Restauranttest Siebeck isst im Osten (7)
Unser Kolumnist entdeckt das Wunder von Eichwalde
Wussten Sie, dass es in Nordvorpommern eine Farm gibt, die vergessene Wildkräuter wieder anbaut und Deutschlands Spitzengastronomie damit beliefert? Dass es nordwestlich von Berlin einen Ziegenhof gibt, wo Ziegenkäse produziert wird und feines Zicklein-Fleisch? Die meisten Leser aus Sachsen und Thüringen haben es offenbar nicht gewusst. Sonst hätten sie davon sicher übellaunig in ihren Briefen berichtet, mit denen sie meine bisherigen Berichte aus ihrer Heimat kommentiert haben. Aber Geduld, liebe Freunde, es kommt noch dicker!
Nicht, weil die Köche in den neuen Bundesländern etwa ihre Menüs dekonstruieren sollten, wie die FAZ unlängst forderte, sondern weil alles, was zu DDR-Zeiten als köstlich galt, in Wirklichkeit ein ziemlicher Schund war. Auch die "Broiler" genannten Hühner, die (zum Glück) inzwischen vom Markt verschwunden sind.
Einer der ersten kochenden Menschen, der das erkannte, war eine Frau, Carmen Krüger aus Eichwalde. Dort hat sie ein Restaurant in einer ehemaligen Metzgerei. Es ist nicht nur klein, sondern auch unauffällig. Als die Mauer fiel, wurde es ein Reiseziel für Wundergläubige. Da man Eichwalde mit der S-Bahn erreichen kann, könnte man sagen, das sei noch nicht der richtige Osten. Aber wer (außer mir) fährt von Berlin nach Eichwalde, weil er dort einen Havelzander im Brotteig essen will?
Ich habe ihn dann doch nicht bestellt. Weil es Havelzander in Berlin und Umgebung in jedem zweiten Restaurant gibt. Vor allem aber, weil ich auf der Speisekarte Dinge entdeckte, die es leider nicht in jedem zweiten Restaurant gibt, nicht einmal in jedem zweihundertsten. Ich meine Innereien wie Kalbshirn, -nieren, Herz, Lunge und Bries.
Außerdem lernte ich, dass man unter "Brandenburger" eine Blutwurst in der Kartoffelkruste versteht (7,50 Euro) und "Bollenfleisch" ein Zwiebelrostbraten ist (16 Euro). Steckrübe in einer Entenessenz (7,50 Euro) und ein Blauschimmelkäse aus dem Oderbruch (ebenso viel) verrieten endgültig, dass die moderne Forderung nach heimischen Produkten hier auf bravouröse Weise erfüllt wird. Und das alles wird von Carmen Krüger so schnörkellos, so selbstverständlich zubereitet, wie es sich für Hausmannskost gehört.
Es bleibt die Frage: Warum sind solche Köchinnen im Osten, im Westen, im Norden und im Süden so selten?
- Datum 05.02.2009 - 05:38 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
- Kommentare 7
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... passt nicht zum Text!
Die Adresse fehlt leider!
Bitte unbedingt nachtragen.
Herr Siebeck ist ein bisschen spät dran, die Kollegen vom Tagesspiegel waren schon vor Jahren dort: http://www.tagesspiegel.d....
Und andere waren auch schon dort und haben auch die Adresse erfasst:
http://www.qype.com/place...
Herr Siebeck ist ein bisschen spät dran, die Kollegen vom Tagesspiegel waren schon vor Jahren dort: http://www.tagesspiegel.d....
Und andere waren auch schon dort und haben auch die Adresse erfasst:
http://www.qype.com/place...
Eine kleine Korrektur:
Broiler gibt es noch immer an fast jeder Ecke, nur heissen sie jetzt Brathähnchen. Und ich habe sie vor kurzem so benannt schon in der Tiefkühltruhe gefunden.
Was die Qualität der Restaurants betrifft, gibt es in Deutschland nicht nur Ost-West- sondern auch ein -Nord-Süd-Gefälle. Man muss nur mal in die Gastro-Führer schauen. So what? Man kann mit dieser Botschaft auch souverän umgehen.
Herr Siebeck ist ein bisschen spät dran, die Kollegen vom Tagesspiegel waren schon vor Jahren dort: http://www.tagesspiegel.d....
Und andere waren auch schon dort und haben auch die Adresse erfasst:
http://www.qype.com/place...
Habe ein interessantes Interview mit Herrn Siebeck bzgl. "Hungersnot in Afrika" geführt. Zu lesen ist es auf den Seiten von
Leider wurde der Link des Interviews nicht angezeigt. Hier ist es zu finden: www.pseudolus.de
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