Lokalpatriotismus: Kärnten in der Sackgasse
Ein Slowene reist durch sein Nachbarland. Es erscheint ihm von Argwohn und Misstrauen beherrscht
Klagenfurt/Eisenkappel/Grafenstein
Von der sonnigen, der slowenischen Seite der Alpen führt der knapp acht Kilometer lange Karawankentunnel nach Kärnten. So kurz die Fahrt ist, sie gleicht dennoch einer Reise in eine andere Welt, in der scheinbar eigene Gesetze gelten und ein eigenartiges Lebensgefühl den Alltag bestimmt. Jetzt, in der Zeit eines erbitterten Wahlkampfes, ist die Stimmung aufgeladen mit Ressentiments, eine Konfrontation zwischen dem Gestern und dem Morgen liegt in der Winterluft. Alles dreht sich um eine Heimatverbundenheit der besonderen Art, die sentimental und aggressiv zugleich sein kann.
Gleich nach der Grenze beginnt ein Wald von Wahlplakaten, der rasch immer dichter wird. Darauf versuchen adrette Männer, viele tragen den traditionellen haselnussbraunen Kärntner Anzug mit grünem Kragenaufschlag (die Farbenkombination soll Scholle und Wald versinnbildlichen), die nicht einmal eine halbe Million Wähler davon zu überzeugen, warum ausgerechnet sie geeignet sind, am 1.März zum Gemeinderat, Bürgermeister, Landtagsabgeordneten oder gar Landeshauptmann gekürt zu werden.
Zuvor hatte fast ein Jahrzehnt lang der tödlich verunglückte Jörg Haider diesen Posten inne. Er war eine Ikone der Intoleranz, sowohl was Ausländer als auch was die autochthone slowenische Volksgruppe betrifft. Gleichviel wird er häufig noch immer als ein »König der Herzen« verehrt, eine vermeintliche Märtyrergestalt, die alles verkörpert haben soll, was einer Kärntner Seele lieb und teuer zu sein hat. Aber der gebürtige Oberösterreicher mit dem Proselyten-Syndrom hinterließ ein muffiges Klima, und nur ein kräftiger Wind könnte die schweren Wolken der Argwohn, des Misstrauens und der unergründlichen Urangst allem Fremden gegenüber vertreiben. In Kärnten ist es jedoch windstill. Zwar haben neue Gesichter die politische Bühne betreten. Aber ihnen fehlt sowohl das Charisma als auch das Geschick des Toten. Ihnen fällt wenig mehr ein, als sich auf ihn zu berufen.
Für jemanden, der von der anderen Seite der Karawanken kommt und einem Volk angehört, das am Schnittpunkt von germanischer, romanischer und slawischer Welt lebt, scheint Kärnten ein Land zu sein, das geheimnisvoll und seltsam in sich verschlossen ist.
In vielerlei Gestalt kehrt der Kärntner Cid zu seinen Landsleuten zurück
An jedem Samstag herrscht lebhaftes Treiben am Klagenfurter Benediktinerplatz. Es gibt hier einen Markt, die Lokale sind gut besucht. Viele blättern in der Kronen Zeitung und trinken Kaffee. Ohne tadelloses Deutsch kommt man bei den Älteren in Klagenfurt/Celovec nicht weit; die Jungen sind da aufgeschlossener. Evelyn Schmid-Tarmann unterrichtet an einer nahen Schule Deutsch. Sie ist eine sehr emotionale Anhängerin der Grünen und lässt kein gutes Haar an den Verhältnissen in der Stadt und im Land. Dann gesteht sie, dass sie eigentlich Wienerin sei und wohl deshalb die Zustände in Kärnten von einem anderen Standpunkt aus betrachte. Wenn die Österreicher schon ein in sich ruhendes Volk seien, meint sie, so wären die Kärntner noch viel stärker introvertiert. Sie kann hier keine Ideen entdecken, die in die Zukunft führen könnten.
Wir spazieren zwischen Marktbuden und improvisierten Ständen, an denen nervöser Parteinachwuchs abgeschmacktes Werbematerial verteilt. Kärnten, darin sind wir uns einig, ist noch lange nicht so weit, den eisernen Ring, den es sich angelegt hat, zu sprengen. Als wir in einem Café sitzen, dämpft Evelyn ihre Stimme – besonders wenn sie auf die Kärntner Slowenen zu sprechen kommt.
Alle meine slowenischen Gesprächspartner erzählen mir später, dass sich Kärnten vor jeder Wahl in einem »psychotischen Ausnahmezustand« befinde, der von glühenden Nationalisten getragen werde, die befürchten, mit den Fremden würden plötzlich auch fremde Werte und fremdartige Lebensgewohnheiten in das Land einfallen. In diesem Stimmungsmeer hat sich Haider stets wie ein Fisch im Wasser gefühlt. In vielerlei Gestalt kehrt dieser Kärntner Cid jetzt zu seinen Landsleuten zurück. Sei es, dass eine Brücke über die Drau nach ihm umbenannt wurde, ein Gedenkstein für den noch immer blumengeschmückten Unfallsort gefordert wird oder der Landhauspark künftig seinen Namen tragen soll. Zwar ächzt das Land unter der Wirtschaftskrise, doch dem verstorbenen Idol die Versäumnisse der Vergangenheit anzulasten wagt niemand. Zumindest kaum ein Politiker.
»Die Jungen werden schnell von alten politischen Ideen vergiftet«
»Die Politik hinkt den Wünschen der Menschen um mindestens 15 Jahre hinterher«, behauptet Anja Allmaier, 24, die in Graz Jus studiert und in Klagenfurt für die Junge ÖVP wirbt. Langsam, meint sie, würden aber Zellen entstehen, die sich kritisch mit der Kärntner Realität auseinandersetzen. Die ewige Phantomangst vor den slawischen Nachbarn sei nach dem EU-Beitritt von Slowenien obsolet. Das sei auch vielen Kärntnern bewusst, bloß nicht den tonangebenden Politikern. »Die führen ein von den Menschen entfremdetes Leben. Viele Junge stoßen dazu, ohne groß nachzudenken, und werden schnell von den alten politische Ideen vergiftet«, meint die quirlige Studentin.
Vielleicht lasten deshalb vor allem auf den ländlichen Regionen Kärntens weiterhin die Traditionsnebel, durch die eine Generation nach der anderen an Heim und Herd gefesselt wird. Hier bestimmen introvertierte Empfindsamkeit, Melancholie und archaisches Brauchtum das Leben.
In Südkärnten sind die Straßen kurvenreich, zu beiden Seiten der Fahrbahn türmen sich Wälle aus Schnee. Einsamte Gehöfte liegen auf den Berghängen, hie und da beeindruckt ein herrschaftliches Anwesen. In Eisenkappel/Železna Kapla leben Slowenen und Deutsche relativ einträchtig nebeneinander. Auch Elizabeta Miklau schätzt diese Harmonie, selbst wenn sie ihr nicht ganz traut. In festlicher Kärntner Frauentracht verteilt sie gerade bei einem grenzüberschreitenden Jägertreffen Kuchen an die Waidmänner. Sie ist keine typische Kärntnerin. Gegen den Widerstand ihrer Eltern hatte sie einen Slowenen aus ihrem Dorf geheiratet, was ihre deutschsprachigen Nachbarn lange Zeit Distanz halten ließ. Auch heute geht die nunmehr 46-jährige Frau eigene Wege. Obwohl selbst deutschsprachig, besteht sie darauf, dass in ihrer Familie ausnahmslos Slowenisch gesprochen wird – wohl eine einsame Ausnahme, denn in Kärnten bevorzugt der Assimilationsprozess in der Regel die entgegengesetzte Richtung.
Bereits seit 50 Jahren bekleiden in Grafenstein/Grabštanj, einem Dorf nördlich von Eisenkappel, zwei Generationen der Deutschmanns den Bürgermeisterposten. Die Menschen beschäftigen sich hier hauptsächlich mit Land- und Forstwirtschaft, langsam kommt etwas Fremdenverkehr auf. Der 80-jährige Valentin Deutschmann bewohnt ein stattliches Gehöft am Ortsrand. Seit zwei Jahrzehnten schlägt ein Spenderherz in seiner Brust. Er spricht mit flüsternder, rauer Stimme und benötigt keine Traditionstracht, um Zweifel über seine tiefverwurzelte Kärntner Identität zu zerstreuen. Jörg Haider lobte den ÖVP-Veteranen einst als »konservativen Politiker mit Weitblick und Respekt vor dem Kärntner Ethos«.
»Jeder echte Kärntner weiß, dass seine Heimat zuallererst Kärnten ist – und dann kommt erst Österreich«, erklärt er. Jeder sei dazu verpflichtet, die ererbte Kultur und Tradition zu pflegen und an künftige Generationen weiterzureichen. Ein Kärntner müsse sein Leben nach dem Vorbild der Vorfahren ausrichten, fordert er und fährt sich mit den Fingern durch sein volles weißes Haar.
Auf Volkstanz und Chorgesang wird in Grafenstein großer Wert gelegt und natürlich auch auf einen gottgefälligen Lebenswandel. Diese Formel, sagt sein Sohn Stefan, ein Magister der Wirtschaftswissenschaft, der seinem Vater auf den Bürgermeistersessel nachgefolgt ist, gelte für das ganze Land. Beide, der alte und der junge Deutschmann, versichern, dass in ihrer Gemeinde keine Slowenen lebten. Nur ein paar »Windische«, die würden einen deutschen Dialekt sprechen, der mit einzelnen slowenischen Brocken gespickt sei. Paradox daran ist, dass die Deutschsprachigen »Windische« meist nicht verstehen, die Slowenen aber sehr wohl. Es ist zwecklos, den beiden wie auch der Mehrheit der deutschsprachigen Kärntner erklären zu wollen, dass Anfang des vorigen Jahrhunderts jeder vierte Kärntner Slowenisch sprach, heute aber nur noch jeder vierzigste. Und dass so gut wie jeder Kärntner einen Großvater oder eine Großmutter slowenischer Abstammung in seinem Stammbaum besitzt. Die Mehrheit verleugnet diese Herkunft, ebenso wie sie nichts mehr von den Gräueln der Nazizeit wissen will, als viele Slowenen aus ihren Häusern in Arbeits- und Konzentrationslager verschleppt wurden. Und anstatt das Andenken der slowenischen Partisanen zu würdigen, die als einzige Kärntner Widerstand gegen Hitler geleistet hatten, dienen sie den Politikern noch immer als Symbol einer unterschwelligen Bedrohung.
