Weltwirtschaftskrise Hoch die Solidarität

Wie Deutschland durch die Weltwirtschaftskrise kommen kann: Wir alle müssen teilen – die Arbeit und den Lohn. Denn die Regierung allein kann die steigende Arbeitslosigkeit nicht verhindern

Die drei Fragen zur Krise, die einen am dringlichsten interessieren, kann zurzeit niemand beantworten: Wie tief wird sie, wie lange dauert sie, wie kommen wir am schnellsten wieder raus? Doch dahinter liegt eine andere Frage, die weiter geht und die sich besser beantworten lässt: Wie viel Glück, bescheidener: Zufriedenheit, kann uns die Krise nehmen?

Kaum jemand wird bestreiten, dass es diese Gesellschaft leichter hat, wenn das Bruttoinlandsprodukt wächst, wenn es mehr zu verteilen gibt, wenn man überall etwas drauflegen kann, damit es läuft wie geschmiert. Darum wäre es albern, jetzt, da dem Land deutliches Minuswachstum droht, plötzlich die Freuden der Knappheit zu entdecken. Nein, das wird keine heitere Bekehrung zu den inneren Werten, sondern eine recht harte und schmerzhafte Phase.

Auf der anderen Seite beruht das in den zurückliegenden Jahrzehnten wohl entstandene Mehr an Zufriedenheit nur teilweise auf dem Wachstum an Gütern und Dienstleistungen. Vielmehr ist Deutschland alles in allem ein besserer Ort zum Leben geworden, weil es sich kulturell entwickelt hat: Die Frauen sind emanzipiert, oft auch die Männer; die Kinder können viel früher mitreden als noch vor dreißig Jahren, sie zu schlagen gilt heute gemeinhin als Schande; die Toleranz gegenüber Minderheiten hat zugenommen. Nicht zuletzt hat sich die Atmosphäre in den Betrieben geändert. Eine neue, nichtautoritäre Generation wächst in die Führungspositionen hinein, für die es ein selbstverständliches Ziel ist, bei aller Leistungsorientierung niemanden zu demütigen. (Natürlich waren auch die vermeintlich antiautoritären 68er oft autoritär, sobald sie dazu Gelegenheit hatten.)

All das bestimmt die Lebensqualität in diesem Land mit – und keine Krise kann es uns nehmen, wenn wir es uns nicht nehmen lassen. All das bestimmt aber auch die Art und Weise, wie Deutschland durch die Krise kommt. Wohlgemerkt: nicht wie es heraus-, sondern wie es hindurchkommt.

Dazu hat die Politik bisher wenig gesagt. Mit mehr Fleiß allein wird es angesichts dieser gewaltigen, fast unheimlichen Wirtschaftskrise nicht getan sein. Auch bloßer individueller Verzicht wird nicht genügen. Schon gar nicht kann ein allmächtiger Staat alle an die Hand nehmen und es sozusagen anstelle des Volkes richten.

Was nun kommen muss, ist etwas anderes: eine Phase der Solidarität. Solidarität – sobald man dieses Wort hinschreibt, möchte man es sogleich wieder zurücknehmen, klingt es doch nach Reichensteuer, Neid und saurem Zwang. Doch ist dem Land im Moment nicht geholfen, wenn die da oben etwas mehr geben, denn das wird den Hauptfeind in der Krise nicht vertreiben: die Angst. Es hilft nicht, wenn wenige etwas tun müssen, es hilft nur, wenn (fast) alle etwas tun können.

Aber was? Im Kern der Krise, am Grund der Angst sitzt die Arbeitslosigkeit. Die Prognosen darüber, wie sehr sie steigen wird, gehen auseinander. Aber Prognosen sind hier auch sekundär. Wenn diese Wirtschafts- und Finanzkrise unabsehbare Dimensionen hat, dann kann schon ein geringer Anstieg der Arbeitslosenzahlen dazu führen, dass die Mehrheit Angst bekommt. Das Land kriegt schwere Füße. Und seine Regierung – egal, welche – kann allein wenig dagegen tun.

