Freiheitskampf Ein Held für jeden Anlass

Vor 200 Jahren wurde Innsbruck von Andreas Hofer zurückerobert. Seither wird er von allen Seiten vereinnahmt

Das Hotel Goldener Adler in der Innsbrucker Altstadt ist ein äußerst geschichtsträchtiges Haus. Seit 1494 sind hier Kaiser, Könige und Edelleute abgestiegen, Dichterfürsten und hohe Militärs, viele illustre Gäste, Goethe etwa, Mozart, Sartre, Camus und Julius Raab haben die Traditionsherberge gesehen. Stolz vermeldet eine Tafel am Eingang die Namen der »erlauchten und berühmten Personen«. Für das Jahr 1809 findet sich dort vermerkt: »Andreas Hofer, Tiroler Held«.

Am 30. Mai dieses Heldenjahres, einen Tag nach der zweiten siegreichen Schlacht am Bergisel, hielt der Sandwirt aus St. Leonhard im Passeiertal als Oberkommandant der Tiroler Rebellen Einzug in Innsbruck und nahm in dem Gasthof aus der Renaissance Quartier. Ein Zeitgenosse notierte damals in sein Tagebuch: »Alles gafft ihn an wie einen Wunderling. Wäre es Napoleon, die Menge der Gaffer könnte nicht größer seyn.«

Nach wie vor ist der Volksaufstand gegen den Franzosenkaiser und die mit ihm verbündeten Bayern tief im Bewusstsein der Tiroler Bevölkerung verankert. So stark, als ob es sich bei dem überraschenden Triumph und dem darauf folgenden Untergang der Schützenarmee um den Gründungsmythos einer Nation handelte. Auch in diesem Jahr, anlässlich des 200. Jahrestages der vier Bergisel-Schlachten, wird des identitätsstiftenden Ereignisses mit Pomp und Pathos gedacht. Den Anfang machen ein feierlicher Gottesdienst samt Kranzniederlegung am 20. Februar. Es ist der Jahrestag der Hinrichtung des verratenen Rebellenführers im oberitalienischen Mantua durch ein französisches Exekutionskommando, keine vier Monate nachdem er wieder aus der Stadt am Inn vertrieben worden war. Das ganze Jahr über wird dann in einem umfangreichen Veranstaltungsreigen des Tiroler Heldenmythos gedacht. Das ist alter Brauch im heiligen Land Tirol: Hofer ist die Ikone im Herrgottswinkel Österreichs.

Kaum eine Figur der österreichischen Geschichte wurde indes von so vielen unterschiedlichen Seiten vereinnahmt. Liberale, Konservative, Habsburger, Austrofaschisten, Nationalsozialisten, sogar Jusos und Kommunisten bedienten sich seiner Strahlkraft. Der erzkatholische und patriotische Schützenkommandant gilt als der Paradetiroler schlechthin, ein Vorbild für Jung und Alt. Bis heute wird sein Märtyrertod in der Landeshymne Zu Mantua in Banden heroisch besungen. Der Text des Heldenliedes stammt allerdings von einem Sachsen.

Die ersten Hofer-Verehrer, die nach Tirol pilgerten, kamen aus England

»Ein historischer Held ist wie ein Gebrauchsgegenstand«, meint Ferdinand Karlhofer, Politikwissenschaftler an der Universität Innsbruck. »Er wird gepflegt, eingelagert, bei Bedarf wieder hervorgeholt und für aktuelle Bedürfnisse adaptiert.« So auch 2009: Kaum waren die Feuerwerkskörper in der Silvesternacht verpufft, besann sich die Tiroler Landesregierung der Heroengestalt. Sie schaltete ganzseitige Inserate und steckte die Rahmenbedingungen ab, innerhalb derer das Gedenkjahr begangen werden soll: »Die Selbstbehauptung unseres Landes werden wir mit Stolz feiern.«

