Nahost Friedensplan mit sieben Buchstaben? Respekt!
Barack Obama schlägt im Nahen Osten einen neuen Ton an. Er ist wohl der letzte amerikanische Präsident, der die Zweistaatenlösung ermöglichen kann
Können sieben Buchstaben die Welt verändern? Mit nur einem Wort entzückt Barack Obama dieser Tage den Mittleren Osten: »Respekt«. Ausgesprochen hat er es vergangene Woche in einem Interview mit dem Fernsehsender al-Arabija. Seither beflügelt dieses Wort Arabien und nährt die Hoffnung auf einen tiefen greifenden Wandel der US-Politik. Denn »Respekt« heißt, andere ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und keine Meinung von außen aufzudrücken. Drastischer kann ein Politikwechsel nach acht Jahren imperialen Dünkels und ideologischer Verbohrtheit im Weißen Haus nicht ausfallen.
Seinen Start in die Nahost-Politik hatte sich Amerikas neuer Präsident anders gewünscht. Vor Weihnachten noch hatten er und seine Berater von einer diplomatischen Großoffensive geträumt, doch jetzt müssen sie sich vorerst als Krisenmanager bewähren. Es bedurfte nicht erst eines Wutausbruchs des türkischen Premiers, um zu begreifen, was Israels Gaza-Feldzug mit rund 1300 Toten angerichtet hat. Nicht nur die arabischen Völker, auch ihre Regierungen sind aufgebracht; erstmals berichten selbst US-Medien stundenlang über das Leiden der Palästinenser; Israels Verhältnis zum wichtigen Verbündeten in Ankara ist zerrüttet; die islamistische Hamas ist moralisch und politisch aufgerüstet; die atomare Schwellenmacht Iran wird in der Region immer einflussreicher; bei der Wahl in Israel am kommenden Dienstag drohen starrsinnige Rechte die Macht zu erobern.
Diese verfahrene Lage versucht Barack Obama nun zu verändern, indem er einen neuen Ton anschlägt, indem er Vermittler statt Ideologen in die Region entsendet und sofort an allen großen und kleinen Rädern gleichzeitig dreht. Worauf will er hinaus?
Barack Obama schaut auf die Probleme nicht nur von der hohen Warte des Oval Office aus. Er spricht die Sorgen der Menschen aus, betont, dass er als Vater zweier Töchter die Zukunft der Kinder ernst nehme, seien sie Israelis oder Palästinenser. In der arabischen Welt kam gut an, dass Obama mehrfach das Schicksal der Menschen in Gaza bedauert hat, ohne dafür, wie sonst in Amerika üblich, im gleichen Atemzug allein Hamas verantwortlich zu machen. Im Interview mit dem Satellitensender al-Arabija lobte er den arabischen Friedensvorschlag für eine Zweistaatenlösung. Er erwähnte, dass er muslimische Verwandte habe und als Jugendlicher im islamischen Indonesien gelebt habe. Als erster Präsident sprach er bei seiner Amtseinführung von Amerika als einer Nation auch von Muslimen.
Nicht nur der Ton macht die Musik. Anders als seine Vorgänger hat sich Obama entschieden, aufs Tempo zu drücken. Er will zwei Riesenprobleme zugleich anpacken: den ewigen Streit zwischen Israelis und Palästinensern sowie die Konfrontation Irans und Syriens mit Israel und den mit Amerika verbündeten arabischen Regierungen. Beides vergiftet die Region gleichermaßen.
- Datum 11.08.2009 - 13:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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