Kolumne Wörterbericht
Paradigmenwechsel
Nicht jeder hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, und vor allem löffelt er sie nicht Tag für Tag. Vieles von dem, was am laufenden Band gesagt und geschrieben wird, ist naturgemäß recht simpel. Nun ist die Mitteilung simpler Dinge der Stoff, aus dem unser Leben meist besteht, und man täte gut daran, das Simple simpel auszudrücken. Man könnte zum Beispiel sagen, dass die Stimmung auf den Immobilienmärkten deutlich schlechter geworden ist, was sich ja inzwischen herumgesprochen hat. Die FAZ jedoch zitiert einen Herrn Hettrich, seines Zeichens »Managing Partner von King Sturge«, mit dem Satz: »Auf dem Transaktionsmarkt sind wir Zeuge eines Paradigmenwechsels.« Gut gebrüllt. »Paradigmenwechsel« stammt aus der Wissenschaftstheorie und meint den grundstürzenden Wandel eines Weltbildes – etwa den Sturz des geozentrischen Weltbildes durch Kopernikus. Längst aber ist das Wort Mode geworden. Politiker lieben es, und wer sich aufblasen will, verwendet es für jede noch so banale Veränderung. In der Tat: Beim Gesundheitsfonds handelt es sich um einen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik. Wohl wahr: Seit die Kinder aus dem Haus sind, bin ich in meiner Ehe Zeuge eines Paradigmenwechsels. Manche Leute wechseln das Paradigma häufiger als ihr Hemd. Ulrich Greiner
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- Datum 05.02.2009 - 07:44 Uhr
- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
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