Ausland »Manche kommen gar nicht zurück«

Schüler, die nach zwölf Jahren Abitur machen, müssen sich nun in der nenten Klasse entscheiden, ob sie ins Ausland wollen

DIE ZEIT: Eltern fragen sich besorgt, was das achtstufige Gymnasium für Kinder bedeutet, die gern für ein Jahr im Ausland zur Schule gehen möchten. Ihre Agentur vermittelt Internatsplätze im angelsächsischen Raum. Was sagen Sie den Eltern – hindert das G8 daran, ein Jahr im Ausland zu verbringen?

Ulrike Riedenauer: Ich stelle allmählich eine Entspannung fest. Es gibt zwar leider keine bundeseinheitliche Regelung. In Bayern etwa bekommt, wer nach der 10 Klasse ins Ausland geht und die Probezeit in der 11. Klasse besteht, automatisch die mittlere Reife. Das ist ein Zeichen, dass das Auslandsjahr aktiv gefördert werden soll. Berlin und Hamburg beschränken das Auslandsjahr auf zwei Trimester.

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ZEIT: Im G9 nutzten die Schüler meist die 11. Klasse als Auslandsjahr. Was halten Sie im G8 für den besten Zeitpunkt?

Riedenauer: Im G8 verlagert sich das Auslandsjahr in die 10. Klasse. Allerdings beobachte ich eine zweite Entwicklung: Immer mehr Schüler kommen gar nicht wieder zurück, sondern bleiben gleich im Ausland und machen dort ihren Abschluss.

ZEIT: Woran liegt das?

Riedenauer: Das International Baccalaureate, das IB, ist ein attraktiver Abschluss, der in Deutschland gleichwertig anerkannt wird. Und viele Eltern finden das G8 noch so chaotisch, dass sie sich bewusst für ein ausländisches Schulsystem entscheiden.

ZEIT: Sie vermitteln ausschließlich an Internate im angloamerikanischen Raum. Warum?

Riedenauer: Die britischen Internate sind extrem professionell, was die Bereitschaft betrifft, deutschen Schülern genau das zu bieten, was sie brauchen, um zu Hause an ihrer Schule weitermachen zu können. Und viele Studiengänge in Deutschland setzen zunehmend auf ein englisches Angebot.

ZEIT: Sie bekommen von den Internaten für jeden Schüler eine Vermittlungsprovision. Wie unabhängig können Sie arbeiten?

Riedenauer: Sehr unabhängig. Ich kriege von allen Internaten die gleiche Provision und habe keinen Grund, Schüler in eine bestimmte Schule zu bugsieren. Und ich kenne circa 150 Schulen persönlich. Allein das macht mich objektiv.

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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  • Schlagworte Internat | Schüler | Hamburg | Bayern | Berlin
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