Neuroleptika Ruhe auf Rezept
In deutschen Altersheimen werden zu viele Psychopharmaka verabreicht. Die Medikamente schaden oft mehr, als sie nützen

© Getty Images
Alte Menschen sind oft verwirrt oder unruhig. Dies ist aber kein Grund, sie mit Tabletten ruhig zu stellen
Weiterführende Links finden Sie am Ende des Artikels
Tun Sie doch was« – diesen Hilferuf von Pflegekräften aus Altenheimen hat Klaus Maria Perrar schon oft gehört. Einmal im Monat fährt der Gerontopsychiater ins Geschwister-Louis-Haus in Vossenack und zum Sophienhof in Niederzier, um dort »hermeneutische Fallbesprechungen« abzuhalten. Dann tagt ein großes Team in einer zweistündigen Sitzung. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht ein einzelner Bewohner mit Demenz. Und das Bemühen, ihn und sein »herausforderndes« Verhalten zu verstehen. Sein Schimpfen und Rufen, sein zielloses Wandern, seine Wahnvorstellungen und Handgreiflichkeiten. So viel Zeit und Zuwendung ist keine Selbstverständlichkeit für deutsche Alten- und Altenpflegeheime.
Oft wird auf anstrengende Bewohner einfach mit der Verschreibung von Psychopharmaka reagiert. Am häufigsten werden Antipsychotika verabreicht, sogenannte Neuroleptika. Doch diese Praxis ist häufig rechtswidrig, bringt den Pflegenden keineswegs immer die erhoffte Entlastung, und vor allem: Sie schadet den Menschen oft mehr, als dass sie nützt. Von Fachleuten wird der schnelle Griff zum Rezeptblock seit Jahren kritisiert.
Doch es ändert sich einfach nichts. Wie die Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen, werden die Medikamente nach wie vor großzügig ausgeteilt: In 31 Altenpflegeheimen in München erhielt ein Drittel aller Bewohner Antipsychotika; in zwei Heimen in Frankfurt und Mainz standen Psychopharmaka gar für 63 Prozent der 167 Bewohner Tag für Tag parat. Und von den 2367 Bewohnern in 30 Hamburger Altenpflegeeinrichtungen erhielten mehr als 50 Prozent wenigstens ein Psychopharmakon – 30 Prozent davon waren Neuroleptika. »Da lässt sich getrost von Überversorgung sprechen«, sagt Pflegewissenschaftlerin und Studienleiterin Gabriele Meyer.
Neuroleptika sind riskante Arzneimittel – erst recht für Alte
Es ist längst mehr als ein Verdacht: Neuroleptika werden allzu häufig vor allem wegen ihrer dämpfenden Wirkung eingesetzt. Ein Arzt, der ungenannt bleiben will, sagt: »Ich kenne keine Pflegeperson, die zugeben würde, einen Bewohner ruhigstellen zu wollen. Allerdings erlebe ich häufiger den Wunsch, auch von Angehörigen, Weglauftendenzen oder beständiges Rufen medikamentös einzustellen. Aber was ist das denn anderes als Ruhigstellen?« Auch als Arzt komme man da schnell in eine schwierige Situation: »Die einen unterstellen, man dröhne die Patienten nur zu, die anderen verstehen nicht, warum man nicht endlich genügend Medikamente gibt.«
Doch Neuroleptika sind riskante Medikamente. Erst recht für alte Menschen mit Vorschädigungen am Gehirn.
Früher als bei jungen Patienten und schon nach niedrigeren Dosierungen treten bei ihnen die gefürchteten neuroleptikatypischen Bewegungsstörungen auf. Sie können sich als Parkinsonsyndrom, quälende Bewegungsunruhe, unwillkürliche Bewegungen und in Formen von Verkrampfungen und Fehlhaltungen der Muskulatur zeigen. Auch mangelnde Bewegungsfähigkeit, Apathie und Schluckstörungen können eine Folge sein und den Krankheitsverlauf verschlechtern. Große Risiken bergen die Wechselwirkungen zwischen den oft zahlreichen Medikamenten, die alte Menschen erhalten. Tatsächlich ist die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen unerwünschter Medikamentenwirkungen gerade bei dementen Heimbewohnern erheblich. »Zu hohe Dosen und zu schnelles Aufdosieren vor allem von Psychopharmaka, ungeeignete Arzneimittel und mangelhafte Therapieüberwachung sind die häufigsten Gründe dafür«, sagt Petra Thürmann, Expertin für klinische Pharmakologie. Bei 168 Bewohnern zweier Altenheime in Frankfurt und Mainz waren für ein Drittel der Medikamentenzwischenfälle allein die Neuroleptika verantwortlich. Start low, go slow – einschleichend und niedrig dosieren und nur vorsichtig erhöhen. Diese wichtigen Prinzipien der Alterspharmakologie werden allzu oft missachtet.
