftstüchtige Mensch spart mit derselben Hartnäckigkeit, mit der er sich während des Booms in die Übertreibung stürzte. Einer verhält sich wie alle, keiner will aus der Menge herausragen, in guten wie in schlechten Zeiten. Jetzt folgen alle Vickys Motto: »Wenn etwas Geld übrig bleibt, zahle ich lieber meine Schulden ab und versuche, uns aus unserem Schlamassel zu befreien.«
Aber sie setzt hinzu: »Wissen Sie was? Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich alles wieder so machen. Ist das nicht schockierend?«
- Datum 04.05.2009 - 11:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
- Kommentare 13
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




So ähnlich muss man sich auch die Immobilienblase in den USA vorstellen:
Es ist ein allgemeiner Rausch gewesen - nicht geplante Übervorteilung von bedauernswerten "kleinen Leuten" durch "Finanzhaie".
Hinzu kommt übrigens (komischerweise selten erwähnt) die Aktien(fehl)spekulation, die (jeden Falls in den USA) auch meistens mit der Beleihung von Wohneigentum finanziert wurde. Und zwar auch von "kleinen Leuten"!
Allerdings bietet auch dieser Artikel keinen Weg, wie so etwas in der Zukunft verhindert werden könnte - durch Schimpfen auf den "bösen Kapitalismus" ändert sich jeden falls wenig.
Mehr "Vernunft" auch bei "kleinen Leuten" - das zu fordern scheint aussichtslos, denn es haben ja gerade auch durchaus "bildungsnahe" Mitmenschen mitgespielt.
Immerhin ist wahrscheinlich deren Anteil an "Gewinnern" dieser Spekulation etwas größer.
Aber eine Änderung des Überbaues (Verstaatlichung der Banken) - das ist IMHO auch wenig erfolgversprechend.
(In Deutschland gab es diese Immbilienkrise übrigens auch - ca. 1983, das ist lange her und Vielen unbekannt. Immerhin haben die Deutschen daraus gelernt und der Immobilienmarkt hierzulande ist recht stabil geworden. Trotzdem spekulieren Alle auch in Deutschland fröhlich (meist mit ihrem Erbe) weiter. es sei ihnen gegönnt - auch ein Misserfolg.)
Uebervorteilung von kleinen Leuten durch Finanzhaie? Also bitte - wenn die Leute falsche Angaben in den Fromularen machen, sind sie schon auch selbst fuer die Misere verantwortlich...
Es gibt eine ganz einfache Loesung fuer dieses Problem, die in Deutschland ja auch recht erfolgreich ist: Mieterrechte staerken.
Die Leute muessen ja kaufen, weil sie in Mietwohnungen (das gilt zumindest fuer die USA, UK, Irland) jederzeit auf die Strasse gesetzt werden koennen, nicht mal einen Klebstreifen an die Wand kleben duerfen, die heruntergekommenen Altmoebel des Vermieters uebernehmen muessen etc.
Man muss (mit Rechtsmitteln) dafuer sorgen, dass auch eine Mietwohnung ein "Zuhause" sein kann - und schon ist die Immobilienspekulation gebremst.
Zitat - Es ist ein allgemeiner Rausch gewesen - nicht geplante Übervorteilung von bedauernswerten "kleinen Leuten" durch "Finanzhaie". -
Abgesehen davon, dass viele Menschen wie im Bericht, einfach mitgemacht haben, wurden auch Kredite von Banken ohne Nachprüfung der Zahlungsfähigkeit vergeben. Ich nehme an, dass die "Moral" der Banken in England ähnlich denen in den USA ist/war. In den USA wurden Kredite mit Renditeaufschlag vergeben, das heißt mit einer Zukunftserwartung. Das Objekt ist heute 100.000 wert und in zwei Jahren 140.000 und deshalb geben wir einen Kredit von 140.000. Heute ist das Objekt dann leider nur noch 70.000 wert.
In Deutschland werden Hypotheken-Kredite in der Regel bis 80% des zu zahlenden Kaufpreises vergeben. Das ist dann doch schon seriöser.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Uebervorteilung von kleinen Leuten durch Finanzhaie? Also bitte - wenn die Leute falsche Angaben in den Fromularen machen, sind sie schon auch selbst fuer die Misere verantwortlich...
