Donnerstalk Heldenverehrung
Alfred Dorfer fordert, auch den Großen unserer Tage würdige Gedenkmale zu widmen
Die Aufregung rund um die Errichtung eines Andreas-Hofer-Museums in Innsbruck ist völlig unberechtigt. Angeblich seien die Kosten unangemessen hoch, und diese Form der Heldenverehrung sei heute fragwürdig. Solche Kritik kann nur der bedauerlichen Zeiterscheinung des mangelnden Patriotismus entspringen. Vielmehr sind derartige Kultstätten in einer bewegten Epoche wie dieser sehr trostspendende Orte. Weitere sollten folgen. Zur erfolgreichen Gegenwartsbewältigung wären auch Museen für noch lebende Helden unseres Landes gut geeignet. Ein Alfred-Gusenbauer-Memorial zum Beispiel, das an den einsamen Kampf gemahnt, der einen Sandkistentraum wahr werden ließ. Ebenso wäre gleich neben dem buddhistischen Zentrum ein Schweigemal zu Ehren der großen politischen Leistung von Wolfgang Schüssel zu errichten. Es erinnerte uns daran, dass sich Probleme nicht nur durch aufgeregte Diskussionen, sondern auch durch eisernes Schweigen nicht bewältigen lassen. Ebenfalls dürfte der Heldenplatz noch zu wenig ausgelastet sein. Dort wäre nun ein HC-Strache-Monument angebracht, in Granit gehauen von den Mitgliedern der geschützten Werkstatt rund um Nationalratspräsident Martin Graf. Es zeigte einen Revolutionär im Kittel des Zahntechnikers, der dem Lindwurm der Überfremdung eine Lanze in den Rachen bohrt. Aber auch grüne Helden sollen nicht zu kurz kommen. Hier bietet sich eine Pietà an: eine bauchfreie Madonna, die den schlafenden Professor im Arm hält. Es wäre ein würdiges Sinnbild für die Erlösung von allen Regierungsträumen.
- Datum 12.02.2009 - 17:06 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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