US-Bankenkrise Eine Billion hier, eine da
Der amerikanische Finanzminister stellt Grundzüge des neuen Rettungsplanes für Banken vor. Geht er der Wall Street auf den Leim?
Barack Obama ist ein Mann der Tat, wie sein 800 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket zeigt. Doch mindestens ebenso wichtig ist der Plan, mit dem er das Finanzsystem wieder ins Laufen bringen will, und die große Idee dahinter bleibt der Öffentlichkeit noch verborgen. »Ohne Kredite kann die Wirtschaft nicht wachsen, und unser Finanzsystem ist beschädigt«, mahnte Obamas Finanzminister Timothy Geithner zwar und nahm einen neuen Anlauf. Doch die erste Reaktion der Investoren Anfang dieser Woche war drastisch: Die Börsenkurse brachen ein, Experten zeigten sich enttäuscht. Die Erwartungen an Geithners Plan waren hoch gewesen, und dann stellte er am Dienstag nur eine Skizze vor.
Die Botschaft: Alle bisher verfolgten Ideen sollen noch einmal mit mehr Geld ausprobiert werden. So will Geithner den Banken – wie von Anfang an geplant – eine Möglichkeit geben, ihre notleidenden Wertpapiere loszuwerden. Damit soll das Vertrauen von Investoren und anderen Banken in die Bilanzen wiederhergestellt werden. Auch der Ex-Finanzminister Henry Paulson hatte diesen Ansatz mit seinem ursprünglichen Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar, dem Troubled Asset Relief Program, kurz Tarp, zunächst verfolgt, dann aber fallen lassen zugunsten von direkten Beteiligungen an den Banken. Die soll es unter Geithner weiter geben – mit der Vorgabe, dass die Banken einen Plan vorlegen müssen, wie sie das Geld der Steuerzahler als Kredit für Konsumenten und Unternehmen einsetzen wollen.
Eine Bad Bank lehnt die Regierung ab – Privatinvestoren sollen es richten
Auch Hausbesitzern, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, soll geholfen werden. Das war eine Hauptforderung der Demokraten an Geithners neues Finanzpaket. Doch dieser Punkt – Details sollen noch folgen – wirkt im Vergleich zu den anderen Teilen des Programms wie eine Fußnote. Ein Schwerpunkt von Geithners Plan ist der Versuch, den Markt für verbriefte Kredite mit dem Einsatz von bis zu einer Billion Dollar wiederzubeleben. Dabei können Kreditanbieter ihre Konsumentendarlehen, Autofinanzierungen oder Kreditkartenforderungen bei einer Zweckgesellschaft der Notenbank gegen amerikanische Staatspapiere eintauschen und diese dann für die weitere Kreditvergabe nutzen. Auch dieses Programm startete bereits Geithners Vorgänger gemeinsam mit Notenbankchef Ben Bernanke.
Viel Altes – und eine Neuigkeit: Geithner überraschte mit der Entscheidung, auf eine öffentliche Bad Bank zu verzichten, die den Banken ihre fragwürdigen Wertpapiere abnimmt. Stattdessen sollen private Anleger – Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften – maßgeblich an der Finanzierung eines »Public Private Fonds« beteiligt werden, der die Papiere aufkauft. Damit sollen die Kosten und Unwägbarkeiten für den Steuerzahler gering gehalten werden. Bis zu einer weiteren Billion Dollar soll für diesen Fonds indes bereitgestellt werden. Das Grundproblem ist bei all dem ungelöst: die Bewertung der Wertpapiere. Zahlt der Staat für sie einen zu hohen Preis, kann der Steuerzahler Hunderte von Milliarden Dollar verlieren. Bezahlt er zu wenig, müssen die Banken eine weitere Runde Abschreibungen vornehmen und verlieren weiteres Kapital – was genau das Gegenteil des erklärten Ziels wäre und sie noch länger von der Kreditvergabe abhalten würde.
