Kinder- und Jugendbuch Der Elefant am Strand
Eine kleine philosophische Geschichte zu großen Fragen – weltlustig illustriert
Sie stehen am Strand und strecken und recken sich hin zum Meer, der Elefant und die Ameise. Stellen sich auf die Zehenspitzen, nichts, alles vergeblich – was sie suchen, das sehen sie nicht, das Ende des Meeres nämlich. Immerhin sind sie nun zu zweit. Wie Caspar David Friedrichs Mönch am Meer hatte die Ameise gerade noch vor der Himmels- und Wasserwüste gestanden und der übermächtigen Erhabenheit der Natur ins Antlitz geschaut: »Das Meer ist so groß, und ich bin so klein … in meinem ganzen Leben werde ich nicht einmal sein Ende sehen können. Was soll ich denn auf dieser Welt?« So sprach das kleine Subjekt, setzte sich unter eine Palme und weinte bitterlich. Dann kam der nette Elefant.
Der Moskauer Autor Andrej Usatschow hat sich die wunderbare kleine philosophische Geschichte ausgedacht, und die Freiburgerin Alexandra Junge sorgt mit ihren virtuosen Illustrationen dafür, dass der ameisige Selbstzweifel nicht auch den Betrachter in tiefe Niedergeschlagenheit versetzt. Große Farbflächen, helle Töne, Türkis, Grau und Braun. Dazu ein leuchtendes Gelb, das Hoffnung und Weltlust belebt. So sind wir gewappnet vor neuen Tränen der Verzweiflung. Denn auch der große Elefant ist ein Winzling angesichts des Meeres. Selbst als der Dickhäuter mit der Ameise auf dem Rüssel auf die Palme steigt: kein Trost, der Globus rund, endlos das Meer. Jetzt heulen schon zwei am schönen Strand. Und locken so einen Thunfisch ans Ufer.
Der Fisch aber denkt anders, mehr so aus dem Wasser heraus: »Ist das hier etwa nicht des Ende des Meeres?« Ein Realist, ein Pragmatiker, dieser Meeresbewohner. Großer Jubel bei den zwei Landtieren. Ganz neue Perspektive: Hier am Strand endet das Meer, wo denn sonst? Das Rätsel ist gelöst. Aber am Ende hat auch dieses Buch kein Ende. Denn wer anders als der Elefant mit seinem großen Weltgedächtnis könnte die altkluge Logelei des Herrn Thunfisch durchschauen und die hochnotpeinliche Frage stellen: »Aber wenn hier das Ende ist, wo ist dann der Anfang?« Dazu zeichnet Alexandra Junge die ratloseste Ameise, die uns je begegnete. Fließen gleich wieder die Tränen? Soviel steht fest: Bei so großen Fragen hilft manchmal nur ein kleines Bilderbuch. REinhard Osteroth
- Datum 12.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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