Iran Der gute Mann aus Teheran

Mohammed Chatami will wieder Präsident werden – und mit Reformen die Revolution retten

Zweifelhafter Hoffnungsträger des Westens: der frühere iransiche Präsident Mohammed Chatami

Zweifelhafter Hoffnungsträger des Westens: der frühere iransiche Präsident Mohammed Chatami

Wann immer andere Länder uns verstören, suchen wir dort jemanden, der uns vertraut wirkt. Obama ist unser Mann, weil George W. Bush so schrecklich anders war, texanisch ungehobelt, nicht europäisch zivilisiert. Bei den uns zutiefst fremden Iranern heißt unser Mann Mohammed Chatami.

Chatami ist der wandelnde Gegensatz zu Mahmud Ahmadineschad, der so bereitwillig das perfekte Feindbild abgibt mit seiner schlechten Politik, seinem schlechten Stil, seiner schlechten Frisur. Chatami hingegen hat Kant gelesen, Habermas und Adorno. Seine Körpersprache ist vornehm, sein Bart akkurat gestutzt. Womöglich werden bald die ersten Journalisten über seinen Teheraner Friseur schreiben. Chatami kandidiert bei den Präsidentschaftswahlen im Juni. Über Obamas Chicagoer Friseur gab es schon ganze Zeitungsseiten.

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Irans Obama? Ist das der Mann, der Iran mit den USA aussöhnen kann? Wird er einen der gefährlichsten Konflikte des 21. Jahrhunderts entschärfen? Hinter dieser Hoffnung stecken frommer Wunsch und reelle Chance zugleich.

Chatami war schon zweimal Präsident des Landes gewesen, zwischen 1997 und 2005. Eine überwältigende Mehrheit der Iraner hat ihn damals gewählt, 75 Prozent bei der ersten Wahl, 60 Prozent bei der zweiten. Die Jungen stimmten für ihn, vor allem die Frauen, aber auch sehr viele der gefürchteten Revolutionsgardisten.

Im Westen reagierte man auf die Wahl dieses Mannes mit Staunen. Die Islamische Republik galt den meisten als ein finsterer Ort, bevölkert von rückständigen Fanatikern, die ein repressives System errichtet hatten. Ganz plötzlich brachte dieses Land einen Reformer hervor, der wie ein Popstar verehrt wurde und der den Blick frei gab auf eine moderne, komplexe Gesellschaft, die sich unter der Schicht der Religion entwickelt hatte.

Die Außenwelt zu überraschen – das scheint ein Grundzug Irans zu sein. Kurz vor der Revolution im Jahr 1979 hieß es noch, der Iran des Schahs sei eines der stabilsten Länder der Region; als Saddam Hussein 1980 Iran mit tatkräftiger Hilfe des Westens überfiel, glaubte er, das Regime würde schnell in sich zusammenfallen. Das Gegenteil geschah: Nach acht Jahren Krieg ohne Sieger war das Land zwar restlos erschöpft, aber im Inneren stabilisiert. Als das Land dann Mitte der neunziger Jahre völlig sklerotisiert erschien, kam Chatami. Als man 2005 den Iran endgültig auf dem Wege zu einer demokratischen Öffnung wähnte, wurde Ahmadineschad Präsident. Nun, da sich Iran endgültig radikalisiert zu haben schien, tritt Chatami wieder auf die Bühne – durchaus mit Chancen auf Erfolg.

Leser-Kommentare
  1. Zur Erinnerung: Chatami war es, der angeregt hat, dass das Jahr 2001 von der UNO als "Jahr des Dialoges der Kulturen" ausgerufen hat. Kofi Annan hat für dieses Jahr - als Kontrast zu Huntingtons "Kampf der Kulturen" -

    ein Manifest für den Dialog der Kulturen - "Brücken in die Zukunft" in Auftrag gegeben, an dem 20 "Eminent Persons" aus allen Kulturen mitgewirkt haben: Richard von Weizsäcker, Hassan bin Talal, Amartya Sen, Hans Küng .... um nur einige zu nennen:

    http://www.amazon.de/Br%C...

    Dann kam allerdings der 11.9.2001 und der unselige "War on Terror" ......