»Es geht vor allem darum, wer am Ende die Verluste tragen soll«
Geithner hofft, durch die privaten Investoren das Dilemma der Bewertung zu umgehen. Private Anleger würden darauf achten, nicht zu viel zu bezahlen, während die Banken die Papiere nicht zu niedrig anböten. Der Markt regelt es? Das klingt gut, doch an der Wall Street haben viele Zweifel, dass es funktioniert. »Für Hedgefonds und Private-Equity-Investoren ist das nur ein Geschäft, wenn der Staat eine Garantie ausspricht, die sie vor weiteren Verlusten schützt«, sagt der New Yorker Bankenberater Bert Ely. »Aber wenn der Staat die Papiere garantiert, warum sollten die Banken sie dann noch verkaufen?«
- Datum 31.08.2009 - 16:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
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Oh ja, und das nicht nur in den USA sondern aktuell auch in der EU, BRD, CH, FR, GB, IT, IRL, PL, EE, ES,... schön verpackt unter dem Deckmäntelchen von Begriffen wie Heimat, Eigenverantwortung, Sozialschmarotzern, Soziale Marktwirtschaft, Sozial Staat, Steuersenkung, Lohnnebenkosten, Lohnkosten, Exportweltmeister, Wettbewerb...
Alles Begriffe die im laufe der vergangen Jahre anektiert und pervertiert wurden... Insbesondere der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" wurde zerissen, zerfleddert, umgedeutet, verbraucht und missbraucht.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
das nichts für die Ewigkeit und die einzige Garantie im Leben dessen Ende ist.
Dies müssen insbesondere die hunderttausende Arbeiter erfahren die in den USA derzeit "für den Markt entwickelt" werden.
Der Bonze an sich erwartet jedoch kaltschnäuzig die Garantie des Staates für seine Zockereien. Die Empörung weicht bei mir mittlerweile maßlosem Erstaunen. Mit welchen Mitteln wird drüben eigendlich verhindert dass das Volk diese Feudalherren vom Angesicht der Erde wischt?
weitere 10 Mia für die Bayerische Hypo . Jetzt sind wir bei 102 Mia für ne Bank die vielleicht 300 Millionen wert ist, lächerlich . Und es geht immer weiter. Jupp Schmitz auf dem Kölner Karneval 1949 : wer soll das bezahlen , wer hat so viel Geld wer hat so viel PINKE PINKE wer hat das bestell?
weitere 10 Mia für die Bayerische Hypo . Jetzt sind wir bei 102 Mia für ne Bank die vielleicht 300 Millionen wert ist, lächerlich . Und es geht immer weiter. Jupp Schmitz auf dem Kölner Karneval 1949 : wer soll das bezahlen , wer hat so viel Geld wer hat so viel PINKE PINKE wer hat das bestell?
B. Obama: "Everybody will acknowledge that we have set up the highest standard ever for lobbyists not working in the administration."
Daß nun Herrn Geithners Rettungsring für die geschundenen Banken ziemlich Wall Street-nah ausfällt, könnte daran liegen, daß dessen Stabschef Mark Patterson bis vor kurzem zufällig Lobbyist von Goldman Sachs war.
Wie? Ja!
Das trifft sich aber gut, denn ein gewisser William J. Lynn III, der designierte stellvertretende Verteidigungsminister, war immerhin Beschäftigter von Raytheon, also dürfte nicht nur für die Mauerstraße hinreichend abfallen.
Daß das allemal besser ist als die demonstrative Spezl-Wirtschaft von Herrn Bush, ist unbestritten - aber auch, daß es keinesfalls den großen moralischen Wechsel gab, der vor dem Urnengang annunziert wurde.
Change... anyone?
weitere 10 Mia für die Bayerische Hypo . Jetzt sind wir bei 102 Mia für ne Bank die vielleicht 300 Millionen wert ist, lächerlich . Und es geht immer weiter. Jupp Schmitz auf dem Kölner Karneval 1949 : wer soll das bezahlen , wer hat so viel Geld wer hat so viel PINKE PINKE wer hat das bestell?
Was soll daran ökonomisch falsch sein, wenn dieser public-privat -fonds die Papiere den Banken abkauft? Dadurch wird in der Tat das Bewertungsproblem gelöst (weil private Institutionen nur kaufen, wenn der Preis stimmt) und die Chancen / Risiken der Wertentwicklung werden 50:50 zwischen Privaten und dem Staat geteilt. Also, what the fuck...where ist the problem?
Es geht doch (in diesem Teil der Krisenbewältigung) nur um zwei Probleme: 1. Wer soll die Zeche in welchem Verhältnis bezahlen? Und 2. Kann man um eine Verstaatlichung der Banken herumkommen (weil der Staat meistens mehr Probleme macht als er löst; die Schweden zählen nicht, die sind von einem anderen Stern)?
Die Reaktion der Wallstreet zeigt doch, dass ihnen der Plan aus genau dem Grunde nicht schmeckt: Sie sollen 50% des Risikos (und der Chancen) tragen!
Also erst denken - dann schreiben!
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