Brigitte Mazohl, Leiterin des Instituts für Geschichte und Ethnologie an der Universität Innsbruck, kann mit dieser Direktive nur wenig anfangen: »Was heißt schon Freiheit. Es ging 1809 um Privilegien einer ständischen Verfassung, die mit unserem heutigen Freiheitsbegriff wenig zu tun haben.« Die Idee von Freiheit, für die Hofer und sein Bauernheer ins Feld zogen, galt schon 1809 als antimodern. Der Zorn der Aufständischen richtete sich gegen die Reformen, die von den bayerischen Besatzern in Angriff genommen worden waren. Schul- und Finanzwesen, Justiz, Verwaltung und vor allem die Rolle der Kirche sollten mit den Ideen der Aufklärung in Einklang gebracht werden. Das Tiroler Bürgertum begrüßte diesen Modernisierungsschub. Bauern und der Klerus sahen hingegen ihre alten Vorrechte gefährdet. Drei siegreiche Schlachten am Bergisel hat Hofer geschlagen und anschließend eine theokratische Bauerndiktatur errichtet, die kaum ein halbes Jahr währte. Nach einer vernichtenden Niederlage im November wurde das Land zwischen Frankreich, Italien und Bayern aufgeteilt. Davon ist in den Regierungsinseraten nichts zu lesen. In der Tiroler Heldenverehrung wird ausgeklammert, was nicht in die heroische Moritat passt.

Das war schon immer so, wie der Historiker Bernhard Mertelseder im Zuge seiner Forschungen herausfand. Schon zu Lebzeiten wurde Hofer in der Tiroler Bevölkerung verehrt, wurden ihm Porträts und Gedichte gewidmet. Der Innsbrucker Servitenpater Philipp Benitius Mayr schuf bereits 1809 das Bildnis Apotheose Hofers. Das nicht erhaltene Gemälde zeigte eine strahlende Heiligengestalt, an deren Seite die Evangelisten wachen. »Da sieht man bereits die entrückte Verehrung«, meint Mertelseder.

Politisch instrumentalisiert wurde Hofers allerdings vorerst nicht in seiner Heimat, sondern in weiter Ferne: in den Zentren der antinapoleonischen Allianz, in Großbritannien und Preußen. Paradoxerweise waren es nicht katholisch-konservative Kreise, die sich der Heldenfigur bedienten, sondern Verehrer aus dem liberalen britischen Bürgertum. Im antifranzösischen England wurden die Geschichten von dem Tiroler Bergvölkchen, das dem verhassten Bonaparte trotzte, begeistert aufgenommen. Bereits 1809 widmete der englische Dichter William Wordsworth dem Rebellen eine Reihe von Gedichten. Er rühmte den Sandwirt als »godlike warrior«, der wie »Phoebus am Beginn des jungen Tages« erschienen sei.

Frühzeitig pilgerten damals auch die ersten britischen Hofer-Touristen nach Tirol, wo im Landesmuseum Ferdinandeum seit 1824 Devotionalien zur Schau gestellt werden: der Degen des Volkshelden und seine Hosenträger. Der Degen sei zwar im Laufe der Zeit »irgendwie abhandengekommen«, bedauern die Kuratoren der Reliquien. Hosenträger, Pfeife und Essbesteck können hingegen noch heute bewundert werden.

Die Habsburger wollten den Kult um den Volkshelden totschweigen

Mit einiger Verspätung erreichten die Vorläufer des Liberalismus auch Tirol. Nun entdeckten die Verfechter der nationalen Idee den Sandwirt als Galionsfigur für ihr Gedankengut. Der Hof in Wien beobachtete diese Entwicklung jedoch mit Sorge. Er befürchtete separatistische Tendenzen in dem Alpenland, verhielt sich allerdings vorläufig ruhig. »Totschweigen« lautete die Devise des mächtigen Fürsten Metternich. Nur einmal ergriff die Wiener Regierung die Initiative: als es darum ging, den Leichnam Hofers, der 1823 aus Mantua nach Innsbruck überführt worden war, beizusetzen. Um zu verhindern, dass eine Kultstätte entsteht, stellte der Staat die Hofkirche zur Verfügung und ließ ein betont schlichtes Grabmal setzen. Als Bauer, nicht als Aufständischer wollte Metternich den Heroen dargestellt wissen.

