Interview Die Zigarette danach

Mit einer vierteiligen Serie verabschiedet sich das ZEITmagazin von der "Zigarette mit Helmut Schmidt". Im Gespräch: Der Finanzminister und Zigarilloraucher Peer Steinbrück

ZEITmagazin: Herr Steinbrück, warum achten eigentlich so viele Politiker darauf, in der Öffentlichkeit nicht mit einer Zigarette gesehen zu werden?

Peer Steinbrück: Weil es mittlerweile ganze Bataillone von Leuten gibt, die den pädagogischen Zeigefinger erheben. Politiker scheuen öffentliche Maßregelungen – und wollen politisch korrekt sein.

ZEITmagazin: Wenn man alte Talkshows anschaut, sieht man Moderatoren und Politiker, die miteinander um die Wette rauchen.

Steinbrück: Die beste Talkshow, die es je gegeben hat, ist 40 Jahre alt, nämlich Zu Protokoll mit Günter Gaus, dahinter können sich die heutigen Talkshows alle verstecken. Da wurde gequalmt, dass man beinahe nichts mehr gesehen hat. Das wäre heute undenkbar. Das Wissen um die gesundheitsschädlichen Wirkungen auch des Passivrauchens hat die Empfindlichkeiten deutlich erhöht. Und die schlagen um in Empörung. Darin sind wir Deutsche ganz gut trainiert.

ZEITmagazin: Wie viele Zigaretten sind es bei Ihnen täglich?

Steinbrück: Keine Zigaretten. Zigarillos. Sieben bis neun in der Woche. An manchen Tagen gar keine, gestern Abend zwei oder drei.

ZEITmagazin: Können Sie sich an Ihre erste Zigarette erinnern?

Steinbrück: Wahrscheinlich mit 13 auf dem Klo. Inzwischen sind wir wieder so weit, dass man nur noch auf dem Klo rauchen kann.

ZEITmagazin: Stress- oder Genussraucher?

Steinbrück: Reiner Genussraucher. Im Büro hat mich noch niemand rauchen sehen. Wenn ich Aktenarbeit machen muss, kriege ich vom Rauchen Kopfschmerzen. Sie werden mich selten vor 20 Uhr rauchen sehen, außer wenn ich Schach spiele.

ZEITmagazin: Wenn Sie mit Helmut Schmidt Schach spielen – erübrigt sich die Frage, wer bei einer Partie mehr raucht?

Steinbrück: Ja. Das ist ziemlich klar gewichtet. Es stört mich aber nicht, ich rauche dann meine zwei Zigarillos. Meistens sitzt Loki daneben, schaut zu und raucht. Das hat dann schon etwas von einer Vernebelungstaktik.

ZEITmagazin: Schmidt sagt: Sie gewinnen immer. Sie sagen: Stimmt nicht. Wie ist denn nun der Stand der Dinge?

Steinbrück: Helmut Schmidt irrt – ausnahmsweise!

ZEITmagazin: Was bedeutet es Ihnen, wenn Helmut Schmidt Sie öffentlich lobt?

Steinbrück: Na ja, unangenehm ist es mir nicht.

ZEITmagazin: Es freut Sie?

Steinbrück: Ja. Sein größtes Kompliment lautete: "Peer, Sie haben bisher keinen schweren Fehler gemacht." Das war der Ritterschlag.

ZEITmagazin: Vor zwei Wochen stand ein großer Aufsatz von Helmut Schmidt zur Lage der Wirtschaft in der ZEIT. Oskar Lafontaine will diese Vorschläge in den Bundestag einbringen. Können Sie sich über so etwas aufregen?

Steinbrück: Ja, denn ich halte es für perfide. Das ist derselbe Mann, der einmal über Helmut Schmidt gesagt hat, er habe Sekundärtugenden, die auch ein KZ-Wächter haben könne. Diese Stillosigkeit von Lafontaine, nun Helmut Schmidt zu instrumentalisieren, regt mich auf. Der Mann hat keine Maßstäbe, ihm fehlt der politische Anstand. Ausgerechnet denjenigen, den er früher gezielt in seiner Integrität angegriffen hat, jetzt für einen billigen politischen Effekt zu benutzen ist ohne Maß. Es lässt Lafontaine dubios erscheinen.

ZEITmagazin: Dubios oder sogar gefährlich?

Steinbrück: Wenn ein Mann zu dem Ergebnis kommt, dass der Zweck die Mittel heiligt, dann wird es gefährlich.

Das Gespräch führte Matthias Kalle

Peer Steinbrück, 62, ist Bundesfinanzminister. Er lernte Helmut Schmidt in den siebziger Jahren kennen, als er Referent im Kanzleramt war. Heute spielen sie gern und oft Schach miteinander

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 05.02.2009 um 16:27 Uhr

    Können Sie Ihren Introtext nochmals erläutern. Ich ahne ja, was gemeint sein könnte. Jedoch: ich weiß es nicht.

