Neuroleptika Ruhe auf Rezept

In deutschen Altersheimen werden zu viele Psychopharmaka verabreicht. Die Medikamente schaden oft mehr, als sie nützen

Alte Menschen sind oft verwirrt oder unruhig. Dies ist aber kein Grund, sie mit Tabletten ruhig zu stellen

Alte Menschen sind oft verwirrt oder unruhig. Dies ist aber kein Grund, sie mit Tabletten ruhig zu stellen

Weiterführende Links finden Sie am Ende des Artikels

Tun Sie doch was« – diesen Hilferuf von Pflegekräften aus Altenheimen hat Klaus Maria Perrar schon oft gehört. Einmal im Monat fährt der Gerontopsychiater ins Geschwister-Louis-Haus in Vossenack und zum Sophienhof in Niederzier, um dort »hermeneutische Fallbesprechungen« abzuhalten. Dann tagt ein großes Team in einer zweistündigen Sitzung. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht ein einzelner Bewohner mit Demenz. Und das Bemühen, ihn und sein »herausforderndes« Verhalten zu verstehen. Sein Schimpfen und Rufen, sein zielloses Wandern, seine Wahnvorstellungen und Handgreiflichkeiten. So viel Zeit und Zuwendung ist keine Selbstverständlichkeit für deutsche Alten- und Altenpflegeheime.

Oft wird auf anstrengende Bewohner einfach mit der Verschreibung von Psychopharmaka reagiert. Am häufigsten werden Antipsychotika verabreicht, sogenannte Neuroleptika. Doch diese Praxis ist häufig rechtswidrig, bringt den Pflegenden keineswegs immer die erhoffte Entlastung, und vor allem: Sie schadet den Menschen oft mehr, als dass sie nützt. Von Fachleuten wird der schnelle Griff zum Rezeptblock seit Jahren kritisiert.

Anzeige

Doch es ändert sich einfach nichts. Wie die Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen, werden die Medikamente nach wie vor großzügig ausgeteilt: In 31 Altenpflegeheimen in München erhielt ein Drittel aller Bewohner Antipsychotika; in zwei Heimen in Frankfurt und Mainz standen Psychopharmaka gar für 63 Prozent der 167 Bewohner Tag für Tag parat. Und von den 2367 Bewohnern in 30 Hamburger Altenpflegeeinrichtungen erhielten mehr als 50 Prozent wenigstens ein Psychopharmakon – 30 Prozent davon waren Neuroleptika. »Da lässt sich getrost von Überversorgung sprechen«, sagt Pflegewissenschaftlerin und Studienleiterin Gabriele Meyer.

Neuroleptika sind riskante Arzneimittel – erst recht für Alte

Es ist längst mehr als ein Verdacht: Neuroleptika werden allzu häufig vor allem wegen ihrer dämpfenden Wirkung eingesetzt. Ein Arzt, der ungenannt bleiben will, sagt: »Ich kenne keine Pflegeperson, die zugeben würde, einen Bewohner ruhigstellen zu wollen. Allerdings erlebe ich häufiger den Wunsch, auch von Angehörigen, Weglauftendenzen oder beständiges Rufen medikamentös einzustellen. Aber was ist das denn anderes als Ruhigstellen?« Auch als Arzt komme man da schnell in eine schwierige Situation: »Die einen unterstellen, man dröhne die Patienten nur zu, die anderen verstehen nicht, warum man nicht endlich genügend Medikamente gibt.«

Doch Neuroleptika sind riskante Medikamente. Erst recht für alte Menschen mit Vorschädigungen am Gehirn.