    Jetzt, genau jetzt, im Jahre 2009 besteht die Chance, dass der Dialog der Kulturen ernsthaft aufgenommen wird!

    Obama-Chatami würden ein "ideales Paar" bilden, die sich die Hände reichen könnten, ohne allerdings den jeweils anderen "über den Tisch ziehen" zu wollen.
    Natürlich darf Chatami dabei nicht als "Mann des Westens" gelten - wie Karsai in Afghanistan - sondern als fairer Dialogpartner, der die Interessen seines Landes genauso zu vertreten hat wie jeder andere Staatschef.
    Aus einem "vernünftigen" Dialog könnten synergetische Wirkungen folgen:

    Die von Obama anvisierte Abschaffung aller Atomwaffen ist ein fantastischer Ansatzpunkt.

    Nach dem "Rechtsruck " in Israel, wäre das ein Hoffnungsschimmer für friedliche Lösungen im Nahen Osten. Die unfriedlichen Lösungen haben wir zur Genüge satt!l

    • Manu84
    • 15.02.2009 um 19:54 Uhr

    Ein gewählter Regierungshelfer in einer Diktatur ist leider immer noch jemand, der das unterdrückerische System unterstützt. Die wahlen im Iran sind keinesfalls frei, deshalb ist es auch vollkommen egal, welcher Helfer der Diktatur da dann "gewählt" wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihr Kommentar verdeutlicht, wie ein "Dialog der Kulturen" nicht funktioniert ! So heizen Sie den Konfrontationskurs nur an!

    Mit welchem Ziel ??? : In die Knie zwingen ? Bombardieren ?
    Wie bitte mit Nord-Korea umgehen, wo wahrscheinlicherweise bereits Atombomben lagern ?
    Die Konfrontations- Strategie war offensichtlich weder im Irak noch in Afghanistan erfolgreich!

    Die Dialog-Methode hat 1989 immerhin die bedeutendste friedlichste "Gorby"- Revolution der Weltgeschichte beschert! Ein Konfrontionskurs hätte das "Aus" eines Großteils von Deutschland bedeuten können: Die Szenarien für eine atomare Konfrontation in Europa lagen in den Schubladen!

    In "Brücken für die Zukunft" ist ein Abschnitt den "Feindbildern" gewidmet:
    Der Konfrontations-Kurs stabilisiert und pflegt sie nur !

    Ich interpretiere sie jetzt so, dass man am besten nicht mit dem Iran reden solle, weil es keine lupenreine Demokratie ist.

    Man stelle sich aber mal vor der Iran würde als Bedingung für einen Dialog verlangen, dass wir Ihr Staatsmodell einschließlich dem Primat der Religion übernähmen. Völlig absurde Vorstellung, wir würden die Iraner auslachen.

    Verstehen Sie mich nicht falsch ich will nicht völlig relativieren.
    Ich halte Demokratie für gut und man sollte sie ruhig verbreiten.
    Aber nicht zu jedem Preis. Wenn der Nahost Konflikt beigelegt und die Verbreitung von Atomwaffen eingeschränkt werden können, dann hat das erstmal Vorrang. Und ein nach Westen offener Kandidat ist dafür eben besser geeignet.

    Ihr Kommentar verdeutlicht, wie ein "Dialog der Kulturen" nicht funktioniert ! So heizen Sie den Konfrontationskurs nur an!

    Mit welchem Ziel ??? : In die Knie zwingen ? Bombardieren ?
    Wie bitte mit Nord-Korea umgehen, wo wahrscheinlicherweise bereits Atombomben lagern ?
    Die Konfrontations- Strategie war offensichtlich weder im Irak noch in Afghanistan erfolgreich!

    Die Dialog-Methode hat 1989 immerhin die bedeutendste friedlichste "Gorby"- Revolution der Weltgeschichte beschert! Ein Konfrontionskurs hätte das "Aus" eines Großteils von Deutschland bedeuten können: Die Szenarien für eine atomare Konfrontation in Europa lagen in den Schubladen!

    In "Brücken für die Zukunft" ist ein Abschnitt den "Feindbildern" gewidmet:
    Der Konfrontations-Kurs stabilisiert und pflegt sie nur !

    Ich interpretiere sie jetzt so, dass man am besten nicht mit dem Iran reden solle, weil es keine lupenreine Demokratie ist.

