Gesellschaftskritik Die Einsamkeit der Promis

Sie fühle sich oft verdammt einsam, verriet Grünen-Chefin Claudia Roth vor Kurzem. Mit diesem Bekenntnis befindet sie sich in guter Gesellschaft

Grünen-Chefin Claudia Roth bekannte vor Kurzem in einem Interview, sie fühle sich oft "verdammt einsam". Als Prominente sei es zudem sehr schwer, "ein vernünftiges Privatleben zu haben", ganz sie selbst zu sein: In der Öffentlichkeit "darfst du nicht schweigen, weil du in dem Moment gerade mundfaul bist".

Einsamkeit. Der 56-jährige Schlosser in Köln-Kalk, der an Weihnachten von Frau und Kind verlassen wurde, da er unter einem lautstarken Alkoholproblem, unter Arbeitslosigkeit und Übergewicht leidet, ist einsam. Claudia Roth meint offensichtlich eine andere Form von Einsamkeit, eine gewissermaßen dekadentere. Sie ist einsam, gerade weil sie andauernd mit irgendjemandem reden muss: mit Richard Gere und Christopher Lee auf einem Wohltätigkeitsempfang während der Berlinale, mit Sabine Christiansen auf der Bertelsmann-Party, mit Jenny Elvers und Tom Tykwer nach einer Filmpremiere, während einer Talkshow mit Alice Cooper, tanzend mit Johannes B. Kerner und so weiter.

Claudia Roth geht gern aus. Und sie ist in ihrer Einsamkeit in guter Gesellschaft. In den vergangenen Monaten haben sich nämlich zahlreiche Prominente zu ihrer Einsamkeit bekannt: Jodie Foster ("Ich bin oft einsam"), Matthias Schweighöfer ("Ich bin oft allein im Hotelzimmer"), George Clooney ("Natürlich fühle ich mich manchmal einsam"), auch der Ex-Trainer von Schalke, Mirko Slomka ("Als Trainer ist man sehr einsam").

Vieles spricht dafür, dass Einsamkeit ein reizvoller Topos ist, dass die Einsamkeitsbekundung, gezielt eingesetzt, einen veredelt. Claudia Roth hat bereits vor acht Jahren in einem ZEIT-Interview erklärt, sie "empfinde manchmal ein großes Einsamkeitsgefühl".

Ihre Einsamkeit dauert also an. Bei Politikern, so scheint es, ist die Behauptung von Einsamkeit die letztmögliche Form eines heroischen Habitus. Der beständigen öffentlichen Kritik ausgesetzt, entzieht sich der Politiker ihr mit der Suggestion einer einsamen Charaktertiefe, die nur außerhalb der Gesellschaft zu verorten sei.

Der Einsame in der Menge ist der Unverstandene, der das Blabla einer Party, dessen Spielregeln er kennt, verachtet. Niemand ist so individuell wie der Einsame. Eine Entwicklung, die übrigens recht jung ist. Erst im 18. Jahrhundert setzt aus kulturwissenschaftlicher Sicht eine massive Aufwertung der Einsamkeit ein, was nicht zufällig mit dem einsamen Leser, sprich: mit der Massenproduktion von Romanen einhergeht.

Von da an ist der Einsame nicht alleine, ist er stets verbunden mit anderen Einsamen: Er liest einsam den Werther und weiß doch, dass ihn Tausende lesen, er schaut im Hotel Anne Will und schaut sie mit Millionen anderen. Er spricht in Interviews von seiner Einsamkeit und weiß, es werden Unzählige um sie wissen.

 
Leser-Kommentare
    • deweka
    • 10.02.2009 um 10:48 Uhr

    Ein köstlicher Beitrag. Realsatire.

    Was m.E. einen weiteren Beitrag wert wäre, ist die "Betroffenheitsfähigkeit der Claudia Roth".

    Für mich hat kein Politker und keine Politikerin eine so große, fein nuancierte Vielfalt an Betroffenheitsausdrucksformen wie Frau Roth. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass sie ihre Garderobe der jeweiligen Betroffenheitsproblematik anpasst.

    Dieter Klemke

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    sollte Betroffenheitsfähigkeit für einen Politiker keine wichtige Eigenschaft sein? Oder ist sie es doch und sie kaufen das Frau Roth nur nicht ab? Aber wem denn dann?

