Blickfang Kordas Kuba
Führer, Frauen, Arbeiter und das Meer – das waren die Themen, denen der Kubaner Alberto Korda fast 50 Jahre lang nachstellte. Seinem Blickwinkel sind nun auch die Herausgeber des schwergewichtigen Bandes Korda gefolgt: Den Auftakt ihrer Retrospektive bilden die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Havannas Revolutionären, die zum Kern eines umfangreichen und lange unterschätz-ten Werkes gehören. Kordas Weltruhm basierte nämlich auf einem einzigen Schnappschuss, dem Porträt des Widerstandskämpfers Che Guevara. Für die Generation der 68er, für Popkultur und Werbeindustrie wurde das Bild zur Ikone. Im eigenen Land galt Korda da längst als Fotograf der gesamten Führungselite. Von 1959 bis 1968 begleitete er den Máximo Líder von der Inselinspektion (unser Bild zeigt Castro bei der Zuckerrohrernte 1967 ) bis vors Rednerpult, von der Plauderstunde mit Simone de Beauvoir bis in Chruschtschows Jagdrevier. »Am liebsten wäre ich Modefotograf geworden«, sagte Korda einmal im Interview. Er hätte das Zeug dazu gehabt. Der Bildband zeigt, wie nahe Korda Kubas schönen Frauen in den fünfziger Jahren rückte. Er fokussierte seine ganze Umgebung: lesende und jubelnde Zeitgenossen, Kinder, Arbeiter und Träumer. Und wenn das Licht besonders hell war, tauchte Korda ab – mit einer Unterwasserkamera ins flirrende Meer. CS
Cristina Vives, Mark Sanders (Hrsg.): »Korda. A Revolutionary Lens«. Begleittext in englischer Sprache. Steidl Verlag, Göttingen 2008; 440 Seiten, 60 Euro
- Datum 17.02.2009 - 13:14 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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