»Arbeit für die Menschen – das ist der Maßstab unseres Handelns.« Das sagt die Bundeskanzlerin. Doch ihr Versprechen bezieht sich nur auf die Politik, sie spricht hier ein falsches »unser«, ein verkürztes »wir« an. Schon Merkels Vorgänger hat sich daran verhoben, und dessen Wirtschaftskrise war noch relativ harmlos. Wenn heute die Politik meint, die Arbeitslosigkeit bekämpfen zu können, so treibt sie das in immer neue Schulden. Oder es verführt zu Protektionismus. Der hilft zunächst schnell und schadet dann dauerhaft.

Auch das Angebot einiger großer Unternehmer, sich zum Erhalt von Arbeitsplätzen zu verpflichten, hat nur eine begrenzte Reichweite, so lobenswert der Ansatz auch sein mag.

In dieser neuen Krise lässt sich die Arbeitslosigkeit wohl nur begrenzen, wenn viele von denen, die Arbeit haben, daran mittun. Und natürlich deren Arbeitgeber.

Verzicht für Kollegen oder Verzicht auf Kollegen – das ist die Frage

In diesem Jahr 2009 und in den Jahren danach werden unzählige Unternehmen wie auch öffentliche Einrichtungen an den Punkt kommen, an dem es ohne die Verringerung von Personalkosten nicht mehr weitergeht. Das stellt Unternehmer und Belegschaften vor eine klare Alternative: Entweder man schmeißt die Jüngsten und die Schwächsten, die mit den ungesicherten Verträgen, raus, was, so steht zu befürchten, oft der erste Reflex sein dürfte. Oder aber: Man sucht nach solidarischen Lösungen, damit alle an Bord bleiben können, also Arbeitszeitverkürzung, vorübergehender Lohnverzicht et cetera. Modelle dafür gibt es viele, nicht nur bei VW.

Die solidarische Lösung stellt Anforderungen an die Kernbelegschaften, an all jene also, die hoffen, ungeschoren durch die Krise zu kommen, wenn nur genügend Zeitarbeiter oder Pauschalisten entlassen werden. Sozusagen: Proletariat gegen Prekariat, Redakteur gegen Volontär, Facharbeiter gegen Hilfsarbeiter.

Wenn es anders läuft und tatsächlich eine größere Bereitschaft zur Solidarität unter den Arbeitnehmern entstehen sollte, so sind als Nächstes die Arbeitgeber gefragt. Denn so wird es ja nicht gehen, dass alle verzichten außer den Besitzern, den Aktionären und den Vorständen.

Ob Arbeitgeber und Kernbelegschaften sich solidarisch verhalten, hängt zunächst von Argumenten ab. Zum Beispiel vom Qualitätsargument. Schließlich bedeutet in den meisten Branchen jeder einzelne Arbeitnehmer auch eine eigene Farbe, eine eigene Qualifikation – und seine betriebsbedingte Kündigung dementsprechend einen Qualitätsverlust. Denn es ist auch in der Krise nicht so, dass jene entlassen werden dürften, die ihre Leistung nicht bringen können oder wollen. Das deutsche Kündigungsrecht gehorcht ganz anderen Kriterien.

Argumente werden jedoch nicht ausreichen, Anreize müssen hinzukommen. Da hat die Bundesregierung mit der Verlängerung der Kurzarbeiterregelung und mit der Übernahme von Sozialleistungen für Kurzarbeiter schon einen wichtigen Schritt gemacht.

Auch Anreize werden jedoch kaum genügen, in einer solchen Welt leben wir nicht. Das Wichtigste ist der gesellschaftliche Druck. Es muss eine Atmosphäre entstehen, in der jedes Unternehmen – Chefs wie Angestellte – unter massiven Legitimationsdruck kommt, wenn es zu Kündigungen greift anstatt zu einer solidarischen Lösung. So wie es in den vergangenen Jahren einen erheblichen Druck zu mehr Leistung gegeben hat – was richtig war und bleibt –, so muss es nun einen Druck zu mehr Solidarität geben.