Zwar gelten die neueren atypischen Neuroleptika als nebenwirkungsärmer, gar als »gut verträglich«, doch in Wahrheit, mahnen etwa die US-Psychiater Daniel Katz und Ira Weintraub, seien deren Wirkungen nicht ausreichend erforscht. Vor vier Jahren warnte die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA sogar: Atypische Neuroleptika erhöhen die Sterblichkeit älterer dementer Menschen. Vergangenes Jahr erweiterte die FDA die Warnung: Auch konventionelle Neuroleptika gelten nun als riskant. Es wurden vermehrt Schlaganfälle, Lungenentzündungen, plötzliche Herztode oder Stürze beobachtet. Schon bei Kurzzeitbehandlungen, so das Ergebnis einer kanadischen Studie, sind schwere Zwischenfälle, auch Krankenhausaufnahmen, häufiger. Ähnlich besorgniserregend ist das Ergebnis einer gerade erst im Fachblatt Lancet Neurology erschienenen Langzeitstudie.
Aber die Wirksamkeit der Antipsychotika ist fraglich. Allenfalls moderate Behandlungseffekte scheinen nachweisbar, größeren Nutzen haben sie vermutlich nur bei schwerer Symptomatik. Paradoxerweise können sie sogar gerade jene Symptome auslösen, die sie eigentlich mildern sollen: psychotisches Erleben, aggressive Impulsdurchbrüche und Unruhe. Dennoch wird bei unzureichendem Behandlungserfolg häufig und viel zu schnell einfach die Dosis erhöht. Doch Psychopharmaka brauchen länger, bis sie verlässlich wirken.
Das pharmakritische Arzneitelegramm empfahl, die Mittel »restriktiv nur bei ansonsten nicht beherrschbarer Gefährdung des Patienten selbst oder seiner Umgebung« und »nur kurzzeitig« zu verordnen. Ähnlich lauten die Empfehlungen der Fachgesellschaften.
Trotz der möglichen Komplikationen lehnt auch Klaus Maria Perrar Neuroleptika nicht völlig ab: »Richtig indiziert, vorsichtig eingesetzt und in einen Therapieplan eingebettet, der auch nichtmedikamentöse Angebote umfasst, können Psychopharmaka durchaus Gutes leisten.« Nur: »Eines der größten Probleme ist, dass sie ausprobiert, aber dann nie wieder abgesetzt oder auch nur hinterfragt werden«, sagt Johannes Pantel, Gerontopsychiater von der Universität Frankfurt. Es lohnt sich jedoch, die Medikamente sorgsam ausschleichend auch mal wieder abzusetzen. »Sehr häufig passiert dann gar nichts, oder man erlebt eine Verbesserung«, sagt Pantel. Für ihn sind Dauerverordnungen, Überdosierungen und schwere Nebenwirkungen vor allem die Folge fehlender fachärztlicher Präsenz und mangelnder Schulung des Personals.
