Seit ein paar Jahren ist in Deutschland das Begriffspaar Good Policeman/Bad Policeman in Mode. Gemeint ist, dass zwei, die gegensätzlich wirken, in Wahrheit zusammengehören und dasselbe wollen.

Good Policeman und Bad Policeman teilen sich die Rollen, um gemeinsam zum Ziel zu kommen – zum Geständnis des Täters. Der Good Policeman stellt Vertrauen zum Verdächtigen her, schenkt ihm Kaffee nach, schleicht sich in sein Herz. Der Bad Policeman hingegen quält den Verdächtigen. Der Good Policeman ist ein Menschenfreund, ganz erfüllt von der Unschuldsvermutung. Der Bad Policeman ist ein Menschenfeind mit mahlendem Kiefer.

In Wahrheit ist der Good Policeman so abgefeimt wie der Bad Policeman; ja, er ist sogar tückischer als jener, weil er sich mehr verstellt. Erst Good Policeman und Bad Policeman gemeinsam, der gute Hirte und der Inquisitor, ergeben »die Polizei«.

Vielleicht ist es ganz ähnlich mit der »Bad Bank«, von der jetzt alle reden. Die Bad Bank ist ein Institut, über dessen Einrichtung die neue US-Regierung nachdenkt und über dessen Einführung die deutschen Banker glücklich wären. Sie soll auf Staatskosten die »toxischen« und »notleidenden« Wertpapiere und Anleihen schlucken, den fauligen Schrott, der die Weltwirtschaft belastet. Wären demnach alle anderen Banken Good Banks?

Dem Begriff Bad Bank wohnt die Suggestion inne, dass ein solches Institut all das Gift abseiht und einschlürft, das im globalen Geldstrom dahinschwimmt, und dass alles, was nicht der Bad Bank einverleibt wird, demnach Good Money und Good Banking sei. Das ist ein Irrtum: Denn die Bad Bank schluckt leider nur toxische Wertpapiere, nicht aber die toxischen Manager, die für deren Erwerb verantwortlich waren: Die arbeiten in den Good Banks weiter. Und sollten sie nun die Bad Bank im Rücken haben, welche ihnen die Folgen ihres Versagens erließe, könnten sie fahrlässiger handeln als je zuvor.

Dies ist das Haus der Gnade: Hier löst sich Schuld einfach auf

Sollte eine Bad Bank eingerichtet werden, so gingen die Kosten der Fehlspekulationen, fein gesagt, in die Obhut des Staats über, sie wären also das Problem der Bürger. Die guten Banken hingegen könnten ihre Bilanzen bereinigen und hätten, wie es im Jargon heißt, wieder »Spielraum«. Ein teureres Spiel wurde nie gespielt. »Mit einer Bad Bank würde man den Banken Tonnen an Steuergeld schenken, vielleicht 700 oder 800 Milliarden Dollar«, hat der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff kürzlich gesagt.