Auch das ist das Erbe von Jörg Haider. Der Lehrer Nante Olip aus dem slowenischen Dorf Sele/Zell-Pfarre südlich von Klagenfurt nimmt es vor allem unter den »deutschsprachigen Kärntnern in der Schule« wahr: »Die Parole, die Sprache des Nachbarn sei wertlos und Kärnten müsse einsprachig bleiben, hat die nächste Generation um ein Jahrzehnt zurückgeworfen. Wenn mir die Kinder erklären, ›unser Jörg‹ sei einer großen Verschwörung zu Opfer gefallen, tut mir das Herz weh. Das ist ein katastrophales Erbe.«
Ja, Angst geht um in Kärnten. Doch es ist nicht die Angst vor Partisanen, vor Wien und auch nicht vor Slowenen. Es ist eine eigenartige Kärntner Angst, die gar nicht die Angst vor dem Anderen ist, sondern Angst vor sich selbst; vor der unbewältigten Vergangenheit.
Aus dem Slowenischen von Medka Wakounig
Der Autor arbeitet für das Magazin »Mladina« in Ljubljana





Da hat der Autor wohl das Gleiche gemacht, was er den Kärtnern zuschreibt: alte Klischees aufgewärmt. Unter dem Niveau der "Zeit".
Wie kann man sich nur so engstirnig verhalten wie die Kärntner! Hier das weltoffene, das multikulturelle Slowenien, dort die rückständigen Kärntner mit ihren seltsamen Bräuchen.
Ich plädiere dafür, daß Klagenfurt/Celovec künftig nur noch Celovec heißt. So ähnlich, wie ja Marburg an der Drau heute nur noch Maribor heißt und seitdem eine ganz tolle, gepflegte und wirtschaflich aufstrebende Multikulti-Stadt ist. Sie sehen also, jegliche Skepsis gegenüber Slowenien ist völlig unbegründet! Und die Mariborer von damals fühlten sich im Restösterreich von damals sicherlich auch sehr wohl, soweit sie die Vertreibung überlebt hatten.
Werter Prach,
Sind Sie je in Klagenfurt gewesen? Die Architektur entspricht den Kanonen aus dem nicht-tirolerischen Teil der Donaumonarchie, die Menschen sprechen einfach Österreichisch, hier mit einem etwas breiteren Akzent, keine Spur von Zurschaustellung eine slowenischen Identität. Diese ist zwar in vielen Familien noch vorhanden, aber kaum ein Klagenfurter würde heute die Umbenennung seiner Stadt in Celovec begrüßen, man würde es als schleichenden Versuch einer Annektierung an Slowenien deuten. Auch würden Sie kaum Spuren von engstirniger Deutschtümelei bei der Unmenge von Pizzerias und bei den "mediterranen" Palmen auf dem Alten Platz entdecken. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass es in Kärnten, vorwiegend in Oberkärnten, wo es kaum Slowenen gibt, sehr konservative Vereine gibt, die aber oft nur Kirche und Volksbrauchtum pflegen und niemals gegen die Slowenen handgreiflich werden würden. Es gibt kein Hoyerswerda in Kärnten, und auch keine no-go-Zone.
Wenn die Slowenen sich eine Stadt aussuchen wollen, wo sie (und die Deutschsprachigen) augenfällig diskriminiert werden, dann sollten sie lieber nach Triest fahren, wo es, anders als in Klagenfurt, keine Möglichkeit gibt, Slowenisch als Fremdsprache in der Schule zu lernen.
Von der Multikulturalität Maribors habe ich im Laufe meiner häufigen Besuche kaum was gesehen. In Ljubljana konnte man sich in den 70er Jahren mühelos auf Deutsch auf der Straße verständigen, was heute nicht mehr möglich ist. Wenn Sie sich in einen slowenischen Chat einklicken und fragen, ob jemand Deutsch kann, dann lesen Sie "Haider, Nazi, drek, je benti..." und Freundlichkeiten dieser Art.
Ich will damit nicht sagen, dass die Slowenen ausländerfeindlich sind, weil es einfach nicht stimmt. Man sollte aber ihr gewaltiges widererwachtes Nationalbewußtsein nicht vergessen. Das heutige Slowenien ist zwar wirtschaftlich ein Musterland, verfügt über sehr gute Straßenverbindungen, bietet gutes Essen zu günstigen Preisen, hält viel vom Umweltschutz und von guter Bildung, ist aber alles Andere als weltoffen, insbesondere wenn es um die unmittelbaren Nachbarn geht. Da sind die Kärntner aus der Straße, nicht unbedingt diejenigen in den Amtsstuben und in den Kulturvereinen, den Slowenen ein gutes Stück voraus.
Denken Sie bitte auch an die Bestrebungen Haiders, eine Euregio (Alpe-Adria) mit der Beteiligung des ganzen Landes Slowenien zu etablieren, sogar eine mögliche Hauptstadt Ljubljana wurde von Kärntner Seite akzeptiert. Wer dagegen ruderte waren ausgerechnet die weltoffenen Slowenen aus dem Kernland.
