Afghanistan Der Sündenbock aus Kabul
Hamid Karsai war ein Hoffnungsträger im Krieg gegen den Terror. Jetzt will der Westen ihn loswerden

© Shah Marai/AFP/Getty Images
Lassen die USA ihn fallen? Afghanistans Präsident Hamid Karzai
Was wird aus Afghanistan, wenn Hamid Karsai nicht mehr Präsident des Landes sein wird? Die Frage muss man sich stellen, denn Karsai, das wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz klar, ist nicht mehr der Favorit des Westens, und ohne die Unterstützung insbesondere der USA wäre er nie in sein Amt gekommen. Er hätte sich dort auch nicht sieben Jahre lang halten können. Nun aber scheinen seine Tage gezählt. Am 20. August soll in Afghanistan ein neuer Präsident gewählt werden. Der Westen will Karsai nicht mehr, die Mehrheit der Afghanen wohl auch nicht. Es ist daher Zeit, Bilanz über seine Amtszeit zu ziehen, eine Bilanz, die sich auf ihn alleine nicht beschränken kann. Denn in Karsai spiegeln sich Schwächen, Widersprüche und auch Stärken westlicher Afghanistanpolitik.
Fangen wir mit den Stärken an. Karsai galt bei den Afghanen zu Recht immer als ein Mann Amerikas. Das war an sich kein Nachteil, weil die Afghanen nicht etwa instinktiv und hartnäckig antiamerikanisch sind. Im Gegenteil, sie haben den Sturz der Taliban in ihrer großen Mehrheit begrüßt. Sie hatten gewaltige Erwartungen an den Westen und damit auch an Karsai. Die Hoffnung war 2001 die größte und wichtigste Ressource für die Veränderung.
Nach 30 Jahren Krieg wollte die Bevölkerung endlich Frieden, damit sie ihr Land und ihr Leben wiederaufbauen konnten. Für diese Chance gingen sie massenhaft an die Wahlurne, wählten einen Präsidenten und ein Parlament, und sie taten es unter Lebensgefahr. Denn die Taliban drohten jedem, der seine Stimme abgab, mit dem Tod. Nachdem die Afghanen gewählt hatten, erwarteten sie das, was Wähler gemeinhin erwarten: eine Politik, die ihr Leben verbesserte. Doch die kam nicht.
Und schon sind wir bei den Schwächen. Die Afghanen sahen, wie ihr Präsident Delegationen aus aller Welt empfing, wie er durch die Hauptstädte des Westens tourte, wie er sich dort Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprechen ließ. Doch in ihrem alltäglichen Leben änderte sich wenig, jedenfalls viel weniger, als sie erwartet hatten. Karsai als der Held des Wiederaufbaus entpuppte sich als Trugbild – Afghanen haben ihre Illusionen über ihn viel früher als der Westen verloren.
Der Beweis für diesen Vertrauensverlust ist das Wiedererstarken der Taliban. Je schwächer das Image des einen, desto größer der Einfluss der anderen. Die Taliban sind in Afghanistan nicht so sehr wegen ihrer radikalislamischen Ideologie erstarkt, sondern weil sie scheinbar etwas im Angebot haben, was den Menschen der Präsident und sein »neues« Afghanistan nicht geben können: Ruhe, Sicherheit, Recht. Die Taliban setzen dies brachial und grausam durch. Doch Karsai setzte es überhaupt nicht durch, oder wenn, dann nur in Kabul, weswegen er auch als »Bürgermeister Kabuls« verspottet wird. Karsai sagt heute, dass die Taliban auch deshalb auf dem Vormarsch seien, weil man ihnen erlaubt habe, Rückzugsgebiete in Pakistan zu finden. Außerdem habe die Kriegsführung des Westens, die viele zivile Opfer verursacht, Afghanen in die Arme der Taliban getrieben. Das stimmt – und ist doch gleichzeitig ein Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen.
Hätte Karsai überhaupt Erfolg haben können? Und was genau heißt Erfolg?
- Datum 17.07.2009 - 15:41 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





der Karsai kann gehen. Und er kann von Glück sagen, dass ihm nicht so ein Schicksal blüht, wie einigen anderen vorher von der einzigen Weltmacht installierten und solange wie opportun an der "Macht" gehaltenen Staats"chefs". Pinochet, Noriega etc.
