DIE ZEIT: Herr Liefers, erklären Sie uns bitte, warum so viele Sie für einen Westdeutschen halten.

Jan Josef Liefers: Das wüsst’ ich selber gern. Ich weiß nur, dass der Dialog immer so geht: Wie, du aus’m Osten? Merkt man ja gar nicht. Und ich: Woran soll man das denn merken? Eine Antwort darauf hat mir noch keiner gegeben. Vermutlich, weil keiner damit rausrücken will, wie er sich Leute aus dem Osten genau vorstellt.

ZEIT: Sie haben die Klischees eben hinter sich gelassen.

Liefers: Ich hab Chancen gehabt als junger Schauspieler. Gleich nachdem die Mauer weg war, bekam ich Einladungen von großen Theaterdirektoren aus dem Westen. Trotzdem macht jeder sich sein Bild. Meinen Kollegen Axel Prahl halten alle für einen Ossi. Als es damals losging mit dem Tatort, sagte meine Agentin: Hey, ihr werdet euch super verstehen, der Axel ist auch aus dem Osten.

Zeit: Was hat Sie bewogen, den Soundtrack meiner Kindheit auf die Bühne zu bringen, ein Programm mit Geschichten und Rocksongs aus der DDR?

Liefers: Ursprünglich sollte das Programm nur ein Mal bei der RuhrTriennale gespielt werden, in der Reihe Century of Song. Da war der Zettel ganz schnell geschrieben mit den Hits, auf die sich alle einigen können: Stones, Beatles, Doors und so weiter, alles Supermucke. Als der Zettel dann vor mir lag, dachte ich: Stimmt doch gar nicht. Ich hab mich dabei ertappt, dass ich im Nachhinein den cooleren Musikgeschmack haben wollte. Die Wahrheit ist: Ich hatte als Kind keinen eigenen Musikgeschmack, das kam erst viele Jahre später. Da hab ich mir gesagt: Wenn ich schon ganz tief im Westen spiele, dann soll’s aber auch ganz tief aus dem Osten kommen.

ZEIT: Herr Goosen, Sie stammen aus dem tiefsten Westen, dem Ruhrgebiet. Wie klingt so eine Erfahrung in Ihren Ohren?

Frank Goosen: Ziemlich vertraut. Dass man im Nachhinein gern einen cooleren Musikgeschmack gehabt hätte, dieses Problem war mir immer schon schmerzlich bewusst. Deshalb hören die Helden in meinen Büchern auch eher Simon & Garfunkel als, sagen wir, die Stones. Und weil ich mit komischen Mitteln arbeite, in meinen Kabarettprogrammen mehr noch als in den Romanen, kann ich die uncoole Musik, die ich früher zuhauf gehört habe, ironisieren. Ich bin für eine sehr schöne Frau mal durch eine intensive Chris-de-Burgh-Phase gegangen.

ZEIT: Haben Sie auch Ostrock gehört?

Goosen: Die bekanntesten Bands, Puhdys, City, Karat, sagten mir vom Namen her was, Karat natürlich, weil Peter Maffay die nachgesungen hat. Aber ich hatte immer Probleme mit deutschen Texten, und Ostrock ist ja nun ausschließlich auf Deutsch.