Früher als bei jungen Patienten und schon nach niedrigeren Dosierungen treten bei ihnen die gefürchteten neuroleptikatypischen Bewegungsstörungen auf. Sie können sich als Parkinsonsyndrom, quälende Bewegungsunruhe, unwillkürliche Bewegungen und in Formen von Verkrampfungen und Fehlhaltungen der Muskulatur zeigen. Auch mangelnde Bewegungsfähigkeit, Apathie und Schluckstörungen können eine Folge sein und den Krankheitsverlauf verschlechtern. Große Risiken bergen die Wechselwirkungen zwischen den oft zahlreichen Medikamenten, die alte Menschen erhalten. Tatsächlich ist die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen unerwünschter Medikamentenwirkungen gerade bei dementen Heimbewohnern erheblich. »Zu hohe Dosen und zu schnelles Aufdosieren vor allem von Psychopharmaka, ungeeignete Arzneimittel und mangelhafte Therapieüberwachung sind die häufigsten Gründe dafür«, sagt Petra Thürmann, Expertin für klinische Pharmakologie. Bei 168 Bewohnern zweier Altenheime in Frankfurt und Mainz waren für ein Drittel der Medikamentenzwischenfälle allein die Neuroleptika verantwortlich. Start low, go slow – einschleichend und niedrig dosieren und nur vorsichtig erhöhen. Diese wichtigen Prinzipien der Alterspharmakologie werden allzu oft missachtet.

Zwar gelten die neueren atypischen Neuroleptika als nebenwirkungsärmer, gar als »gut verträglich«, doch in Wahrheit, mahnen etwa die US-Psychiater Daniel Katz und Ira Weintraub, seien deren Wirkungen nicht ausreichend erforscht. Vor vier Jahren warnte die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA sogar: Atypische Neuroleptika erhöhen die Sterblichkeit älterer dementer Menschen. Vergangenes Jahr erweiterte die FDA die Warnung: Auch konventionelle Neuroleptika gelten nun als riskant. Es wurden vermehrt Schlaganfälle, Lungenentzündungen, plötzliche Herztode oder Stürze beobachtet. Schon bei Kurzzeitbehandlungen, so das Ergebnis einer kanadischen Studie, sind schwere Zwischenfälle, auch Krankenhausaufnahmen, häufiger. Ähnlich besorgniserregend ist das Ergebnis einer gerade erst im Fachblatt Lancet Neurology erschienenen Langzeitstudie.

Aber die Wirksamkeit der Antipsychotika ist fraglich. Allenfalls moderate Behandlungseffekte scheinen nachweisbar, größeren Nutzen haben sie vermutlich nur bei schwerer Symptomatik. Paradoxerweise können sie sogar gerade jene Symptome auslösen, die sie eigentlich mildern sollen: psychotisches Erleben, aggressive Impulsdurchbrüche und Unruhe. Dennoch wird bei unzureichendem Behandlungserfolg häufig und viel zu schnell einfach die Dosis erhöht. Doch Psychopharmaka brauchen länger, bis sie verlässlich wirken.

Leser-Kommentare
    • Moni M
    • 10.02.2009 um 13:31 Uhr

    Liebe Frau Gerth, diese impertinente Betroffenheitsprosa von jemandem der augenscheinlich vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat aber darüber Artikel schreiben darf, ist ein größeres Übel als die Zustände in den Pflegeheimen.

    Dieses den eigenen Ängsten entspringende Gemecker hat schließlich dazu geführt, dass in der grassierenden Atmosphäre der Abwertung ärztlichen und pflegerischen Tuns und dem daraus resultierenden Misstrauen die Dokumentationspflichten so zugenommen haben, dass der Patient an sich in den Regulierungsorgien in den Hintergrund tritt.

    Aber Sie, Frau Gerth, haben sicher die probate Lösung: Dann gehen Sie doch hin und verteilen Sie mal auf Schwerstpflegeabteilungen Ihre Globuli!

    Oder schreiben Sie demnächst mit gleicher intellektueller Brillanz eine Beschwerde über die deutschen Anästhesisten, die durch ihr Tun das Selbstbestimmungsrecht des Patienten während des ärztlichen Eingriffs verunmöglichen. Wegen dem bisserl Schmerz gleich immer Narkosemittel! Pfui!

    Narkosen nur noch mit Akupunktur, oder so. Nicht wahr?

    Aber, werden Sie sagen, psychischer und physischer Schmerz sind doch gar nicht vergleichbar.
    Und genau mit dieser Frage sollten Sie sich demnächst mal beschäftigen!

    Vielleicht unterliegen Sie ja bloß dem Irrtum, dass Unruhe, Randale, Schreien, Toben Glücksäußerungen darstellen ...

    Und das triviale Problem eines Pflegeschlüssels von 1:1 lösen Sie dann noch nebenbei, gell?

  1. Schade, dass der Artikel nur so tut, als ob er aus der wahren Welt der Pflegeheime berichtet. Die sieht nämlich ganz anders aus. Im wahren Leben ist es in der Regel der Hausarzt, der den Patienten vor dem Beruhigungswahn der Pflegenden (.. er könnte sich doch verletzen... wir sind doch für ihn verantwortlich...) schützen muss. Aus Erhebung bei Palliativ- und Pflegepatienten wissen wir, dass bei ihnen die Möglichkeit der Selbstbestimmung das erste und wichtigste Ziel in ihrem durch weitgehende Hilflosigkeit geprägten Leben ist und ihnen - wir anderen mögen es kaum glauben - noch vor der absoluten Schmerzfreiheit geht. Das schlimmste, was wir den neuerdings "Gästen" genannten Pflegeheimbewohnern antun können, ist sie mit Neuroleptika, Sedativa oder überdosierten Morphinen hilflos und verwirrt zu machen. Dies geschieht aber seltener durch Hausärzte, häufiger durch von den Pfleger in die Heime geholten Psychiatern, die sich - ohne den Patienten beobachtet zu haben, Geschichten von Unruhe und Sturzgefahr erzählen lassen und dann hochdosierte sog. atypische Neuroleptika anordnen, von denen nur die Hersteller behaupten, dass sie nicht die Nebenwirkungen der typischen Neuroleptika hätten - Herstellerneutrale Studien zeigen eher das Gegenteil: erhöhte Mortalität bei massiver Verstärkung der Hilflosigkeit. Von diesem "Moorhuhnschießen" der eingeflogenen Psychiater profitiert auch das Heim: bei mehr hilflosen "Gästen" erhöht sich der Pflegesatz und die Firmen, die auf Vertragsbasis in den Heimen die Dekubitusversorgung, Sondenernährung zu Lasten der Krankenkassen durchführen. Wunderbar, alle verdienen daran und der Patient kann sich dank Sedierung nicht wehren. Der gesetzliche Betreuer ist froh, dass sein Schützling von sovielen hochspezialisierten Betreuern umsorgt wird, statt ihm seine Selbstbestimmungsmöglichkeit soweit möglich wiederherzustellen. An eine geriatrische Rehabilitation durch Zuwendung, Krankengymnastik, Ergotherapie, Karenz sedierender Medikamente ist angesichts der geballten Interessenlage nicht zu denken. Schöne neue Welt: Wir treffen uns alle im Pflegeheim: eines Tages als Patienten. Bis dann. mh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Moni M
    • 10.02.2009 um 18:49 Uhr

    hasst Psychiater.

    Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
    Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.

    Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:

    Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.

    Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.

    Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.

    Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.

    [...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:17 Uhr

    Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.

    Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
    definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
    in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
    Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.

    Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
    Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
    Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.

    Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.

    Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.

    Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
    erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.

    Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.

    Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.

    • Moni M
    • 10.02.2009 um 18:49 Uhr

    hasst Psychiater.

    Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
    Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.

    Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:

    Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.

    Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.

    Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.

    Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.

    [...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:17 Uhr

    Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.

    Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
    definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
    in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
    Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.

    Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
    Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
    Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.

    Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.

    Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.

    Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
    erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.

    Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.

    Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.

    • Moni M
    • 10.02.2009 um 18:49 Uhr

    hasst Psychiater.

    Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
    Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.

    Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:

    Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.

    Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.

    Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.

    Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.