Es gibt eine ganz einfache Loesung fuer dieses Problem, die in Deutschland ja auch recht erfolgreich ist: Mieterrechte staerken.
Die Leute muessen ja kaufen, weil sie in Mietwohnungen (das gilt zumindest fuer die USA, UK, Irland) jederzeit auf die Strasse gesetzt werden koennen, nicht mal einen Klebstreifen an die Wand kleben duerfen, die heruntergekommenen Altmoebel des Vermieters uebernehmen muessen etc.
Man muss (mit Rechtsmitteln) dafuer sorgen, dass auch eine Mietwohnung ein "Zuhause" sein kann - und schon ist die Immobilienspekulation gebremst.
Zitat - Es ist ein allgemeiner Rausch gewesen - nicht geplante Übervorteilung von bedauernswerten "kleinen Leuten" durch "Finanzhaie". -
Abgesehen davon, dass viele Menschen wie im Bericht, einfach mitgemacht haben, wurden auch Kredite von Banken ohne Nachprüfung der Zahlungsfähigkeit vergeben. Ich nehme an, dass die "Moral" der Banken in England ähnlich denen in den USA ist/war. In den USA wurden Kredite mit Renditeaufschlag vergeben, das heißt mit einer Zukunftserwartung. Das Objekt ist heute 100.000 wert und in zwei Jahren 140.000 und deshalb geben wir einen Kredit von 140.000. Heute ist das Objekt dann leider nur noch 70.000 wert.
In Deutschland werden Hypotheken-Kredite in der Regel bis 80% des zu zahlenden Kaufpreises vergeben. Das ist dann doch schon seriöser.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Uebervorteilung von kleinen Leuten durch Finanzhaie? Also bitte - wenn die Leute falsche Angaben in den Fromularen machen, sind sie schon auch selbst fuer die Misere verantwortlich...
Es gibt eine ganz einfache Loesung fuer dieses Problem, die in Deutschland ja auch recht erfolgreich ist: Mieterrechte staerken.
Die Leute muessen ja kaufen, weil sie in Mietwohnungen (das gilt zumindest fuer die USA, UK, Irland) jederzeit auf die Strasse gesetzt werden koennen, nicht mal einen Klebstreifen an die Wand kleben duerfen, die heruntergekommenen Altmoebel des Vermieters uebernehmen muessen etc.
Man muss (mit Rechtsmitteln) dafuer sorgen, dass auch eine Mietwohnung ein "Zuhause" sein kann - und schon ist die Immobilienspekulation gebremst.
wenn auch "nur" langfristig.
Abschreckende Rechte für Mieter (bis hin zum Recht, keine Miete bezahlen zu müssen) verhindert recht bald Wohnungsneubau, das bringt Mangel an Mietwohnungen, Mietsteigerung usw.
Dann kann wieder auf böse Hausbesitzer geschimpft werden, und alle sind glücklich.
Was staatliche Eingriffe zum Ergebnis haben, kann jederzeit am "sozialen Wohnungsbau" der Trabantenstädte besichtigt werden - wie teuer die sind und wie groß der Prozentsatz an Steuern ist, um diese Ruinenstädte zu finanzieren, das weiß (zum Glück?) Keiner (und will es auch nicht wissen).
wenn auch "nur" langfristig.
Abschreckende Rechte für Mieter (bis hin zum Recht, keine Miete bezahlen zu müssen) verhindert recht bald Wohnungsneubau, das bringt Mangel an Mietwohnungen, Mietsteigerung usw.
Dann kann wieder auf böse Hausbesitzer geschimpft werden, und alle sind glücklich.
Was staatliche Eingriffe zum Ergebnis haben, kann jederzeit am "sozialen Wohnungsbau" der Trabantenstädte besichtigt werden - wie teuer die sind und wie groß der Prozentsatz an Steuern ist, um diese Ruinenstädte zu finanzieren, das weiß (zum Glück?) Keiner (und will es auch nicht wissen).
So interessant wie das alles ist, in Deutschland kann man schon verarmen, wenn man einmal ab einem bestimmten Alter seinen Arbeitsplatz verliert, trotz rationaler Lebensführung.
Natürlich ist in Deutschland das Eigenheim Ausdruck von Privileg, Blödsinn übrigens, und wir haben mittlerweile eine Mietergesetzgebung, mit der man schon auf weitgehende Mietfreiheit spekulieren kann, wenn man will.
Vor der Krise des neuen Marktes haben übrigens eine Menge Leute genauso mit Aktien gehandelt, wie die beschriebenen Menschen mit ihren Häusern. Es gilt eben immer Zocken zahlt sich auf Dauer nicht aus. Die im Artíkel beschriebenen Menschen hätten bei umsichtigem Wirtschaften ihr Haus und damit eine Sicherheit. Hinterher sind es natürlich immer die anderen schuld. In Deutschland sind die meisten Verlierer sowieso Gutverdiener, die ihre Verluste kompensieren können, ein scheinbarer Vorteil der restriktiven Geldpolitik unseres Landes.
Wenn sie allerdings in Deutschland einmal unten sind, dann bleiben sie es auch, zwar einigermaßen versorgt, aber eben unten. Und oben wird weiter an der Umverteilung gebastelt.
Insofern gilt dem Dorf meine Symphatie und ich wünsche denen alles Gute.
Wieso ist in Deutschland das Eigenheim Ausdruck von Privileg? Es gibt jede Menge Deutsche, die ohne Probleme einen Hauskredit bekaemen, lieber aber sich problemlose Umzugsoptionen offenhalten wollen und stattdessen in geraeumigen Mietwohnungen leben. Umgekehrt ist der Anteil an Eigenkapital, den man aufbringen muss um einen Hauskredit zu bekommen schon mit einem kleinen auf 5 Jahre angelegten Bausparvertrag zu realisieren. Zudem sind die Immobilienpreise in Deutschland im westeuropaeischen Vergleich sehr niedrig. Fuer 80.000 Euro kann man bereits eine 2-Zimmer-Wohnung in Koeln oder Berlin kaufen. Das laed weniger zur Spekulation ein, das ist richtig - schrittweiser sozialer Aufstieg wird dadurch aber nicht verhindert.
Wieso ist in Deutschland das Eigenheim Ausdruck von Privileg? Es gibt jede Menge Deutsche, die ohne Probleme einen Hauskredit bekaemen, lieber aber sich problemlose Umzugsoptionen offenhalten wollen und stattdessen in geraeumigen Mietwohnungen leben. Umgekehrt ist der Anteil an Eigenkapital, den man aufbringen muss um einen Hauskredit zu bekommen schon mit einem kleinen auf 5 Jahre angelegten Bausparvertrag zu realisieren. Zudem sind die Immobilienpreise in Deutschland im westeuropaeischen Vergleich sehr niedrig. Fuer 80.000 Euro kann man bereits eine 2-Zimmer-Wohnung in Koeln oder Berlin kaufen. Das laed weniger zur Spekulation ein, das ist richtig - schrittweiser sozialer Aufstieg wird dadurch aber nicht verhindert.
Zitat - Es ist ein allgemeiner Rausch gewesen - nicht geplante Übervorteilung von bedauernswerten "kleinen Leuten" durch "Finanzhaie". -
Abgesehen davon, dass viele Menschen wie im Bericht, einfach mitgemacht haben, wurden auch Kredite von Banken ohne Nachprüfung der Zahlungsfähigkeit vergeben. Ich nehme an, dass die "Moral" der Banken in England ähnlich denen in den USA ist/war. In den USA wurden Kredite mit Renditeaufschlag vergeben, das heißt mit einer Zukunftserwartung. Das Objekt ist heute 100.000 wert und in zwei Jahren 140.000 und deshalb geben wir einen Kredit von 140.000. Heute ist das Objekt dann leider nur noch 70.000 wert.
In Deutschland werden Hypotheken-Kredite in der Regel bis 80% des zu zahlenden Kaufpreises vergeben. Das ist dann doch schon seriöser.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Der Immobilencrash in Deutschland 1982 ff (ca.7 Jahre waren Häuser "unten") hatte die Ursachen genau wie jetzt in GB in 100%iger Finanzierung von Häusern für Menschen, die sich Häuser nur knapp leisten konnten.
erst danach wurde wieder die 80%/60% - Finanzierung beachtet.