Mit freundlichen Grüßen
Julius Franzot
Werter Prach,
Sind Sie je in Klagenfurt gewesen? Die Architektur entspricht den Kanonen aus dem nicht-tirolerischen Teil der Donaumonarchie, die Menschen sprechen einfach Österreichisch, hier mit einem etwas breiteren Akzent, keine Spur von Zurschaustellung eine slowenischen Identität. Diese ist zwar in vielen Familien noch vorhanden, aber kaum ein Klagenfurter würde heute die Umbenennung seiner Stadt in Celovec begrüßen, man würde es als schleichenden Versuch einer Annektierung an Slowenien deuten. Auch würden Sie kaum Spuren von engstirniger Deutschtümelei bei der Unmenge von Pizzerias und bei den "mediterranen" Palmen auf dem Alten Platz entdecken. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass es in Kärnten, vorwiegend in Oberkärnten, wo es kaum Slowenen gibt, sehr konservative Vereine gibt, die aber oft nur Kirche und Volksbrauchtum pflegen und niemals gegen die Slowenen handgreiflich werden würden. Es gibt kein Hoyerswerda in Kärnten, und auch keine no-go-Zone.
Wenn die Slowenen sich eine Stadt aussuchen wollen, wo sie (und die Deutschsprachigen) augenfällig diskriminiert werden, dann sollten sie lieber nach Triest fahren, wo es, anders als in Klagenfurt, keine Möglichkeit gibt, Slowenisch als Fremdsprache in der Schule zu lernen.
Von der Multikulturalität Maribors habe ich im Laufe meiner häufigen Besuche kaum was gesehen. In Ljubljana konnte man sich in den 70er Jahren mühelos auf Deutsch auf der Straße verständigen, was heute nicht mehr möglich ist. Wenn Sie sich in einen slowenischen Chat einklicken und fragen, ob jemand Deutsch kann, dann lesen Sie "Haider, Nazi, drek, je benti..." und Freundlichkeiten dieser Art.
Ich will damit nicht sagen, dass die Slowenen ausländerfeindlich sind, weil es einfach nicht stimmt. Man sollte aber ihr gewaltiges widererwachtes Nationalbewußtsein nicht vergessen. Das heutige Slowenien ist zwar wirtschaftlich ein Musterland, verfügt über sehr gute Straßenverbindungen, bietet gutes Essen zu günstigen Preisen, hält viel vom Umweltschutz und von guter Bildung, ist aber alles Andere als weltoffen, insbesondere wenn es um die unmittelbaren Nachbarn geht. Da sind die Kärntner aus der Straße, nicht unbedingt diejenigen in den Amtsstuben und in den Kulturvereinen, den Slowenen ein gutes Stück voraus.
Denken Sie bitte auch an die Bestrebungen Haiders, eine Euregio (Alpe-Adria) mit der Beteiligung des ganzen Landes Slowenien zu etablieren, sogar eine mögliche Hauptstadt Ljubljana wurde von Kärntner Seite akzeptiert. Wer dagegen ruderte waren ausgerechnet die weltoffenen Slowenen aus dem Kernland.
Mit freundlichen Grüßen
Julius Franzot
Selten einen Artikel gesehen, der sich derart in der Montage von Klischees erschöpft: Das Ganze erinnert ein wenig an die Verfahren bei Elfriede Jelinek, lässt aber leider deren Sprachkraft, Charme und schwarzen Humor vermissen. Wir erfahren einiges über die Ressentiments und das wunderbar einfache Weltbild des beneidenswerten Verfassers, aber nicht das Geringste über Kärnten, jedenfalls nicht über eine reale Region dieses Namens. Stattdessen entsteht ein Phantombild, das mosaikartig aus allen negativen Elementen zusammengesetzt ist, die sich irgendwie zusammenkratzen lassen - ich wußte nicht, daß ein solches Verfahren neuerdings dem Anspruch der ZEIT auf Qualitätsjournalismus zu genügen vermag. Gut und reichhaltig recherchierte Reportagen waren lange Zeit eine große Stärke des Blattes. Dieses opusculum dagegen würde ich frei nach Jane Austen mit dem Titel "Prejudice and Prejudice" versehen wollen (übrigens, ich stamme nicht aus Kärnten). Aber immerhin ist er bestimmt eines: korrekt. Wer wollte es da noch wagen, nach Realitäten zu verlangen...
ponschek
Werter Prach,
Sind Sie je in Klagenfurt gewesen? Die Architektur entspricht den Kanonen aus dem nicht-tirolerischen Teil der Donaumonarchie, die Menschen sprechen einfach Österreichisch, hier mit einem etwas breiteren Akzent, keine Spur von Zurschaustellung eine slowenischen Identität. Diese ist zwar in vielen Familien noch vorhanden, aber kaum ein Klagenfurter würde heute die Umbenennung seiner Stadt in Celovec begrüßen, man würde es als schleichenden Versuch einer Annektierung an Slowenien deuten. Auch würden Sie kaum Spuren von engstirniger Deutschtümelei bei der Unmenge von Pizzerias und bei den "mediterranen" Palmen auf dem Alten Platz entdecken. Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass es in Kärnten, vorwiegend in Oberkärnten, wo es kaum Slowenen gibt, sehr konservative Vereine gibt, die aber oft nur Kirche und Volksbrauchtum pflegen und niemals gegen die Slowenen handgreiflich werden würden. Es gibt kein Hoyerswerda in Kärnten, und auch keine no-go-Zone.