    [...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:48 Uhr

    volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.

    Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:

    - Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
    - Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
    - Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
    - Schläge mit Gehstock
    usw.

    Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.

    Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!

    Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:48 Uhr

    volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.

    Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:

    - Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
    - Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
    - Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
    - Schläge mit Gehstock
    usw.

    Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.

    Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!

    Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:17 Uhr

    Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.

    Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
    definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
    in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
    Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.

    Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
    Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
    Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.

    Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.

    Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.

    Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
    erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.

    Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.

    Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 13:48 Uhr

    volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.

    Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:

    - Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
    - Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
    - Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
    - Schläge mit Gehstock
    usw.

    Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.

    Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!

    Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.

    • pyrix
    • 12.02.2009 um 15:35 Uhr

    Liebe Frau Gerth,

    ein oberflächlicher, undifferenzierter, polemischer Artikel, der an den wirklichen Ursachen vorbei geht.
    Gezielt nachgeplappert, was die sogenannten Pflegeexperten vorplappern, die vermutlich Seniorenpflegeheime nur von kurzen Besuchen kennen, aber nie länger in solchen Einrichtungen verweilt haben. Immer schön draufschlagen, auf das dumme und ungebildete Pflegepersonal.

    Folgende Anmerkungen:

    - Medikamente sind immer gefährlich, wenn man sie überdosiert, egal was man nimmt.

    - Die Massiven Persönlichkeitsveränderungen sind in vielen Fällen ohne
    Medikamentöse Behandlung nicht in den Griff zu bekommen.

    - Die zitierte Aussage von Frau Gabriele Meyer ist aus dem Zusammenhang gerissen und verschleiert die wirklichen Gründe.

    - Sie unterstellen pauschal dem Pflegepersonal, das es die Verordnungen steuert, das ist so nicht korrekt.

    - Die Beispielhaft genannte Einrichtung muss bei der genannten Besetzung die Mehrausgaben für das Personal an anderer Stelle einsparen oder den Angehörigen einen höheren Betrag abverlangen, da die Ausgaben seitens der Kostenträger gedeckelt sind. Das verschiebt nur das grundsätzliche Problem und gaukelt eine heile Welt vor, die es nicht gibt.

    - Stichwort Ausbildung/Besetzung:
    Man kann nur Ausbilden was man bekommt. Da die Gehälter eigentlich nicht zum Leben reichen, bekommt man auch nicht die sog. "Elite" an das Bett im Heim. Diese sog. "Elite" sitzt in den Pflegestudiengängen, MDK, Heimaufsicht an einem bequemen und stressfreien Schreibtisch und haben den Alltag im Heim nur von kurzen Besuchen kennengelernt.

    Viele Auszubildenden sind noch nicht mal in der Lage Zusammenhänge herzustellen, sprich eigentlich nicht für den Beruf geeignet. Werden aber häufig vom Arbeitsamt in diesen Beruf gezwungen.

    Aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen, muss man vermehrt Hilfspersonal einstellen, wenn man wirtschaftlich überleben will und letztendlich ist ein Seniorenheim ein wirtschaftlicher Betrieb und keine Wohlfahrtseinrichtung. Auch wenn das immer so verkauft wird.

    Mittlerweile greifen sehr viele Parteien Geld aus der Pflegekasse/von den Krankenkassen ab, bevor überhaupt etwas beim Bewohner ankommt. Als Beispiel seien nur die externen Wundbegutachter oder Hygieneberater genannt, die sich fürstlich entlohnen lassen, da vorgeschrieben.

    Mittlerweile ist es so weit gekommen, das das Personal nichts mehr selbstständig entscheiden darf, außer die Einlagen zu wechseln, ja noch nicht einmal welche Einlagen sie für geeignet* hält. Damit ist das Pflegepersonal zum Präkariat dieser Branche verkommen.

    Und damit will die Gesellschaft hochwertige Pflege sicherstellen, die sie sich noch nicht einmal leisten kann und will und der nichts weiter einfällt als noch mehr Kontrollen, Vorschriften, Dokumentationen?

    Der MDK ist ja noch nicht einmal in der Lage ein Musterheim aufzuzeigen, das seine ganzen, teilweise sehr realitätsfernen Ergüsse, funktionierend aufzeigt.
    Warum ist das so?
    Weil es unter den herrschenden Rahmenbedingungen einfach nicht möglich ist.

    Jedem in der Branche ist das klar, aber von den Kontrollinstitutionen wird das völlig ignoriert und fröhlich weiter auf das Präkariat in der Pflege eingeschlagen und Probleme oberflächlich wie in ihrem Artikel diskutiert mit den falschen Konsequenzen.

    *
    Hier zu noch eine kleine, leider reale Anekdote:
    Eine große Krankenkasse schreibt ihren Versicherten neuerdings vor, die von ihr gestellten Einlagen zu verwenden. Sonst muss der Versicherte die Kosten selbst tragen. Die Stückzahl, die pro Monat verbraucht werden dürfen, ist begrenzt.
    Leidet der Bewohner z.B. an einer Durchfallerkrankung, so ist ein Antrag zu stellen.
    Zynisch: Man darf sich als Betroffener nur X mal im Monat seiner Exkremente entledigen. Berücksichtigt ist natürlich nicht, das Bewohner auch Einlagen häufig zerfleddern oder außerplanmäßig entsorgen, was zu einem erhöhtem Verbrauch führt.

    Die Qualität der vorgeschrieben Einlagen ist eindeutig minderwertig, d.h. ein unnötig häufiger Wechsel ist nötig. Was zum einen das Personal massiv belastet und auch einen Teil der erhofften Einsparungen zu nichte macht.

    Modernen und Hochwertige Einlagen können sehr viel Aufnehmen und schädigen die Haut nicht, lassen den Bewohner vor allem Durchschlafen und entlasten das Personal.

    So kann man zudem notwendige, innovative Entwicklungen, die sich in Zukunft kostensparend auswirken können, aktiv unterbinden.

    Frau Gerth, willkommen in der Realität.

    • m w
    • 13.02.2009 um 15:40 Uhr

    Leider kommt in dem Artikel gar nicht zur Sprache, dass im Schnitt nur ca. 20-30% der Heimbewohner mit Demenz dagegen Medikamente erhalten. Meiner Ansicht nach kann man sich nicht gleichzeitig beklagen, dass zu viel einer bestimmten Medikamentenklasse verordnet wird (was stimmen kann) ohne zu erwähnen, dass andere Medikamente zu wenig verwendet werden.
    Den §1904 hier in dem Zusammenhang zu erwähnen, ist ebenfalls inadäquat, da jedes Medikament prinzipiell immer zu Tode führen kann, ohne dass jedesmal darüber aufgeklärt werden muss (z. B. Insulin). Der § bezieht sich m. E. z. B. auf schwerwiegende Eingriffe, wie Operationen usw.

  2. Wunderbare Vorschläge! Die Medien haben ihre Schuldigkeit getan, die Juristen waschen ihre Hände in Unschuld, denn es ist ja alles gesetzlich geregelt, und die Medien haben das ihre getan, um Missstände aufzudecken. Leider haben Sie eines nicht bedacht: es gibt in einer niedersächsischen Großstadt nicht einen Nervenarzt, der etwas derartiges leisten könnte, das Pflegepersonal erstickt im Dokumentationswahn und die Ärzte in der ICD 10 Verschlüsselung. Neulich gab es den guten Artikel über Augenprobleme bei Kommunikationsgestörten. In Deutschland kann es entsprechende Augenärzte nicht geben, denn diese müßten die in den Niederlanden mit 800 € entlohnte Leistung für den normalen Kassensatz erbringen, da sie diese Leistung quersubventionieren.
    Ich gratuliere dem Politisch-juristisch-medialem Komplex (M.Chriton), seine Verantwortung auf beste Weise abgeschoben zu haben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service