Abwertung tut not

M. Schieritz (Pro) und J. Joffe (Contra): »Die Banken endlich verstaatlichen?« Zeit Nr. 6

Mark Schieritz bringt auf den Punkt, dass der Staat die Banken einzig der Not gehorchend aus ihrer Misere herauskaufen muss. Josef Joffe erweckt mit viel Emphase den Eindruck, dass sich der Staat um diese Aufgabe geradezu reißen würde.

Ersterer hält es für besser, sich mit Aktienkapital, Dividendenanspruch und Stimmrecht bei den Banken zu engagieren. Das dafür benötigte Geld muss immanent natürlich über verzinsliche Staatsanleihen beschafft werden. Aber Zinslasten dürften dabei in etwa von Dividendeneinnahmen kompensiert werden. Letzterer dagegen will die Banken von vornherein mit unverzinslichen Bundesobligationen retten. Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Vorschlägen liegt darin, dass der Staat nach Schieritz die Hand auf seinem Geld behalten kann, während er es nach Joffe den Bankern auf Gedeih und Verderb überantworten muss.

Das Finanzdesaster gemahnt: Es geht nicht ohne Kontrolle – Beschwörung des vermeintlichen Untergangs der Marktwirtschaft hin oder her. Wenn Politiker und Bürokraten mehr Einfluss auf den Bankensektor gewinnen, wird es zwar auch zu Erscheinungen von Inkompetenz und Eigennutz kommen. Aber mehr Schäden als entfesselte Ökonomen allein können sie gewiss nicht anrichten.

Paul Scholz, Hannover

Präsident Obama erregte sich darüber, dass im vergangenen »Krisenjahr« trotz allgemeinen Niederganges in der Finanzwelt noch 18 Milliarden Dollar an Bonuszahlungen für die Wallstreetler abfielen und eine Firma – nach Insolvenzanmeldung und Bitte um Staatshilfe – einen Luxusfirmenjet für die Führungsriege orderte. Jetzt weiß ich, dass nur die Lösung von Mark Schieritz eine Abhilfe verspricht!

Wie wäre es mit einem solchen Gesetz: »Aufgrund Artikel 14 GG werden bis zur Tilgung des Bankenrettungsfonds sämtliche Bonus- zahlungen in diesen umgeleitet; desgleichen alle Gehalts- und Zuwendungszahlungen, die das 20-Fache des Durchschnittsgehaltes in Deutschland überschreiten.«

Gottfried Schröter, Lübeck

Wenn Josef Joffe behauptet, der Staat als oberster Verleiher hätte keine Ahnung vom Bankgeschäft, dann kann der Staat ja wenig falsch machen, denn die von den Banken hingelegten Milliardenpleiten werden wohl für alle Zeiten unerreichbar bleiben.

Heinz Schröder, Bergisch-Gladbach

Das Kernproblem der Krise ist auch hier noch lange nicht beschrieben. Die enorme Belastung der Staatsfinanzen durch die Rettungsmaßnahmen werden einige Länder, zum Beispiel im Euroraum, an den Rand eines Kollaps führen, und auch in den Staaten, die sich noch ausreichend mit Krediten eindecken können, werden in der Folge steil ansteigende Zinsen einen Schuldendienst erzwingen, der nachfolgenden Generationen jeglichen Bewegungsspielraum raubt. Ein Abtragen dieser Lasten in überschaubaren Zeiträumen ist kaum vorstellbar – er widerspräche jeder Erfahrung.

Wir können solche Defizite nicht auf unsere Enkel abwälzen. Dies wäre extrem unmoralisch und würde den Keim zukünftiger Instabilität in die Welt tragen. Wir hatten das schon mal! Die Suppe hat sich diese Generation eingebrockt, sie muss sie jetzt auch zügig auslöffeln.

Ich denke, wir sollten eine moderate, international koordinierte Abwertung aller wesentlichen Weltwährungen durch einen von den Zentralbanken kurzfristig einzuleitenden Liquiditätsschub ins Auge fassen.

Das Geld würde an die Regierungen fließen, mit der Auflage, es ausschließlich zur Finanzierung der Notprogramme und zur Reduzierung der Altlasten zu verwenden. Eine inflationäre Wirkung wäre zunächst nicht zu erwarten, dafür aber die schnelle Normalisierung der Kreditmärkte und eine Stabilisierung der »Realwirtschaft«. Die Welle wäre erst einmal gebrochen, und mögliche Verspannungen im System könnten später »mit ruhiger Hand« von den Finanzministerien und Zentralbanken ausgeglichen werden.

Gerade die Tatsache, dass die ganze Welt unter dieser Krise leiden wird und es weiß, lässt ein hohes Maß an Solidarität unter den globalen Mitspielern erhoffen.

Hartmut Michel, Reutlingen

 
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