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    sollte Betroffenheitsfähigkeit für einen Politiker keine wichtige Eigenschaft sein? Oder ist sie es doch und sie kaufen das Frau Roth nur nicht ab? Aber wem denn dann?

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

  1. Claudia Roth und Konsorten sind natürlich einsam - weil sie unangenehme Zeitgenossen sind. Zudem noch steht sie im TV als Powerfrau da, die ständig angriffslustig ist. Wenn das Scheinwerferlicht aus ist, ist sie sich ihrer Einsamkeit bewußt. Solche Menschen, die ihre Soziale Macht auf Grund der A.nti-Semi-tismus-Keule haben - also der Einschüchterung aller anderen, haben eben keine Freunde. Letzten Endes mögen eben selbst Ausländer (für die sich die Roth so gerne einsetzt) lieber normal fühlende Menschen, die sich und ihr Land mögen - wer sich selbst und seines gleichen ablehnt hat intuitiv ein Psycho-Problem.

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    Bitte erklären Sie mir:
    - Warum ist Frau Roth ein unangenehmer Zeitgenosse?
    - Ist sie etwa keine Powerfrau, und was macht sie bitte angriffslustig? Das sie eine Meinung hat und sagt?
    - Wen hat sie wann und wo eingeschüchtert?
    - Woher wissen Sie, was normal fühlen ist und vorallem, dass Frau Roth das nicht täte?
    - Womit lehnt sie sich und ihresgleichen ab?

    Haben Sie auf irgendwas davon eine Antwort? Sonst wär ich vorsichtig damit, anderen ein Psycho-Problem zu unterstellen.

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    Bitte erklären Sie mir:
    - Warum ist Frau Roth ein unangenehmer Zeitgenosse?
    - Ist sie etwa keine Powerfrau, und was macht sie bitte angriffslustig? Das sie eine Meinung hat und sagt?
    - Wen hat sie wann und wo eingeschüchtert?
    - Woher wissen Sie, was normal fühlen ist und vorallem, dass Frau Roth das nicht täte?
    - Womit lehnt sie sich und ihresgleichen ab?

    Haben Sie auf irgendwas davon eine Antwort? Sonst wär ich vorsichtig damit, anderen ein Psycho-Problem zu unterstellen.

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    • Anonym
    • 10.02.2009 um 21:56 Uhr

    wenn ich mich ständig mit meiner eigenen Selbstgerechtigkeit auseinandersetzen müßte.
    Nun hat sie wahrscheinlich festgestellt, dass daraus resultiert, dass wirkliche Freunde längst abhanden gekommen sind.

    Herzlichst
    Auf ein Wort

  2. ja Claudia, das Leben an der Spitze ist einsam....aber dann reisst Du Dich doch jedes Mal wieder darum ....also hoer auf zu jammern.

    • Jovita
    • 11.02.2009 um 10:54 Uhr

    Frau Roth ist einsam, ich auch, so bin ich doch in bester Gesellschaft! Gerade die Lautesten, die Lustigsten, sind es, die am stärksten an ihrer Einsamkeit leiden. Einsamkeit hat viele Gesichter: die Menschen, die geliebt werden wollen und andere aus Verzweiflung mit Geschenken an sich binden möchten – Menschen, die Kontaktschwierigkeiten haben und deshalb niemanden zum Reden haben, geschweige denn zum Lieben, weshalb sie den innigsten Kontakt zu ihrem Computer haben - die Menschen, die es leid sind, ihre Mitmenschen mit ihren schlecht möblierten Oberstübchen tagtäglich ertragen zu müssen, weshalb sie sich verkriechen – Menschen, die zu der Sparte der Arbeitssüchtigen (es gibt sie schon mind. seit Gustav Flaubert) gehören und abends froh sind, die Türe hinter sich zumachen zu können – da sind noch die Menschen, die Nähe nicht ertragen, so daß es ihnen ausreicht, mal an einem Kurs teilzunehmen, ins Kino zu gehen, ein Konzert zu genießen, was dann Nähe und Trubel genug für sie darstellt. Bei Letzteren könnte man sagen, sie sind allein, aber nicht einsam, denn sie leiden nicht! Doch Vorsicht, das Leiden kann im Alter kommen, dann wird spürbar, was man alles versäumt hat. "So stellt die Weichen für ein erfülltes Miteinander rechtzeitig, dann wenn man körperlich und geistig noch beweglich ist!"

