Umherfahren und dabei vielleicht die große Liebe kennenlernen – das scheint der Trend für den diesjährigen Valentinstag zu sein. Dieser inoffizielle Feiertag für Verliebte und Eben-nicht-Verliebte hat nun auch die Reisebranche erreicht, nachdem er in den vergangenen Jahren vor allem Glückwunschkartenherstellern, Floristen und Schokoherzenproduzenten den Jahresumsatz zu retten pflegte.

In Black Mountain, einem Skigebiet zweieinhalb Autostunden nördlich von Boston, findet am 14. Februar zum dritten Mal das Valley Original Annual Chairlift Speed Dating statt. Dabei macht man nichts anderes als an normalen Skitagen auch: Man fährt mit dem Lift den Berg hoch. Und auf Skiern wieder runter. Aber diesmal kann man die Fahrzeit gleich nützen, um andere Singles kennenzulernen – Amerikaner sind ja große Fans der Zwei-in-eins-Lösung. Wer teilnehmen wolle, melde sich im Lostbo Pub, erklärt Lori Pecor von der Black-Mountain-Marketingabteilung, dort werde man einem Liftpartner zugewiesen. Mit diesem teilt man sich für eine ganze acht Minuten dauernde Fahrt exklusiv eine Bank des Dreiersessellifts und fährt himmelwärts. Oder zumindest bergwärts. »Wenn Sie sich danach noch nicht verliebt haben, kommen Sie ins Pub zurück und werden neu zugeteilt«, sagt Pecor.

Den Reiz des organisierten Flirts hat auch die europäische Reisebranche erkannt. In den französischen Skiorten Avoriaz und Risoul werden die Lifte ebenfalls zu Speed-Dating-Orten umfunktioniert. Während Avoriaz seine »Woche der Singles« allerdings erst Ende März abhält, wird in Risoul klassisch am Valentinstag angebändelt.

Und auch die Deutsche Bahn verkuppelt jetzt Partnersuchende. Der Flirt-Express startet am 13. Februar zum zweiten Mal, nachdem im vergangenen Jahr in 15 Städten rund 800 Teilnehmer auch miteinander im Kreis gefahren sind. Statt Glühwein an der Talstation bekommen die Teilnehmer ein Gläschen Sekt, bevor sie die mit Herzen geschmückten Regionalexpress- oder S-Bahn-Züge besteigen. Mit ihnen fahren sie zwei bis drei Stunden durch die Gegend und kommen dann wieder dort an, wo sie abgefahren sind. Dazwischen werden sie alle fünf Minuten unter dem Kommando eines Moderators einem neuen Gesprächspartner zugeteilt.

Nun ist Speed-Dating ja nichts Neues auf dem Partnersuchemarkt. Üblicherweise in Großraumlokalen veranstaltet, werden Unbekannte im Schnitt sieben Minuten lang aufeinander losgelassen, bevor sie im Bäumchen-wechsle-dich-Modus zur nächsten potenziellen großen Liebe weitergehen. Der Vorteil hier ist jedoch: Wenn’s gar zu schlimm wird, kann man mit dem nächsten Taxi türmen. Im Lift und in der Bahn gibt es hingegen kein Entrinnen. Acht Minuten sind ein Wimpernschlag, wenn man einem anregenden Gesprächspartner gegenübersitzt. Acht Minuten können gefühlte acht Jahre werden, wenn sich zwei Menschen nichts zu sagen haben. Und wer jemals Skier an den Füßen hatte, weiß, wie oft Sessellifte zwischendurch stehen bleiben. Da muss man schon sehr ausführlich übers Wetter reden können.

Auch im Flirt-Express wird mancher Teilnehmer wohl den üblichen Reflex vieler Bahnreisender überwinden müssen und sich nach dem Einsteigen eben nicht den iPod in die Ohren stöpseln. Denn was will man in der Bahn am wenigsten hören? Die Gespräche der anderen Fahrgäste. Und worüber freut man sich im Großraumwagen am meisten? Endlich einen Sitzplatz gefunden zu haben und nicht alle fünf Minuten aufstehen zu müssen.

Die Belohnung erfolgt danach. Die Bahn hat in den Städten rund um die Bahnhöfe Lokale reserviert, in denen ohne Zeitbeschränkung gesprochen werden kann, dafür mit Notausgang. Im amerikanischen Black Mountain werden »Liebestränke« gereicht und aphrodisische Menüs bereitet. Wer den besten Anbaggerspruch liefert, bekommt einen Preis.