Weltwirtschaftsforum Die Herde irrt immer
Warum im Januar 2011 der neue Boom beginnt, erklärt Josef Joffe

© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images
Das Weltwirtschaftsforum in Davos, 2009
Jedes Jahr kürt der »Davos-Konsens« den Star des Weltwirtschaftsforums (WEF). Diesmal waren es der abgrundtiefe Pessimismus und seine »Es-wird-alles-noch-viel-schlimmer«-Propheten wie die Ökonomen Nouriel Roubini und Martin Wolf sowie der Geld-Guru George Soros. »Pessimismus«, so der israelische Präsident Peres, »war der letzte Schrei.«
Just diese Weltuntergangsstimmung macht Alt-Davosianer höchst vergnüglich. Denn die arbeiten seit Jahren am »Umgekehrten Zwei-Jahres-Frühindikator« (UZFrüh), der ganz schlicht besagt: Was immer in Davos als letzter Schrei und höchste Wahrheit gefeiert wird, ist zwei Jahre später Schutt.
Wehe dem Helden der Stunde; zwei Jahre später wird er nicht einmal mehr eingeladen. Ergo müssen spätestens beim WEF-Treff 2011 wieder Wirtschaftswachstum und Hochstimmung herrschen. Spätestens dann wird auch Goldman Sachs wieder eine Champagnerparty im Belvedere schmeißen.
Die historische Treffsicherheit des UZFrüh ist jedenfalls besser als die der deutschen Wirtschaftsweisen. Beispiele: 1993 war Mexiko der letzte Schrei, 1995 musste es von den USA vor der Pleite gerettet werden. In jenem Jahr wurden die asiatischen »Tiger« als Wachstumsweltmeister gefeiert. Zwei Jahre später wütete die asiatische Finanzkrise. 1999 wurden die Dotcom-Neureichen als »Masters of the Universe« auf den Schild gehoben; 2001, nach dem Crash von 2000, mussten sie ungegrüßt durch den Davoser Schnee stapfen.
Das war das Jahr, in dem der französische Finanzminister Laurent Fabius krähte: »Europe is back« – Europa ist wieder da. Bloß begann just da die große Stagnation, die Deutschland fünf Millionen Arbeitslose bescherte. In der Mitte dieses Jahrzehnts füllte sich die Heldengalerie mit jenen Finanzakrobaten, die uns unter »Private Equity«, »Hedge Fund« oder eingedeutscht als »Goldmänner« vertraut wurden.
Bei Davos 08 waren einige von ihnen schon gestrauchelt. In diesem Jahr wagten sie es nicht einmal, sich zu zeigen. Prominenteste Ausnahme war Stephen Schwarzman, der Chef von Blackstone, der von deutschen Medien gern als »Superheuschrecke« tituliert wird. Tapfer kämpfte er gegen die Propheten des Untergangs an, aber es half nichts. Der »Davos-Konsens« senkte die Daumen, und weiter weg höhnten die Kapitalisten-Fresser von Attac: »Gipfel der Versager«.
Warum der UZFrüh so gut funktioniert? Darüber streiten sich die Experten noch. Die beste Hypothese bislang: Auch – oder gerade – Davosianer sind Herdenmenschen, Gläubige des Geschwätzes, das zwischen Universität, Cocktail und Medien zirkuliert. Und die Herde liegt fast immer falsch.
Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Dieser Giga-Crash kündet vielleicht von einem ganz anderen Niedergang, nämlich der Ökonomie als Disziplin, die von Adam Smith und David Ricardo (von denen Marx so viel geklaut hat) bis Keynes und Friedman unser Denken beherrscht hat. Die klassische Ökonomie hat immer wunderbar die Vergangenheit (im Rückblick) vorausgesagt, nie aber die Zukunft.
Deshalb halten wir uns an den UZFrüh: Der Boom beginnt im Januar 2011. Ganz sicher.
- Datum 09.02.2009 - 13:44 Uhr
- Serie opi
- Quelle DIE ZEIT, 05.02.2009 Nr. 07
- Kommentare 17
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Herr Joffe, habe ich diesen Artikel nicht kürzlich schon von Ihnen gelesen? Unter Recycling habe ich mir bisher immer die Wiederverwendung von Papier, nicht von Inhalten vorgestellt.