Wenn die Slowenen sich eine Stadt aussuchen wollen, wo sie (und die Deutschsprachigen) augenfällig diskriminiert werden, dann sollten sie lieber nach Triest fahren, wo es, anders als in Klagenfurt, keine Möglichkeit gibt, Slowenisch als Fremdsprache in der Schule zu lernen.
Von der Multikulturalität Maribors habe ich im Laufe meiner häufigen Besuche kaum was gesehen. In Ljubljana konnte man sich in den 70er Jahren mühelos auf Deutsch auf der Straße verständigen, was heute nicht mehr möglich ist. Wenn Sie sich in einen slowenischen Chat einklicken und fragen, ob jemand Deutsch kann, dann lesen Sie "Haider, Nazi, drek, je benti..." und Freundlichkeiten dieser Art.
Ich will damit nicht sagen, dass die Slowenen ausländerfeindlich sind, weil es einfach nicht stimmt. Man sollte aber ihr gewaltiges widererwachtes Nationalbewußtsein nicht vergessen. Das heutige Slowenien ist zwar wirtschaftlich ein Musterland, verfügt über sehr gute Straßenverbindungen, bietet gutes Essen zu günstigen Preisen, hält viel vom Umweltschutz und von guter Bildung, ist aber alles Andere als weltoffen, insbesondere wenn es um die unmittelbaren Nachbarn geht. Da sind die Kärntner aus der Straße, nicht unbedingt diejenigen in den Amtsstuben und in den Kulturvereinen, den Slowenen ein gutes Stück voraus.
Denken Sie bitte auch an die Bestrebungen Haiders, eine Euregio (Alpe-Adria) mit der Beteiligung des ganzen Landes Slowenien zu etablieren, sogar eine mögliche Hauptstadt Ljubljana wurde von Kärntner Seite akzeptiert. Wer dagegen ruderte waren ausgerechnet die weltoffenen Slowenen aus dem Kernland.
Mit freundlichen Grüßen
Julius Franzot
Sorry, ich hätte wirklich dazu schreiben sollen, daß ich diesen Beitrag ironisch gemeint habe...
Sorry, ich hätte wirklich dazu schreiben sollen, daß ich diesen Beitrag ironisch gemeint habe...
Vielen Dank!
Ich, leider auch in diesem rückständigen (ach was sage ich - RÜCKSTÄNDIGSTEN) Land Europas (zumindest) auf die Welt genötigt, danke nochmals ausdrücklich dafür, dass die Zeit-Leser ausreichend, objektiv und (ich kenne ja noch viel schlimmere Fakten über Kärnten, siehe später) schonend informiert wurden.
Schon der Beginn des Berichtes:"Von der sonnigen, der slowenischen Seite der Alpen führt der knapp acht Kilometer lange Karawankentunnel nach Kärnten.", treibt mir die Tränen der Wut in die Augen. Warum hat es der liebe Gott (natürlich bin ich, wie jede/r KärntnerIn streng regligiös, natürlich katholisch) so schlecht mit uns gemeint. Schickt der doch glatt die gesammte Sonne auf die slowenische Seite. Was der VorOrt-Reiseberichterstatter schonend noch verschwieg, muss ich noch anfügen: Die andere Welt die man betritt, zeichnet sich nicht nur durch das andere Lebensgefühl (schauderlich) aus, sondern wird jedem eingehämmert, der den Karawankentunnel auf Kärntnerseite verlässt: Von mindestens 2500 Schaf- oder Ziegenfellbehangenen (Kärntneranzug wird nur in der Kirche getragen) Wilden, die mit steinzeitlichen Gartengerät auf jedes Auto eindreschen, um ihr Terretorium zu verteidigen (wenn sie nicht damit beschäftigt sind, Weidevieh nachzustellen). - Danke lieber Gott, dass du mich nach Wien geleitet hast.
Bevor ich es vergesse, der slowenische Ausdruck für Kärnten ist Koroska (ich Rückständiger finde das richtige Zeichen fürs "s" nicht, auf meiner altgermanischen Tastatur; lest es ähnlich wie "sch"), warum ich den in meiner Beschränktheit kenne weiß ich nicht; vielleicht vom slowenischsprachigen Radioprogramm in "Radio Kärnten", aber das kennen Sie sicherlich auch.
Den unter Proselyten-Syndrom (welch Wort, welch -schatz) leidenden ExLandeshauptmann hat man hier gewählt, das stimmt. Ob aus Dummheit, mangelnder politischer Konkurrenz, seiner Person, seinem Programm oder allem, kann ich nicht sagen. Genausowenig ob andere besser, schlechter oder gleich in Kärnten regiert hätten. Komisch ist aber, dass in dem hier geschilderten "Kärnten den KärntnerInnen"-Klima, ein Oberösterreicher (für die deutschen Leser: ein anderes Bundesland, Hauptstadt Linz) Landeshauptmann wird, und eine Grünpolitikerin (sie sagt ja selbst dass sie Wienerin ist) offensichtlich auch ohne Probleme Parteivorstandsmitglied.
