MEINUNG BERLINER BÜHNE Honeckers Nachfolger

Warum Saarländer dieser Tage neidvoll nach Bayern schauen – zu Unrecht

Neidvoll schaue ich als Saarländer dieser Tage nach Bayern. Nicht wegen der Berge, Seen und Täler. So was haben wir zu Hause auch, nur schöner. Nicht wegen Reiberdatschi, Obatzda und Krätzaweckla. Haben wir auch, nur heißt das Dibbelabbes, Hoorische und Gefillde. Und auch nicht wegen Franck Ribéry. Franzosen haben wir auch, nur mehr.

Nein, neidvoll schaut man als Saarländer dieser Tage nach Bayern, der Heimat von Hightech und Wurzelsepp, weil es dort noch etwas gibt, was man bei uns, am südwestlichen Rand der Republik, lange schon für eine Sackgasse gesellschaftlicher Evolution hält: die Erbfolge qua regio et religio. Auf einen katholischen Franken als Wirtschaftsminister darf als Wirtschaftsminister nur ein katholischer Franke folgen. Selbst im protestantisch-preußischen Berlin. Ähnliches gilt auch für evangelische Niederbayern als Bundeskanzler, muslimische Oberpfälzer als Bundespräsidenten, jüdische Niederbayern als EU-Kommissionspräsidenten und gottlose Schwaben als Türsteher. Cuius regio, eius religio.

Gäbe es das doch noch im Saarland – was hätte ich alles werden können: Nachfolger von Erich Honecker als Staatschef in der DDR! Nachfolger von Oskar Lafontaine als SPD-Flüchtling! Nachfolger von Nicole mit »Noch ein bisschen mehr Frieden«! Nachfolger von Max Ophüls als Namensgeber eines Filmfestivals! Nachfolger von Peter Hartz als… Stopp! Vielleicht stimmt das ja doch mit der Sackgasse. Vielleicht steckt Bayern ja schon drin. Und vielleicht wacht Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg morgen früh auf – und wünscht sich, er wäre wie ich – Saarländer. Willkommen zu Hause!

 
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