Internat "Hast du 'Harry Potter' gelesen?"
Wie Familie Schröder aus Wiesbaden ein englisches Internat für ihren Sohn findet
Ein Hauch von England weht durch das Büro von Juliane von Bülow auf dem vornehmen Stuttgarter Killesberg. Großformatige Fotos an den Wänden zeigen die Queen in Violett und junge Mädchen in Mannschaftstrikots, die sich die Arme um die Schultern legen. Auf dem Couchtisch steht eine silberne Teekanne und ein Teller mit Shortbread bereit.
Familie Schröder hat es sich auf der blauen Polstersitzgruppe bequem gemacht. Sie ist an diesem späten Freitagnachmittag aus Wiesbaden zum Beratungsgespräch bei der Geschäftsführerin der Internatsberatung Better School angereist. Niels Schröder, 14 Jahre alt, will in eineinhalb Jahren, wenn er in die 11. Klasse kommt, für ein Jahr aufs Internat nach England. Die englische Sprache soll er dort von der Pike auf lernen, wie seine Mutter Clarissa sagt, kulturelle Vielfalt erleben. Und als Einzelkind erfahren, was Gemeinschaft heißt. »Darauf freue ich mich am meisten«, sagt Niels.
Mitgebracht haben die Schröders jede Menge Fragen. Wie ist das mit den englischen Schulabschlüssen? Kommt eine reine Jungenschule infrage? Kann Niels seinen Hobbys intensiv nachgehen? Und wie funktioniert das mit der Wäsche? Doch die wichtigste Frage an diesem Nachmittag lautet: Welches Internat könnte das richtige für den aufgeweckten Sohnemann sein, der Tennis, Hockey und Klavier spielt, ab und an als Messdiener im Einsatz ist und im Zeugnis einen Schnitt von 1,6 hat? Noch am selben Abend wollen die Schröders mit einer Handvoll Namen von Schulen wieder nach Hause fahren.
Die Familie nimmt die Internatssuche nicht auf die leichte Schulter. »Wir möchten für unseren Sohn das Optimale finden«, argumentiert die 48jährige Mutter. Es geht um eine Menge Geld: Rund 30000 Euro wird ihn der Englandaufenthalt seines Sohnes kosten, schätzt Diplomphysiker Uwe Schröder, der als Produktmanager bei einem Hersteller von Lichtquellen arbeitet.
»Wir würden uns allein nicht zutrauen, eine Schule auszusuchen«, sagt seine Frau, die Projektleiterin bei einem Personaldienstleistungsunternehmen ist. Eine Internatsberatung habe ihr einfach einen Katalog mit 40 Schulen zugeschickt. »Wie soll man da auswählen?« So stand vor der Suche nach dem richtigen Internat zunächst die nach der passenden Beratungsagentur an – mehr als ein Dutzend bieten hierzulande ihre Dienste an, ein kleinerer Teil davon hat sich wie Better School auf England spezialisiert. Wer solche Agenturen aufsucht, kann keine unabhängige Beratung erwarten: Die meisten Internatsberater kooperieren mit einer Auswahl an Internaten. Für die Vermittlung eines Schülers erhalten sie von dem jeweiligen Internat eine Provision.
Juliane von Bülow berechnet ihren Kunden für eine Beratung 250 Euro. Rund 60 Schüler vermittelt sie pro Schuljahr an eines von rund 80 englischen Internaten. »Mein Job ist es, Ihnen zu sagen, welche Schulen objektiv für Ihr Kind geeignet sind«, beschreibt sie Niels’ Eltern ihre Aufgabe in den nächsten drei Stunden. Auf Better School sind die Schröders im Internet gestoßen; im vergangenen Jahr habe die Stuttgarter Internatsberatung für Niels einen einwöchigen Sprachaufenthalt an einer englischen Summer School organisiert – der Sohn hätte am liebsten verlängert, erzählt die Mutter. »Bei Frau von Bülow fühlen wir uns gut aufgehoben. Wenn man sein Kind für ein Jahr ins Ausland gibt, dann muss alles passen«, so die studierte Juristin.
- Datum 05.08.2009 - 08:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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Unglaublich, wie unsere Gesellschaft immer weiter auseinander driftet. Wer das Geld hat macht alles möglich, um auch seinem Nachwuchs beste Zukunftschancen zu garantieren. Der Rest darf sehen wie er mit den Gegebenheiten im deutschen Bildungssystem zurechtkommt.
Wo bleibt da die angebliche Chancegleichheit in der Bildung?
Gruselig, wie die einen schon in jungen Jahren für viel Geld auf "Elite" getrimmt werden, während andere Eltern noch nicht einmal eine Klassenfahrt , geschweige Nachhilfeunterricht bezahlen können.
Gruselig, wie die einen schon in jungen Jahren für viel Geld auf "Elite" getrimmt werden, während andere Eltern noch nicht einmal eine Klassenfahrt , geschweige Nachhilfeunterricht bezahlen können.