In den folgenden Jahren wurde es ruhiger um die Heldenfigur. Die Revolutionäre von 1848 konnten ihr wenig abgewinnen, schmunzelten gar über den Alpenkrieger. Ab 1860 begannen jedoch katholisch-konservative Vereinigungen, sich immer öfter auf den frommen Bauernführer zu berufen. Sie stellten ihn nun als Verteidiger von Glauben und ererbten Traditionen dar, ein Aspekt, den die Liberalen ausgeklammert hatten. Es entstand jenes Hofer-Bild, das sich bis heute erhalten hat und auch das Gedenkjahr 2009 dominieren wird.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Mythisierung der Erhebung und ihres Anführers immer größere Ausmaße an. 1896 wurde ein Riesenrundgemälde in Innsbruck eröffnet: Auf mehr als 1000 Quadratmeter Leinwand schuf der Münchner Kunstmaler Michael Zeno Diemer ein detailgetreues Schlachtenpanorama des dritten Gefechts am Bergisel. Dem letzten, aus dem die Tiroler siegreich hervorgegangen waren.

Schließlich kulminierte der Kult aus Anlass der Jahrhundertfeier von 1909. Tirol erlebte Feierlichkeiten in bislang unbekannter Dimension. Rund 30.000 Schützen, Musiker und Honoratioren marschierten in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph bei dem Festzug in Innsbruck durch ein jubelndes Spalier. Die Vorbereitungen zu dieser »Zentenarfeier« hatten bereits sieben Jahre zuvor begonnen, um ganz Tirol auf den Landesmythos einzuschwören. Alle Gemeinden waren aufgerufen, sich zu beteiligen. Insgesamt wurden über 150 Denkmäler errichtet, von einfachen Gedenktafeln bis zu mannshohen Statuen. Die Festschrift verklärte die »todesmutigen« Mannen, welche die »Unbesiegbarkeit des napoleonischen Heeres zu Schande« gemacht hätten. Dass 1809 der Feind eher bayerisch denn französich gesprochen hatte, erschien in den Zeiten des Dreibundes zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Reich und Italien unpassend. Ungeachtet historischer Halbwahrheiten diente diese »Landesjahrhundertfeier« von nun an als Vorbild für jedes weitere Jubiläum.

Noch seltsamere Blüten als in den Friedensjahren trieb der patriotische Brauch nach dem Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg. Bei der Mobilisierung der Tiroler Regimenter wurde 1915 die Parole ausgegeben: »So wie einst, so auch jetzt!« Die Geschichte wurde kurzerhand umgedeutet: Nun lösten Italiener die Franzosen als Erbfeind ab. Wie einst Zeus schleuderte da etwa der rauschebärtige Heros auf einer Propagandapostkarte Blitze vom Himmel herab auf die welsche Niedertracht. Oder er warb in einem »Brief« aus dem Grab heraus für Kriegsanleihen: »Grias enk Gott, liabe Leit! Oes habts Enk wohl denkt i bin hundert und mehr Jahr tot und i rühr mi nimmer, da seids aber aufm Holzweg!« Er selbst, teilte der Untote mit, spende eine Goldkette samt den Orden, die ihm vom Kaiser verliehen worden waren, für den Waffengang.

Genosse Stalin und Towaritsch Hofer vereint im Kampf gegen Imperialisten

Nach Kriegsende wurde die Hofer-Vereinnahmung um eine entscheidende Facette bereichert: die Südtirol-Problematik. Der Schock über die Teilung des Landes saß tief. Bis heute hängt als Zeichen der Bestürzung ein schwarzer Trauerflor am Hofer-Denkmal in der Hofkirche. Der Sandwirt galt nun ebenfalls als höchster Patron der Gesamttiroler Identität.

Von 1933 an versuchten auch die Austrofaschisten den Volkshelden zur Symbolfigur für die Eigenstaatlichkeit des geschrumpften Österreichs zu erheben. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, ein Tiroler, verkitschte Hofer zu einem christlichen Märtyrer, der Gott und Heimat bis zu seinem letzten Atemzug gegen die »gottlosen Schergen der französischen Revolution« verteidigt und ganz wie Engelbert Dollfuß »für Gott und Vaterland« sein Leben gelassen habe.

Dieses Heldenbild rief schnell Konkurrenz auf den Plan. Im Frühjahr 1938 bedienten sich sowohl Austrofaschisten als auch Nationalsozialisten des Volkshelden, um einerseits für ein Unabhängigkeitsplebiszit und andererseits für den Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland zu werben. In beiden Fällen musste das berühmteste Hofer-Zitat herhalten: »Mander ’s isch Zeit!« Ohrenzeugen für dieses geflügelte Wort sind zwar nicht nachweisbar, dennoch ist der Appell bis heute ein goldenes Zitat aus dem tiefsten Herzen Österreichs.

Der NS-Gauleiter Franz Hofer sah in Andreas Hofer hingegen einen Pionier des Nationalsozialismus. »Mit der Heimholung Österreichs ins Reich aller Deutschen hat allein die große Sehnsucht Andreas Hofers ihre Erfüllung gefunden«, verkündete er in einer Rede am Bergisel 130 Jahre nach den verlustreichen Schlachten.

Nach Kriegsende versuchten sogar die Kommunisten, das rechtskonservative Monopol zu brechen: Sie stilisierten den Sandwirt zu einem antiimperialistischen Freiheitskämpfer. Als Ernst Fischer, Nationalratsabgeordneter der KPÖ, 1947 bei einer Kundgebung in Innsbruck am Rednerpult stand, schmückten zwei Porträts die Bühne hinter ihm: links Towaritsch Hofer, rechts der sowjetische Diktator Josef Stalin.

Es war ein läppischer Versuch, so ließ sich die konservative Deutungshoheit nicht erobern. Unbeirrt hielt die Tiroler ÖVP nach 1945 an ihrem Hofer-Kult fest. Für die Partei verkörperte der Schützenkommandant das Ideal des aufrechten Tirolers, der sich nach der Wiedervereinigung mit Südtirol sehnt. Nachdem bilaterale Gespräche zu diesem Thema zwischen Österreich und Italien 1958 gescheitert waren, stand die 150-Jahr-Feier 1959 ganz im Zeichen dieses Konflikts. Bei dem Festumzug wurde erstmals die sogenannte Dornenkrone mitgetragen, das Symbol für das Leiden des zerrissenen Landes. Diese überdimensionale Nachbildung der Dornenkrone Christi aus schwarzem Stahl sorgte für Wirbel: Die Kirche beklagte die »Profanisierung christlicher Symbole«, und der italienische Staat erblickte in dem Schmiedewerk eine irdische Beleidigung.

Auch beim nächsten Jubiläum, 25 Jahre später, war Südtirol neuerlich das bestimmende Thema. Der Aufwand war gewaltig und dem großen Vorbild von 1909 fast ebenbürtig. Im selben Jahr stand eine Landtagswahl ins Haus. Nach fünfjähriger Vorbereitung zogen 22.000 Hofer-Verehrer durch Innsbruck, sechs Stunden lang übertrug das Fernsehen live. Wieder war eine Dornenkrone mit dabei, diesmal mit noch größerem Durchmesser. Für den amtierenden Landeshauptmann Eduard Wallnöfer war das der perfekte Wahlkampfcoup. Mit 64,4 Prozent erreichte die Volkspartei ihr bestes Ergebnis seit 1945.

In diesem Jahr diente der Hofer-Kult aber auch als Geburtshelfer für eine neue politische Bewegung. Die junge Liste für ein anderes Tirol, ein Vorläufer der Tiroler Grünen, kritisierte das Historienschauspiel heftig. So wie sich die ÖVP auf Hofer-Verherrlichung spezialisierte, fanden die Alternativen in der legendären Gestalt ein bevorzugtes Objekt der Dämonisierung. Ein grüner Gemeinderat verteufelte in Innsbruck den Volkshelden gar als »obersten Taliban«. Nahezu ganz Tirol war entsetzt, die Traditionsverbände sprachen von Blasphemie.