Es gibt in einigen Regionen nach wie vor Berührungsängste mit den slowenischen Nachbarn, es gibt auch teilweise Streitereinen mit Minderheiten bzw. einigen ihrer Vertreter und den Vertretern konservativer Verbände, es gibt unterschiedliche Meinungen über die Anzahl der aufzustellenden zweisprachigen Ortstafeln - bei diesen Problemen gibt es bestimmt Handlungs- und Diskussionsbedarf, aber dafür eine ganze Region/Bundesland hinzustellen wie ein Refugium der Rechten und Erzkonservativen ist schwach.
Mein Vorschlag: Matti Atthisari soll sich mal wieder die Lage in Kärnten anschaun. Was der hat gerade keine Zeit und muss bei einem Grenzstreit vermitteln??? Wo gibts denn sowas, wieder in Kärnten? Nein, nicht ganz, zwischen Slowenien und Kroatien. Die Kärntner sind aber nahe genug dran, um auch hier und am slowenischen Veto gegen kroatische Beitrittsverahndlungen zur EU schuld zu sein. - Darüber würde ich auch gerne einen Gastkommentar lesen, vielleicht vom gleichen Autor?
An die Zeit Redaktion: Das Bild von Kärnten, das diesen Artikel ziert, ist zwar schön und fast schon zu kitschig, aber Heiligenblut ist wohl jene Region in Kärnten die am weitesten von Slowenien, dem Sprachen-/Ortstafelkonflikt und Minderheiten"problemen" entfernt ist, ein ganz wenig nachschaun, dann einfügen, oder den Kärntenkenner dieses Artikels fragen.
Wer noch mehr über die schrecklichen Sitten in Kärnten erfahren will, schreibe es als Antwort unter meine Reaktion. Es gäbe da noch Kinderweitwurf, Touristenbeschimpfen, italienische Spaghetti verunglimpfen und Badewasserverschmutzung.
Bis dann
EinGangLion
>>An die Zeit Redaktion: Das Bild von Kärnten, das diesen Artikel ziert, ist zwar schön und fast schon zu kitschig, aber Heiligenblut ist wohl jene Region in Kärnten die am weitesten von Slowenien, dem Sprachen-/Ortstafelkonflikt und Minderheiten"problemen" entfernt ist, ein ganz wenig nachschaun, dann einfügen, oder den Kärntenkenner dieses Artikels fragen.<<
Mist, und ich wollte schon buchen:\
>>An die Zeit Redaktion: Das Bild von Kärnten, das diesen Artikel ziert, ist zwar schön und fast schon zu kitschig, aber Heiligenblut ist wohl jene Region in Kärnten die am weitesten von Slowenien, dem Sprachen-/Ortstafelkonflikt und Minderheiten"problemen" entfernt ist, ein ganz wenig nachschaun, dann einfügen, oder den Kärntenkenner dieses Artikels fragen.<<
Mist, und ich wollte schon buchen:\
>>An die Zeit Redaktion: Das Bild von Kärnten, das diesen Artikel ziert, ist zwar schön und fast schon zu kitschig, aber Heiligenblut ist wohl jene Region in Kärnten die am weitesten von Slowenien, dem Sprachen-/Ortstafelkonflikt und Minderheiten"problemen" entfernt ist, ein ganz wenig nachschaun, dann einfügen, oder den Kärntenkenner dieses Artikels fragen.<<
Mist, und ich wollte schon buchen:\
Ich fand Ihren Kommentar zum Artikel wirklich sehr gelungen. Ein ironische Reaktion, die mit den Klischees spielt, die über Kärnten kursieren und die auch der Artikel bereitwilligst weiterspinnt.
Eine Sache würde mich als als Nicht-Österreicher doch interessieren: Der Artikel spricht den Kärntnern eine latente Fremdenfeindlichkeit zu. Und dafür sprechen ehrlich gesagt auch die letzten beiden Landtagswahlen bei denen die stramm nationalistische FPÖ jeweils die deutliche Mehrheit errungen hat.
Meine Frage jetzt an Sie, als Kärntnerin: Sieht man das von deutscher Seite überzogen? Ich wundere mich generell, warum in Österreich Parteien vom ziemlich weit rechtsaußen (FPÖ bzw. BZÖ) einen solchen Erfolg haben.
Soweit ich das von deutscher Medienberichterstattung mitbekommen habe, sind beide Parteien politisch zwischen CDU und NPD einzuordnen. Wie sehen Sie das?
Ich würde mich freuen, Ihre Einschätzung zu lesen.
...is a Wahnsinn!" - hieß mal ein Werbeslogan der für Urlaub im Süden von Österreich warb. "Kärnten ist anders" würde vielleicht besser zutreffen. Die latente Fremdenfeindlichkeit, die in Zusammenhang mit Kärnten oft genannt wird, gibt es (meiner Meinung nach) nicht. Hier wird ein teilweise sehr starker Lokalpatriotismus leider zur Fremdenfeindlichkeit umgewandelt. Ich glaube dieser Ruf, der Kärnten leider anhaftet, hat zumindest 2 große Väter:
1) Kärnten war schon 976 ein eigenes Herzogtum, (lange) bevor "Ostarrichi" seinen Schriftzug auf eine Urkunde fand. Damit war eine Orientierung oder Identifizierung mit Österreich nicht so stark wie z.B. in Ober-, Niederösterreich oder Wien und legte sicherlich schon ein starkes Fundement für Lokalpatriotismus.
