Der letzte Tragöde

Nie wieder hat ein Tänzer mit solch dramatischen Posen solch reines Entzücken ausgelöst wie der junge Nurejew. Die unverschämte Grandezza, mit der er seinen Körper präsentierte. Die athletische Anmut, mit der er die Arme nach den Primaballerinen ausstreckte. Der mühsam gezügelte Schwung, wenn er nach einer Endlospirouette zum Stehen kam. Dafür haben ihn Publikum und Kritiker gleichermaßen bewundert. Es waren die wilden sechziger, siebziger Jahre, und man sollte meinen, dass ein Strumpfhosenheld aus dem alten Ballett neben den neuen Helden des Pop peinlich wirkte. Doch nicht der Tatar Rudolf Chametowitsch Nurejew, geboren 1938 in Sibirien, geflohen 1961 aus dem sowjetischen Tanzzirkus ins freie Paris. Vielleicht weil er die Dramatik einer Kunstform mit der Dramatik einer Epoche zu verschmelzen verstand, wurde er so geliebt. Tragöde unter Ironikern, Romantiker unter Realisten, Russe im Westen. Nun feiert ein Fotoband noch einmal die kapriziöse Schönheit dieses zu früh verstorbenen Männer- und Frauenschwarms. EF

 
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