Übrigens waren auch um 1980 in D. die Zinsen von 4% sehr schnell auf 9% gestiegen, aber interessanterweise eben schon vor dem Crash.
Es ist danach zwar insgesamt etwas komplizierter gelaufen (z.B. die Einreisewelle aus Ostdeutschland nach Westd. ab 1990 brachte viel Unruhe, Engpässe und dann Fehlentscheidungen), aber insgesamt blieb seitdem der Immobilienmarkt hier "normal".
Das wird wohl auch anderswo so laufen - in ca. 5 Jahren ist der Immobilienmarkt in USA, GB und anderswo (Spanien, Irland, Dubai ff) wieder auf "normalem Niveau, wie jetzt in Deutschland.
Jammernde Verlierer dieses Geschehens gab es damals in Deutschland übrigens wenig (komischerweise, ich vermute ja, dass das "deutsche Jammern" eher Ostimport nach 1990 ist).
Der Immobilencrash in Deutschland 1982 ff (ca.7 Jahre waren Häuser "unten") hatte die Ursachen genau wie jetzt in GB in 100%iger Finanzierung von Häusern für Menschen, die sich Häuser nur knapp leisten konnten.
erst danach wurde wieder die 80%/60% - Finanzierung beachtet.
Übrigens waren auch um 1980 in D. die Zinsen von 4% sehr schnell auf 9% gestiegen, aber interessanterweise eben schon vor dem Crash.
Es ist danach zwar insgesamt etwas komplizierter gelaufen (z.B. die Einreisewelle aus Ostdeutschland nach Westd. ab 1990 brachte viel Unruhe, Engpässe und dann Fehlentscheidungen), aber insgesamt blieb seitdem der Immobilienmarkt hier "normal".
Das wird wohl auch anderswo so laufen - in ca. 5 Jahren ist der Immobilienmarkt in USA, GB und anderswo (Spanien, Irland, Dubai ff) wieder auf "normalem Niveau, wie jetzt in Deutschland.
Jammernde Verlierer dieses Geschehens gab es damals in Deutschland übrigens wenig (komischerweise, ich vermute ja, dass das "deutsche Jammern" eher Ostimport nach 1990 ist).
Der Immobilencrash in Deutschland 1982 ff (ca.7 Jahre waren Häuser "unten") hatte die Ursachen genau wie jetzt in GB in 100%iger Finanzierung von Häusern für Menschen, die sich Häuser nur knapp leisten konnten.
erst danach wurde wieder die 80%/60% - Finanzierung beachtet.
Übrigens waren auch um 1980 in D. die Zinsen von 4% sehr schnell auf 9% gestiegen, aber interessanterweise eben schon vor dem Crash.
Es ist danach zwar insgesamt etwas komplizierter gelaufen (z.B. die Einreisewelle aus Ostdeutschland nach Westd. ab 1990 brachte viel Unruhe, Engpässe und dann Fehlentscheidungen), aber insgesamt blieb seitdem der Immobilienmarkt hier "normal".
Das wird wohl auch anderswo so laufen - in ca. 5 Jahren ist der Immobilienmarkt in USA, GB und anderswo (Spanien, Irland, Dubai ff) wieder auf "normalem Niveau, wie jetzt in Deutschland.
Jammernde Verlierer dieses Geschehens gab es damals in Deutschland übrigens wenig (komischerweise, ich vermute ja, dass das "deutsche Jammern" eher Ostimport nach 1990 ist).
Wieso ist in Deutschland das Eigenheim Ausdruck von Privileg? Es gibt jede Menge Deutsche, die ohne Probleme einen Hauskredit bekaemen, lieber aber sich problemlose Umzugsoptionen offenhalten wollen und stattdessen in geraeumigen Mietwohnungen leben. Umgekehrt ist der Anteil an Eigenkapital, den man aufbringen muss um einen Hauskredit zu bekommen schon mit einem kleinen auf 5 Jahre angelegten Bausparvertrag zu realisieren. Zudem sind die Immobilienpreise in Deutschland im westeuropaeischen Vergleich sehr niedrig. Fuer 80.000 Euro kann man bereits eine 2-Zimmer-Wohnung in Koeln oder Berlin kaufen. Das laed weniger zur Spekulation ein, das ist richtig - schrittweiser sozialer Aufstieg wird dadurch aber nicht verhindert.
