Teleskope Den Kosmos im Blick

Hoch in den chilenischen Anden errichtet eine globale Kooperation das modernste Observatorium der Welt. Besuch auf einer Baustelle der Extreme

So soll es einmal aussehen: 66 Parabolantennen bilden zusammen das Alma-Teleskop auf dem chilenischen Chajnantor-Plateau. Hier findet sich die klarste Luft der Welt

So soll es einmal aussehen: 66 Parabolantennen bilden zusammen das Alma-Teleskop auf dem chilenischen Chajnantor-Plateau. Hier findet sich die klarste Luft der Welt

Schon von Weitem sieht man ein metallisches Ungetüm in der Sonne glitzern, halbrund und flachgedrückt wie ein Ufo. Hochtechnologie in einer lebensfeindlichen Wüste, wo kein Gras mehr wächst und sich kein Mensch freiwillig aufhält. In dieser unwirklichen Welt, in über 5000 Metern Höhe an der Westseite der chilenischen Anden, bauen Astronomen am größten Teleskop der Welt.

Bislang steht lediglich das ufoförmige Technikgebäude. 66 mobile Parabolantennen sollen in den nächsten Jahren dazukommen. Zusammengeschaltet werden sie ein bis zu 16 Kilometer großes Observatorium ergeben. Es soll ein weitgehend unbekanntes Bild des Weltalls zeigen: kalte Gaswolken, bislang unsichtbare Planeten, uralte Strukturen – aufgenommen im Bereich zwischen Radiowellen und optischem Licht. Alma (Atacama Large Millimeter Array) heißt das Projekt, das Himmelsforscher aus Europa, Nordamerika und Japan gemeinsam vorantreiben.

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Luís Chaparro gefällt das Kürzel Alma, in seiner spanischen Muttersprache bedeutet es »Seele«. Der Ingenieur steht im soeben fertiggestellten Technikgebäude, für das er verantwortlich ist. Es riecht nach frischer Farbe, die Klimaanlage zeigt 13,3 Grad Celsius. Das Bauwerk zählt zu den höchstgelegenen der Erde, in ihm sollen künftig die Signale der einzelnen Antennen gesammelt und verarbeitet werden. Hier sitzt die Seele des Projekts.

Wenn Chaparro durch die raumhohen, getönten Scheiben schaut, fällt sein Blick auf eine rötlich braune Marslandschaft, das Chajnantor-Plateau. Die von schroffen Vulkangipfeln eingerahmte Hochebene, auf der sich einst die Parabolspiegel drehen sollen, zieht sich in vielen Wellen hin. Kein Baum, kein Grasbüschel bietet Orientierung. Nur ein Andenfuchs streunt um die Zelte, die Arbeiter inmitten der Ödnis aufgebaut haben. Geschützt von den Zeltplanen, gießen sie die Fundamente für die künftigen Teleskope.

»Trockenheit und Temperaturunterschiede sind unsere größten Probleme«, sagt Chaparro. Nebenan, im künftigen Konferenzraum des Technikgebäudes, ist vor wenigen Tagen eine Glasscheibe zersplittert. Der Temperatursprung von minus 30 Grad in der Nacht auf zehn Grad am Tag knackte das eigentlich robuste Material.

Was Ingenieure plagt, lässt Astronomen jubeln. Letztere haben genau diese extremen Bedingungen gesucht: Die Strahlung im Submillimeterbereich, die das Riesenteleskop einfangen soll, reagiert extrem empfindlich auf Wasserdampf. Sie wird vom Dampf absorbiert. Je feuchter die Atmosphäre, desto schwächer die Himmelssignale. Von allen zuvor untersuchten Standorten, ob auf Hawaii, im Himalaya oder am Südpol, bietet das Chajnantor-Plateau die klarste und stabilste Luftqualität.

23 Stufen führen in den ersten Stock des Technikgebäudes. Für Tagesbesucher, die nicht an die Höhe gewöhnt sind, ist jede Stufe eine Belastung. Die Luft enthält hier nur etwa halb so viel Sauerstoff wie auf Meereshöhe. Das Atmen fällt schwer, das Blut pocht in den Schläfen. Deshalb misst Luís Chaparro die Sauerstoffsättigung im Blut seiner Gäste. Bereits am Fuße des Berges vollführte ein wortkarger chilenischer Sanitäter diese Prüfung. Jeder Gast musste unterschreiben, dass er mit allem rechnet, auch mit dem eigenen Tod. Und dass er dafür niemanden verantwortlich machen werde. 79 Prozent Sauerstoffsättigung zeigt Chaparros Messgerät an. Normal sind 95 bis 98 Prozent, Werte unter 80 gelten im Flachland als Fall für den Notarzt. Hier oben hilft, falls nötig, der Griff zur tragbaren Sauerstoffflasche. Überall stehen neben den Schreibtischen die kleinen Atemhelfer.

Leser-Kommentare
  1. Tja, wenns bereits ausgereifte Elektrofahrzeuge gäbe würde es sowas wie einen Leistungsverlust aufgrund von Sauerstoffmangel nicht geben ;)

    Ich frage mich ob ein Druckgebäude unter der Erde leichter in Betrieb zu halten wäre als ein Oberirdisches. Sozusagen integriert in die Natur um ihre natürlichen Stärken zu nutzen.

    Ob die Anlage wohl die Sonnenergie in dieser Höhe und bei dem klaren Himmel nutzt? Oder würde das den Radioempfang beeinträchtigen?

    Könnten Solarpaneele so zwischen die Antennen gestellt werden, dass sie Radiosignale zurück ins All bündeln, um sie mit Hilfe eines Satelliten wieder zur Erde zu senden? Geht das bei Radiosignalen? Würde das was bringen?

    Ich frage mich warum so viele Menschen Angst vor künstlichem Bewusstsein haben. So lange die bauartbedingten Schwächen des Menschen nicht kopiert würden, vor allem die des Konzepts Gemeinschaft, wäre das wahrscheinlich das Einzige was alle Zeiten überdauern könnte. Wesen denen das All fast nichts anhaben kann - im Gegensatz zum zerbrechlichen Menschen. Im Grunde wären es die Kinder der Menschheit. Sie würden unser Erbe in sich tragen, in Form von Kultur und ihren Wurzeln...

  2. - ich glaube an das Gute im Menschen: "Den Kosmus im Blick", herrlich, wer zweifelt an die guten Früchte, welche die Blicke stiften für die ganze Welt jetzt und in Zukunft?
    Es ist schon Wahnsinn, was unsere Technik alles in gemeinsamer Arbeit der Völker und Zusammenlegung der Kräfte schaffen kann.

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