Schaefflers Hilferuf Sie waren ausgezogen, um einen neuen deutschen Zulieferergiganten zu schmieden. Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, noch Alleineigentümer der Herzogenauracher Schaeffler Gruppe, Weltmarktführer bei Wälzlagern und Präzisionsmechanik, wollten durch die trickreich eingefädelte Übernahme der dreimal größeren Continental AG (Hannover) mit ihrer starken Elektroniksparte die Zukunft ihres Familienkonzerns sichern. Beide Konzerne galten – vor der Finanz- und Konjunkturkrise – als ertragsstark. Ein Bankenkonsortium stellte für den Deal zwölf Milliarden Euro Kredit zur Verfügung. Jetzt sind die gekauften Conti-Aktien nur noch einen Bruchteil der Kreditsumme wert. Die Hannoveraner drücken selbst ähnlich hohe Schulden aus der Übernahme von Siemens VDO. Und durch die weltweite Autoabsatzkrise schmelzen Umsatz und Gewinne in Hannover und Herzogenaurach. In höchster Not hat Frau Schaeffler den Staat um »zeitlich begrenzte Unterstützung« gebeten, sie ist sogar bereit, Anteile am angestammten Unternehmen abzugeben. Würde man den Schaefflers über die schwierigen Jahre 2009/10 hinweghelfen, könnten die Unternehmen dank ihrer technologischen Kompetenz zu alter Ertragsstärke zurückfinden und von 2011 an ihren Schuldenberg dezimieren, glaubt etwa der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Schaefflers wollen kurzfristig ein »tragfähiges Konzept« vorlegen. Das fordert auch die IG Metall, die um Arbeitsplätze fürchtet. Nun kommt es auf die Banken und die Politik an. Erstere stecken mittlerweile meist selbst tief in der Bredouille, bei Letzteren ist ein Engagement angesichts der Vorgeschichte des riskanten Deals heftig umstritten. Helfen Berlin und betroffene Länder wie Bayern oder Niedersachsen nicht, ist die Zerschlagung der Unternehmen wahrscheinlich. Es sei denn, das jüngste Gerücht stimmt, und ein Staatsfonds aus dem Morgenland springt den Schaefflers bei. Ansonsten hat die Familie mit ihrem öffentlichen Hilferuf am Wochenende und dem Verweis auf 80000 Mitarbeiter in Deutschland ihre letzte Trumpfkarte ausgespielt. dhl

 
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