Ungelesen abgeheftet

Arnfrid Schenk: »Kriiiiiiiieeeeeeeeeek« zeit Nr. 5

Das »Whiteboard« ist die neueste IT-Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Mit hohen Kosten und zweifelhaftem Erfolg.

Sie vermindert (für die Schüler) erneut die Notwendigkeit, selbst zu schreiben, wenigstens das abzuschreiben, was der Lehrer an die Tafel geschrieben hat. Sie ist die elektronische Fortsetzung der Arbeitsblätter, die zuerst als Umdruck und dann als Xerokopie die Klassen überfluteten und bei denen am wichtigsten war, dass sie gelocht waren, damit sie (ungelesen) abgeheftet werden konnten.

Ich unterrichte seit 38 Jahren, davon seit 22 Jahren im DV-/IT-Bereich, ich arbeite gern und viel mit Rechnern. Aber die entwickelnde Tafelarbeit geht (weil das Abschreiben fehlt, also der Transfer über Auge und Hand) mit den »Whiteboards« noch mehr zum Teufel. Die Ergebnisse landen vollautomatisch in den Schülerverzeichnissen – aber nicht in den Köpfen.

Helmut Hullen, Braunschweig

Hier auch mal ein Seitenhieb an Sie:

Wie so viele Ihrer Kollegen können Sie sich eine Bemerkung über »… all die Lehrer, die ihren Bildungsauftrag vor allem darin sahen, ihren Schülern beizubringen, wie man die Tafel sauber macht« nicht verkneifen. Ich denke, dass Sie und viele andere – Journalisten, Politiker, Eltern – alte Rechnungen mit ihren Lehrern aufmachen und es in Kauf nehmen, die Lehrerschaft insgesamt herabzusetzen.

In derselben Ausgabe lohnt sich die Lektüre des Artikels über die Lernerfolge der Vietnamesen. Was glauben Sie, welch ungeheures Potenzial in unseren deutschen Schülern gehoben werden könnte, wenn sie sich mit demselben Engagement auf die Schule stürzen würden! Aus den Erfolgen der vietnamesischen Schüler lässt sich auch ableiten, dass es höchst fragwürdig ist, ob alle Missstände auf die Schulen und die Lehrer zurückzuführen sind; im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass auch viele deutsche Schüler in diesem »System« erfolgreich sind, auch in Klassengemeinschaften, die das Lernen nicht leicht machen, weil sie mit ihren Eltern gemeinsam den Willen zum schulischen Erfolg umsetzen.

Es ist unausweichlich, sich endlich der Tatsache zu stellen, dass die Schule nur das vermitteln kann, was gelernt werden muss. Das Lernen müss(t)en die Schüler erledigen. Lernen heißt wiederholen. Und wenn vor dem Schlafen noch eine Soap angeschaut wird, dann steht deren Inhalt am nächsten Tag für die Klausur zur Verfügung, nicht aber der Lernstoff.

Volker Stancke, Bremen

 
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