    Hat die vierteilige Serie mit Peer Steinbrück begonnen?

    Müsste es dann nicht heißen: Das wöchentliche Interview "Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt" wird es im ZEITmagazin nicht mehr geben. Zum Abschluss dieses Formats gibt es noch vier Interviews mit vier rauchigen Persönlichkeiten (?).

    - - -

    Steinbrücks Wut auf Oskar Lafontaine kann ich nachvollziehen. Aber das Werfen mit Zitaten von vorgestern, bringt den Diskurs nicht wirklich weiter. Wenn Lafontaine sozusagen Helmut Schmidt "ausbeutet" und dessen Gedanken zu seinen eigenen macht, ist das doch ein Kompliment für den Ex-Bundeskanzler!

    ;-)

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    Sehr geehrter hagego,
    der dritte Abatz Ihres Kommentars trifft es meines Wissens nach. Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEIT-MAGAZIN und können ihn, so glaube ich, in diesem Fall aus archivarischen Gründen nicht ändern. Ich habe aber die Kollegen vom Leben informiert.
    In jedem Fall Entschuldigung für die späte Antwort!
    Viele Grüße,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Sehr geehrter hagego,
    der dritte Abatz Ihres Kommentars trifft es meines Wissens nach. Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEIT-MAGAZIN und können ihn, so glaube ich, in diesem Fall aus archivarischen Gründen nicht ändern. Ich habe aber die Kollegen vom Leben informiert.
    In jedem Fall Entschuldigung für die späte Antwort!
    Viele Grüße,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    • keox
    • 06.02.2009 um 17:03 Uhr

    Natürlich ist Steinbrück der Musterknabe, wenn er denn so dringend will - meinet und der Hühner wegen soll der Hahn die Eier legen.

    Trotzdem, diese unsagbar verdrehte Formulierung bzgl. der Skundärtugenden jetzt noch einmal zu instrumentalisieren ist eine Unverschämtheit. Sie ist schon damals völlig bewußt mißverstanden worden.

    Political Correctnes meint mehr als heimliches Rauchen.

    Und dann - wenn Schmidt gute Vorschläge gemacht haben sollte, und LaFontaine sie aufgreift, dann zeigt das doch eine für einen Politiker erstaunliche Reife.

    • politz
    • 06.02.2009 um 18:15 Uhr

    Peer Steinbrück und Helmut Schmidt – das hanseatische Dream-Team. Beide vereint in ihrem Hass auf Oskar Lafontaine. Steinbrück führt die Leser bei seinen Bemerkungen über den ehemaligen SPD-Vorsitzenden irre, verzerrt die Realität in einem unerhörten Ausmaße. Solche Leute sind "gefährlich", nicht Lafontaine. Nach der bekannten Titulierung Schmidts als Anhänger von Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ betreiben könne, hatte Lafontaine sich bei diesem entschuldigt. Auch in den folgenden Jahren weiß man nicht von einem schlechten Verhältnis der beiden zueinander zu berichten – im Gegenteil.

    Dass Schmidt auf seine alten Tage hin so dreist wird und Lafontaine mit Hitler vergleicht, ist eine unvergleichlich größere Geschmacklosigkeit. Wenn Lafontaine versucht, daraufhin die SPD vorzuführen, wie sie (nicht mal besonders innovative) Vorschläge des Altbundeskanzlers zur Finanzmarktregulierung ablehnt, ist das ziemlich legitim. Helmut Schmidt war ein einigermaßen erfolgreicher (aber nicht der erfolgreichste) Bundeskanzler, aber der Gedanke, dass er nicht noch einmal in dieses Amt zurückkehren wird, ist unheimlich beruhigend.
    (Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

  1. nicht jedes Wort von Helmut Schmidt derart auf die Goldwage legen. Sicher, er ist weise, erfahren und weltgewandt, aber dennoch, der Papst ist er nicht und selbst der macht Fehler. Außerdem ist es keineswegs toll, wie stolz er sich als unbelehrbarer Raucher immer wieder in der Öffentlichkeit zeigt. Ich würde allerdings gerne mal bei einer Schachpartie zwischen Steinbrück und Schmidt zuschauen. Das stelle ich mir gut vor.

