Spiele Lebensgeschichte
Es ist eine dieser Geschichten mit dem Glas, das entweder halb voll ist oder halb leer. Ihres war grundsätzlich halb voll, egal was geschah; sie empfand es so von Kindesbeinen an und bis ins hohe Alter. Denn einerseits hatte sie früh lernen müssen, bei der Arbeit auf dem elterlichen Hof mitanzupacken, erinnerte sich auch an strenge Worte der Mutter – »›Reiß dich zusammen und mach weiter‹, das waren die Mahnworte unserer Mutter, wenn wir über der Spülwanne in Träumereien versanken…«; andererseits aber fühlte sie sich geborgen, glücklich und frei: »Es war schön, dort Kind zu sein.«
Dieses Grundgefühl resultierte daraus, dass sie Vater und Mutter hatte, die einander aufrichtig liebten, und Geschwister, mit denen sie spielen konnte. Dazu kam, dass es neben der intakten kleinen Welt daheim noch die große Welt der Bücher gab. Vor allem an den langen Winterabenden tauchte sie ab in die geliebten Leseabenteuer. Glück hatte sie auch mit ihrer besten Freundin, die eine höhere Schule besuchte. Das war unüblich – wozu brauchte ein Mädchen Bildung für teures Schulgeld? Aber die Eltern der Freundin rieten ihren Eltern, es ihnen gleichzutun, und so gelangte das begabte Mädchen ebenfalls auf die Schule und lernte immerhin drei Fremdsprachen, überhaupt den Umgang mit Sprache – die Basis für den späteren Beruf.
Doch zunächst einmal wurde sie Mutter, mit 19 Jahren. Zum Kindsvater zog es sie gleichwohl nicht, stattdessen in die Großstadt. Doch der Plan, sich als alleinerziehende Mutter und Sekretärin irgendwie durchzuschlagen, scheiterte; der Kleine musste in eine Pflegefamilie. Erst drei Jahre später, als sie zum Mann ihres Herzens gefunden und ihn geheiratet hatte, konnte sie ihr Kind wieder zu sich nehmen, bald darauf kam seine kleine Halbschwester zur Welt.
Nur konnte das private Glück nicht darüber hinwegtäuschen, dass mittlerweile Krieg herrschte. Immer stärker bestimmten Sorgen ihre Gedanken. »…wir haben ja immer noch genügend zu essen… (aber anderswo)…sterben täglich tausende von Menschen vor Hunger…« Und doch, anscheinend gelang es ihr, sich gegen die Bedrohung eine erstaunliche Gegenwelt mit einer unsterblich gewordenen literarischen Figur auszudenken – da war es wieder, das halb volle Glas…
Den Namen der Figur hatte ihre Tochter erdacht, er inspirierte sie, und sie dichtete dem Namen einen turbulenten Alltag an. Eines Tages schrieb sie alles auf und gab das Manuskript an einen Verlag – der Wendepunkt in ihrem Leben. Von nun an sollte sie viele Figuren aufs Papier bannen, frei nach dem Motto: »Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.« Ihr Erfolg kam ihr wohl hin und wieder unwirklich vor, bescheiden meinte sie: »…es ist mir rätselhaft, wie man so unentwegt von lauter, zum Teil überdies noch recht verschrobenen, Einfällen leben … kann.«
Wer war’s?
Frauke Döhring
Lösung aus Nr. 7:
Noel Coward (1899–1973) stand schon als Zehnjähriger auf der Bühne. Als er 20 war, wurde zum ersten Mal ein Stück von ihm aufgeführt, es folgten zahllose Stücke, Revuen und Musicals. Als seine frivolen Stücke nicht mehr gefragt waren, trat er als Entertainer auf und schrieb Prosa. 1970 wurde er zum Ritter geschlagen. Viele seiner Lieder wurden Evergreens
- Datum 02.04.2009 - 14:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








