Auch in Hessen gibt es Vögel
J. Joffe: »Held auf dem Hudson« und Interview: »Ein bisschen Vogel muss das Triebwerk verkraften« Nr. 5
Ich hatte gehofft, dass der schreibenden Zunft beim Vogelschlag der Ausbau des Frankfurter Flughafens in den Sinn gerät. Wir haben zwar keinen Hudson mit Notlandemöglichkeit, jedoch Vögel in großer Zahl. Alle Experten, die vor Vogelschlag warnten, hat man politisch ruhiggestellt. Fragt sich nur, wann uns der Himmel auf den Kopf fällt. Schließlich haben wir den Koch, der uns die Suppe versalzen hat, selber wieder eingestellt.
Thomas Kroll, Büttelborn
Ihr Artikel geht davon aus, dass Vogelschläge nur innerhalb des eingezäunten Flughafengeländes auftreten kann. Die künftige Start- und Landebahn des Flughafenneubaus Kassel-Calden soll jedoch so ausgerichtet werden, dass die Einflugschneise die jährlichen Kranichzüge höhengleich in schleifendem Schnitt kreuzt. Eine derartige Anordnung stellt bei der hohen Biomasse der Kranichtrupps die und Triebwerke ein hohes Gefahrenpotenzial dar.
Im Herbst und Frühjahr ist derzeit mit jeweils 150000 Tieren in Formationsflügen zu rechnen. Jährliche Zunahme zehn Prozent. Das heißt: Verdoppelung alle sieben Jahre. Es gibt hier keine Vergrämungsmöglichkeiten. Unglücklicherweise liegt unter dieser Begegnungsstelle das kleine Städtchen Hann. Münden mit zwei Großbetrieben, die explosive Flüssigkeiten lagern, und 700 Fachwerkhäusern in enger Bebauung. Die raumordnende und planfeststellende Behörde hat versäumt, eine Risikoanalyse zu fordern.
Was tun? Den neuen Flughafen im Frühjahr und Herbst sperren? Oder statt eines Neubaus den vorhandenen Verkehrslandeplatz Kassel-Calden ausbauen? Und dann mit dem Flughafen Paderborn-Lippstadt zusammenarbeiten? Oder sich die ganze Sache nochmals überlegen?
Leo Glatzel, Hann. Münden
- Datum 05.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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