Als es von 1918-1920 noch zum kriegerischen Grenzkonflikt mit dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (es ging eben um jene zweisprachigen Gebiete) kam, entwickelte sich nach einer erfolgreichen Volksabstimmung (viele KärnterSlowenen stimmten für Kärnten, sonst wäre dieses Wahlergebnis nicht möglich gewesen), sicherlich eine teilweise überzogene Glorifizierung. Seit dieser Zeit gibt es, vor allem in der älteren Bevölkerung (die wird aber naturgemäß immer weniger) oft noch reflexartige Ablehnung jeglicher Zugeständnisse an Forderungen von Slowenien/SlowenInnen/-stämmigen, sowie ein parteiübergreifendes Verbitten von Vorschlägen oder Weisungen aus Wien.
2) Der Aufstieg vom Populisten Jörg Haider zum Landeshauptmann von Kärnten, der, neben seiner Begabung zum Erkennen reisserischer Themen und deren effektvoller Ausschlachtung, vor allem auf schwächste Konkurrenz anderer Parteien und vor allem derer Kandidaten in Kärnten zurückzuführen ist. Dass oft unschöne Sager (Beschäftigungspolitik im 3.Reich, etc.) von Haider, außerhalb von Kärnten von allen anderen Ereignissen ablenkten (regionale Initiativen, zweisprachige Schulen/Kindergärten, Aufstellen ettlicher 2-sprachiger Ortstafeln), ist schade, aber nachvollziehbar (wenn man diesen Artikel durchliest, versteh ich auch, wie gut und ausgeglichen die Informatioen z.B. in Deutschland sind). Dass in Wien, wo andere Parteien regierten nichts dagegen unternommen wurde, um dieses Bild international zurechtzurücken, verstehe ich auch (würd ich von der Konkurrenz auch machen).
Warum die FPÖ bzw. das BZÖ in Kärnten so stark wurden ist meiner Meinung nach Jörg Haider zuzuschreiben. Der sorgte aber auch für eben jene Parteien österreichweit für einen extremen Stimmenzuwachs. Dass er lokalpatriotische Effekte und Strömungen ausnutzte (die stärker sind als in Restösterreich, ausgenommen vielleicht Tirol) erklärt vielleicht seine größten Erfolge.
Wo diese Parteien stehen ist schwer: Das BZÖ ist einfach "nur" eine populistische Partei, die, wenn es ein Umfragenplus ergeben würde, darauf pochten, dass Autos ab sofort nur noch Rückwärtsfahren dürfen. Die FPÖ ist eine populistische, nationalkonservative Partei, die (wenige) deutschnationale und (mehr) österreichnationale Stammwähler hat (etwa 10%) und den Rest aus Proteststimmen, Denkzettelstimmen und EU-Skepsisstimmen rekrutiert. Wo das zwischen CDU/CSU (wo liegt die jetzt nach den Verstaatlichungen?) und der NPD liegt (wo ist das?) kann ich nicht sagen, aber die österreichische mit der deutschen Parteilandschaft zu vergleichen ist (leider) nicht möglich.
Fazit 1: Es ist schon bedenklich genug, wenn Populismus eine so starke Rolle in der Politik spielt; aber dann gleich mal wieder den "braunen Farbkübel" oder gar den "braunen" (zu Hilfe!) Kärntneranzug und das AchtungSchild um Österreich/Kärnten aufstellt, ist ein Reflex der in Deutschland "korrekt" vorherrscht, aber nicht nötig ist.
Fazit 2: Es gibt vieles, was man in Kärnten für die regionale Minderheit noch tun kann und sollte. Es könnte aber auch nicht schaden, wenn man manchmal mit Freude auf bisher GEMEINSAM geleistetes zurückblickt und auch darin die Gemeinsamkeit und das Miteinander findet.
Fazit 3: Ich kann jeden, der es sich finanziell leisten kann (leider ist es in Österreich relativ teuer), egal woher er kommt, was er glaubt oder wo er sich zugehörig fühlt, nur empfehlen, nach Österreich bzw. Kärnten zu reisen und sich ein persönliches Bild zu machen und dabei ordentlich zu entspannen (jetzt erwarte ich mir schon fast eine Belohnung von Kärntenwerbung!).
Antwort wurde leider etwas lang, sorry!
Beste Grüße, stehe für weitere Fragen gerne zur Verfügung
EinGangLion
...is a Wahnsinn!" - hieß mal ein Werbeslogan der für Urlaub im Süden von Österreich warb. "Kärnten ist anders" würde vielleicht besser zutreffen. Die latente Fremdenfeindlichkeit, die in Zusammenhang mit Kärnten oft genannt wird, gibt es (meiner Meinung nach) nicht. Hier wird ein teilweise sehr starker Lokalpatriotismus leider zur Fremdenfeindlichkeit umgewandelt. Ich glaube dieser Ruf, der Kärnten leider anhaftet, hat zumindest 2 große Väter:
1) Kärnten war schon 976 ein eigenes Herzogtum, (lange) bevor "Ostarrichi" seinen Schriftzug auf eine Urkunde fand. Damit war eine Orientierung oder Identifizierung mit Österreich nicht so stark wie z.B. in Ober-, Niederösterreich oder Wien und legte sicherlich schon ein starkes Fundement für Lokalpatriotismus.