    Man stelle sich aber mal vor der Iran würde als Bedingung für einen Dialog verlangen, dass wir Ihr Staatsmodell einschließlich dem Primat der Religion übernähmen. Völlig absurde Vorstellung, wir würden die Iraner auslachen.

    Verstehen Sie mich nicht falsch ich will nicht völlig relativieren.
    Ich halte Demokratie für gut und man sollte sie ruhig verbreiten.
    Aber nicht zu jedem Preis. Wenn der Nahost Konflikt beigelegt und die Verbreitung von Atomwaffen eingeschränkt werden können, dann hat das erstmal Vorrang. Und ein nach Westen offener Kandidat ist dafür eben besser geeignet.

  2. Ihr Kommentar verdeutlicht, wie ein "Dialog der Kulturen" nicht funktioniert ! So heizen Sie den Konfrontationskurs nur an!

    Mit welchem Ziel ??? : In die Knie zwingen ? Bombardieren ?
    Wie bitte mit Nord-Korea umgehen, wo wahrscheinlicherweise bereits Atombomben lagern ?
    Die Konfrontations- Strategie war offensichtlich weder im Irak noch in Afghanistan erfolgreich!

    Die Dialog-Methode hat 1989 immerhin die bedeutendste friedlichste "Gorby"- Revolution der Weltgeschichte beschert! Ein Konfrontionskurs hätte das "Aus" eines Großteils von Deutschland bedeuten können: Die Szenarien für eine atomare Konfrontation in Europa lagen in den Schubladen!

    In "Brücken für die Zukunft" ist ein Abschnitt den "Feindbildern" gewidmet:
    Der Konfrontations-Kurs stabilisiert und pflegt sie nur !

    Antwort auf "Ein gewählter"
  3. Ich interpretiere sie jetzt so, dass man am besten nicht mit dem Iran reden solle, weil es keine lupenreine Demokratie ist.

    Man stelle sich aber mal vor der Iran würde als Bedingung für einen Dialog verlangen, dass wir Ihr Staatsmodell einschließlich dem Primat der Religion übernähmen. Völlig absurde Vorstellung, wir würden die Iraner auslachen.

    Verstehen Sie mich nicht falsch ich will nicht völlig relativieren.
    Ich halte Demokratie für gut und man sollte sie ruhig verbreiten.
    Aber nicht zu jedem Preis. Wenn der Nahost Konflikt beigelegt und die Verbreitung von Atomwaffen eingeschränkt werden können, dann hat das erstmal Vorrang. Und ein nach Westen offener Kandidat ist dafür eben besser geeignet.

    Antwort auf "Ein gewählter"
  4. Kann man an Hand einer Frisur ausmachen, ob jemand nun ein guter oder schlechter Politiker ist?
    (Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

    • FahadA
    • 16.02.2009 um 20:29 Uhr

    Khatami ist keine bessere oder schlechtere Alternative zum derzeitigen Praesidenten Irans. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat er (wie amerikanische und israelische Geheimdienste berichteten) bis 2003 ein illegales militaerisches Atomprogramm betrieben, das mit grosser Wahrscheinlichkeit spaeter eingestellt wurde. Bush hatte Iran wegen des Karine A Skandals auf die Liste der Achse des Boesen gesetzt, waehrend Khatamis Praesidentschaft.

    Was Ladurner angeht, haette ich mir eine kritische Revision seiner Thesen (veroeffentlicht in "Die Iranische Bombe", Hoffmann und Campe 2006, Ko-Autor G. v. Randow) nach der fast schon Coup-artigen Veroeffentlichung der Erkenntnisse amerikanischer Geheimdienste zum Stand des iranischen Atomprogrammes gewuenscht. Bisher Fehlanzeige. Der jetzt erfolgte Bericht Dennis C. Blairs ist hier in der ZEIT voellig ignoriert worden. Immerhin hatte die Fehlanzeige neuer Erkenntnisse Bush von einer letzten Dummheit abgebracht, waehrend der sogenannten Transition (nach der Wahl, vor der Vereidigung) Iran anzugreifen oder Israel 'gruenes Licht' fuer einen Angriff zu erteilen.

    http://aliqapoo.wordpress...

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