»Die fachärztliche Versorgung durch Neurologen und Psychiater ist nicht immer gegeben«, bestätigt Uwe Brucker vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Meist übernehmen Hausärzte die Versorgung. Doch deren Kenntnisse in Psychopharmakologie, sagen Fachleute, seien mangelhaft, und Fachärzte würden zu selten hinzugezogen. »Die Hausärzte«, wünscht sich Johannes Pantel, »sollten gerontologisch oder gerontopsychiatrisch geschult sein, wenn sie hauptverantwortlich die Heimversorgung übernehmen wollen.« Auch Gerda Graf, Geschäftsführerin des Sophienhofs, ist überzeugt: »Die Medikation muss sachkundiger und gezielter eingesetzt werden.«
Überlastete, ungeschulte Pflegekräfte fragen den Arzt nach Medikamenten
Das Ausmaß der Verschreibungen steuern vor allem die Pflegekräfte. Sie sind es, die den Arzt rufen und nach Medikamenten fragen. Auf ihre Beobachtungen und Schilderungen ist der Mediziner angewiesen. Ungeschultes und überlastetes Personal ruft unter Umständen drei- bis viermal pro Woche in der Arztpraxis an. »Symptome werden oft übertrieben dargestellt. Dabei gehört vieles nun mal zum Krankheitsbild«, sagt Perrar. »Wenn ein Bewohner jeden Abend den Tisch decken will«, ergänzt Pflegewissenschaftler Detlef Rüsing, »weil er glaubt, sein vor Jahren verstorbener Sohn komme zu Besuch, leidet er zwar an Wahnvorstellungen, aber braucht noch lange keine Neuroleptika.« Rüsing ist wie Perrar Co-Autor der vom Bundesgesundheitsministerium herausgegebenen Rahmenempfehlungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz in der stationären Altenhilfe.
Zum verantwortlichen Einsatz von Neuroleptika gehört, auf unerwünschte Wirkungen prompt zu reagieren. Doch Ungeschulte übersehen diese leicht. »Examinierte Altenpfleger sind durchaus in der Lage, die Nebenwirkungen zu erkennen«, sagt Andrea Bergstermann, Leiterin des Dortmunder Fachseminars für Altenpflege. »Das ist Teil ihrer Ausbildung. Aber in den Heimen arbeiten immer mehr Hilfskräfte. Die wenigen examinierten Kräfte sind schnell damit überfordert, jeden einzelnen Bewohner genau im Blick zu behalten.«
Rechtlich bewegen sich viele Mediziner ohnehin auf dünnem Eis. Denn noch immer gilt: Ärzte dürfen, außer in Notsituationen, einen Menschen nicht ohne seine aufgeklärte Einwilligung oder der seines legitimierten Vertreters behandeln. Der Heidelberger Amtsrichter Jörg-Peter Menk stellte schon vor zehn Jahren klar, dass der Behandler auch »bei jedem Behandlungswechsel (Dosis, anderer Wirkstoff et cetera) der Einwilligung des aufgeklärten Betreuers bedarf«. Und: »Es ist die Pflicht des Behandlers, sich um diese Einwilligung selbst zu bemühen.« Das nichtärztliche Personal, das verordnete Medikamente verabreicht, darf zwar unterstellen, dass der Arzt dem nachgekommen ist. Aber: »Ergeben sich aus den Umständen Hinweise, dass dem nicht so ist, muss es remonstrieren, also nachfragen. Bleiben rechtliche Zweifel, kann und muss es gegebenenfalls seine Mitwirkung verweigern«, sagt der Pflegerechtsexperte Werner Schell.
Die Gesetzeslage wird jedoch allzu oft ignoriert. »Die Rechtsposition der Betreuer wird immer noch nicht ausreichend berücksichtigt – weder von Ärzten noch von Pflegepersonen«, sagt der Gerontopsychiater Rolf Dieter Hirsch, der auch Vorsitzender der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter ist. Und der Freiburger Rechtsexperte Thomas Klie ist überzeugt: Der in Pflegeheimen praktizierte Gebrauch von Psychopharmaka hat häufig strafrechtliche Qualität. »Wer ohne medizinische Indikation Neuroleptika verordnet, macht sich strafbar.«
Da erstaunt nicht, was der Frankfurter Johannes Pantel 2005 bei der Analyse exemplarischer Fallbeschreibungen zutage förderte: In 60 Prozent der Fälle gab es Anhaltspunkte dafür, »dass der verordnende Arzt vor Behandlungsbeginn weder über die Psychopharmakaverordnung aufgeklärt noch eine Einwilligung des Betreuers/Bevollmächtigten eingeholt hat«. Da erklärt der Betreuer, der Arzt habe sich nie bei ihm gemeldet, und der erklärt, der Betreuer habe nie den Kontakt zu ihm gesucht. Vor allem ältere Angehörige, glaubt die Bochumer Rechtsanwältin Bärbel Schönhof, neigen dazu, alles dem Arzt zu überlassen – aus Respekt vor ärztlicher Autorität und im Glauben, Medizinisches nicht beurteilen zu können.