Diesen Druck aufzubauen, das ist eine noch ausstehende Aufgabe der Regierung. Operativ hat sie in dieser Krise schon einiges getan, normativ noch fast nichts. Nun muss sie die Krise in eine Aufgabe verwandeln, die zu lösen unsere Gesellschaft mithelfen kann.

Diese Art von Solidarität ist im Übrigen gleichbedeutend mit Zuversicht. Denn wer seine Belegschaft erhält, gibt damit zu verstehen, dass er glaubt, sie nach der Krise wieder zu brauchen, weil die Firma dann erneut wächst. Er signalisiert: Es gibt ein Leben nach der Krise.

Selbstverständlich wird es trotz allen Bemühens auch Firmenpleiten geben, natürlich wären einige Unternehmen auch ohne Weltwirtschaftskrise in Nöten, weil sie einfach schlecht gewirtschaftet haben. Darum kann und soll ein gesellschaftlicher Solidarpakt nicht alle Probleme lösen. Er kann auch nicht ewig halten, weil Verzicht keine Dauerlösung sein kann. Doch ein paar Jahre hindurch kann er den Menschen helfen, die in diesem Land leben und die zu vielem imstande sind, wenn sie denn wissen, was ihre Aufgabe ist.

Solidarität, Qualität, Zuversicht – das passt ganz gut zu dem toleranten, nichtautoritären Land, das wir geworden sind. Es passt auch zu einer Generation von Führungskräften, die auf Gesichtswahrung und Respekt setzen – und die sich nun biografisch bewähren müssen, indem sie zeigen, dass diese humane Art nicht bloß etwas für postmoderne Luxuszeiten ist. So könnte Deutschland durch die Krise kommen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. ... wenn er denn wahr werden würde/könnte. Ich habe bisher nicht viel von Solidarität in den Vorstandsetagen bemerkt, höchstens Solidarität mit sich selbst und den Mitvorständen. Und es kommt mir sehr seltsam vor, dass von einem "Denkwandel" gesprochen wird bei den jüngeren Managern. Es waren doch eher die "alten" Manager der "alten" Betriebe und Firmen die sich um ihre Mitarbeiter gesorgt haben. Heute geht es doch primär um Gewinn-Maximierung, Kostensenkung und Dividenden an die Aktionäre. Prüfen Sie mal wieviele Fusionen es zwischen Mitte 2007 und Mitte 2008 gegeben hat und wieviele Mitarbeiter dabei "auf der Strecke" geblieben sind. Und das war vor der Finanzkrise.

    Der Bericht ist sehr objektiv und gründlich durchdacht, aber eben ein Traum.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

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    Bereits seit den 70ern bzw. 80ern ist klar: Es gibt Grenzen des Wachstums (Meadows, Club of Rome, Literaturhinweis). Es war klar, daß nur durch Teilung der Arbeitszeit, damals Arbeitszeitverkürzung genannt zugungsten von Mehreinstellungen, den Standard "Wohlstand für alle" sichern könnte. Immerhin kam es zur 35-Std.-Woche und Jahresarbeitszeitverträgen in den Unternehmen. Auch Tarifpartner wie Gewerkschaften können da in der Diskussion offenbar was ausrichten. Im Neokapitalismus allerdings kam es dann dazu, daß manche Arbeitgeber 35 Stunden bezahlen und mindestens 47 Stunden arbeiten lassen. Wer nicht mag, kann ja gehen...Die Devise ist "Rausholen, was geht" aus dem Stammpersonal, wer mitmacht, "gewinnt". An Geld. Nicht an Gesundheit. So what.
    Wer mitmacht, gehört dazu. Die anderen sind draußen. Diese verschärfte Situation, dieser starke Gegensatz von hoch geregeltem Einkommen und Leiharbeit ist der Ausgangspunkt, der ja auch im obigen Artikel beschrieben wird. Möglicherweise bringt die große Krise, die Tatsache, daß auch solche, die sich sicher wähnen, arbeitslos werden im Sommer 2009, mehr Lobby und Druck für Änderungen Richtung Arbeitsteilung. Ein heiß geliebtes Buch von mir dazu: Ester Vilar: Bitte keinen Mozart. Anfang der 80er in sehr weiser Voraussicht geschrieben. Wie wir Frauen so sind, sehr emotional und modellhaft idealisierend. Aber in der Sache korrekt. Alle heutigen Symptome werden sichtbar. Zum Schluß hin beschreibt sie das Modell des 5-Std.-Arbeitstags für alle. Und alle Männer und Frauen haben wieder Arbeit. Und Zeit zum Leben. Kinder werden nicht mehr wegorganisiert, sondern liebevoll erzogen, von beiden Partnern. Warum sollte dieser Traum nicht Wirklichkeit werden? Möglicherweise durch den Druck der realen Wirtschaftskrise, wenn sie Politik und Regeln überholt und neue Gruppierungen/Lobbies Zulauf erhalten.

    Bereits seit den 70ern bzw. 80ern ist klar: Es gibt Grenzen des Wachstums (Meadows, Club of Rome, Literaturhinweis). Es war klar, daß nur durch Teilung der Arbeitszeit, damals Arbeitszeitverkürzung genannt zugungsten von Mehreinstellungen, den Standard "Wohlstand für alle" sichern könnte. Immerhin kam es zur 35-Std.-Woche und Jahresarbeitszeitverträgen in den Unternehmen. Auch Tarifpartner wie Gewerkschaften können da in der Diskussion offenbar was ausrichten. Im Neokapitalismus allerdings kam es dann dazu, daß manche Arbeitgeber 35 Stunden bezahlen und mindestens 47 Stunden arbeiten lassen. Wer nicht mag, kann ja gehen...Die Devise ist "Rausholen, was geht" aus dem Stammpersonal, wer mitmacht, "gewinnt". An Geld. Nicht an Gesundheit. So what.
    Wer mitmacht, gehört dazu. Die anderen sind draußen. Diese verschärfte Situation, dieser starke Gegensatz von hoch geregeltem Einkommen und Leiharbeit ist der Ausgangspunkt, der ja auch im obigen Artikel beschrieben wird. Möglicherweise bringt die große Krise, die Tatsache, daß auch solche, die sich sicher wähnen, arbeitslos werden im Sommer 2009, mehr Lobby und Druck für Änderungen Richtung Arbeitsteilung. Ein heiß geliebtes Buch von mir dazu: Ester Vilar: Bitte keinen Mozart. Anfang der 80er in sehr weiser Voraussicht geschrieben. Wie wir Frauen so sind, sehr emotional und modellhaft idealisierend. Aber in der Sache korrekt. Alle heutigen Symptome werden sichtbar. Zum Schluß hin beschreibt sie das Modell des 5-Std.-Arbeitstags für alle. Und alle Männer und Frauen haben wieder Arbeit. Und Zeit zum Leben. Kinder werden nicht mehr wegorganisiert, sondern liebevoll erzogen, von beiden Partnern. Warum sollte dieser Traum nicht Wirklichkeit werden? Möglicherweise durch den Druck der realen Wirtschaftskrise, wenn sie Politik und Regeln überholt und neue Gruppierungen/Lobbies Zulauf erhalten.

    • politz
    • 15.02.2009 um 17:40 Uhr

    Wo sind denn die Belege, dass Deutschland in den vergangenen Jahren ein lebenswerteres und toleranteres Land geworden ist? Die Zukunftsängste haben, wenn man nach Umfragen geht, eher zugenommen. Und wohin der der deutschen Arbeitskultur immanente Leistungsdruck letztlich führt, kann man an steigenden psychischen Erkrankungen der Beschäftigten sowie an den Suiziden von Führungspersonen erkennen. Unter den Bedingungen zunehmend absolutistischer Herrschaftsformen im unteren Lohnbereich kann sich ein Mehr an Lebensqualität für die gesamte Gesellschaft sicher nicht entwickeln.

    Die japanische Kultur kann in dieser Hinsicht als Vorbild dienen. Wie hat es das Land geschafft, während der Deflation der 90er Jahre ohne einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auszukommen? Mit einer Verkürzung der Arbeitszeit auf breiter Front. Das ist sicher der humanere Weg und passt im Übrigen in die dortige Kultur, in der Ruhe und Schlaf im Mittelpunkt stehen. Dass es in Japan in den letzten Jahren Vollbeschäftigung trotz erheblicher Regulierungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt gab, widerlegt die These, ohne Agenda 2010 hätte es den deutschen Aufschwung nicht gegeben.

    Doch: Die Regierung allein kann den Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern. Wer denn sonst? Sie muss regulierend eingreifen und – wie zum Teil geschehen – Kurzarbeit gegenüber Entlassungen massiv subventionieren. Die vom ZEIT-Autor gewünschte Situation, in der Entlassungen gesellschaftlich geächtet werden, ist reine Utopie: sie ließe sich möglicherweise in der Konsumgüterindustrie per Boykott o.ä. durchsetzen, nicht jedoch im großen Rest der Wirtschaft. Bei hunderttausenden von Firmen besteht für die Masse der Bevölkerung nicht die Möglichkeit, unmoralisches Verhalten der Firmen zu identifizieren.

    Die Angst muss den Menschen genommen werden, indem die Regierung erstens das Konjunkturprogramm mit einer sozialen Komponente aufstockt und zweitens das Arbeitslosengeld I unbegrenzt verlängert und eine Art Rückkehrrecht für entlassene Arbeitnehmer in den alten Betrieb einführt.

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    ...soweit darf es unter keinen Umständen kommen das die Regierung, der Staat, wir alle, Arbeitsplätze subventioniert... und die Unternehmer sich auf den vergangen Profiten ausruhen und abwarten bis alles vorbei ist...

    Ganz klar, die Aktionäre und Kapitalgeber und deren Angestellte, die Manager, sind nun am Zug...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Weg vom "Gewinne privatisieren- Verluste sozialisieren" und dem unseligen Konzept der "Eigenverantwortung" der neoliberalen Reformideologie hin zur gesellschaftlichen Solidarität könnte ein erster Schritt sein...

    ...soweit darf es unter keinen Umständen kommen das die Regierung, der Staat, wir alle, Arbeitsplätze subventioniert... und die Unternehmer sich auf den vergangen Profiten ausruhen und abwarten bis alles vorbei ist...

    Ganz klar, die Aktionäre und Kapitalgeber und deren Angestellte, die Manager, sind nun am Zug...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Weg vom "Gewinne privatisieren- Verluste sozialisieren" und dem unseligen Konzept der "Eigenverantwortung" der neoliberalen Reformideologie hin zur gesellschaftlichen Solidarität könnte ein erster Schritt sein...

  2. Für mich ganz generell der einzig gangbare Weg, ganz klar... Ohne das viel geschmäte Wort Solidarität wird es nicht gehen wollen wir uns eine moderne und auch Zukunftsweisende Gesellschaft erhalten.

    Hier ist etwas viel von Verzicht die Rede, doch soweit muss es gar nicht kommen... Noch nicht.

    Was mir fehlt sind laute und publikumswirksame Ankündigungen im Sinne, das die vielen Geschäftsleitungen einfach kommunizieren das vergangene Profite nun verwendet werden um für einmal Arbeitsplätze zu erhalten anstatt die von den Aktionären/Kapitalgebern absurden Renditevorstellungen gerecht zu werden... Natürlich dürfen sich auch die Aktionäre und Kapitalgeber daran beteiligen. Die halten sich doch gerade so im Hintergrund. Warum?

    Klar, da müssen einige ihre Ansichten, angeeignete, indoktrinierte oder verinnerlichte, um 180 Grad wenden... einige brauchen vieleicht einige Grad weniger. Aber eben, Kommunikation... die fehlt in diesem Sinne. Vieleicht muss diese Art von Botschaft auch noch erlernt werden wo doch viele Verantwortliche genau das Gegenteil beigebracht wurde...

    Das dies gehen kann weiss ich aus eigener Erfahrung aus dem Unternehmen in dem ich tätig bin. Für die Geschäftsleitung und Bereichsleiter absolut kein Problem für einmal nicht nur von Steigenden Profiten und Investitonsvorhaben zu sprechen sondern von fallenden Aufträgen, Umsätzen, Auftragseingängen und wie die dafür notwenigen Mittel (Eigen oder Fremd) eingesetzt werden... In einem besonders schlechten Jahr hat die Geschäftsleitung sogar das Jahresabschlussfest aus eigener Tasche bezahlt...

    Vieles ist möglich... aber die Richtung und die Solidarität muss von oben kommen. Sauber, erhlich und klar Kommuniziert.

    Die meisten Arbeitnehmer verzichten gerne mal auf Bonis oder Lohnerhöhungen sofern Arbeitsplätze für Kollegen erhalten werden können...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. ...soweit darf es unter keinen Umständen kommen das die Regierung, der Staat, wir alle, Arbeitsplätze subventioniert... und die Unternehmer sich auf den vergangen Profiten ausruhen und abwarten bis alles vorbei ist...

    Ganz klar, die Aktionäre und Kapitalgeber und deren Angestellte, die Manager, sind nun am Zug...

    ;-)

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    Antwort auf "Belege?"
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    • politz
    • 15.02.2009 um 17:55 Uhr

    Sämtliche Entlastungen der Wirtschaft (wie beim Kurzarbeitergeld) kommen über kurz oder lang auch den Konsumenten zugute. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass sich die Preise in der Tendenz den Kosten anpassen, zumal in einer wirtschaftlichen Rezession. Allerdings könnte eine Lösung auch darin bestehen, auf Entlassungen in bestimmten Fällen Strafzahlungen einzuführen. Dann könnte man sich die Förderung des Kurzarbeitergeldes sparen.

    • politz
    • 15.02.2009 um 17:55 Uhr

    Sämtliche Entlastungen der Wirtschaft (wie beim Kurzarbeitergeld) kommen über kurz oder lang auch den Konsumenten zugute. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass sich die Preise in der Tendenz den Kosten anpassen, zumal in einer wirtschaftlichen Rezession. Allerdings könnte eine Lösung auch darin bestehen, auf Entlassungen in bestimmten Fällen Strafzahlungen einzuführen. Dann könnte man sich die Förderung des Kurzarbeitergeldes sparen.

    • politz
    • 15.02.2009 um 17:55 Uhr

    Sämtliche Entlastungen der Wirtschaft (wie beim Kurzarbeitergeld) kommen über kurz oder lang auch den Konsumenten zugute. Der Wettbewerb sorgt dafür, dass sich die Preise in der Tendenz den Kosten anpassen, zumal in einer wirtschaftlichen Rezession. Allerdings könnte eine Lösung auch darin bestehen, auf Entlassungen in bestimmten Fällen Strafzahlungen einzuführen. Dann könnte man sich die Förderung des Kurzarbeitergeldes sparen.

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    Ich denke von Preissenkungen und Billig auf Teufel komm raus haben wir genug mit genügend negativen Auswirkungen. Zum billig und immer tiefere Preise gehört nun mal auch das die Löhne diesem Trend folgen... Konsumiert wird dann hauptsächlich auf Kredit.

    Diese "Billigmentalität" hatte bereits zur folge das etliche Arbeitsplätze verschwunden sind und viele von denen die noch übriggeblieben sind können mit dem Salär nicht anständig leben... In Deutschland genauso wenig wie die Ersatzarbeiter in China.

    die Grundlagen für billigst Keyboards Ich weiss nicht wer das wirklich will, ich bestimmt nicht. Lieber mehr dafür bezahlen...

    Die Spirale von immer tieferen Löhnen und imemr billigeren Produkten nützt den meisten Menschen nicht viel. Die Abwärtsspirale mit höheren Löhnen aufhalten und die Leute wieder zu mehr Qualitätseinkäufen erziehen. Das ist durchaus machbar... auch wenn die vergangen 20 Jahre immer vom Gegenteil geredet wurde.

    Die künstliche Dauerausverkaufsmentalität muss aufhöhren. Ich habe keinerlei Motivation das dies weiterverfolgt wird da dieser Trend sonst niemehr nach oben geht. Eine wirkliche verbesserung der Lebensqualität konnte ich durch die billigst Produkte auch nicht feststellen... Vieles davon ist von mieserabelster Qualität und geht dann auch noch nach kurzer Zeit kaputt...

    Besonder schlimm finde ich das bei den Inhaltstoffen und der Verarbeitung von Lebensmitteln genauso heftig gespaart wird wie bei Elektronikartikeln...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Ich denke von Preissenkungen und Billig auf Teufel komm raus haben wir genug mit genügend negativen Auswirkungen. Zum billig und immer tiefere Preise gehört nun mal auch das die Löhne diesem Trend folgen... Konsumiert wird dann hauptsächlich auf Kredit.

    Diese "Billigmentalität" hatte bereits zur folge das etliche Arbeitsplätze verschwunden sind und viele von denen die noch übriggeblieben sind können mit dem Salär nicht anständig leben... In Deutschland genauso wenig wie die Ersatzarbeiter in China.

    die Grundlagen für billigst Keyboards Ich weiss nicht wer das wirklich will, ich bestimmt nicht. Lieber mehr dafür bezahlen...

    Die Spirale von immer tieferen Löhnen und imemr billigeren Produkten nützt den meisten Menschen nicht viel. Die Abwärtsspirale mit höheren Löhnen aufhalten und die Leute wieder zu mehr Qualitätseinkäufen erziehen. Das ist durchaus machbar... auch wenn die vergangen 20 Jahre immer vom Gegenteil geredet wurde.

    Die künstliche Dauerausverkaufsmentalität muss aufhöhren. Ich habe keinerlei Motivation das dies weiterverfolgt wird da dieser Trend sonst niemehr nach oben geht. Eine wirkliche verbesserung der Lebensqualität konnte ich durch die billigst Produkte auch nicht feststellen... Vieles davon ist von mieserabelster Qualität und geht dann auch noch nach kurzer Zeit kaputt...

    Besonder schlimm finde ich das bei den Inhaltstoffen und der Verarbeitung von Lebensmitteln genauso heftig gespaart wird wie bei Elektronikartikeln...

    ;-)

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  4. Ich denke von Preissenkungen und Billig auf Teufel komm raus haben wir genug mit genügend negativen Auswirkungen. Zum billig und immer tiefere Preise gehört nun mal auch das die Löhne diesem Trend folgen... Konsumiert wird dann hauptsächlich auf Kredit.

    Diese "Billigmentalität" hatte bereits zur folge das etliche Arbeitsplätze verschwunden sind und viele von denen die noch übriggeblieben sind können mit dem Salär nicht anständig leben... In Deutschland genauso wenig wie die Ersatzarbeiter in China.

    die Grundlagen für billigst Keyboards Ich weiss nicht wer das wirklich will, ich bestimmt nicht. Lieber mehr dafür bezahlen...

    Die Spirale von immer tieferen Löhnen und imemr billigeren Produkten nützt den meisten Menschen nicht viel. Die Abwärtsspirale mit höheren Löhnen aufhalten und die Leute wieder zu mehr Qualitätseinkäufen erziehen. Das ist durchaus machbar... auch wenn die vergangen 20 Jahre immer vom Gegenteil geredet wurde.

    Die künstliche Dauerausverkaufsmentalität muss aufhöhren. Ich habe keinerlei Motivation das dies weiterverfolgt wird da dieser Trend sonst niemehr nach oben geht. Eine wirkliche verbesserung der Lebensqualität konnte ich durch die billigst Produkte auch nicht feststellen... Vieles davon ist von mieserabelster Qualität und geht dann auch noch nach kurzer Zeit kaputt...

    Besonder schlimm finde ich das bei den Inhaltstoffen und der Verarbeitung von Lebensmitteln genauso heftig gespaart wird wie bei Elektronikartikeln...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    • Hagane
    • 15.02.2009 um 18:21 Uhr

    .. das den meisten Deutschen gar nicht bewußt ist, wie "billig" ihr Land ist. Der Deutsche glaubt immer noch das im europäischen Vergleich er gutes Geld verdient, ein brauchbares Sozialsystem hat und das Deutschland wirtschaftlich gut da steht.

    Wie extrem anders die Wirklichkeit aussieht wird jedem klar, der abseits von der Export-Weltmeister-Schwachsinnigkeit sich mal die EU-Wirtschaftskennzahlen im Vergleich ansieht.

    • Hagane
    • 15.02.2009 um 18:21 Uhr

    .. das den meisten Deutschen gar nicht bewußt ist, wie "billig" ihr Land ist. Der Deutsche glaubt immer noch das im europäischen Vergleich er gutes Geld verdient, ein brauchbares Sozialsystem hat und das Deutschland wirtschaftlich gut da steht.

    Wie extrem anders die Wirklichkeit aussieht wird jedem klar, der abseits von der Export-Weltmeister-Schwachsinnigkeit sich mal die EU-Wirtschaftskennzahlen im Vergleich ansieht.

    • Hagane
    • 15.02.2009 um 18:21 Uhr

    .. das den meisten Deutschen gar nicht bewußt ist, wie "billig" ihr Land ist. Der Deutsche glaubt immer noch das im europäischen Vergleich er gutes Geld verdient, ein brauchbares Sozialsystem hat und das Deutschland wirtschaftlich gut da steht.

    Wie extrem anders die Wirklichkeit aussieht wird jedem klar, der abseits von der Export-Weltmeister-Schwachsinnigkeit sich mal die EU-Wirtschaftskennzahlen im Vergleich ansieht.

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    Ah ja, das kenne ich auch... aktuell aus dem Schiizer Ländli.

    Auch hier glauben viele das DER Lebensstandard einfach der beste ist und vergessen dabei gerne mal wie oft die Scheine vor dem Einkauf gedreht und gewendet werden müssen, wie stark die Lebenshaltungskosten wirklich steigen (Die Berechnung der offiziellen Preissteigerung klammert viele Produkte und Services des täglichen Lebens aus) , wie hoch diese bereits sind und wieviel auf Kredit konsumiert wird...

    Von Armut oder zu tiefen Löhnen (working poor) wird hier auch nicht so gerne geredet. Kommuniziert wird dafür aber gerne das diese Menschen einfach selber schuld sind, was aber so pauschal eine falsche Behauptung ist.

    ...

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Ah ja, das kenne ich auch... aktuell aus dem Schiizer Ländli.

    Auch hier glauben viele das DER Lebensstandard einfach der beste ist und vergessen dabei gerne mal wie oft die Scheine vor dem Einkauf gedreht und gewendet werden müssen, wie stark die Lebenshaltungskosten wirklich steigen (Die Berechnung der offiziellen Preissteigerung klammert viele Produkte und Services des täglichen Lebens aus) , wie hoch diese bereits sind und wieviel auf Kredit konsumiert wird...

    Von Armut oder zu tiefen Löhnen (working poor) wird hier auch nicht so gerne geredet. Kommuniziert wird dafür aber gerne das diese Menschen einfach selber schuld sind, was aber so pauschal eine falsche Behauptung ist.

    ...

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  5. Ah ja, das kenne ich auch... aktuell aus dem Schiizer Ländli.

    Auch hier glauben viele das DER Lebensstandard einfach der beste ist und vergessen dabei gerne mal wie oft die Scheine vor dem Einkauf gedreht und gewendet werden müssen, wie stark die Lebenshaltungskosten wirklich steigen (Die Berechnung der offiziellen Preissteigerung klammert viele Produkte und Services des täglichen Lebens aus) , wie hoch diese bereits sind und wieviel auf Kredit konsumiert wird...

    Von Armut oder zu tiefen Löhnen (working poor) wird hier auch nicht so gerne geredet. Kommuniziert wird dafür aber gerne das diese Menschen einfach selber schuld sind, was aber so pauschal eine falsche Behauptung ist.

    ...

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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