Ein typischer Joffe-Beitrag - substanzlos bis zum Abwinken.
immerhin bemerkenswert, wie es herr joffe schafft, noch bei den unpassendsten gelegenheiten seine persönliche abneigung gegen alles in irgend einer form kapitalismus-kritische (attac, marx) kund zu tun....und sei es durch noch so abstruse seitenhiebe.
so scheint's, mittlerweile peinlich, sich weiterhin und fortgesetzt dem Forum zu entziehen. Seine letzten Artikel hatten allesamt keine Diskurs-Funktion.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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also ich kann mich meinen Vorrednern nicht anschliessen. Ich empfinde die meisten Kommentare zur Weltwirtschaftskrise verlogen, die wie Nebelkerzen von den wahren Problemen ablenken sollen. Diesen Beitrag finde ich deshalb erfrischend anders, er zeigt uns wie in einem Spiegel, wie unfähig wir sind mit solchen Krisen umzugehen.
"Die Kapitalistenfresser von ATTAC" - ein erwartbarer Satz von einem weltweit berüchtigtem Humanistenfresser. Im Kampf zwischen humanistischer Ethik und präanthropoider Gier hat Joffe sein Lager gewählt.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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Mit ATTAC hab ich im Alter von 15 auch sympathisiert. Im Laufe der Jahre fiel mir dann auf, wie diese Organisation zu kritisieren pflegt. Wenn auf irgendeiner Großveranstaltung ein halbwegs umstrittener Gesetzesentwurf diskutiert wird, dann kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei um a) einen völlig veralteten Entwurf handelt, der längst überarbeitet wurde oder b) die kontroversen Stellen einfach nur erfunden oder "irgendwie" reininterpretiert wurden. Aber welcher 15 jährige Jugendliche, der sich einfach nur gerne kollektiv empört, liest sich vor einer solchen Veranstaltung erstmal in das Thema ein?
ATTAC beherrscht keine sachliche Kritik, sie haben auch schlicht und ergreifend nicht die Kompetenz dafür. Die ganze Organisation besteht aus jugendlichen Romantikern, Linkspartei'lern und einigen wenigen Menschen, die sowohl seriös als auch kompetent sind und es sich mir deshalb nicht erschließt, weshalb sie ihren Namen für diesen Dreck überhaupt hergeben. Vielleicht bekommen sie es auch einfach nicht so mit was die Kinderchen am Wochenende so treiben. Der Herr Tobin zumindest hat es richtig gemacht.
Mit ATTAC hab ich im Alter von 15 auch sympathisiert. Im Laufe der Jahre fiel mir dann auf, wie diese Organisation zu kritisieren pflegt. Wenn auf irgendeiner Großveranstaltung ein halbwegs umstrittener Gesetzesentwurf diskutiert wird, dann kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei um a) einen völlig veralteten Entwurf handelt, der längst überarbeitet wurde oder b) die kontroversen Stellen einfach nur erfunden oder "irgendwie" reininterpretiert wurden. Aber welcher 15 jährige Jugendliche, der sich einfach nur gerne kollektiv empört, liest sich vor einer solchen Veranstaltung erstmal in das Thema ein?
ATTAC beherrscht keine sachliche Kritik, sie haben auch schlicht und ergreifend nicht die Kompetenz dafür. Die ganze Organisation besteht aus jugendlichen Romantikern, Linkspartei'lern und einigen wenigen Menschen, die sowohl seriös als auch kompetent sind und es sich mir deshalb nicht erschließt, weshalb sie ihren Namen für diesen Dreck überhaupt hergeben. Vielleicht bekommen sie es auch einfach nicht so mit was die Kinderchen am Wochenende so treiben. Der Herr Tobin zumindest hat es richtig gemacht.
In
Davos in den Grandhotels,
ringsum sind Eis und Schnee.
Ringsum sind Berge, Wald und Fels,
die Mächtigen in den Grandhotels
sie haben immer Idee.
Sie genießen nicht die Natur
doch heben den Verkehr.
Sie reden meist Makulatur,
und kennen die Welt nur
von der Ansichtskarte her.
Die Mächtigen in den Grandhotels
sprechen viel von Wirtschaft,
doch nach wagen Rededuells
verlassen sie die Grandhotels
ohne jegliche Botschaft!
Istvan Hidy
Bei Kontra-Indikatoren gibt es immer ein Problem: Wenn der Mainstream anfängt, auf den Kontra-Indikator zu schielen, dann ist es kein Kontra-Indikator mehr.
An sich hätte ich für die Position, dass es ab 2011 wieder aufwärts geht, Sympathie. Aber wenn Joffe das hier verkündet, dann kann es eigentlich nur falsch sein.
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