Ich glaube dieser Artikel gibt die Antwort auf die Frage, warum eigentlich das Volk nicht kollektiv und welt weit auf der Straße gegen die Finanzkrise und ihre Verursacher protestiert:
Die meisten haben nooch gar nicht kapiert, wie sie in der Scheiße sitzen.
Wer in einer Situation ist wie Vicky und Benn in diesem Artikel, ist nicht "zurück auf los". So jemand ist AUS DEM SPIEL. Und zwar auch dann, wenn er sich nicht durch falsche Angaben starfbar gemacht hat.
... aber was heisst denn "aus dem Spiel"? Soweit ich weiss ist es mit den Krediten in den USA so, dass das Haus als einzige Sicherheit einsteht. D.H. wer das Haus verliert , ist damit auch die Schulden los. Schlecht fuer die Bank - in dem Fall aber gut fuer die ehemaligen Besitzer. Das ist doch gerade der Grund, warum die Kredite nach dem Preissturz der Haeuser wertlos sind.
In Deutschland waere das doch viel schlimmer: die Leute verlieren ihre Haeuser, muessen aber dennoch mindestens 6 Jahre lang Schulden abstottern (wenn sie ueberhaupt ins Insolvenzverfahren kommen - wenn nicht zahlen sie ein Leben lang). Wie das in England ist, weiss ich nicht - solange aber "aus dem Spiel sein" nur heisst, kuenftig eben wieder zur Miete zu wohnen und zu arbeiten, statt von Mieteinnahmen zu leben, ist das doch eigentlich ein kleiner Preis fuer die schoenen vergangenen Jahre.
... aber was heisst denn "aus dem Spiel"? Soweit ich weiss ist es mit den Krediten in den USA so, dass das Haus als einzige Sicherheit einsteht. D.H. wer das Haus verliert , ist damit auch die Schulden los. Schlecht fuer die Bank - in dem Fall aber gut fuer die ehemaligen Besitzer. Das ist doch gerade der Grund, warum die Kredite nach dem Preissturz der Haeuser wertlos sind.
In Deutschland waere das doch viel schlimmer: die Leute verlieren ihre Haeuser, muessen aber dennoch mindestens 6 Jahre lang Schulden abstottern (wenn sie ueberhaupt ins Insolvenzverfahren kommen - wenn nicht zahlen sie ein Leben lang). Wie das in England ist, weiss ich nicht - solange aber "aus dem Spiel sein" nur heisst, kuenftig eben wieder zur Miete zu wohnen und zu arbeiten, statt von Mieteinnahmen zu leben, ist das doch eigentlich ein kleiner Preis fuer die schoenen vergangenen Jahre.
... aber was heisst denn "aus dem Spiel"? Soweit ich weiss ist es mit den Krediten in den USA so, dass das Haus als einzige Sicherheit einsteht. D.H. wer das Haus verliert , ist damit auch die Schulden los. Schlecht fuer die Bank - in dem Fall aber gut fuer die ehemaligen Besitzer. Das ist doch gerade der Grund, warum die Kredite nach dem Preissturz der Haeuser wertlos sind.
In Deutschland waere das doch viel schlimmer: die Leute verlieren ihre Haeuser, muessen aber dennoch mindestens 6 Jahre lang Schulden abstottern (wenn sie ueberhaupt ins Insolvenzverfahren kommen - wenn nicht zahlen sie ein Leben lang). Wie das in England ist, weiss ich nicht - solange aber "aus dem Spiel sein" nur heisst, kuenftig eben wieder zur Miete zu wohnen und zu arbeiten, statt von Mieteinnahmen zu leben, ist das doch eigentlich ein kleiner Preis fuer die schoenen vergangenen Jahre.
das Prinzip "Nur das Haus" ist belastbar" kannte ich noch nicht.
Können Sie mehr dazu mitteilen?
das Prinzip "Nur das Haus" ist belastbar" kannte ich noch nicht.
Können Sie mehr dazu mitteilen?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren