MACHER + MÄRKTE Vorsichtige Händler
Nicht nur Volkswirte entdecken in der aktuellen Krise Parallelen zur großen Depression und dem New Deal. Auch Einzelhändler lassen sich von alten Krisenzeiten inspirieren. Amerikanische Kaufhäuser, darunter Sears, Marshalls und Kmart, bieten neuerdings einen sogenannten Layaway-Service an. Statt einfach wie bisher die Kreditkarte durchzuziehen und das Gewählte umgehend mit nach Hause zu tragen, lässt der Kunde dabei die Ware beim Händler zur Seite legen – bis er die Kaufsumme in Raten abgestottert hat. Diese Zahlungsart erlebte ihre Blüte während der Depressionsjahre. Nicht nur Kaufhäuser wollen heute wegen der Kreditkrise erst einmal Cash sehen: Reisebüros bieten inzwischen Layaway-Pläne für Kreuzfahrten und Hotelbuchungen an. Die Telekom-Tochter T-Mobile lässt Kunden ihr Wunschtelefon abbezahlen, bevor sie es mit nach Hause nehmen dürfen. Musikfans können Konzerttickets etwa für das 269 Dollar teure Indie-Rockfestival im kalifornischen Coachella Valley, bei dem Paul McCartney und Amy Winehouse zu den Stars gehören, in zwei Raten begleichen. Selbst Schönheitschirurgen bieten an, die Kosten für den neuen Busen oder das straffere Kinn abzustottern, bevor sie zum Skalpell greifen. So richtig durchdacht ist das Konzept allerdings nicht überall. Bei einigen Geschäften können Layaway-Kunden ihre Raten per Kreditkarte begleichen. HBU
- Datum 05.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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