Jedes Jahr kürt der »Davos-Konsens« den Star des Weltwirtschaftsforums (WEF). Diesmal waren es der abgrundtiefe Pessimismus und seine »Es-wird-alles-noch-viel-schlimmer«-Propheten wie die Ökonomen Nouriel Roubini und Martin Wolf sowie der Geld-Guru George Soros. »Pessimismus«, so der israelische Präsident Peres, »war der letzte Schrei.«

Just diese Weltuntergangsstimmung macht Alt-Davosianer höchst vergnüglich. Denn die arbeiten seit Jahren am »Umgekehrten Zwei-Jahres-Frühindikator« (UZFrüh), der ganz schlicht besagt: Was immer in Davos als letzter Schrei und höchste Wahrheit gefeiert wird, ist zwei Jahre später Schutt.

Wehe dem Helden der Stunde; zwei Jahre später wird er nicht einmal mehr eingeladen. Ergo müssen spätestens beim WEF-Treff 2011 wieder Wirtschaftswachstum und Hochstimmung herrschen. Spätestens dann wird auch Goldman Sachs wieder eine Champagnerparty im Belvedere schmeißen.

Die historische Treffsicherheit des UZFrüh ist jedenfalls besser als die der deutschen Wirtschaftsweisen. Beispiele: 1993 war Mexiko der letzte Schrei, 1995 musste es von den USA vor der Pleite gerettet werden. In jenem Jahr wurden die asiatischen »Tiger« als Wachstumsweltmeister gefeiert. Zwei Jahre später wütete die asiatische Finanzkrise. 1999 wurden die Dotcom-Neureichen als »Masters of the Universe« auf den Schild gehoben; 2001, nach dem Crash von 2000, mussten sie ungegrüßt durch den Davoser Schnee stapfen.

Das war das Jahr, in dem der französische Finanzminister Laurent Fabius krähte: »Europe is back«Europa ist wieder da. Bloß begann just da die große Stagnation, die Deutschland fünf Millionen Arbeitslose bescherte. In der Mitte dieses Jahrzehnts füllte sich die Heldengalerie mit jenen Finanzakrobaten, die uns unter »Private Equity«, »Hedge Fund« oder eingedeutscht als »Goldmänner« vertraut wurden.

Bei Davos 08 waren einige von ihnen schon gestrauchelt. In diesem Jahr wagten sie es nicht einmal, sich zu zeigen. Prominenteste Ausnahme war Stephen Schwarzman, der Chef von Blackstone, der von deutschen Medien gern als »Superheuschrecke« tituliert wird. Tapfer kämpfte er gegen die Propheten des Untergangs an, aber es half nichts. Der »Davos-Konsens« senkte die Daumen, und weiter weg höhnten die Kapitalisten-Fresser von Attac: »Gipfel der Versager«.

Warum der UZFrüh so gut funktioniert? Darüber streiten sich die Experten noch. Die beste Hypothese bislang: Auch – oder gerade – Davosianer sind Herdenmenschen, Gläubige des Geschwätzes, das zwischen Universität, Cocktail und Medien zirkuliert. Und die Herde liegt fast immer falsch.