Krebsimpfung Die Scharfmacher

Die Pharmabranche arbeitet an neuen Immuntherapien gegen Krebs

Antikörper sollen das Immunsystem für Krebs sensibilisieren

Antikörper sollen das Immunsystem für Krebs sensibilisieren

In der Vergrößerung sieht sie ganz niedlich aus mit ihrem Flaum aus Embryo-Eiweißen. Die Immunzellen, die in der Nähe Patrouille schieben, lassen sich blenden. Sie sehen den Feind, aber erkennen ihn nicht. Das Babyface täuscht: Es gehört einer Krebszelle.

Krebszellen spicken ihre Membran mit Proteinen, die sonst nur auf Embryozellen vorkommen. Diese Proteine, Tumorantigene genannt, kann man verwenden, um das Immunsystem auf die entarteten Zellen aufmerksam zu machen. Gegen diese Tumorantigene sollen Patienten mit dem neuen Krebsimpfstoff Trovax von Oxford Biomedica immunisiert werden. In den bisherigen klinischen Versuchen bescherte die Impfung todgeweihten Patienten mit Darmkrebs oder Nierenzellkarzinom viele zusätzliche Lebensmonate. Jetzt wird sie in einer Studie der Phase III auch an Krebskranken getestet, bei denen noch nicht alles verloren ist. Eingebaut in ein Impfvirus, wird dabei die Erbanlage für ein Tumorantigen in den Körper des Patienten geschleust.

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Eine Reihe weiterer Krebsimpfstoffe befindet sich in dieser letzten Phase der klinischen Prüfung (siehe Kasten), aber keiner verwendet Tumor-DNA oder ein Virus. »Trovax ist eine interessante Möglichkeit«, sagt Lothar Bergmann, Sprecher des Tumorzentrums Rhein-Main. Auch Ingo Drexler, Leiter einer Arbeitsgruppe für Immuntherapien am Münchner Helmholtz-Zentrum, ist beeindruckt: »Das ist vielversprechend. Ich denke, es wirkt so gut, weil es ein Virus verwendet – und genau dieses Antigen.«

Das Tumorantigen, das die Immunabwehr gegen den Krebs scharfmachen soll, heißt 5t4 und gehört eigentlich zum Molekül-Sortiment des kugelförmigen Zellsacks, der sich etwa am fünften Schwangerschaftstag in der Gebärmutter einnistet. Dann fressen sich die embryonalen Zellen in die mütterliche Schleimhaut. Als Protein auf der äußeren Hülle übernimmt 5t4 dabei eine entscheidende Rolle.

Und es ist ebenso federführend, wenn Krebszellen streuen und Metastasen bilden. Das Protein kappt die Verbindungen zwischen Nachbarzellen, sodass sich seine Trägerzelle frei bewegen kann. Darmtumoren und Nierenzellkarzinome tragen auffällig viele 5t4-Moleküle. Je mehr, so die Erfahrung der Onkologen, desto eher breitet sich der Krebs aus. Umgekehrt könnten Patienten mit aggressiven Tumorzellen daher von der Therapie mit dem 5t4-Impfstoff besonders profitieren.

Seit über zehn Jahren versuchen Wissenschaftler, das Immunsystem auf Krebszellen abzurichten. Meist verabreichen sie dieTumorantigene gekoppelt an Verstärkersubstanzen, die Immunzellen aktivieren. Wird, wie bei 5t4, die Erbinformation für Tumoreiweiße verwendet, verpackt man sie in Viren, denn die sind für Immunzellen unübersehbar.

Leser-Kommentare
  1. Bis zu 30% aller Krebserkrankungen könnten durch gesunde Ernährung vermieden werden. Insbesondere das Risiko für Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes könnte durch regelmäßigen Verzehr von 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag erheblich verringert werden. In den Mittelmeerländern, in denen Obst und Gemüse einen hohen Anteil an der Volksernährung haben, leiden weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Beschwerden und Krebs. In Deutschland sind wir vom empfohlenen Minimum von 400 bis 800 g täglich noch weit entfernt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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