Hoteltest Mittelmeer mittelprächtig

Sardellen statt Rollmops: Das erste Maritim-Hotel auf Mallorca gönnt seiner deutschen Zweckmäßigkeit ein wenig südliches Flair

Eine runde Sache: Das Zentralgebäude des Maritim-Hotels Galatzó

Eine runde Sache: Das Zentralgebäude des Maritim-Hotels Galatzó

Es gibt vier Dutzend Maritim-Hotels auf der Welt, die meisten davon in Deutschland. Alle sind komfortabel, aber nicht luxuriös. Man fühlt sich dort nicht wie ein Verschwender. Dazu sind die Textiltapeten in den Zimmern zu beige, die Hallenbäder zu gekachelt, die Saunabereiche zu spartanisch und die Fleischbällchen auf dem Frühstücksbüffet zu konfektioniert. Stammgäste schätzen, dass es in Maritim-Hotels immer Sekt zum Frühstück gibt. Deutschen Sekt, keinen Champagner.

Und jetzt also das erste Maritim-Hotel auf Mallorca. Ziemlich spät, so scheint es. Ist Maritim nicht eine deutsche Hotelkette und Mallorca eine (fast) deutsche Insel? Das Maritim-Hotel Galatzó liegt auf einem Hügel bei Peguera, westlich von Palma. Vom Flughafen zum Hotel sind es nur 30 Minuten. Man verlässt die Autobahn, passiert ein Tor – und schon öffnet sich ein Park mit Tennisplätzen, Pools, Terrassen und gepflasterten Wegen, mit Pinien und Dattelpalmen. Mitten in all dem Grün stehen die Hotelgebäude: ein zentraler weißer Rundbau, zwei, drei mehrstöckige Bauten mit den Zimmern sowie etliche Bungalows, die sich hinter Agaven und Bougainvilleen verbergen.

Genau genommen gibt es das Hotel Galatzó schon seit Mitte der siebziger Jahre. Damals war es eines der renommiertesten Häuser der Insel. Dann übernahmen es Ende der neunziger Jahre deutsche Investoren, machten es zu einem berüchtigten Promi-Treff – und waren vier Jahre später pleite. Danach stand die Anlage jahrelang leer. Schließlich investierten die neuen spanischen Besitzer noch einmal einen Batzen Geld, renovierten die Zimmer, bauten ein Spa, das Konferenzzentrum und schlossen einen Managementvertrag mit den Maritim-Leuten. Die wollen das Hotel das ganze Jahr über geöffnet halten, es im Sommer mit Urlaubern füllen (die damit leben können, dass sie das Meer nur von Weitem sehen), im Winter mit Geschäftsreisenden auf Tagung und Schulung, das ganze Jahr über mit Golfern und Tennisspielern und zwischendurch mit den Gästen spanischer Familienfeiern.

An der Rezeption arbeiten aufmerksame junge Menschen, die perfekt Deutsch sprechen. Das Gepäck allerdings muss der Gast selbst schleppen. Die Zimmer sind geräumig und »zweckmäßig eingerichtet«, wie das in Hotelprospekten heißt: zwei aneinanderstehende Betten, ein Schreibtisch, ein Kofferbock, ein Fauteuil. Auf dem Balkon zwei Sessel und ein Tischchen. Die Fliesen im Badezimmer aus schokoladebraunem Naturstein, statt eines Waschbeckens gibt es einen jener modernen Glaswaschtische, bei deren Benutzung man immer an das arme Zimmermädchen denken muss. Das alles ist eleganter, als Maritim-Gäste es gewohnt sind. Und die Farbtöne passen, weil sie das Erdbraun der Berge hinter der Küste aufnehmen.

Der Weg zum Spa führt durch die Halle, am Außenpool entlang, ins nächste Gebäude und mit einem Aufzug sechs Stockwerke hügelabwärts. Am Eingang bekommt der Gast zwei sonnengelbe Badelaken – aber nur gegen einen Coupon, den er beim Auschecken zurückgeben muss. Damit sich auch ja keins der kostbaren Hotelhandtücher in den Koffer verirrt. Die Anlage ist weitläufig: ein schöner Pool, eine Außenterrasse mit Liegen, Sauna, Dampfbad, ein Medical Wellness Center, in dem es Massagen und andere Behandlungen gibt, ein gut bestückter Fitnessraum und ein Gymnastikraum, in dem nur noch ein paar Bilder an den Wänden fehlen. Während der Saison werden hier regelmäßig Turnstunden stattfinden.

Noch aber ist Nebensaison auf Mallorca. Toteste Nebensaison. Ein paar Hand voll Gäste verlieren sich im Hotel. Da darf man gespannt sein auf das Frühstücksbüffet am nächsten Morgen, auf die Atmosphäre in dem riesigen Restaurant.

Und tatsächlich: Es sind zwar nur wenige der Tische besetzt. Aber kulinarisch gesehen ist alles da. Statt der Rollmöpse und Heringssalate, die in Bad Sassendorf und Fulda das Maritime am Maritim-Büffet ausmachen, werden hier Sardellen auf zweierlei Art angeboten: anchoas und boquerones en vinagre. Im Sektkübel steht spanischer Cava, Aria von Segura Viudas. Fleischbällchen fehlen, aber es gibt sobrasadas und morzillas, die einheimischen Wurst-Köstlichkeiten, und Josefa, die Köchin, brät auf Bestellung aus Eiern, sobrasadas und Käse ein herrliches Mallorca-Omelett. Dazu Olivenöl, Knoblauch und Tomaten aufs Brot gerieben, dann der weite Blick durch das Fenster, über das Grün der Palmen und hinaus aufs Mittelmeer. Plötzlich ist die Krise ganz weit weg. Und man wünscht dem Hotel, dass es diesmal klappt.

Maritim Hotel Galatzó, Carretera de Andratx km 20, E-07160 Peguera, Mallorca, Tel. 0034-971/689600, Buchungen über www.maritim.de , DZ mit Frühstück ab 186 Euro, mit Halbpension ab 244 Euro

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service