Als es von 1918-1920 noch zum kriegerischen Grenzkonflikt mit dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (es ging eben um jene zweisprachigen Gebiete) kam, entwickelte sich nach einer erfolgreichen Volksabstimmung (viele KärnterSlowenen stimmten für Kärnten, sonst wäre dieses Wahlergebnis nicht möglich gewesen), sicherlich eine teilweise überzogene Glorifizierung. Seit dieser Zeit gibt es, vor allem in der älteren Bevölkerung (die wird aber naturgemäß immer weniger) oft noch reflexartige Ablehnung jeglicher Zugeständnisse an Forderungen von Slowenien/SlowenInnen/-stämmigen, sowie ein parteiübergreifendes Verbitten von Vorschlägen oder Weisungen aus Wien.
2) Der Aufstieg vom Populisten Jörg Haider zum Landeshauptmann von Kärnten, der, neben seiner Begabung zum Erkennen reisserischer Themen und deren effektvoller Ausschlachtung, vor allem auf schwächste Konkurrenz anderer Parteien und vor allem derer Kandidaten in Kärnten zurückzuführen ist. Dass oft unschöne Sager (Beschäftigungspolitik im 3.Reich, etc.) von Haider, außerhalb von Kärnten von allen anderen Ereignissen ablenkten (regionale Initiativen, zweisprachige Schulen/Kindergärten, Aufstellen ettlicher 2-sprachiger Ortstafeln), ist schade, aber nachvollziehbar (wenn man diesen Artikel durchliest, versteh ich auch, wie gut und ausgeglichen die Informatioen z.B. in Deutschland sind). Dass in Wien, wo andere Parteien regierten nichts dagegen unternommen wurde, um dieses Bild international zurechtzurücken, verstehe ich auch (würd ich von der Konkurrenz auch machen).
Warum die FPÖ bzw. das BZÖ in Kärnten so stark wurden ist meiner Meinung nach Jörg Haider zuzuschreiben. Der sorgte aber auch für eben jene Parteien österreichweit für einen extremen Stimmenzuwachs. Dass er lokalpatriotische Effekte und Strömungen ausnutzte (die stärker sind als in Restösterreich, ausgenommen vielleicht Tirol) erklärt vielleicht seine größten Erfolge.
Wo diese Parteien stehen ist schwer: Das BZÖ ist einfach "nur" eine populistische Partei, die, wenn es ein Umfragenplus ergeben würde, darauf pochten, dass Autos ab sofort nur noch Rückwärtsfahren dürfen. Die FPÖ ist eine populistische, nationalkonservative Partei, die (wenige) deutschnationale und (mehr) österreichnationale Stammwähler hat (etwa 10%) und den Rest aus Proteststimmen, Denkzettelstimmen und EU-Skepsisstimmen rekrutiert. Wo das zwischen CDU/CSU (wo liegt die jetzt nach den Verstaatlichungen?) und der NPD liegt (wo ist das?) kann ich nicht sagen, aber die österreichische mit der deutschen Parteilandschaft zu vergleichen ist (leider) nicht möglich.
Fazit 1: Es ist schon bedenklich genug, wenn Populismus eine so starke Rolle in der Politik spielt; aber dann gleich mal wieder den "braunen Farbkübel" oder gar den "braunen" (zu Hilfe!) Kärntneranzug und das AchtungSchild um Österreich/Kärnten aufstellt, ist ein Reflex der in Deutschland "korrekt" vorherrscht, aber nicht nötig ist.
Fazit 2: Es gibt vieles, was man in Kärnten für die regionale Minderheit noch tun kann und sollte. Es könnte aber auch nicht schaden, wenn man manchmal mit Freude auf bisher GEMEINSAM geleistetes zurückblickt und auch darin die Gemeinsamkeit und das Miteinander findet.
Fazit 3: Ich kann jeden, der es sich finanziell leisten kann (leider ist es in Österreich relativ teuer), egal woher er kommt, was er glaubt oder wo er sich zugehörig fühlt, nur empfehlen, nach Österreich bzw. Kärnten zu reisen und sich ein persönliches Bild zu machen und dabei ordentlich zu entspannen (jetzt erwarte ich mir schon fast eine Belohnung von Kärntenwerbung!).
Antwort wurde leider etwas lang, sorry!
Beste Grüße, stehe für weitere Fragen gerne zur Verfügung
EinGangLion
Sorry, ich hätte wirklich dazu schreiben sollen, daß ich diesen Beitrag ironisch gemeint habe...
Werter Prach,
Wahrscheinlich kennen Sie den Witz über die drei dünnsten Bücher der Weltliteratur und wissen, dass das dritte davon das Buch des deutschen Humors ist. Tja, Sie schreiben auf einer deutschen Zeitung und müssen sich auf humorlose Leser verfasst machen. So isses im Leben!
Schöne Grüße!
JF
Werter Prach,
Wahrscheinlich kennen Sie den Witz über die drei dünnsten Bücher der Weltliteratur und wissen, dass das dritte davon das Buch des deutschen Humors ist. Tja, Sie schreiben auf einer deutschen Zeitung und müssen sich auf humorlose Leser verfasst machen. So isses im Leben!
Schöne Grüße!
JF
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