  3. Auf der Startseite wird dieser Artikel mit dem kleinen Zusatz "Gesellschaftskritik:" versehen. Leider konnte ich keine Kritik entdecken. Ich mache einen Versuch, über die Bestandsaufnahme hinauszugehen.

    Nach allen Studien der letzten Jahre steigen die Zahlen chronisch einsamer und - damit oft eng verbunden - depressiver Menschen drastisch. Über die Ursachen streitet sich die Forschung freilich kontrovers. Eine Deutung, derer ich mich bedienen möchte, weil ich der Ansicht bin, dass ganzheitliche Betrachtungen nicht schaden und weil ich die These zudem für besonders geeignet halte, wenn es um Personen des öffentlichen Lebens geht, beruft sich auf das Wert-Abspaltungs-Theorem nach Roswitha Scholz. Dieses Theorem an dieser Stelle umfänglich zu erläutern, hat wenig Sinn, aus der Anwendung lassen sich die relevanten Kernpunkte erschließen.

    Unsere soziale Wirklichkeit und alltägliche Erfahrung teilen sich in den privaten und den öffentlichen Raum. An letzterem nehmen wir beruflich und in allen kollektiven Praxen teil. Von zentraler Bedeutung für die Identitätsbildung in diesen Räumen ist die Tätigkeit, die einer Person im öffentlichen Raum objektiv zugesprochen wird. Im üblichen Falle ist dies der Beruf. Es folgt - die Reihenfolge hat sich in den letzten dreißig Jahren verändert - das Geschlecht. Steckbriefmäßig: "Manfred Mustermann, Schlosser, männlich, 29 Jahre alt."

    Da der öffentliche Anteil des Lebens einer Person zu ihrer Identitätsbildung objektiv so maßgeblich beiträgt (was einer beruflich macht, ist oft die erste Frage, die man zur Information und Einordnung stellt), geht er ebenfalls stark in ihr Selbstverhältnis und -verständnis ein. Der öffentliche Raum westlicher Kulturen ist besetzt durch 'Vernunft' und demokratische Ordnung, in kapitalistischen Ökonomien überdies durch den Begriff Leistung samt verwandter Kategorien.
    Von Wert ist für die objektive Einschätzung dessen, wer oder was eine Person ist, ist der Wert, den sie - orientiert an diesen Standards - erzeugt oder zu erzeugen beiträgt. Menschen, denen die Teilhabe an in diesem Sinne wertschöpfenden Praxen entzogen ist, leiden darunter - es erschüttert sie in ihrer Identität, in ihrem Selbstverhältnis.
    Der Bereich des privaten Lebens bildet den Gegenpol des öffentlichen Lebens und wiegt die Härten und Ansprüche auf. Oft jedoch ist das nicht mehr möglich. Aus profanen Gründen wie Zeitmangel kann der Druck des öffentlichen Lebens das Private - besetzt durch Emotionalität, menschliche Nähe und Authentizität - nicht mehr nur abspalten, sondern ganz verdrängen.

    Das Leiden der Claudia Roth, das ich konkret unkommentiert lassen möchte, ist die Rückseite der Medaille des Langzeitarbeitslosen, dem die belebende Möglichkeit des Rückzugs ins Private dadurch genommen ist, dass ihm der öffentliche Raum entzogen wurde.

    Eine Gesellschafts-, näher eine Wirtschaftsform, in der Menschen nach ihrem Beitrag zur Wertschöpfung nicht nur bewertet, sondern kategorial bestimmt werden, enthält in ihrer Organisationsstruktur das Grundrisiko der Selbstentfremdung.

  4. 7. Warum

    sollte Betroffenheitsfähigkeit für einen Politiker keine wichtige Eigenschaft sein? Oder ist sie es doch und sie kaufen das Frau Roth nur nicht ab? Aber wem denn dann?

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

  5. Bitte erklären Sie mir:
    - Warum ist Frau Roth ein unangenehmer Zeitgenosse?
    - Ist sie etwa keine Powerfrau, und was macht sie bitte angriffslustig? Das sie eine Meinung hat und sagt?
    - Wen hat sie wann und wo eingeschüchtert?
    - Woher wissen Sie, was normal fühlen ist und vorallem, dass Frau Roth das nicht täte?
    - Womit lehnt sie sich und ihresgleichen ab?

    Haben Sie auf irgendwas davon eine Antwort? Sonst wär ich vorsichtig damit, anderen ein Psycho-Problem zu unterstellen.

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

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