Eine zwiespältige Haltung. Denn Betreuer, schreiben die Gerontopsychiater Jan Wojnar und Klaus Maria Perrar in einem Leitfaden der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, sollen nicht nur über vorgeschlagene Therapien stellvertretend entscheiden, »sondern auch durch Fragen nach deren Indikation und den Nebenwirkungen der Behandlung zu einem nachdenklichen und umsichtigen Umgang mit den Medikamenten beitragen«. Statt des reflexhaften Griffs zur Pillenschachtel fordert der Gerontopsychiater Perrar die Antwort auf eine zentral Frage: »Verbessern wir mit Psychopharmaka die Lebensqualität des kranken Menschen? «
Viele unruhige Menschen haben unzureichend behandelte Schmerzen
Wie sich die Situation nach Absetzen der Psychopharmaka bessern kann, konnte Perrars Kollege Pantel in einem Heim demonstrieren. »Unruhe und Angstzustände bei den Bewohnern reduzierten sich signifikant«, sagt Pantel. Und das lag nicht nur am Verzicht auf Medikamente. »Die Pflegekräfte wurden auch im Umgang mit dem Bewohner trainiert.« Dazu gehört, den dementen Menschen, seine Bedürfnisse und die Ursachen seines Verhaltens verstehen zu lernen. Auch wenn er sich nicht mehr äußern kann. Bis zu 80 Prozent der Pflegeheimbewohner, zeigen Studien, leiden unter unzureichend behandelten Schmerzen. »Auf Vorträgen«, sagt Perrar, »frage ich die Zuhörer immer: Wenn Sie sich nicht richtig äußern können, und Sie haben Schmerzen, wollen Sie lieber Schmerzmittel oder Neuroleptika?«
Der Sophienhof hat ein selbst entwickeltes Konzept. Es setzt auf den Hospizgedanken, auf spezifische Formen des Umgangs mit Demenz und auf eine Visitenkultur, die den Facharzt und den Angehörigen einbezieht. Krankenhauseinweisungen wegen sogenannter psychiatrischer Krisen kommen nur selten vor. »Wir haben eine ganz geringe Krankenhausquote«, sagt Pflegedienstleiterin Sibylle Dichant stolz.
In Vossenack und Niederzier kommen die Patienten mit Anfangsdosierungen aus. Auf unruhige Nächte ist man eingestellt. Drei Nachtwachen, das ist mehr als üblich, betreuen im Sophienhof 80 Personen. Bis Mitternacht gibt es dort noch »Mittagessen«. Und Stephan Braun, Wohnbereichsleiter des Geschwister-Louis-Hauses, erzählt: »Dank spezieller Türschlösser können unsere ruhelosen Bewohner nachts von außen nicht in die Zimmer der anderen und sie beim Schlafen stören. Einer von ihnen schläft übrigens immer bis mittags.« Starre Regeln sind unbekannt. »Wir wollen sie nicht in einen Rhythmus pressen«, sagt Dichant, und man spürt, das meint sie ernst.
Offenbar sind andere als die üblichen Wege möglich. Und Perrar versucht zu helfen. Der Autor eines Lehrbuchs über Gerontopsychiatrie für Pflegeberufe hat den Pflegekräften seine Handynummer gegeben. Schon das entspanne die Situation. Die großen Fallbesprechungen mit 10 bis 15 Teilnehmern – unter ihnen auch die Angehörigen – sind bewährte Praxis. Seit 2002 führt Perrar sie durch. »Sie dienen dem gemeinsamen Schauen, dem Sammeln von Ideen, der veränderten Perspektive, dem Finden eines Problemverständnisses, dem Entwickeln von Problemlösungspotenzial«, sagt er. 130 Fallkonferenzen, schätzt Perrar, hat er inzwischen geleitet. Die Besprechungen führten nicht selten zu Lösungen, die kaum jemand für möglich gehalten habe. Es kommen immer mehr Anfragen von Heimen – mehr, als er bewältigen kann.
Lesen Sie mehr zum Thema unter folgenden Links:
Regeln für die Anwendung von Antipsychotika bei herausforderndem Verhalten
bei Demenz formuliert die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und
-psychotherapie: www.dggpp.de
Auf der Homepage der Zeitschrift pflegen: Demenz lassen sich 10 Regeln zum
Einsatz von Psychopharmaka bei Menschen mit Demenz kostenfrei herunterladen:
www.pflegen-demenz.de
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 10.02.2009 - 11:45 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
- Kommentare 9
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Liebe Frau Gerth, diese impertinente Betroffenheitsprosa von jemandem der augenscheinlich vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat aber darüber Artikel schreiben darf, ist ein größeres Übel als die Zustände in den Pflegeheimen.
Dieses den eigenen Ängsten entspringende Gemecker hat schließlich dazu geführt, dass in der grassierenden Atmosphäre der Abwertung ärztlichen und pflegerischen Tuns und dem daraus resultierenden Misstrauen die Dokumentationspflichten so zugenommen haben, dass der Patient an sich in den Regulierungsorgien in den Hintergrund tritt.
Aber Sie, Frau Gerth, haben sicher die probate Lösung: Dann gehen Sie doch hin und verteilen Sie mal auf Schwerstpflegeabteilungen Ihre Globuli!
Oder schreiben Sie demnächst mit gleicher intellektueller Brillanz eine Beschwerde über die deutschen Anästhesisten, die durch ihr Tun das Selbstbestimmungsrecht des Patienten während des ärztlichen Eingriffs verunmöglichen. Wegen dem bisserl Schmerz gleich immer Narkosemittel! Pfui!
Narkosen nur noch mit Akupunktur, oder so. Nicht wahr?
Aber, werden Sie sagen, psychischer und physischer Schmerz sind doch gar nicht vergleichbar.
Und genau mit dieser Frage sollten Sie sich demnächst mal beschäftigen!
Vielleicht unterliegen Sie ja bloß dem Irrtum, dass Unruhe, Randale, Schreien, Toben Glücksäußerungen darstellen ...
Und das triviale Problem eines Pflegeschlüssels von 1:1 lösen Sie dann noch nebenbei, gell?
Schade, dass der Artikel nur so tut, als ob er aus der wahren Welt der Pflegeheime berichtet. Die sieht nämlich ganz anders aus. Im wahren Leben ist es in der Regel der Hausarzt, der den Patienten vor dem Beruhigungswahn der Pflegenden (.. er könnte sich doch verletzen... wir sind doch für ihn verantwortlich...) schützen muss. Aus Erhebung bei Palliativ- und Pflegepatienten wissen wir, dass bei ihnen die Möglichkeit der Selbstbestimmung das erste und wichtigste Ziel in ihrem durch weitgehende Hilflosigkeit geprägten Leben ist und ihnen - wir anderen mögen es kaum glauben - noch vor der absoluten Schmerzfreiheit geht. Das schlimmste, was wir den neuerdings "Gästen" genannten Pflegeheimbewohnern antun können, ist sie mit Neuroleptika, Sedativa oder überdosierten Morphinen hilflos und verwirrt zu machen. Dies geschieht aber seltener durch Hausärzte, häufiger durch von den Pfleger in die Heime geholten Psychiatern, die sich - ohne den Patienten beobachtet zu haben, Geschichten von Unruhe und Sturzgefahr erzählen lassen und dann hochdosierte sog. atypische Neuroleptika anordnen, von denen nur die Hersteller behaupten, dass sie nicht die Nebenwirkungen der typischen Neuroleptika hätten - Herstellerneutrale Studien zeigen eher das Gegenteil: erhöhte Mortalität bei massiver Verstärkung der Hilflosigkeit. Von diesem "Moorhuhnschießen" der eingeflogenen Psychiater profitiert auch das Heim: bei mehr hilflosen "Gästen" erhöht sich der Pflegesatz und die Firmen, die auf Vertragsbasis in den Heimen die Dekubitusversorgung, Sondenernährung zu Lasten der Krankenkassen durchführen. Wunderbar, alle verdienen daran und der Patient kann sich dank Sedierung nicht wehren. Der gesetzliche Betreuer ist froh, dass sein Schützling von sovielen hochspezialisierten Betreuern umsorgt wird, statt ihm seine Selbstbestimmungsmöglichkeit soweit möglich wiederherzustellen. An eine geriatrische Rehabilitation durch Zuwendung, Krankengymnastik, Ergotherapie, Karenz sedierender Medikamente ist angesichts der geballten Interessenlage nicht zu denken. Schöne neue Welt: Wir treffen uns alle im Pflegeheim: eines Tages als Patienten. Bis dann. mh
hasst Psychiater.
Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.
Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:
Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.
Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.
Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.
Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.
[...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)
Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.
Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.
Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.
Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.
Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.
Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.
Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.
Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.
hasst Psychiater.
Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.
Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:
Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.
Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.
Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.
Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.
[...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)
Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.
Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.
Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.
Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.
Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.
Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.
Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.
Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.
hasst Psychiater.
Allein die Tatsache, dass Sie den Betreuenden und Pflegenden pauschal Vorsatz und Bereicherungsabsichten unterstellen, ist auffällig.
Dass Sie den Psychiatern dann auch noch Ignoranz, Unfähigkeit und Brutalität attestieren, ist pathognomonisch. Beeinträchtigt somit entscheidend die Relevanz Ihrer Philippika. Vornehm ausgedrückt.
Mal zum Nachdenken bevor Sie weiter die Medienklischees nachgurgeln:
Es gibt eine Reihe degenerativer Hirnprozesse, die mit schwersten Denk-, Wahrnehmungs- und Erlebnisstörungen einhergehen. Der von Ihnen für diese Fälle offenbar favorisierte Ergotherapeut muss in solchen Fällen um sein Leben, wenigstens aber um seine Bausteinchen fürchten.
Das veränderte Erleben erzeugt durch irgendwelche Persuasion nicht ansatzweise beherrschbare Ängste. Der Affektdruck dürfte den von Alpträumen weit übersteigen. Die Derealisation führt zur Abkoppelung der Wahrnehmung von der Außenwelt. Händchenhalten und "wirdschongut" führen eher zu zusätzlichem Bedrohungsgefühl. Wer ähnlich wie im delirium tremens Schlangen aus den Steckdosen kriechen sieht, wird auch nicht durch "vergehtschonwieder" aus seiner Panik zu retten sein.
Dass dem Laien z.B. die Unterschiede zwischen depressiver Hemmung, katatoner Psychose und Demenz nicht einleuchten können, ist völlig klar.
Aber dann sollen sie die Laien wenn schon nicht bescheiden zurückhalten, so dann sich doch wenigstens dieser inzwischen peinlichen habituellen Abwertung ärztlichen Tuns enthalten.
[...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)
volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.
Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:
- Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
- Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
- Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
- Schläge mit Gehstock
usw.
Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.
Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!
Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.
volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.
Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:
- Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
- Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
- Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
- Schläge mit Gehstock
usw.
Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.
Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!
Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.
Ich kann das mit der Selbstbestimmung nicht mehr hören.
Selbstbestimmung existiert nicht wirklich, bestimmte Verhaltensweisen sind
definitiv einfach nicht durch "Händchen-halten" und stundenlanges Zureden
in den Griff zu bekommen. Auch wenn man die Personalressourcen dafür hätte!
Man hat sie definitiv nicht, keine 1:1 Betreuung.
Sie haben nie selbst jahrelang in so einer Einrichtung gearbeitet, oder?
Kommen und Gucken und sind wieder weg und froh das sie dort nicht jeden Tag arbeiten müssen.
Liest sich so als kommen sie vom MDK, Heimaufsicht oder einer dieser zahllosen Initiativen, an denen eine gewisse Hausfrauen Mentalität und Kleingeistigkeit klebt das man Angst bekommt.
Mit Ihren pauschalen und banalen Unterstellungen verkennen sie die wirkliche Ursache dieser Probleme und treten den Menschen, die in diesen Einrichtungen täglich arbeiten müssen mal wieder mächtig in den Hintern. Toll.
Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die vielen, die sorgsam und umsichtig täglich ihre Arbeit unter extrem schwierigen Umständen (Extern wie Intern) für einen Hungerlohn leisten.
Aus meiner Erfahrung in etlichen Einrichtungen, kann ich Ihnen attestieren, das ich nie eine Überdosierung oder eine leichtfertige Abgabe von Psychopharmaka
erlebt habe, weder vom Pflegepersonal noch von Ärzten.
Schwarze Schafe gibt es überall, aber in keiner Branche wird so beständig auf die Beschäftigten eingeschlagen. Und definitiv so wenig getan, die Situation der Pflegenden Positiv zu verändern und sie direkt in den Dialog einzubinden wie in der Altenpflege. Es wird nur über sie geredet und beschlossen, nicht mit ihnen.
Mein Fazit: Es besteht seitens der Politik kein Interesse wirklich an der Situation in den Heimen zu verändern und zwar mit den dort direkt Beschäftigten.
volle Zustimmung! Danke für den Kommentar.
Ich kann noch ein paar Beispiele aus einer langjährigen Erfahrung beisteuern:
- Bewohner, die komplett ihr Zimmer zerlegt haben.
- Angriff auf Pflegepersonal mit einem Messer
- Bewohner, die sich gegenseitig Verprügeln, oder auch bewusst den anderen zu Fall bringen.
- Schläge mit Gehstock
usw.
Alle Beispiele aus der persönlichen Erfahrung und als Nachtwache alleine mit 40 bis 60 Bewohnern. Wohlgemerkt auch ohne die Bewohner in irgendeiner Art und Weise unter zugesetzt zu haben.
Keine Psychiatrische Einrichtung, sondern ein Seniorenpflegeheim!
Man muss sich definitiv von den in den Medien verbreiteten Märchen eines etwas tüdeligen älteren Menschen verabschieden, der nur etwas Zuneigung benötigt und dann wird alles gut.
Liebe Frau Gerth,
ein oberflächlicher, undifferenzierter, polemischer Artikel, der an den wirklichen Ursachen vorbei geht.
Gezielt nachgeplappert, was die sogenannten Pflegeexperten vorplappern, die vermutlich Seniorenpflegeheime nur von kurzen Besuchen kennen, aber nie länger in solchen Einrichtungen verweilt haben. Immer schön draufschlagen, auf das dumme und ungebildete Pflegepersonal.
Folgende Anmerkungen:
- Medikamente sind immer gefährlich, wenn man sie überdosiert, egal was man nimmt.
- Die Massiven Persönlichkeitsveränderungen sind in vielen Fällen ohne
Medikamentöse Behandlung nicht in den Griff zu bekommen.
- Die zitierte Aussage von Frau Gabriele Meyer ist aus dem Zusammenhang gerissen und verschleiert die wirklichen Gründe.
- Sie unterstellen pauschal dem Pflegepersonal, das es die Verordnungen steuert, das ist so nicht korrekt.
- Die Beispielhaft genannte Einrichtung muss bei der genannten Besetzung die Mehrausgaben für das Personal an anderer Stelle einsparen oder den Angehörigen einen höheren Betrag abverlangen, da die Ausgaben seitens der Kostenträger gedeckelt sind. Das verschiebt nur das grundsätzliche Problem und gaukelt eine heile Welt vor, die es nicht gibt.
- Stichwort Ausbildung/Besetzung:
Man kann nur Ausbilden was man bekommt. Da die Gehälter eigentlich nicht zum Leben reichen, bekommt man auch nicht die sog. "Elite" an das Bett im Heim. Diese sog. "Elite" sitzt in den Pflegestudiengängen, MDK, Heimaufsicht an einem bequemen und stressfreien Schreibtisch und haben den Alltag im Heim nur von kurzen Besuchen kennengelernt.
Viele Auszubildenden sind noch nicht mal in der Lage Zusammenhänge herzustellen, sprich eigentlich nicht für den Beruf geeignet. Werden aber häufig vom Arbeitsamt in diesen Beruf gezwungen.
Aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen, muss man vermehrt Hilfspersonal einstellen, wenn man wirtschaftlich überleben will und letztendlich ist ein Seniorenheim ein wirtschaftlicher Betrieb und keine Wohlfahrtseinrichtung. Auch wenn das immer so verkauft wird.
Mittlerweile greifen sehr viele Parteien Geld aus der Pflegekasse/von den Krankenkassen ab, bevor überhaupt etwas beim Bewohner ankommt. Als Beispiel seien nur die externen Wundbegutachter oder Hygieneberater genannt, die sich fürstlich entlohnen lassen, da vorgeschrieben.