Als Patron wider den Alpentransit ist Andreas Hofer hingegen auch bei widerspenstigen Tirolern salonfähig. Im Europawahlkampf von 1996 wählten die grünen Granden den Gasthof Schupfen an der Brennerstraße, um bei ihrer Auftaktveranstaltung der EU die Leviten zu lesen – von diesem ehrwürdigen Wirtshaus aus hatte Hofer einst seine Truppen während der Bergisel-Schlachten befehligt. Es war eine nur kurzfristige Liaison zwischen sehr gegensätzlichen Rebellen, die Konservativen ließen sich ihre Lichtgestalt nicht streitig machen.

Mit Herwig van Staa wurde schließlich 2002 ein deklarierter Hofer-Verehrer zum Landeshauptmann gewählt. Er nutzte den Mythos vor allem dazu, seinen, wie er es nennt, »Geburtsmakel« (van Staa ist Oberösterreicher) zu tilgen. Der Schwiegersohn des früheren Landesfürsten Eduard Wallnöfer bemühte sich, der beste aller Tiroler zu werden, sah sich selbst als Bewahrer der Tradition und ließ nur wenige Aufmärsche des Schützenbundes aus – mit 15.000 Mitgliedern nach wie vor eine wichtige politische Kraft im heiligen Land. Angriffe auf Andreas Hofer nahm van Staa grundsätzlich persönlich. Dies sei, sagte er, der »erste frei gewählte Landeshauptmann« gewesen. Hinter seinem Schreibtisch im Landhaus hing folglich ein Porträtgemälde seines berühmten Vorgängers.

Eine Dornenkrone, geschmückt mit roten Rosen, soll an das Leid gemahnen

Natürlich schmückt Hofer nun auch die Amtsräume von Nachfolger Günther Platter: »Man muss wissen, woher man kommt.« Tradition ist dem Gendarm aus Zams wichtig. Genau wie seinem Parteifreund Andreas Khol. Wenn der ehemalige Nationalratspräsident und Koordinator des Festumzuges vom Herbst 2009 über das Idol spricht, gerät er ins Schwärmen. Hofer sei stets standhaft für seinen Glauben, seine Werte und seine Überzeugungen eingetreten. »Dafür hat er selbst den Tod in Kauf genommen«, sagt Khol. Dass sein Held im Laufe der Geschichte permanent politisch instrumentalisiert wurde, ist für ihn ohne Bedeutung. Schließlich sei alle historische Interpretation stets subjektiv, meint Khol: eine Tochter der Zeit eben, wie er das früher einmal genannt hatte.

Auch Landeshauptmann Platter glaubt, Andreas Hofer verkörpere gelebtes Tiroler Selbstverständnis. Der Homo tirolensis neige dazu, »die Dinge selbst in die Hand zu nehmen«, sei grundsätzlich »nicht gerne auf andere angewiesen« und »verteidige das Vaterland am liebsten selbst«. Ein wehrhafter Sturschädel, wie es der große Hofer war.

So reiht sich das Gedenkjahr 2009 nahtlos an die vorangegangenen Hofer-Gedenkjahre. Auch eine Dornenkrone wird anlässlich des Festumzuges aufgeboten, diesmal mit rotem Rosenschmuck fit für das 21. Jahrhundert gemacht. Die starken Männer in Tirol wärmen nun wieder das bewährte Tiroler Heldenrezept auf: ein gestandener Kerl, patriarchalisch, aggressiv und erzkatholisch. Das sind die Zutaten dieses alpinen Mythos. Dass über den tatsächlichen Andreas Hofer nur wenige Fakten bekannt sind, kann den Heiligenschein nicht trüben. »Historisch gesehen, war er letztendlich ein Versager«, sagt der Historiker Siegfried Steinlechner. Der Aufstand von 1809 endete in einer bitteren Niederlage. Die Zeiten überdauert hat jedoch eine überlebensgroße Heldenfigur, die so zwar nie existiert hat, die aber unentwegt neu erfunden werden darf.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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    • Schlagworte Österreich | Italien | Tirol | Allianz | Innsbruck | Bayern
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