Die Zigarette danach "Rauchen war gleichbedeutend mit Sex"
Der Schriftsteller Paul Auster über das Verhältnis von Tabak und Leidenschaft
Mit einer vierteiligen Serie verabschiedet sich das ZEITmagazin von der "Zigarette mit Helmut Schmidt". Diesmal im Gespräch: Der amerikanische Schriftsteller und Zigarilloraucher Paul Auster.
ZEITmagazin: Mr. Auster, Sie halten sich gerade in Paris auf, der Stadt der Liebe. Sind Zigaretten eigentlich romantisch?
Paul Auster: Zumindest Hollywood hat das lange gedacht. In den dreißiger und vierziger Jahren haben die Schönen und Guten in den Filmen geraucht, heutzutage sind es die Traurigen oder Bösen. Es raucht doch kein glücklicher Mensch mehr auf der Leinwand. Früher war Rauchen fast gleichbedeutend mit Sex.
ZEITmagazin: Und wie vertragen sich Rauchen und Küssen?
Auster: Gar nicht, das geht ja nicht gleichzeitig. Aber für einen Kuss lege ich den Zigarillo schon mal weg.
ZEITmagazin: Sie rauchen Schimmelpenninck-Zigarillos.
Auster: Ja, wenn ich auf Reisen bin, wie jetzt hier in Paris, dann habe ich immer einen ganzen Koffer voll mit diesen kleinen Blechschachteln dabei.
ZEITmagazin: In Ihrem Film Smoke wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der in einer belagerten Stadt sitzt und nur noch Tabak, aber keine Blättchen mehr hat, um sich Zigaretten zu drehen. Da ist nur noch ein Manuskript, an dem er zehn Jahre gearbeitet hat.
Auster: Eine wahre Geschichte: Der russische Literaturkritiker Michail Bachtin rauchte während der Belagerung Leningrads sein Buch. Das hätte ich auch getan.
ZEITmagazin: Hängen kreative Menschen stärker am Rauchen?
Auster: Es heißt, dass Nikotin das Gehirn anregt. Es schärft deine Gedanken. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, zu schreiben, ohne zu rauchen. Aber es gibt immer wieder Leute, die das Wunder vollbringen.
ZEITmagazin: Haben Sie mal versucht aufzuhören?
Auster: Hab ich. Drei Tage habe ich nicht geraucht – und wurde zu einem Monster. Aber ich wollte nicht so einer sein, der irgendwann Menschen ins Gesicht schlägt oder Schaufenster eintritt. Und so habe ich beschlossen, lieber ein kürzeres Leben zu führen, als ein schlechter Mensch zu sein – und wieder angefangen.
ZEITmagazin: Gibt es eine wirksame Methode, die Leute dazu zu bringen, dass sie gar nicht erst anfangen?
Auster: Mit Verboten und Aufklärungskampagnen? In den USA wird das ja ganz massiv betrieben. Ich glaube, es gibt da ein großes Missverständnis. Denn Teenager interessiert doch nur, was sie nicht dürfen. Sobald man ihnen etwas verbietet, wollen sie es um jeden Preis. Gäbe es weniger Antiraucherkampagnen, würden weniger junge Menschen rauchen.
ZEITmagazin: Nichts verbieten: Ist dies ein Experiment, das Sie zu Hause an Ihrer Tochter durchgeführt haben?
Auster: Ja, aber nicht wirklich erfolgreich.
ZEITmagazin: Helmut Schmidt raucht ja überall. In einem Hamburger Theater hat ihm der Intendant kürzlich einen Aschenbecher gebracht und gesagt: "Sie und Ihre Frau gehören hiermit zur Inszenierung." Daraufhin wurde Schmidt von einem Nichtraucherverein verklagt.
Auster: Ich finde das okay, wenn Schmidt so fürs Rauchen brennt. Einer meiner engsten Freunde in New York ist Art Spiegelman...
ZEITmagazin: ...der berühmte Cartoonist.
Auster: Art ist ein sehr hingebungsvoller Raucher. Er tritt nur bei Veranstaltungen auf, wenn er rauchen darf – also so gut wie nie. Als man ihn einmal fragte, warum er so viel rauche, hat er einen sehr lustigen Satz gesagt: "Weil ich meinen Raucherhusten liebe."
ZEITmagazin: Wissen Sie, was Helmut Schmidt raucht?
Auster: Nein.
ZEITmagazin: Menthol.
Auster: Ach, das ist interessant. Mentholzigaretten rauchen doch sonst nur Teenager.
Das Gespräch führte Kerstin Kohlenberg
Paul Auster, 62, wurde als Schriftsteller durch die "New York-Trilogie" bekannt. Er schrieb das Drehbuch zu Wayne Wangs Film "Smoke" (1995). Zuletzt erschien sein Roman "Mann im Dunkel".
- Datum 14.02.2009 - 14:11 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.02.2009 Nr. 08
- Kommentare 4
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Ich hab während des Studiums auch mal die Mentholzigaretten meiner Freundin geraucht. War mein produktivstes Semester, mit doppelt so vielen Kursen wie normal und durchweg guten und sehr guten Ergebnissen. Weiss nicht, ob es da einen Zusammenhang gab- sozusagen einen Helmut-Schmidt-Effekt...
Gefälschtes Zitat, gefälschtes Foto - wurde das Interview überhaupt geführt?
in Baden-Württemberg, habe ich seinen Roman 'Moonpalace' gelesen. Das war ein sogenanntes Sternchenthema. Kein schlechtes Buch. Aber das Gespräch hier ist leider ziemlich platt.
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Keep the Lasagna Flying!
Welches Zitat ist denn gefälscht? Das mit dem Foto ist klar.
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