Mittlerweile ist es so weit gekommen, das das Personal nichts mehr selbstständig entscheiden darf, außer die Einlagen zu wechseln, ja noch nicht einmal welche Einlagen sie für geeignet* hält. Damit ist das Pflegepersonal zum Präkariat dieser Branche verkommen.
Und damit will die Gesellschaft hochwertige Pflege sicherstellen, die sie sich noch nicht einmal leisten kann und will und der nichts weiter einfällt als noch mehr Kontrollen, Vorschriften, Dokumentationen?
Der MDK ist ja noch nicht einmal in der Lage ein Musterheim aufzuzeigen, das seine ganzen, teilweise sehr realitätsfernen Ergüsse, funktionierend aufzeigt.
Warum ist das so?
Weil es unter den herrschenden Rahmenbedingungen einfach nicht möglich ist.
Jedem in der Branche ist das klar, aber von den Kontrollinstitutionen wird das völlig ignoriert und fröhlich weiter auf das Präkariat in der Pflege eingeschlagen und Probleme oberflächlich wie in ihrem Artikel diskutiert mit den falschen Konsequenzen.
*
Hier zu noch eine kleine, leider reale Anekdote:
Eine große Krankenkasse schreibt ihren Versicherten neuerdings vor, die von ihr gestellten Einlagen zu verwenden. Sonst muss der Versicherte die Kosten selbst tragen. Die Stückzahl, die pro Monat verbraucht werden dürfen, ist begrenzt.
Leidet der Bewohner z.B. an einer Durchfallerkrankung, so ist ein Antrag zu stellen.
Zynisch: Man darf sich als Betroffener nur X mal im Monat seiner Exkremente entledigen. Berücksichtigt ist natürlich nicht, das Bewohner auch Einlagen häufig zerfleddern oder außerplanmäßig entsorgen, was zu einem erhöhtem Verbrauch führt.
Die Qualität der vorgeschrieben Einlagen ist eindeutig minderwertig, d.h. ein unnötig häufiger Wechsel ist nötig. Was zum einen das Personal massiv belastet und auch einen Teil der erhofften Einsparungen zu nichte macht.
Modernen und Hochwertige Einlagen können sehr viel Aufnehmen und schädigen die Haut nicht, lassen den Bewohner vor allem Durchschlafen und entlasten das Personal.
So kann man zudem notwendige, innovative Entwicklungen, die sich in Zukunft kostensparend auswirken können, aktiv unterbinden.
Frau Gerth, willkommen in der Realität.
Leider kommt in dem Artikel gar nicht zur Sprache, dass im Schnitt nur ca. 20-30% der Heimbewohner mit Demenz dagegen Medikamente erhalten. Meiner Ansicht nach kann man sich nicht gleichzeitig beklagen, dass zu viel einer bestimmten Medikamentenklasse verordnet wird (was stimmen kann) ohne zu erwähnen, dass andere Medikamente zu wenig verwendet werden.
Den §1904 hier in dem Zusammenhang zu erwähnen, ist ebenfalls inadäquat, da jedes Medikament prinzipiell immer zu Tode führen kann, ohne dass jedesmal darüber aufgeklärt werden muss (z. B. Insulin). Der § bezieht sich m. E. z. B. auf schwerwiegende Eingriffe, wie Operationen usw.
Wunderbare Vorschläge! Die Medien haben ihre Schuldigkeit getan, die Juristen waschen ihre Hände in Unschuld, denn es ist ja alles gesetzlich geregelt, und die Medien haben das ihre getan, um Missstände aufzudecken. Leider haben Sie eines nicht bedacht: es gibt in einer niedersächsischen Großstadt nicht einen Nervenarzt, der etwas derartiges leisten könnte, das Pflegepersonal erstickt im Dokumentationswahn und die Ärzte in der ICD 10 Verschlüsselung. Neulich gab es den guten Artikel über Augenprobleme bei Kommunikationsgestörten. In Deutschland kann es entsprechende Augenärzte nicht geben, denn diese müßten die in den Niederlanden mit 800 € entlohnte Leistung für den normalen Kassensatz erbringen, da sie diese Leistung quersubventionieren.
Ich gratuliere dem Politisch-juristisch-medialem Komplex (M.Chriton), seine Verantwortung auf beste Weise abgeschoben zu haben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren