Noch immer Gewinne: Bank Julius Bär

Im Hotel Widder in Zürich stellen die Verantwortlichen der Julius-Bär-Gruppe die Ergebnisse von 2008 vor. Es ist der Freitag vergangener Woche. Ein letztes Mal geht es um Alex Widmers Verdienste, um sein Vermächtnis. Doch sein Name fällt nur nebenbei. Widmers Schicksal liegt wie ein unsichtbarer Schatten über dem Saal. Aber niemand findet Worte dafür.

Die Bank hat im abgelaufenen Jahr einen Konzerngewinn von 852 Millionen Franken erzielt. Das klingt nach viel, entspricht gegenüber der Vorjahresperiode jedoch einem Rückgang von 25 Prozent. Die Finanzkrise fordert Tribut.

Vor allem nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers bekam auch Julius Bär die Krise zu spüren; allein im Asset Management, also in der Verwaltung großer institutioneller Kundendepots, muss die Bank Julius Bär einen Abfluss von 27 Milliarden Franken verzeichnen. Von August 2008 bis heute ist der Kurs der Julius-Bär-Aktie um fast 60 Prozent gefallen.

2008 hätte die Krönung von Alex Widmers Expansionsstrategie sein sollen. Zuvor hatte er drei Jahre lang die Bank vorangepeitscht, nicht weniger als 163 neue Kundenberater für viel Geld engagiert und an zahlreichen Orten auf der Welt, in Jakarta, Kairo, Istanbul, Moskau, Mailand, Verbier, St. Gallen und St. Moritz Schlag auf Schlag neue Bankfilialen eröffnet. Insgesamt erhöhte sich die Mitarbeiterzahl gruppenweit von 4099 auf 4335 Beschäftigte. Dadurch nahmen die Kosten enorm zu.

Die Julius-Bär-Gruppe ist an einem schwierigen Punkt. Zwar versichert man, weiter wachsen zu wollen, die Kosten im Griff zu haben und dank des guten Namens neue Kunden gewinnen zu können. Doch in Zeiten wie diesen kann jede Prognose sehr rasch zur Makulatur verkommen.

Das zeigt sich auch an der Medienkonferenz. Während sie läuft, bricht der Kurs der Julius-Bär-Aktie um bis zu 40 Prozent ein. An der Börse kursieren Gerüchte, wonach jemand einen anonymen Brief an die Aufsichtsbehörde geschickt habe, in dem behauptet wird, die Bankverantwortlichen hätten die Zahlen geschönt. Zunächst will CEO Johannes de Gier dieses Gerücht nicht kommentieren, wird dann aber nach mehrmaligen Nachfragen nervös. Schließlich erklärt er, es handle sich dabei um eine unbedeutende Angelegenheit, »a minor matter«. Sollte die Person ausfindig gemacht werden, drohe ihr eine hohe Strafe; in manchen Ländern würde sie gar ins Gefängnis kommen (»end up in jail«). Am Nachmittag teilt die Bank dann mit, sie habe durch das Fehlverhalten eines früheren Händlers im Jahr 2008 einen unrealisierten Buchverlust von fünf Millionen Franken erlitten. Am Ende des Tages schließt die Julius-Bär-Aktie mit einem Tagesminus von knapp 10 Prozent.

 
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