Überwachung Google weiß, wo du bist

Der Datenkrake hat ein enormes Gedächtnis – und will noch mehr erfahren. Nun sollen die Menschen Google auf dem Handy ständig bei sich tragen

Der Hamburger Jungfernstieg aus der Perspektive von Google Earth

Der Hamburger Jungfernstieg aus der Perspektive von Google Earth

Es ist ein stummer und pausenloser Dialog: Ich bin dein Handy. Und der kleine blaue Punkt auf dem Stadtplan im Display – das bist du. Meine Antennen und das Navigationsprogramm in meinen Speicherchips verraten mir, dass du vor dem Rathaus stehst. Sag mal: Wohin willst du eigentlich? Ah, zum Bahnhof? Hier entlang!

In der Datensprache der Handys heißt das:
194.77.157.241 – 25/Jan/2009 – 10:23:54 – search?q=Hamburg-Rathaus-to-Bahnhof.

Seit Beginn dieser Woche verkaufen der Internetkonzern Google und die Mobilfunkfirma TMobile hierzulande das Handy G1, und wer es sich zulegt, trägt fortan einen cleveren kleinen Helfer mit sich herum. Man kann ihn nach dem richtigen Weg fragen, nach Einkaufstipps, Sehenswürdigkeiten und allerlei sonstigen Belangen des täglichen Lebens. Doch das Zwiegespräch mit dem Handy ist nie ganz privat. Koordinaten, Wünsche, Ziele – diese persönlichen Daten werden laufend aus dem Handy versendet. An Google und seine Partnerfirmen. Denn erst so wird die Fülle neuer Dienste überhaupt möglich.

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Hey! Ich helfe dir, ein Taxi zu finden, egal, in welcher Stadt du gerade herumläufst! Ich zeige dir den nächsten Taxistand oder liefere dir die Nummer der Taxiunternehmen am Ort! Du musst dich um nichts kümmern. Wenn du einen Wagen rufen möchtest, drücke einfach »hier«.

194.77.157.241 – 25/Jan/2009 – 11:18:58 – search?q=Taxi – call?q=Hansataxi – location?q=Neß.

Halte die Linse deiner Handykamera einfach auf ein historisches Gebäude, und ich sage dir, was dort los ist und wer es gebaut hat! Einen Reiseführer aus Papier brauchst du nicht mehr.

194.77.157.241 – 25/Jan/2009 – 12:34:01 – search?q=Kunsthalle – ask?q=Wikipedia – show?q=Ergebnis.

Taxilotse, Reiseführer, Einkaufshilfe, und das alles unterwegs – Technikvisionäre prophezeien schon seit zehn Jahren das Internet zum Mitnehmen: das neue Zeitalter, in dem jeder ständig und überall online ist. Nun ist es in greifbarer Nähe. Bereits jedes achte Handy ist heute ein sogenanntes Smartphone – ein kleiner Computer, der noch so tut, als sei er ein Telefon. Dabei schlagen die kleinen Rechenzwerge nur wenige Jahre ältere Laptops um Längen. Und dank der eingebauten GPS-Satellitenempfänger verkaufen sie sich in vielen Ländern bereits besser als herkömmliche Navigationssysteme.

Apples iPhone ebnete vor eineinhalb Jahren den Weg. Als Statussymbol der Informationsgesellschaft wandte es sich an jene, die genügend Geld und Geltungsbewusstsein besaßen.

Google hingegen will nun die Masse der Otto Normalsurfer erreichen und bringt gemeinsam mit T-Mobile ein eigenes Handy auf den Markt. Es bietet »Google to go«.

Leser-Kommentare
    • TyRell
    • 08.02.2009 um 18:41 Uhr

    Das große "Google-Special" der "ZEIT" habe ich mit großen Interesse gelesen, aber wirklich neu sind alle diese Fakten für mich nicht.

    Mit simplen Methoden habe ich es mir bereits vor Jahren abgewöhnt, mit Google das Internet zu durchsuchen. Häufig besuchte Seiten sind als Lesezeichen in meinem Browser vermerkt, Wikipedia ist die integrierte Suche in meinem Browser, wo ich Google ebenfalls entfernt habe. Das gesamte Angebot von Google-Diensten nutze ich überhaupt nicht, also weder den Browser, Google-Earth noch die Email-Programme. Cookies werden ganz einfach blockiert und Google ist auch nicht meine Hauptseite.

    Dienste, die in der "Datensammelliga" von Google spielen, also die ganzen dumpfen "Social Networks" sowie YouTube stehen bei mir auf der Tabu-Liste.

    Es ist einfach, sich gegen die Kommerzialisierung der eigenen Person zu wehren. Der entscheidende Punkt liegt einfach darin, damit endlich anzufangen.

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    Grüß Dich TyRell,

    Das man sich einfach gegen die Sammelwut von Big G wehren kann ist an sich und für den Normalanwender sicher richtig, aber im speziellen dann doch nicht so ganz.
    Ich bin zum Beispiel Architekturstudent und brauche immer mal wieder die Satellitenbilder von Google Earth. Es wird bei uns einfach vorausgesetzt das man die Dinger in die Präsentationen mit einbezieht.
    Mir ist leider einfach keine andere Quelle für Satellitenbilder bekannt.
    Immer öfter meinen auch Leute (Architekturbüros), das sketch-up wer weiß wie toll auch für Architekten währe. Nun, es ist mit Sicherheit, von der Anwendbarkeit und den Ergebnissen her, nicht schlecht. Was mich stört sind zum Einen eben Big G, das es letztendlich viele "professionelle" funktionen eben doch nicht hat und das es für die Kommerzielle Nutzung (also für mich, wenn ich mal ein Büro gründe) dann eben doch wieder 380 € kostet.

    Ich freue mich darum immer wieder wenn Leute Tipps und Anregungen geben, wo man dem Kraken ausweichen kann und finde es auch immer wieder klasse wenn sich Idealisten finden die auch weiter an neuen und besseren Lösungen feilen.

    Damit die gefahren von Google den Leuten bewusster werden und die Ausweichmöglichkeiten bekannter ist es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen und das Thema auch öffentlich zu diskutieren.

    In diesem Sinne Thx und Gruß,

    Kathedral

    Stimmt. Wo immer es Sinn macht, nutze ich ebenfalls meine Freiheit des Abschaltens. Und dies ist ja nicht nur bei google möglich, sondern auch beim Handy. Mein T-mobile-Vertrag ist bereits gekündigt. Ich werde auf ein einfaches Handy mit Grundfunktionen zurückgreifen und unterwegs richtige Menschen fragen, wenn ich was wissen will. Soll ungemein kontaktfördernd sein ;-)

    Grüß Dich TyRell,

    Das man sich einfach gegen die Sammelwut von Big G wehren kann ist an sich und für den Normalanwender sicher richtig, aber im speziellen dann doch nicht so ganz.
    Ich bin zum Beispiel Architekturstudent und brauche immer mal wieder die Satellitenbilder von Google Earth. Es wird bei uns einfach vorausgesetzt das man die Dinger in die Präsentationen mit einbezieht.
    Mir ist leider einfach keine andere Quelle für Satellitenbilder bekannt.
    Immer öfter meinen auch Leute (Architekturbüros), das sketch-up wer weiß wie toll auch für Architekten währe. Nun, es ist mit Sicherheit, von der Anwendbarkeit und den Ergebnissen her, nicht schlecht. Was mich stört sind zum Einen eben Big G, das es letztendlich viele "professionelle" funktionen eben doch nicht hat und das es für die Kommerzielle Nutzung (also für mich, wenn ich mal ein Büro gründe) dann eben doch wieder 380 € kostet.

    Ich freue mich darum immer wieder wenn Leute Tipps und Anregungen geben, wo man dem Kraken ausweichen kann und finde es auch immer wieder klasse wenn sich Idealisten finden die auch weiter an neuen und besseren Lösungen feilen.

    Damit die gefahren von Google den Leuten bewusster werden und die Ausweichmöglichkeiten bekannter ist es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen und das Thema auch öffentlich zu diskutieren.

    In diesem Sinne Thx und Gruß,

    Kathedral

    Stimmt. Wo immer es Sinn macht, nutze ich ebenfalls meine Freiheit des Abschaltens. Und dies ist ja nicht nur bei google möglich, sondern auch beim Handy. Mein T-mobile-Vertrag ist bereits gekündigt. Ich werde auf ein einfaches Handy mit Grundfunktionen zurückgreifen und unterwegs richtige Menschen fragen, wenn ich was wissen will. Soll ungemein kontaktfördernd sein ;-)

  1. 2. ...

    jetzt muss man nur noch sein handy abschaffen. :-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 11.02.2009 um 20:47 Uhr

    genau.
    hat schon mal jemand die tv-werbung des g1 gesehen?
    richtig schlecht

    • Anonym
    • 11.02.2009 um 20:47 Uhr

    genau.
    hat schon mal jemand die tv-werbung des g1 gesehen?
    richtig schlecht

  2. Google ubiquitär? Es geht auch ohne: ich suche mit Ixquick, einer Meta-Suchmaschine, bei der meine IP-Adresse nicht gespeichert wird, und die meine Anfragen an mehrere Suchmaschinen weiterleitet. Bei den Ergebnissen ist das große Google nicht einmal besonders häufig auf den ersten Plätzen - dafür sorgt die Sortierung nach Ergebnissen, die zwischen den Suchmaschinen übereinstimmen. Nun gut: es dauert 1 Sekunde länger - soviel Zeit wende ich gerne auf! Nachmachen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auch diese meta-suchmaschine hat meine ip-adresse weitergeleitet, sowie mir radio pandora mitteilte. so what.

    auch diese meta-suchmaschine hat meine ip-adresse weitergeleitet, sowie mir radio pandora mitteilte. so what.

  3. ...willst du eigentlich? ah zum bahnhof...hier gehts lang

    hört sich das nicht romantisch an? Zukunftsmusik

    ich bin dein handy...ich sag dir wo es langgeht

    niiieee mehr verlaufen ,ach wie schön

    und zeitsparend :-/

  4. Grüß Dich TyRell,

    Das man sich einfach gegen die Sammelwut von Big G wehren kann ist an sich und für den Normalanwender sicher richtig, aber im speziellen dann doch nicht so ganz.
    Ich bin zum Beispiel Architekturstudent und brauche immer mal wieder die Satellitenbilder von Google Earth. Es wird bei uns einfach vorausgesetzt das man die Dinger in die Präsentationen mit einbezieht.
    Mir ist leider einfach keine andere Quelle für Satellitenbilder bekannt.
    Immer öfter meinen auch Leute (Architekturbüros), das sketch-up wer weiß wie toll auch für Architekten währe. Nun, es ist mit Sicherheit, von der Anwendbarkeit und den Ergebnissen her, nicht schlecht. Was mich stört sind zum Einen eben Big G, das es letztendlich viele "professionelle" funktionen eben doch nicht hat und das es für die Kommerzielle Nutzung (also für mich, wenn ich mal ein Büro gründe) dann eben doch wieder 380 € kostet.

    Ich freue mich darum immer wieder wenn Leute Tipps und Anregungen geben, wo man dem Kraken ausweichen kann und finde es auch immer wieder klasse wenn sich Idealisten finden die auch weiter an neuen und besseren Lösungen feilen.

    Damit die gefahren von Google den Leuten bewusster werden und die Ausweichmöglichkeiten bekannter ist es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen und das Thema auch öffentlich zu diskutieren.

    In diesem Sinne Thx und Gruß,

    Kathedral

    Antwort auf "The Day after Google"
  5. Stimmt. Wo immer es Sinn macht, nutze ich ebenfalls meine Freiheit des Abschaltens. Und dies ist ja nicht nur bei google möglich, sondern auch beim Handy. Mein T-mobile-Vertrag ist bereits gekündigt. Ich werde auf ein einfaches Handy mit Grundfunktionen zurückgreifen und unterwegs richtige Menschen fragen, wenn ich was wissen will. Soll ungemein kontaktfördernd sein ;-)

    Antwort auf "The Day after Google"
  6. "Denn anders als der heimische Laptop weiß ein Smartphone ständig, wo es ist, wo sich sein Besitzer aufhält."

    Jein. Aufgrund meiner IP weiß ziemlich jeder (google, jede Webseite) wo mein Computer steht. OK, die Werbung ist meist einige Kilometer daneben aber doch erschreckend nah.

    Tippe ich google.com ein so werde ich zu google.de weitergeleitet (weil meine IP sagt ich sei in Deutschland). Tippe ich hulu.com oder pandora.com ein so wird mir mitgeteilt dieser Dienst sei ausschließlich für Nutzer aus den USA erlaubt. Schaue ich mir die Werbung an weiß diese auf wenige Kilometer genau wo ich bin (Die beste Pizza in XYZ).

    Gehe ich auf myIP.com dann wird mir haarklein mitgeteilt wo mein Computer steht.

    Der Unterschied ist dass mein Smartphone auch weiß wo ich bin wenn ich einen Spaziergang unternehme oder wenn ich in eine andere Stadt fahre.

  7. Eine wirklich tolle Funkion die mit einem Smartphone möglich wird ist intelligent den Nahverkehr einer (fremden) Stadt nutzen.

    Denn oft ist es so dass man zwischen zwei Stationen zweier Linien steht. Will man nun von A nach B stellt sich die Frage ob es sinnvoller ist zehn Minuten zur S-Bahn zu laufen (wann kommt der Zug? Ist er pünktlich?) und dann schneller und sofort weiterzufahren oder fünf Minuten zur U-Bahn, dann neun Minuten auf den nächsten Zug zu warten und dann langsamer zu sein als mit der S-Bahn. Das wäre die Killer Application für mich um mir endlich auch ein Smartphone zuzulegen.

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