Wie können Sie offen und brutal die einzig verbliebene Weltmacht so angreifen? Dank Amerika konnte sich Pinochet mittels brutalem Putsch an die Macht hieven, doch abgesehen von diesen marginalen Menschenrechtsverletzungen wurde erfolgreich der Sozialismus bekämpft. Große Visionen, wie die Amerikaner sie stets flexibel herzaubern können, haben immer ein paar unangenehme Blutbäder als Beigeschmack.
Die zuvor von den USA stark militarisierten islamischen Gruppierungen, die gegen die Sowjetrussen in Afghanistan erfolgreich gekämpft haben und aus denen die Taliban hervorgegangen sind, sind nun mal nicht mit den gefährlichen Sozialisten zu vergleichen. Die Amerikaner hatten immerhin sozialistische Staaten als Zielscheibe, nun haben sie kooperierende und gut vernetzte Gruppierungen als Gegner, die in den meisten islamischen Ländern toleriert werden. Deshalb ist es auch so vernüftig gleich in mehreren islamischen Staaten militärisch vorzugehen, die Zivilbevölkerung zu drangsalieren, bestimmte Zielobjekte ohne konkrete Hinweise wegzubomben und sich als großen selbstgefälligen Herrscher aufzuführen.
Die wieder verursachten mariginalen Kollerateralschäden sind auch hier wirklich zu vernachlässigen, geht es doch letztendlich um die Bekämpfung einer falschen Ideologie, deren Ursache zwar aus den Reihen der großen amerikanischen Strategen zu suchen ist, aber nobody is perfect...
Ich empfehle den Artikel "Warum starben Ibrahim und Kassab?" Es geht doch grundsätzlich nur um politische Interessen. Sie haben das gut gesagt "... manchmal stehen Kinder in der Nähe des Terroristen ... sondern nur Ziegenhirte ..." Der Irak-Krieg hatte auch nichts mit Terroristen zu tun sondern mit Öl. Jeder wird irgendwann "abgeschossen" wenn man ihn nicht mehr braucht oder wenn er nicht mehr "auf der Linie ist". Dass die USA da Vorreiter sind ist logisch, weil sie gegenüber anderen Staaten mehr im täglichen Fokus stehen.
Menschen zählen nicht sondern nur die Durchsetzung politischer Interessen.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
weil beide von Anfang an falsche Erwartungen von einander hatten.Die USA dachte offenbar dass Karzei ein besserer Regrierungschef ist als er bewiesen hat und Karzai dachte die USA wuerde das tun was er selber nicht kann.
Karzei war von Anfang an nicht in der Lage seine Regierung ueber Kabul hinaus zu bringen,kein Wunder dass man ihn den Buergermeister von Kabul schimpft.
wer uns nicht in den kram passt, der wird kurzerhand entsorgt. dann wird er durch einen anderen ersetzt und wir biegen uns die welt zurecht. hat zwar nicht immer funktioniert (siehe Taliban) aber egal. irgend wann sind wir in der lage den mars zu besiedeln, aber dann mussen wir uns beeilen, ich meine mit der besiedelung..
Marionetten sind nun einmal das was sie sind: Marionetten eben. Wenn also jetzt jemand anfängt Karsai für die Lage in Afghansitan für schuldig zu befinden, wie das hier im Text angedeutet wird, dann ist das in etwa so, als würde der Marionettenspieler die Marionette für die missglückte Show verantwortlich machen: Sie wäre ja heute nicht in Form gewesen.
Lächerlich.
Wie soll denn bitteschön jemand die Macht in einem Flächenland behaupten, der nicht einmal über das Wohlwollen einer Minderheit verfügt, sondern ganz offensichtlich als Marionette angetreten ist?
Vor allen wundert es das man nur liber nicht ausspricht das der " Bürgermeister " eigentlich einen recht guten Job gemacht hat und vieles versucht hat. Villeicht mag er nicht so die Visionen des Westens gehabt haben aber er hat die Sysipusarbeit angenommen und ist mit ihr recht gut fertig geworden.
Aber wie sollten die Mentschen auf den Land ihn als ihren Staatsman anerkennen wenn siene Verbündeten nicht ggen die Warlords und Drogendealer vorgingen sonder ihn eher meist im Regen stehen liesen, Mit Versprochenen Geldern die nicht gezalt wurden, Mit Politzisten die nicht das leisten konnen was sie sollten, mit zu wenig Sicherungskräften und mit zuwenig einflus auf die Strategie.
Hätte man vileicht mehr auf ihn gehört und ihn grösere Ziehle als erster nkündigen lassen so hätte es eher ausgesehen das er die Ziehle hat und der westen ihn hilft, so wuste schnell jeder das der Westen die Ziehle nannte und er nur noch mit Ja abniken konnte.
Nun Stellt sich also eher die Frage wen der Westen den nun stützen soll vr der Wahl und was er eigentlich tun will wenn die Mentschen radikale Gruppierungen an die MAcht wählen. Oder was er auch nur machen will wenn jemand gewinnt der mit der Sysipus Arbeit nicht so gut zurecht kommt und sie so unerledigt liegen bleibt? In einen Land wie Afganisten kann das nicht aussöhnen und das nicht umsorgen von allen etnien ud Stammesgruppen schell zu unruhe Führen und auch schon aml in einen offenen Konflikt zwischen den Grupiereungen ausarten, werd denn in Zukunft näher an der Macht ist und wer nicht.
Natürlich wissen die Diplomaten das der Weste ebend jee MAcht jenen versprechen kann die mit ihm zusammenarbeiten und sich so viele Grupierungen aus eigenen interesse melden werden. Aber werden sie eher eignen Ziehle damit verfolgen als der Westen. Die Stabilität eines Landen kann sich nur nach en Abzug der westlichen Truppen zeigen.
So siht es eher aus das man da militär verringern möchte dann feststellen das der Aufbau ohne Schutz nichts bringt und dann den Aufbau irgentwann einstellen will, einen Rückzug in kleinen Schritten kann man halt besser vor der Presse verbergen. Und ob Obama das Land rettet oder nicht steht für mich auch noch in den Sternen.
welche Marionetten vermag er heranzuzuechten ? Karsai ist zu allererst Afghane , dann erst ein vom Westen - immerhin in einer Loya Jirga - also einer grossen verfassungsgebenden Versammlung der einzelnen Staemme und Regionen hier eingesetzt. Dieser Tatsache wird auch Herr Ladurner nicht widersprechen. Und - da wird der vorher recht gut analytisch vorgehende Artikel am Ende richtig schwach, denn - das, was dort als Bedrohung fuer den Westen gesehen wird - das Versinken im Klein-massstaeblichen - Dorf fuer Dorf, Shura fuer Shura - und das insofern langsame Vorgehen, das zunaechst vertrauensbildend wirkt und den Menschen ihren Stolz wiedergeben soll - vielleicht ist das ja der Koenigsweg? Ob der Westen diese Zeit noch hat, das liegt auch an der Stabilitaet der Zentralmacht des Tribalismus in Kabul selbst. Und - derzeit stellt sich keine Alternative dar - ausser der Radikalisierung durch die Neo-Talibs. Keine wirklich verheissungsvolle Perspektive. Es wird sich auch so schnell keine andere Alternative aufbauen lassen. So tragisch es klingt. Die Menschen denken eben langsam. Und - das ist ja auch ihr gutes Recht. Jeder hat schliesslich sein Ueberleben im Allrag irgendwo zu sichern. Oder - ist es im erstarrten Parteiensystem in Deutschland mit seinem Poestchengehechel fuer Berufspolitiker, die kaum Ahnung haben von dem, was sich da in den Niederungen des von oben wie unten bedrohten Mittelstandes abspielt etwa anders ? Nein - mit Verlaub gesagt - es ist das selbe Phaenomen - hier wie dort. Geht hier das System darnieder, dann wird das unabsehbare Folgen auch fuer "den Westen"haben. Geht das System des "freien Westens"an seiner Kristallisation, seiner Bewegungslosigkeit darnieder, dann wird dies gleichfalls hier schlimme Folgen zeitigen. Insofern ist ein Umbau - durchaus auch mit Neubauelementen und in einer Sprache, die dem Ort angemessen ist gefragt.
Fuchtelt man jetzt mit dem Dolch hinter Harmid Karsai herum, dann bewirkt man eher den Totalabriss, der keinem der Beteiligten wirklich mittelfristig zu Gute kommt. Diese Synthesen fehlen in Ihrem sonst guten und lesenswerten Artikel, Herr Ladurner. Den Kopf in den Sand Stecken - das kann nicht wirklich die Alternative sein.
Insofern hier noch mein Verweis auf den anderen Thread zum Thema Hamid Karsai und meinen Kommentar darin und Verweis auf meine letzten Artikel hier aus Kabul.
Beste Gruesse
Aflaton
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren