CDU/CSU Merkels Oskar

Die CSU wird bald für die CDU, was die Linkspartei für die SPD schon ist – ein Verhängnis

Wenn in Deutschland von bedrohten Volksparteien die Rede ist, geht es meist um die SPD. Sie rangiert in der Gunst der Wähler bei 25 Prozent und leidet unter der aggressiven Konkurrenz ihres Feind-Partners, der Linkspartei. Lange genügte der CDU nur der Blick auf die arme SPD, um sich sicher zu fühlen. Das ändert sich gerade.

Nicht erst seit den Wirren um einen Wirtschaftsminister, der auf bizarre Weise und im denkbar unpassendsten Augenblick aus dem Amt flüchtet, wird deutlich, dass auch die andere Volkspartei eine Misere durchlebt, die der sozialdemokratischen ähnelt. Die Akzeptanz in den Umfragen schwindet, die 40-Prozent-Marke rückt in weite Ferne.

Doch das klarste Krisensymptom im konservativen Lager sind die unablässigen Angriffe der CSU auf die große Schwesterpartei. In ihrem rücksichtslosen Profilierungswillen und in ihrer fast aberwitzigen Egozentrik ähnelt sie immer mehr der Linken. Für eine diffus gewordene CDU stellt die CSU heute eine ebenso ernsthafte Bedrohung dar wie die Linkspartei für die SPD. Fast schon wieder amüsant ist in diesem Zusammenhang, dass ausgerechnet der CSU-Mann Glos den Lafontaine mimte und sein Amt fortwarf.

Jovial-brutal nutzt Horst Seehofer jede Gelegenheit zur Konfrontation

Konfliktträchtig war das Verhältnis innerhalb der Union schon immer. Doch seit der CSU bei den Landtagswahlen im vergangenen Herbst die Wähler davonliefen, wähnt sie sich im permanenten Existenzkampf. Den Verlust ihrer Dominanz in Bayern kompensiert sie seitdem durch rücksichtsloses Machtgehabe im Bund. Mit jovialer Brutalität nutzt Horst Seehofer jede Gelegenheit zur Konfrontation – am liebsten mit der Kanzlerin. Jeder Konflikt – ob Pendlerpauschale, Steuersenkung, Umweltgesetzbuch – dient zuerst der aggressiven Selbstvermarktung.

Davor fürchtet sich Angela Merkel. Sie weiß, wie sehr die Anhänger der Union Harmonie und Geschlossenheit erwarten. Und sie kennt Horst Seehofer. Sicher ist Merkels Verhältnis zum CSU-Chef noch nicht so zerrüttet wie das zwischen Müntefering und Lafontaine. Aber weil die Kanzlerin ihrem bayerischen Konflikt-Partner so ziemlich jede politische Rücksichtslosigkeit zutraut, versucht sie seit Beginn des Wahljahres, alle Auseinandersetzungen durch Nachgiebigkeit zu ersticken. Sie selbst und ihre Partei wirken so immer konturloser, Seehofer und die CSU aber immer aggressiver, egozentrischer, unernster.

Früher haben die rituellen Konflikte zwischen CDU und CSU beide Parteien weit über die 40 Prozent getragen. Heute führt der bayerische Crashkurs schnurstracks in Richtung 30 Prozent. Nach dem Motto: SPD – wir kommen!

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