    • NoG
    • 06.02.2009 um 23:02 Uhr

    ZEITmagazin: Vor zwei Wochen stand ein großer Aufsatz von Helmut Schmidt zur Lage der Wirtschaft in der ZEIT. Oskar Lafontaine will diese Vorschläge in den Bundestag einbringen. Können Sie sich über so etwas aufregen?

    laut diesem video hat lafontaine die vorstellungen helmut schmidts bereits zitiert und in irgendeiner art wurde das ganze doch vor ca 2 wochen eingebracht...zumindest redet er davon.

    http://www.youtube.com/wa...
    (Oskar Lafontaine, DIE LINKE: Bundesregierung versagt bei der Regulierung der Finanzmärkte)

    da waere eine umfassendere antwort von steinbrueck schon angebracht.
    die ernsthaftigkeit des themas finanzkrise passt aber ohnehin nicht in das interview "unser peer - ganz nah".
    naja...er raucht, macht ihn gleich symphatischer ;)

  2. Sehr geehrter hagego,
    der dritte Abatz Ihres Kommentars trifft es meines Wissens nach. Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEIT-MAGAZIN und können ihn, so glaube ich, in diesem Fall aus archivarischen Gründen nicht ändern. Ich habe aber die Kollegen vom Leben informiert.
    In jedem Fall Entschuldigung für die späte Antwort!
    Viele Grüße,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hagego
    • 07.02.2009 um 13:33 Uhr

    Geschätzter und geplagter Johannes Kuhn,

    Sie antworten mir (Zitat): "Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEITmagazin und können ihn, ... aus archivarischen Gründen nicht ändern."

    Sic!
    Sie haben aber (m.E. aus Versehen) geändert. Sie haben die beiden Worte "Im Gespräch:" weggelassen!

    Korrekt wäre gewesen - und so stand es auch ursprünglich im Introtext: "Im Gespräch: ... Raucher Peer Steinbrück ...".

    Davon abgesehen, liest sich der Vorspann immer noch etwas "verquer".

    Ich bin schon der Meinung, dass es richtig ist, darauf zu achten, wie wir (User untereinander, aber auch User und Redaktion miteinander) gemeinsam kommunizieren. Und dass wir in dem High-Speed-Medium "Online" nicht zu fahrlässig mit Grammatik, Orthografie, Semantik und Semiotik umgehen. Ich senke diesbezüglich durchaus auch mein Haupt!

    - - -

    Glauben wir weiter an St. Pauli, glauben wir an den HSV, glauben wir an Hoffenheim. Weitere Top-Vereine fallen mir momentan nicht ein...

    "Ich habe aber die Kollegen vom Leben informiert."

    Für diesen Satz schließe ich Sie in mein Nachtgebet ein.

    • hagego
    • 07.02.2009 um 13:33 Uhr

    Geschätzter und geplagter Johannes Kuhn,

    Sie antworten mir (Zitat): "Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEITmagazin und können ihn, ... aus archivarischen Gründen nicht ändern."

    Sic!
    Sie haben aber (m.E. aus Versehen) geändert. Sie haben die beiden Worte "Im Gespräch:" weggelassen!

    Korrekt wäre gewesen - und so stand es auch ursprünglich im Introtext: "Im Gespräch: ... Raucher Peer Steinbrück ...".

    Davon abgesehen, liest sich der Vorspann immer noch etwas "verquer".

    Ich bin schon der Meinung, dass es richtig ist, darauf zu achten, wie wir (User untereinander, aber auch User und Redaktion miteinander) gemeinsam kommunizieren. Und dass wir in dem High-Speed-Medium "Online" nicht zu fahrlässig mit Grammatik, Orthografie, Semantik und Semiotik umgehen. Ich senke diesbezüglich durchaus auch mein Haupt!

    - - -

    Glauben wir weiter an St. Pauli, glauben wir an den HSV, glauben wir an Hoffenheim. Weitere Top-Vereine fallen mir momentan nicht ein...

    "Ich habe aber die Kollegen vom Leben informiert."

    Für diesen Satz schließe ich Sie in mein Nachtgebet ein.

    • hagego
    • 07.02.2009 um 13:33 Uhr

    Geschätzter und geplagter Johannes Kuhn,

    Sie antworten mir (Zitat): "Wir übernehmen allerdings den Vorspann aus dem ZEITmagazin und können ihn, ... aus archivarischen Gründen nicht ändern."

    Sic!
    Sie haben aber (m.E. aus Versehen) geändert. Sie haben die beiden Worte "Im Gespräch:" weggelassen!

    Korrekt wäre gewesen - und so stand es auch ursprünglich im Introtext: "Im Gespräch: ... Raucher Peer Steinbrück ...".

    Davon abgesehen, liest sich der Vorspann immer noch etwas "verquer".

    Ich bin schon der Meinung, dass es richtig ist, darauf zu achten, wie wir (User untereinander, aber auch User und Redaktion miteinander) gemeinsam kommunizieren. Und dass wir in dem High-Speed-Medium "Online" nicht zu fahrlässig mit Grammatik, Orthografie, Semantik und Semiotik umgehen. Ich senke diesbezüglich durchaus auch mein Haupt!

    - - -

    Glauben wir weiter an St. Pauli, glauben wir an den HSV, glauben wir an Hoffenheim. Weitere Top-Vereine fallen mir momentan nicht ein...

    Antwort auf "Steinbrücks Zigarette"
    • Anonym
    • 07.02.2009 um 19:36 Uhr

    der Steinbrück - Guter Mann.

    Salus Publica Suprema Lex

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