Davos in der vergangenen Woche. Im Zentrum des Schweizer Bergstädtchens tagen Topmanager auf dem World Economic Forum. Einer ihrer größten Stars hat einen Büroflur in einem Gebäude ein paar Hundert Meter den Berg hoch gemietet. Dort empfängt er zwei Handvoll Journalisten. Als sie hereinkommen, steht er in der Ecke am Garderobenständer. Die Haare nicht sonderlich gekämmt, in T-Shirt und Nadelstreifenjackett. Wie üblich. Er könne die Jacken der Gäste aufhängen, sagt er mit seiner leisen, rauen Stimme und grinst.

Lawrence Edward Page, genannt Larry, 35, verheiratet, Sohn eines Informatikers und einer Programmiererin aus Michigan, hat es weit gebracht. Als Doktorand entwickelte er gemeinsam mit seinem Kommilitonen Sergey Brin einen neuen Algorithmus für das Aufspüren interessanter Seiten im Internet, gründete Google und machte es zum erfolgreichsten Internetkonzern der Welt. Das Unternehmen, das nach eigener Zielsetzung die Welt verbessern soll, beherrscht nicht bloß das Geschäft mit der Netzsuche, sondern auch den Markt für Onlinewerbung. So versucht es, neue Märkte im Netz aufzurollen.

Ohne Google geht heute wenig im Internet. Und ohne Page geht wenig bei Google.

»Ich kümmere mich um die Realität, nicht ums Image«

Larry Page setzt sich an einen großen Tisch, um ihn gruppieren sich vier seiner Topmanager aus drei Kontinenten, allesamt in modernsten Businessanzügen. Er fängt mal an, redet über die Wirtschaftskrise, sagt, er kenne das aus der Bilanzführung bei Google: Ökonomie sei nur eine Annäherung an die Realität. Tatsächlich täten die Menschen dasselbe wie vor einem Jahr, sie seien nicht schlechter oder fauler geworden. »Kein fundamentales Gesetz hält uns davon ab, so viel zu tun wie vergangenes Jahr. Bloß haben die Menschen entschieden, dass es abwärtsgeht, das ist alles.« Die Frage sei, wie man die Leute wieder optimistischer macht.

Das sei die Sichtweise eines Ingenieurs, erklärt er – und es klingt weniger nach Entschuldigung gegenüber den Ökonomen als nach Überlegenheitsgefühl. Larry Page hat Maschinenbau studiert, bevor er Programme schrieb. Harte Vorgaben kommen für ihn aus der Physik, nicht aus der Psyche. Er will, dass die Dinge funktionieren – optimal für möglichst viele Leute.

Seine gute Nachricht: Google warte mit vielen Innovationen auf und habe mehr als 10 Milliarden Euro in der Kasse. »Wir haben auch die Kosten reduziert, haben hart gearbeitet. Wir sind glücklich mit dem Zustand unserer Firma« – auch wenn Google sein erfolgsarmes Netzprogramm Chrome nachbessern musste und um Anschluss im mobilen Internet kämpft. Deshalb gibt’s jetzt das Google-Handy, das schon sämtliche Mitarbeiter erhalten haben. »Wir wollen, dass der Zugang zum Internet richtig gut funktioniert«, erklärt Page. »Und wir brauchen mehr Anwendungen für unsere Software.«