Gruselig, wie die einen schon in jungen Jahren für viel Geld auf "Elite" getrimmt werden, während andere Eltern noch nicht einmal eine Klassenfahrt , geschweige Nachhilfeunterricht bezahlen können.
die PR-abteilung der lobbyvereinigung für privatschulen macht bestimmt high-five ob der vielen gratisreklame, die hier zu lesen ist.
Zu "meiner Zeit" war es noch völlig ausreichend, ein Jahr ins Ausland zu einer Fastfamilie zu gehen, an eine staatliche Schule.
Sehen wir uns die erfolgreichsten Menschen, egal ob in der Wirtschaft oder in jedem anderen Bereich, einmal an: Diese kommen nur ganz selten aus den elitärsten Haushalten. Natürlich ist deren Zahl viel geringer und dementsprechend tauchen diese in unrelativierten Statistiken viel weniger auf, aber das was wirklich zählt, ist neben der Förderung, die ein Kind immens prägen kann, die Leidenschaft des Kindes aus sich heraus, sich mit sich selbst und seiner Umgebung zu beschäftigen.
Man mache mir bitte keinen Vorwurf, aber ich werde hierzu nur vermehrt Beispiele aus der Wirtschaft nennen können, da ich mich hier halbwegs souverän bewegen kann: Der Gründer von Adidas war der Sohn eines Schuhmachers. Die Gründer von Aldi waren die Söhne eines Bergarbeiters. Der größte Tänzer und einer der am meisten photographierten Männer des 20. Jahrhunderts, Rudolf Nurejev, wuchs unter den ärmsten und kulturfernsten Bedingungen auf. Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt und als erfolgreichster Investor der Geschichte enorm angesehen, kommt aus dem gewöhnlichen Mittelstand.
Letzten Endes, kann sich eine Durchschnittsfamilie vielleicht keinen Reit-, Tanz-, oder Klavierunterricht leisten und den Kindern einen Auslandsaufenthalt finanzieren. Die Frage ist doch, ob der erfolgreiche Mensch der zukunft geformt, aber auch "gebaut" werden kann? Das ist eine Illusion.
Wie wichtig die Umgebung ist, verdeutlicht uns doch die Tatsache, dass wahrscheinlich die meisten dieser Menschen, wenn sie in Bangladesch oder Afghanistan aufgewachsen wären, nicht diesen Erfolg gehabt hätten. Das ist das Los, dass jeder Mensch bei seiner Geburt zieht.
Ein Kind aus einer reichen Familie kann mit 17 fünf Sprachen sprechen, Internate in Frankreich und England besucht haben und damit einem Kind aus einer durchschnittlichen Familie viel voraus haben. Dieses Kind aber hatte vielleicht die Härte des Lebens als Lehrmeister, was wiederum ihn geprägt hat.
Der Erfolgsgarant ist nicht das Budget der Familie, dass einem Mensch zur Verfügung steht, sondern so klischeehaft es auch klingen mag, das Feuer der Leidenschaft für eine Sache, die in einem brennt. Der Drang, sich mit etwas auseinanderzusetzen und dafür sein ganzes Engagement zu widmen. Ich kenne Studenten an der WHU oder EBS.
Wenn man etwas wirklich will, dann geht man hin und holt es sich. Das ist der wichtigste Baustein des Erfolgs.
..spricht - in längslinien, querfugen und horizontaler erhöhung - das ganze: eine ikone aus uralten zeiten. vollende deine reife, du öde in deinen niederungen. doch komm, der du auszubleiben scheinst aus den höhen des lichtes, um zu wenden die leere der krümmung und die glanzlose materie
Ich stelle keine sehr hohen Anforderungen an die Schule meines Kindes, denn es könnte wohl auch mit eigener Kraft und Hilfe der Eltern ein gutes Abiturniveau erreichen - und von einer Gratisleistung kann man bei den Ausgabenprioritäten dieses Staats kein höchstes Niveau mehr erwarten.
Ich verlange aber:
1 Schutz vor brutalen Schlägern und anderen kriminellen Angriffen gegen mein Kind in der Schule,
2. Schutz vor der Erzwingung von Lernunlust durch Gleichmacherei auf niedrigstem Leistungsniveau und
3. Schutz vor gezielter Verdummung z.B. durch Personen, die eine Existenz übernatürlicher Wesen behaupten.
Wenn die staatlichen Schulen diese m.E. bescheidenen (und zu meiner Schulzeit noch ganz selbstverständlichen) Minimalanforderungen nicht mehr erfüllen wollen oder können, dann ist der Besuch einer privaten Schule unvermeidlich - hier oder Ausland.
Das deutsche Bildungssystem ist über Jahrzehnte systematisch entwickelt worden zum wichtigsten Instrument zur Sicherung der jeweiligen dynastischen Erbfolge - wie also die Darwinsche Evolution (als Auslese) in die Gesellschaft hineinwirkt.
Früher war es die Zugehörigkeit zum betreffenden Adels- oder Patriziergeschlecht. Das ist etwas aus der Mode geraten.
Ausnahme: Unser neue Wirtschaftsminister.
So ändern sich halt die Zeiten.
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